“Man hört es meist nicht, wenn Kinder ertrinken.” Über Gefahren für Kinder im Alltag (und ein Online-Erste-Hilfekurs im Test (Mit Rabattcode)

06. May 2022 | in Familie | Parenting

Es gibt ja so Sachen, die Eltern gefühlt immer vor sich her schieben. Ganz nach dem Motto “Müsste ich mal machen…” landen diese Projekte dann aus Zeitmangel oder sonstigen Gründen aber doch immer wieder in den Untiefen des Mental Load Kellers. So geht es mir schon seit gefühlt ewig mit dem Thema “Erste Hilfe Kurs”. Immerhin scheine ich damit nicht alleine zu sein. Wusstet ihr, dass Deutschland in Sachen Erste Hilfe tatsächlich europaweites Schlusslicht ist? In gerade einmal 34 % aller Notfälle trauen sich Menschen zu reanimieren, bis der Notarzt eintrifft.

Skandinavische Länder schneiden hier mit 70 % deutlich besser ab. Der Hauptgrund, warum die meisten Personen davor zurückschrecken, dem Notfallopfer mit Erste-Hilfe- Maßnahmen zu helfen, ist die große Angst, etwas falsch zu machen. Oft auch deshalb, weil der letzte Erste-Hilfe- Kurs viel zu lang her ist. Bei den allermeisten wurde er, so wie bei mir, wahrscheinlich irgendwann zum Führerschein absolviert. Und nie wieder aufgefrischt. Dabei belegen Untersuchungen, dass innerhalb von zwei Jahren das gelernte Wissen schon um etwa die Hälfte zurückgeht. Und es gibt gerade für Kinder so viele Gefahren! Hier soll es heute vor allem um die Gefahren rund ums Wasser gehen – der Sommer und damit die Badesaison steht ja vor der Tür…

In Gefahrensituationen (richtig) handeln!

Wenn Kinder im Haushalt sind, gibt es viele Gefahrenherde, auf die man vorbereitet sein sollte. Die Initiative Erste Hilfe rettet Leben, ein Onlinekurs für die Erste Hilfe am Kind und Säugling, möchte mehr Menschen das Wissen und auch das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten vermitteln. Und damit in Gefahrensituationen wertvolle Zeit und damit im Zweifel Menschenleben retten. Vor allem soll auch die Angst genommen werden, etwas falsch zu machen. Denn oft ist im Notfall das Wichtigste, überhaupt zu handeln. Und natürlich spielen auch Präventivmaßnahmen eine Rolle. Damit es gar nicht erst zu einer gefährlichen Situation kommt! Wir durften uns den Kurs einmal anschauen und außerdem mit dem Ärzt*innen-Team der Initiative, Dr. Snjezana Schütt und Olaf Conrad, sprechen.

Gefahrengebiet Wasser

Die Badewanne zu Hause, der Teich oder die Regentonne im Garten, aber natürlich auch das Strandbad oder der Badesee: Hier lauern diverse Gefahrensituationen speziell für (Klein-)kinder. Da die Badesaison vor der Türe steht, haben wir uns einmal speziell mit diesem Themengebiet befasst und durften dem Ärzt*innen-Team von Erste Hilfe rettet Leben unsere dringendsten Fragen stellen.

Dr. Snjezana Schütt ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und hat während ihrer Ausbildung an einer Uni-Kinderklinik im Bereich der Frühchen- und Kinderintensiv gearbeitet. Sie war außerdem als Neugeborenen-Notärztin tätig. Einigen von euch ist sie sicherlich auch schon als „die Kinderherztin“ auf Instagram bekannt.

Ihr Teamkollege Olaf Conrad ist seit über 20 Jahren approbierter Arzt und hat im Anschluss an sein Studium die Ausbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin absolviert. Er war vier Jahre lang als Oberarzt in einer Kinderklinik tätig und ein Hauptteil seiner Arbeit war die Betreuung der Kinder- Notfallambulanz und der Kinder-Intensivstation. Seit einigen Jahren ist er nun niedergelassener Kinderarzt in einer Gemeinschaftspraxis.

Wir bekommen recht oft Fragen unserer Leser*innen zum Thema Ertrinken. Wie zum Beispiel: “Ich bin mit meinem Kleinkind am See. Es hat Schwimmflügel an, muss ich trotzdem immer direkt bei ihm sein?” Was sagen Sie dazu?

“Auf jeden Fall. Du solltest dein Kind nicht nur grundsätzlich immer im Blick behalten, wenn es am oder im Wasser ist, sondern auch immer in Reichweite deines Kindes bleiben. Auch wenn es Schwimmflügel trägt. Denn Schwimmhilfen vermitteln eine trügerische Sicherheit und Kinder können auch mit ihnen in Situationen geraten, in denen sie überfordert sind und schnelle Hilfe benötigen. Beispielsweise dann, wenn sie bei plötzlich aufkommendem Wind oder Windböen abtreiben, in Flüssen oder am Meer in gefährliche Strömungen kommen, ihr Kopf durch eine Welle unter Wasser gerät oder sie sich versehentlich am Wasser verschlucken. Auch mit Schwimmhilfen sollten Kinder im Wasser nicht unbeaufsichtigt bleiben und die Eltern stets in Reichweite des Kindes bleiben.”

“Mein Kind ist beim Baden in der Badewanne neulich kurz unter Wasser gewesen, hat sich erschrocken und danach etwas gehustet.” schreibt uns eine Leserin. Im Englischen gibt es ja den Begriff des „Secondary Drowning“ Muss man sich als Eltern nach diesem Badewannenvorfall Sorgen machen? Was genau ist denn überhaupt Secondary Drowning?

“Das Secondary Drowning ist ein Begriff, der fachlich unpräzise ist und im medizinischen Bereich daher nicht verwendet wird. In der Presse taucht er jedoch häufig auf und führt immer wieder zu großer Verunsicherung. Grundsätzlich bezeichnet er eine seltene -zeitlich verzögert auftretende- Reaktion des Körpers auf die Aspiration, also das Einatmen, von Wasser nach einem Badeunfall. Kinder, die einen Badeunfall hatten, sollten daher immer medizinisch überwacht werden. Die oben geschilderte Situation in der Badewanne ist in der Regel jedoch eine ganz andere. Denn glücklicherweise gelangt in den allermeisten Fällen, in denen wir uns versehentlich mit Wasser “verschlucken” und auf diesem Wege unfreiwillig Wasser einatmen (zB beim Baden, Schwimmen, Trinken), nicht sehr viel Wasser in die Lunge. Für diese Fälle hat der Körper einen ganz wichtigen und effektiven Schutzmechanismus: den Hustenreiz. In diesen Fällen wird mit einem kurzen und ggf. heftigen Hustenreiz das bestehende Problem idR gut gelöst. Sollte dies nicht der Fall sein und/oder das Kind unmittelbar danach oder im Verlauf auffällige Symptome entwickeln, sollte immer eine ärztliche Untersuchung erfolgen.”

Man hört ja so oft, dass ertrinken, „nicht wie ertrinken aussieht“. Woran bemerke ich denn dann, wenn ein Kind im Wasser in Gefahr ist?

“Vor allem hört man es meist nicht, wenn Kinder ertrinken. Sie gehen in den meisten Fällen tragischerweise „einfach“ unter, d.h. sie schreien nicht um Hilfe, sie rudern nicht mit den Armen, sondern versinken im Wasser und können sich aus eigener Kraft nicht retten. Daher ist es so wichtig, Kinder, die in der Nähe vom oder im Wasser sind, immer und konsequent im Auge zu behalten und in Reichweite zu bleiben, um schnell eingreifen zu können.
Auch ältere Kinder / Erwachsene ertrinken in aller Regel leise. Das liegt an den Überlebensinstinkten des menschlichen Körpers, die in einer solchen Notfallsituation ablaufen. Wenn ein Mensch zu ertrinken droht, ist der Körper so sehr mit dem Überlebenskampf „beschäftigt“, dass die Kraft, um Hilfe zu rufen und auf sich aufmerksam zu machen, fehlt.”

Und was kann bzw. muss ich konkret unternehmen, wenn ein Badeunfall passiert ist?

“Neben der Eigensicherung, dem Hilferuf und der Rettung des Kindes aus der Gefahrenzone, ist -wie bei jedem Notfall- zunächst die Einschätzung der Lage und die Überprüfung der Bewusstseinslage und der lebenswichtigen Körperfunktionen wichtig. Ist das Kind bewusstlos und atmet: kontrolliert, ob die Atemwege frei sind und bringt es in die stabile Seitenlage. Ist das Kind bewusstlos und atmet nicht mehr: Beginnt sofort mit der Wiederbelebung!”

Was muss ich denn eigentlich beachten, um Haushalt (und Garten) möglichst wassersicher zu machen für meine Kinder?

“Sichert – gerade mit Kleinkindern – alle Wasserstellen (Planschbecken, Pool, Gartenteich, Regentonne, andere Wasserbehälter; auch in anderen Haushalten, wie z.B. bei den Großeltern u.a.) in eurer Umgebung peinlich genau ab und behaltet eure Kinder stets im Auge; auch in der Badewanne. Eure Kinder sollten außerdem frühzeitig schwimmen lernen. Allerdings gilt auch dann: Lasst sie in der Nähe von Wasser / Gewässern nicht aus den Augen.”

Vielen Dank für das Gespräch!

Es macht also wirklich Sinn, sich mit Erste Hilfe Themen auseinanderzusetzen. Wir haben den Erste Hilfe rettet Leben Online-Kurs absolviert und können ihn allen Eltern (beziehungsweise auch Babysitter*innen, Großeltern – und allen, die mit Kindern zu tun haben) wärmstens empfehlen. 

Der Onlinekurs ist in 11 Module aufgeteilt und beinhaltet über 40 HD-Videos mit mehr als 180 Minuten Laufzeit. Durch den themenbezogenen Aufbau der Module (z.B. Ertrinken, Verschlucken, Verbrennung) sind die Videos nicht nur übersichtlich gegliedert, sondern können durch ihre kurze Laufzeit jederzeit Orts- und zeitunabhängig pausiert und wiederholt werden. Super finden wir auch, dass es den gesamten Kurs mit allen Modulen als hochwertiges eBooklet on top gibt. Die Module geben außerdem super konkrete Anweisungen und Hintergrundinfos für alle Menschen, die mit einer konkreten Not- oder Gefahrensituation konfrontiert sind.

Der Kurs kostet einmalig 89 Euro – dann habt ihr lebenslangen Zugriff auf alle Videos und PDFs. Wenn ihr wollt, bekommt ihr per Mail auch in regelmäßigen Abständen Reminder, das Wissen zu den einzelnen Themengebieten wieder aufzufrischen. Richtig gut! Dazu gibt esm wie bereits erwähnt, ein umfangreiches eBooklet. Was ich auch super finde, denn beim Thema “Lernen” bin ich eher der “haptische” Typ, der das Ganze gerne ausgedruckt vor sich hat und sich nochmal eigene Notizen machen, oder auch mal einzelne Passagen highlighten will. Wer also jetzt die Gunst der Stunde nutzen und den lange gehegten Vorsatz eines Erste-Hilfe-Kurses endlich in die Tat umzusetzen will, der/die bekommt jetzt einen zusätzlichen Motivationsschub: Nämlich ganze 30% Rabatt mit dem Code LITTLEYEARS30.

Go for it!

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