Mama Monday – unqualifizierte Familienrichter, Streitlust und resiliente Kinder

18. May 2020 | in Mama Monday

Bei uns ging letzte Woche die Schule wieder los. Mit sehr eingeschränkten Schulzeiten natürlich. Das Kind sprach von der “Normalichkeit”, die ja noch nicht wieder da sei. Schmunzelnd dachte ich nur, nun ja, das dauert wohl noch eine Weile. Und so richtige Normalichkeit, das heißt “so wie früher”, wer weiß wann es die wieder geben wird. Aber jetzt erstmal zurück in die Gegenwart: Das haben wir letzte Woche gern gelesen, hat uns bewegt, und zum Nachdenken gebracht!

Schon seit Jahren ein großes Thema, über das häufig berichtet wurde und immer noch hat sich nichts getan: Familienrichter haben keine Fortbildungspflicht und starten oft ohne jegliche “Ausbildung” in Sachen Kindeswohl und Familienrecht in den Beruf. Eigentlich ist das unvorstellbar, greifen sie doch in das Intimste ein, was man hat: die Beziehung zum Kind und das Leben der Familie. Tiefgreifende Entscheidungen werden von also ohne ausreichende Qualifikation getroffen, weil es keine Verpflichtung gibt. Wie so etwas schief laufen kann erfahrt ihr im Bericht des RBB über den Fall einer Mutter.

Das “laienhaftes sich Herantasten” problematisch ist und dass es mehr Fachkenntnis bei Familienrichtern geben muss, besonders was Entwicklungs- und Bindungspsychologie angeht, schreibt auch der Tagesspiegel.

Um “destruktive Streitlust” in Corona-Zeiten ging es bei Zeit Online: Mütter, die auf Twitter vorgerechnet haben wie viel das Homeschooling ihrer Kinder kosten würde, entfachten damit einen Shitstorm, dabei “könnte man die drei Mütter einordnen in die lange Schlange derer, die sich besonders belastet fühlen und auf staatliche Hilfe pochen. Aber warum sollte man ihnen das Recht (sich zu beschweren) absprechen? Das haben die Clubbetreiber und Gastronomen schon nach wenigen Tagen im Lockdown getan, genauso wie Vertreter der Luftfahrt und Automobilindustrie.”

Warum sind Eltern der Politik so egal, fragt Mareice Kaiser in ihrem Kommentar auf Edition F. Die Bundesliga und die Autoindustrie kommen zu erst. Was sei mit den Familien?

Immer mehr Eltern beschweren sich. So auch Jette, bei der die stundenweise Beschulung der Kinder nun fast noch mehr Unruhe reinbringt. “Während über Grenzöffnungen nachgedacht wird und immer mehr alter Alltag ins öffentliche Leben zurück kehrt, hocken wir Familien weiterhin zu Hause, sofern nicht systemrelevant. Als seien Eltern nicht systemrelevant….. Der Chef des Mannes findet jedenfalls, es können doch mal alle langsam zurück ins Büro kommen.”

Auch in einer TAZ-Kolumne stellt die Autorin fest: “Wir haben uns auf eine Infrastruktur verlassen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht. Die wird derzeit mit Füßen getreten.”

Sehr lesenswert ist dieser Beitrag von Elisabeth Raether auf Zeit Online: “Viele Frauen erleben gerade ihr ganz eigenes Corona-Trauma. Aber immerhin herrscht jetzt Eindeutigkeit darüber, dass ihre Arbeit eine wichtige Ressource ist. Wie viel Energie wird wohl in den nächsten Wochen nötig sein, um diese Erkenntnis wieder zu verunklaren?”

Edition F fragt auch: Ist die Schulpflicht wichtiger als das Recht auf Kinderbetreuung? Ein interessanter Exkurs in die Geschichte der deutschen Schulpflicht und warum Kinderbetreuung immer nur ein “netter” Nebeneffekt war.

Wie Schulen und Kita weltweit Corona-Maßnahmen umsetzen erfährt man im Post von Motherly. Die Fotos rühren einen wirklich und ein Reporter beschreibt, was wir auch schon bei uns selbst festgestellt haben letzte Woche: “There was this sadness,” …, but he says that was mostly on the part of the adults. The children were happy.”

Einfach schrecklich: Im Zuge der ersten Corona-Lockerungen stellen Kinderärzte schwere Verletzungen von Kleinkindern fest. Gewalt, die sonst von Kitas oder Schule gemeldet worden wäre, wird jetzt vermehrt von medizinischen Personal festgestellt. Mehr dazu im Tagesspiegel.

Geborgen wachsen fasst noch mal schön zusammen, wie wir die Resilienz unserer Kinder fördern können: Indem wir sie mithelfen lassen und wertschätzen.

Absurd und traurig: In der Ukraine warten dutzende Babys, die Leihmütter zur Welt gebracht haben, darauf, dass ihre biologischen Eltern sie abholen können. Es ist allerdings nicht absehbar, wann das sein wird: “Authorities say that at least 100 babies are stranded already and that as many as 1,000 may be born before Ukraine’s travel ban for foreigners is lifted.” Gefunden in der New York Times.

Und zum Schluss noch was richtig Schönes: Handmade Charlotte zeigt, wie man sehr süße Pompom-Tierchen basteln kann.

Wir wünschen euch eine schöne Woche!

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