Mama Monday – mit #coronaeltern, Entschädigungen und Kinderseelen

27. April 2020 | in Mama Monday

Guten Morgen! Ich weiß gerade schon gar nicht mehr, wie lange wir jetzt schon in der Isolation sind – sechs Wochen, oder sind es schon sieben? “Ich dachte, es ist schon lange Mai” sagte mein Sohn gestern – und ja, ich habe ebenfalls das Zeitgefühl verloren. Was ich aber weiß: ab heute wird in Berlin vieles gelockert. Von den Öffnungen der Spielplätze halte ich persönlich nichts. Aber dass man hier jetzt offiziell kleine Betreuungsgruppen gründen darf, finde ich ziemlich gut.

Die Kitas bleiben nämlich noch eine ganze Weile zu, und es gibt in dieser Hinsicht gefühlt noch weniger kreative Ideen, als in Sachen Schule.

Dabei sind viele Eltern bereits wirklich am Limit, die meisten sitzen im Home Office und versuchen irgendwie Job, Haus und Kinder auf die Kette zu bekommen. Home Office mit kleinen Kindern ist aber leider wie “Zähneputzen mit Nutella” – den habe ich aus einem Kommentar in den Tagesthemen. Unter dem Hashtag #coronaeltern haben letzte Woche viele Eltern über ihre ganz persönliche Situation berichtet. Die Aktion hat viel Aufmerksamkeit bekommen.

Auch Nike van Dinther schreibt bei This is Jane Wayne gewohnt humorvoll und doch ernst, dass sie manchmal das Gefühl hat, nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben, vor lauter Doppel- und Dreifachbelastung. Das können sicher viele nachvollziehen.

Ganz zu schweigen davon, dass zu viel Screen Time in einigen Familien das kleinste Problem sein dürfte.

Wenigstens gibt es auch dazu eine Diskussion. Immer öfter wird nun gefordert, die Schulen und Kitas für Kinder aus sozial schwachen Familien wieder zugänglich zu machen. “Sozial benachteiligte Schüler dürfen nicht weiter abgehängt werden” fordert Bildungsforscher Klaus Klemm in einem Interview mit Zeit Online.

Es gibt auch Kinder, die zuhause wirklich nicht sicher sind, in Mönchengladbach gab es den ersten Todesfall (bitte nicht googlen, Triggerwarnung). In einem Bericht bei zdf.de geht es um diese Kinder. Auch sie brauchen jetzt dringend eine Perspektive.

“Ich glaube, dass es Kinderseelen gibt, in denen wir jetzt viel anrichten” – Dieses Interview mit der frühere Familienministerin Kristina Schröder habe ich gerne gelesen.

Trotzdem ist es natürlich erst Mal richtig, dass die Kitas zu bleiben, man weiss einfach noch so wenig über die Rolle von Kindern bei diesem Virus. Welche Risiken eine Öffnung birgt, ist in einem Spiegel Online Artikel schön zusammengefasst. Uns fehlen dennoch Ideen, wie es weitergehen könnte. (Und Spielplätze öffnen ist doch noch verrückter, als Kitas teilweise öffnen, aber das ist jetzt meine persönliche Meinung…)

In vielen privaten Einrichtungen müssen die Eltern übrigens weiterhin die (teilweise wirklich hohen) Gebühren zahlen! Mehr dazu in der Süddeutschen.

Wusstet ihr das? Es gibt eine Eltern-Entschädigung vom Staat. Wie man sie beantragt und wer darauf ein Anrecht hat, erklärt Sandra Runge hier.

Warum das aber längst nicht für alle eine Alternative ist, und sogar “am Leben vorbei” geht, könnt ihr bei Editon F lesen.

Die Initiative #coronaelterngeld fordert ein Corona-Elterngeld, das Eltern Arbeitszeitentlastung bei gleichzeitiger Arbeitsplatzsicherheit und finanzieller Absicherung bietet. Außerdem wird gefordert, dass Kitas und Schulen schrittweise und verantwortungsvoll öffnen. Eine gute Sache, finden wir.

Ab dieser Woche haben vielerorts immer mehr Familien einen Anspruch auf Notbetreuung, unter anderem Alleinerziehende. Wir haben im Umfeld leider auch schon gehört, dass diese Betreuung häufig eher so mittel läuft, so wird es auch hier in der Brigitte beschrieben. Die Kinder werden teilweise von fremden Menschen betreut und diese verhalten sich natürlich auch sehr distanziert. Dass das gerade bei kleinen Kindern nicht funktionieren kann, leuchtet ein. Zitat: “Das ist eine rein theoretische Lösung, die für die wenigsten Eltern und Kinder in Frage kommt.”

Für manche Kinder ist Home Schooling aber auch eine gute Alternative, sie blühen regelrecht auf. So geht es zum Beispiel der Tochter von Caroline Rosales (Plus Artikel). Auch schön, mal eine andere Sicht zu lesen!

Was macht Corona eigentlich mit der Gleichberechtigung? Welche Gleichebrechtigung, könnte man sarkastisch fragen, denn vielleicht war sie einfach nie da – und das wird jetzt sichtbar. Auch Sabine Rennefanz fürchtet einen Rückfall in klassische Rollenmuster. Darüber spricht sie im Interview mit dem Deutschlandfunk.

Ein großartiger Text von Antonia Baum zu diesem Thema: “Hannelore radikalisiert sich” bei Zeit Online. Unheimlich gut – und sicher stellvertretend für viele Beziehungen in Zeiten von Corona.

Es gibt einen neuen Tagesspiegel Podcast! Und zwar eine “völlig unzensierte” Sprechstunde mit der Frauenärztin Dr. Mandy Mangler, sie ist Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin am Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg. Und übrigens eine Pionierin der digitalen Visite. Hier findet ihr sie und ihr Team auf Instagram. In der ersten Folge des “Gyncast” geht es um die erste Menstruation. Super gut und wir freuen uns auf weitere Folgen.

Noch ein toller Podcast: Im Ideen-Podcast des SZ Magazins spricht Teresa Bücker mit Lara Fritzsche, der stellvertretenden Chefredakteurin des SZ-Magazins, über die Frage, ob es ein Leben geben könnte, in dem man Karriere macht und trotzdem nicht Familie, Freunde, Partner und Hobbys zu kurz kommen lassen muss. Teresa hat wie immer viele gute Gedankenanstöße!

Auch ein wirklich schöner Podcast: Steffi Luxat spricht mit ihrer Schwiegermutter über Kindererziehung. Die hat nämlich astreine Feministen erzogen! (Im Abo)

Noch was aus dem Ausland, das diese Woche etwas zu kurz kam: Drei Geburtsgeschichten in Zeiten von Corona – gefunden bei Cup of Jo (Englisch)

Und auch noch was für den Gaumen: diese Süßkartoffeln sehen so gut aus! Meine Kinder würden das nie essen – aber ich möchte sie dennoch probieren.

Zuletzt haben wir sogar noch was fürs Auge: dieses Traum-Zuhause eines amerikanischen Designers nämlich.

Wir wünschen euch eine harmonische Woche!!

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