„Mama hat wieder das mit dem Blut!“

13. April 2022 | in Familie | Muttergefühle | Parenting

Periode, Blutung, Bauchschmerzen, Menstruations-Cup… nicht unbedingt das gängige Gesprächsthema zwischen Eltern und Kleinkind. Aber warum eigentlich nicht? Sollten wir für einen selbstverständlichen Umgang damit nicht früh damit anfangen, in der Hoffnung, damit ein viel zu lang bestehendes Tabuthema endlich aufbrechen zu können?
Ein Blick in unser Badezimmer…

„Mama, kannst du mir das vorlesen!“ – „Ich bin gerade auf Toilette, lässt du mich mal kurz alleine.“ So oder so ähnlich klingen unsere Dialoge im Alltag, wenn ich auf ein paar Minuten Privatsphäre hoffe, mein Sohn aber dringend Hilfe braucht bei einem Buch oder weil eine seiner Playmobil Figuren unbedingt seine überlebenswichtige Rettungsweste anziehen muss. Und zwar jetzt sofort!
Entspannte Badezimmer-Besuche sind also rar. Jeder, der Kinder hat, kennt das.

Me, Myself and I – NOT!

Bisher habe ich allerdings versucht, zumindest während meiner Periode ein paar Minuten im Bad ALLEINE rumhantieren zu dürfen. Bis jetzt…
Als es wieder mal soweit ist und ich das meinem Sohn erkläre, dass ich ein mal im Monat blute und dass das alle Frauen haben und gar nicht schlimm ist, ich aber gerne kurz alleine wäre, war die Neugierde natürlich so groß wie nie zuvor. Der Schuss ging also nach hinten los.
„Blut aus der Vulba“??? (Das ist kein Schreibfehler, mein Sohn nennt die Vulva gerade noch Vulba)
„Genau da kommt Blut raus, und das läuft dann hier rein.“ Ich zeige ihm meinen kleinen Menstruations-Cup aus Silikon und seine Augen werden immer größer. Kurz habe ich bedenken, ob das für einen 3,5 Jährigen überhaupt alles Sinn macht und was sich womöglich gerade für Szenarien in seinem Kopf abspielen. Aber ziemlich schnell bin ich mir sicher, dass der offene Umgang damit richtig und wichtig ist. Wie immer entscheidet hier das Bauchgefühl und das gibt mir für diesen Moment grünes Licht. (Wobei die Farbe rot hier wahrscheinlich passender wäre.)

„Das stinkt!“

Am nächsten Tag, als ich denke, dass das Thema längst vergessen ist, will er dann so richtig dabei sein und das Blut sehen. Ich bin nicht scharf drauf oder lege es drauf an, aber er darf dabei sein, als ich den Cup leere und auswasche. „Das Blut stinkt!“ Recht hat er.
Ich erkläre ihm, dass ich in diesen Tagen auch meistens Bauchschmerzen habe und manchmal nicht so gute Laune und ich mich dann extra doll freue, wenn wir ein gutes Team sind und er mir bei der Morgenroutine hilft und sich schon mal alleine anzieht. Und tatsächlich… es klappt!
Mein Sohn weiß jetzt schon immer, wenn die lustigen „Frauen-Tabletten“ (wie er sie nennt) auf dem Tisch stehen – „Mama hat das mit den Bauchschmerzen!“
Die hübsche Packung in rosa-rot, die mir dabei hilft, meinen Zyklus und besonders PMS in den Griff zu bekommen und nicht kopfüber in die Emo-Falle zu stolpern, ist also ein zusätzlich Symbol für ihn und ich bilde mir tatsächlich ein, dass er oft nachsichtiger mit mir ist und in gewissen Situationen mehr Empathie zeigt.

Und plötzlich spüre ich Empathie…

So wie neulich: Wir waren spät dran für die Kita, die Tram fährt nicht, weil irgendwelche Schienen ausgetauscht werden und meine Laune ist absolut nicht die Beste. Wir laufen also zur Kita und ich jammere ein wenig leise vor mich hin. Endlich in der Kita angekommen, erklärt mein Sohn der Erzieherin, warum wir zu spät sind. „Die Tram ist kaputt und wir mussten laufen. Und das ist so blöd, weil Mama hat doch das mit den Bauchschmerzen und dem Blut. Arme Mama!“
Die Erzieherin schenkt mir einen kurzen, mitleidigen Blick und ich muss bei dem Gedanken schmunzeln, dass sie nun jetzt wohl auch meinen Zyklus kennt.
Aber viel mehr rührt mich das Mit- und Feingefühl meines Sohnes. Er hat gemerkt, dass die Kombination aus kaputten Schienen und „Mama hat wieder das mit dem Blut“ keine Gute ist. Und ist das nicht toll wenn wir das in frühem Alter unseren Kindern, besondern den Söhnen, mit auf den Weg geben können?

Nämlich 1. dass Periode und Blut kein Tabuthema sind. Und auch, wenn es vielleicht etwas unangenehm riecht alles andere als ekelig ist. Dass die Monatsblutung etwas völlig Normales ist und zum weiblichen Körper ganz selbstverständlich dazu gehört.
Und 2. Es Tage im Monat gibt, an denen wir abgeschlagen, reizbarer, verwundbarer sind und das auch gerne und offen zeigen dürfen. Auch Kinder verstehen, wenn wir mal nicht so gut drauf sind und Bedürfnisse haben, auf die Rücksicht genommen werden kann.

Durch einen offenen Umgang die Periode enttabuisieren!

Natürlich ist das nicht nur ein Thema, das zwischen Mutter und Sohn oder Mutter und Tochter zu besprechen ist. Wenn der Vater Fürsorge und Anteilnahme während der Periode zeigt und die Mutter „umsorgt“, wird das Kind das ziemlich sicher in ein paar Jahren auch für seine Freundin so machen. Denn auch hier gilt, wie bei allem anderen auch: Was die Eltern vorleben zählt mehr als Worte. Und der offene Umgang mit der Monatsblutung kann doch eigentlich nur dazu führen, die Periode zu enttabuisieren oder?

Da ich selber kein Schulkind habe, weiß ich nicht, wie offen der Umganz mit dem weiblichen Zyklus an Schulen aussieht. Aber ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit zurück, in der man als Teenager klammheimlich die beste Freundin nach einem Tampon gefragt hat. Mit diesem ist man dann so schnell es ging auf Toilette gerannt und alles war ein riesengroßes Geheimnis. Die Periode war ein Thema, das nur unter Mädchen stattfand. Und es scheint sich daran euch viele Jahre nichts geändert zu haben, auch wenn es auf Social Media deutlich Fortschritte zu sehen gibt. Trotzdem mussten wir das Jahr 2022 schreiben, bis es die Uni Potsdam (als erste Uni Deutschlands!) geschafft hat kostenlose, öffentliche Spender für Hygieneartikel aufzustellen und damit ein Zeichen zu setzen. Wäre es nicht der Wahnsinn, wenn es so etwas an jeder Schule geben würde. Völlig selbstverständlich.

Ich weiß nicht, wie doll der offene Umgang zu Hause damit eine Veränderung anschieben kann, aber die Vorstellung, dass die Menstruation irgendwann ein Thema wird, das ALLE angeht, lässt mich daran festhalten, weiter mit meinem Sohn darüber zu reden. Nicht krampfhaft. Nicht jeden Monat. Und auch, wenn ich mir Laufe der Zeit noch das ein oder andere Mal anhören muss, dass mein Blut stinkt. DO IT FOR THE TEAM!

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