Let’s talk about: Emanzipation im Haushalt

22. March 2017 | in Alltag | Familie | Gesellschaft | Letstalkabout

Wäsche, die in der Ecke liegt. Ein halb leer getrunkener Kaffee neben dem Bett. Mein Test, wie lange das dort liegen bleibt ohne, dass ich es wegräume, geht in die zweite Woche. So langsam legt sich eine erste Staubschicht darüber. Und ich bin in der Zwickmühle, räume ich es weg und unterstütze damit dieses Verhalten? Oder zieh ich das durch und ärgere mich darüber, jedes Mal wenn ich vorbeilaufe. Der Ausweg, den ich gefunden habe, kam von einem amerikanischen Meme: Try not giving a fuck. Eine ziemlich gute Strategie, die für mich immer besser funktioniert. TRY NOT GIVING A FUCK. Man kann sich im Leben über so viel aufregen, das Geschirr, das es irgendwie nicht in den Geschirrspüler schafft, soll nicht der Grund dafür sein. Und irgendwie habe ich diese kleinen Marotten lieb gewonnen. Denn hat nicht jeder beim Zusammenwohnen andere Sensibilitäten?

Ich mache zum Beispiel NIE, aber auch NIE das Bett. Weil ich jedes Mal denke: Man diese ganze Arbeit, nur um es dann abends wieder durcheinanderzubringen! Ich muss gestehen, dass ich es aber immer überraschend angenehm finde, wenn das Bett wie durch Zauberhand gemacht wird. Ich kann mich also nicht wirklich beschweren, denn den Haushalt wuppen wir gemeinsam.

Wer nicht so ein mitdenkendes Exemplar zu Hause hat, bei dem bleibt dann doch viel hängen. Einfach weil der Kampf zu viel Kraft kostet, macht man es eben gleich selbst. Und schwups – schon gerät man ungewollt eine Rolle, die man vielleicht so von der eigenen Mutter vorgelebt bekommen hat, die man aber eigentlich nicht wiederholen wollte (auch mir passiert, danach war ich zwei Jahre lang Single). Hinzu kommt der Fakt, dass viele Männer eben doch aus patriarchalen Verhältnissen kommen, in denen Mama sich immer um alles gekümmert hat. Als Freundin rutscht man dann schnell in eine ähnliche Rolle.  Den Haushalt zu schmeißen, bleibt eben doch oft an uns Frauen hängen. Nun ist das aber so eine Sache mit der Schuld. Wer ist denn jetzt der Böse? Der Mann, weil er quasi passiv aggressiv die Frau in die Rolle drängt? Oder doch auch ein bisschen die Frau, die das eben mit sich machen lässt? Gehören da vielleicht doch zwei dazu? Und wenn es vorher nicht passiert ist, dann ist die Gefahr, dass es nach dem ersten Kind passiert auf jeden Fall gegeben. Denn meist ist es so, dass Mama natürlich erstmal zu Hause bleibt, stillen und so. Klar, macht man dann mehr im Haushalt, geht einkaufen und kocht. Aus dieser Dynamik wieder herauszukommen, wenn das Kind in der Kita ist oder Papa dann in Elternzeit geht, ist gar nicht so einfach, sondern erfordert eine tägliche Anstrengung.

Die mütterliche Märtyrerrolle

Frau kann sich aber eben in dieser Rolle auch einrichten, das passt für manche und macht sie glücklich, aber für viele eben eigentlich doch nicht (wie wir immer betonen, liegt wahre Emanzipation in der Möglichkeit sich entscheiden zu können). Aber wenn man erstmal in so eine Rollenkonstellation reingerutscht ist, wird es schwer da wieder rauszukommen. Einerseits ist es ja auch ganz schön alles im Griff zu haben, zumindest zu Hause. Ich werde nämlich manchmal ganz kirre, wenn jemand den Geschirrspüler anders einräumt, als ich es für richtig halte. Oder eine Wäsche macht mit vielen unterschiedlichen Farben, diese Kontrolllust loszuwerden, hat ein bisschen gedauert. Es gibt aber auch noch einen anderen Aspekt: Natürlich liebt man die Kinder, den Mann, das Hochheiligste: Die Familie. Und dann tut man es halt, weil es ja allen gut gehen soll. Aber liebt man nicht auch sich selbst? Wieso denken wir immer noch, wir müssen die Märtyrerrolle annehmen, weil das Leben eben so sei? Warum findet man das schon irgendwie ok? Wie oft bekommen wir Anfragen von Müttern, die sich nach dem Kind selbstständig gemacht haben (finden wir toll!) und dann aber manchmal eben doch eher halbherzig ein Projekt starten, das mit Babykram zutun hat. Wenn dann Sätze fallen wie “Vor dem Kind war ich Anwältin/Architektin…, jetzt bin ich einfach Mutter und mag schöne Dinge”. Dann freue ich mich für sie, aber ganz tief drinnen, tut es mir auch ein wenig weh. Genauso wie die Bekannte, die seit dem ersten Kind zu Hause ist, und sich zu ihrem Geburtstag über einen bestimmten Staubsauger gefreut hat, weil das mit dem Saubermachen jetzt so viel schneller geht.

Gleichberechtigung fängt zu Hause an

Wie Isabel schon einmal geschrieben hat, in ihrem Artikel “Frauen, macht euch unabhängig!” , bekomme ich da immer Bauchschmerzen, weil ich mich frage, was ist, wenn es doch eine Trennung gibt? Was passiert, wenn die Kinder mal aus dem Haus sind? Care-Arbeit ist wichtig und irgendwer muss sie machen, nur leider ist sie in unserer Gesellschaft ein unbezahltes Gut und eben irgendwie immer noch Frauensache. Und manchmal ist es auch so schade, eine Freundin zu verlieren, die eben ganz in dieser Kinder- und Haushaltssache aufgeht (auch wenn die Kinder schon aus dem Gröbsten raus sind), weil einem irgendwann die Gesprächsthemen fehlen. Vielleicht ist das aber auch einfach der Lauf von Freundschaften, dass man sich manchmal eben in andere Richtungen entwickelt. Bevor ich aber zu weit in dieses Thema abrutsche, noch mal ein kleiner Appell an die vielen, tollen Frauen da draußen: Lebt euren Kindern kein Modell vor, dass ihr euch nicht auch für sie wünschen würdet! So einfach ist das manchmal. Wer glücklich ist, hat Recht. Und wer nicht glücklich ist: Sich für Gleichberechtigung einzusetzen, kann man nicht nur von anderen erwarten (der Politik, den Aktivist_innen oder sonst wem), Gleichberechtigung fängt zu Hause an, im kleinsten Kreis der Familie. Auch wenn es anstrengend ist zu diskutieren, auch wenn das Geschirr dann mal nicht gleich weggeräumt ist.

 

 

 

 

 

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