Let’s talk about… Zyklus – und wie es PMS auf Platz 1 in meinen Charts geschafft hat

23. September 2021 | in Alltag | Food & Beauty

Mit Mitte 30 lebt man ja meist ziemlich selbstbestimmt, frei und lässt sich nicht mehr so schnell von irgendwem was sagen. Wenn da nicht dieser Zyklus wäre, der jeden Monat laut und deutlich sagt, wo es lang geht und dem ich komplett ausgeliefert bin. Willkommen zu einem 28 Tage-Trip voller Höhen und Tiefen. Ach ja, bisschen musikalisch wird es auch.

Periode – Oldie but goldie

„Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?“ Dieses Lied kommt mir ein mal im Monat in den Kopf, wenn ich mal wieder am frühen Morgen von Bauchkrämpfen geweckt werde und mich, mit zusammen gekniffenen Beinen, schleunigst auf dem Weg ins Bad mache. Ich habe meine Tage. Wie passend, dass es sich bei dem Lied um die Titelmusik vom Rosaroten Panther handelt. Anyway. Mit fällt mal wieder zu spät ein, dass der Mentruationscup nicht abgekocht ist, und somit landet erst mal wieder ne dicke Ladung Klopapier im Höschen. Binde a la MacGyver – eben so lange, bis der Cup keimfrei ist und ich richtig wach.
Erledigt. Gut, da wären wir also wieder. Kennen wir ja schon seit gut 25 Jahren. Die Symptome sind sich über die Jahre auch treu geblieben: Rückenschmerzen, Bauchkrämpfe, Erschöpfung, akute Hässlichkeit und das dolle Verlangen, unbedingt im Bett bleiben zu wollen.
Was ich jedoch früher für die schlimmsten Tage des Monats gehalten habe, ist seit der Geburt meines Sohnes vor drei Jahren auf Platz zwei in den Zyklus-Charts gelandet. Denn es hat sich jemand Neues an die Spitze der Charts gekämpft. Unangefochten auf Platz 1, seit 162 Wochen Spitzenreiter, meine Damen und Herren – Applaus für ….PMS! Mit Hits wie „Cry me a River“, „Heartbreak Hotel“ und „HELP!“ ist und bleibt (leider!) das PMS der Superstar.

PMS – 10 von 10 Punkten auf der Bad Mood Skala

PMS… ein Begriff mit dem ich früher nicht all zu viel anfangen konnte. Immer mal aufgeschnappt, wusste ich nicht so richtig, wovon hier eigentlich die Rede ist. „Das prämenstruelle Syndrom bezeichnet komplexe körperliche und emotionale Beschwerden im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, die vier bis vierzehn Tage vor dem Eintreten der Regelblutung in jedem Monatszyklus auftreten können und mit Beginn der Regel aufhören.“ Danke Wikipedia, schöner hätte ich es nicht beschreiben können. Leider stimmt alles an dieser Erklärung. Alles!

Bei mir beginnt es meist mit dem Spannen der Brüste und bevor ich verstehe, was los ist, überkommt mich dann auch schon eine tiefe Traurigkeit, die an manchen Tagen schwer zu bändigen ist. Ich fühle mich einsam und alleine, missverstanden und es ist mir unbegreiflich, warum ich morgens überhaupt aus dem Bett steigen soll?! Ich hatte noch nie Depressionen, aber so ähnlich muss es sich anfühlen. Verdammt graue Tage, die noch on top verziert sind mit Wassereinlagerungen, fahlem Teint, schmerzenden Brüsten und vielen vielen „Bad Hair Days“. Letzteres ist allerdings das kleinste Problem. PMS bekommt bei mir 10 von 10 Punkten auf der Bad Mood-Skala. Das sind dann auch genau die Tage, an denen ich meine Beziehung und beruflichen Entscheidungen komplett in Frage stelle und kurz davor bin, auszuwandern und handgeklöppelten Schmuck auf Teneriffa zu verkaufen.
Selbstverständlich finden Streits mit dem Freund genau JETZT statt und ganz vielleicht liegt das zu großem Teil an mir. Ich lege alles auf die Goldwaage, möchte Aussagen missverstehen und Dinge, die rumliegen, fühlen sich wie eine persönliche Beleidigung an. Selbst das Geplapper eines 3-Jährigen nehme ich ultra persönlich und habe nicht selten morgens schon eine Träne vergossen, wenn es mal wieder heißt „Ich möchte keine Schuhe anziehen!“

Ich weiß, ich weiß, es gibt CBD Öl, Mönchspfeffer und andere natürliche Hormonpräparate – ihr glaubt doch nicht wirklich, dass ich nicht schon alles probiert habe, um diese Tage erträglicher zu machen. Hat bei mir aber leider alles nicht gewirkt. Meine Frauenärztin erklärte mir übrigens vor kurzem, dass schlimmes PMS mit dem Alter kommt. Nicht, wie ich dachte, mit einer Schwangerschaft bzw. mit einer Geburt einhergeht. Nein, das Alter ist mal wieder Schuld.
Um so größer die Erlösung dann also, wenn wie Periode endlich startet und sich der graue Schleier verzieht. Was früher also die „schlimmen Tage“ waren, bringt jetzt die Erleichterung.
Fast so als würde man den ganzen Frust und die Traurigkeit ausbluten. Weg damit!
Ciao, wir sehen uns in vier Wochen wieder.

Eisprung – Wenn das Homeoffice zum Handoffice wird

Während der Periode helfen wenigstens Schmerzmittel, Wärmeflasche und Schokolade. Und dank meines treuen Begleiters, dem Menstruationscup (unbedingt alle ausprobieren!) ist die Blutung mittlerweile fast ein Kinderspiel. Ist das geschafft, heißt es erst mal kurz durchatmen und sich auf entspannte Tage freuen. So gaaaanz entspannt dann allerdings auch wieder nicht, denn hier kommt das nächste Problem: akute Geilheit. So schlimm, dass es fast wehtut. Oder, um weiterhin in den Hits aus meinem Zyklus-Charts zu bleiben – „Good Vibrations“, „(I Can’t Get No) Satisfaction“ und „Sexmaschine“ laufen in der Playlist rauf und runter.

Die Natur hat sich definitiv was dabei gedacht, dass sich pünktlich vor und um den Eisprung herum, meine Gedanken nur noch um Sex und Orgasmen drehen. Nur mit dem kleinen, feinen Unterschied, dass ich mich definitiv nicht weiter fortpflanzen möchte. Ist der Geilheit natürlich egal. Was an sich ja ein unschlagbar gutes Gefühl ist, ist nur im Alltag leider nicht immer so praktikabel. Der Freund ist natürlich genau dann arbeiten, wenn der Notstand (meist zwischen 10- 14 Uhr) am allergrößten ist. Und so wird das Homeoffice kurzerhand zum „Handoffice“ umfunktioniert. Mails und Textabgaben verschieben sich nach hinten und zu Dates komme ich dieser Tage höchstwahrscheinlich zu spät. Aber ich komme! Wieder und wieder.
So schnell wie ich gekommen bin (das Wortspiel hört nicht auf), verabschiede ich mich auch wieder von von der Welle der Lust und steige von meinem Surfbrett und stelle es für die nächsten 28 Tage bei Seite.

Es folgen dann noch etwa drei Tage mit Ziepen, ich spüre, wie mein Ei sich auf den Weg macht um sich dann – unbefruchtet – zu verabschieden. Wir haben mal wieder ganz schön was erlebt, wir beide. Jetzt noch mal kurz durchatmen, bevor der Trip wieder von vorne losgeht. Vielleicht werde ich diesen Satz mal bitterböse bereuen, aber irgendwie freue ich mich auf die Wechseljahre. Ja, es ist irgendwie cool, dass ich die Uhr nach meinem Körper stellen kann, ich ihn in und auswendig kenne und alles funktioniert, wie es soll. Irgendwie sind wir ja auch ein gutes Team wir beide, ich weiß genau, wann er was braucht. Trotzdem vergehen die Tage viel zu schnell und ich fühle mich gefangen in einer Endlosschleife, in der es nur wenige Tage gibt, an denen alles „normal” ist und ich mich nicht fremdgesteuert fühle. Wenn ich gerade verreisen würde, würde ich sogar meinen Urlaub nach meinem Zyklus planen. Soweit ist es also schon gekommen.

So lange wir beide aber noch miteinander auskommen müssen, werde ich nicht all zu streng mit ihm sein, ihm geben was er braucht und weiterhin meine Playlist hören.

Kennt ihr diese Zyklus-Fremdbestimmung?

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