Let’s talk about: Unisex-Namen

08. September 2016 | in Gesellschaft | Letstalkabout

Seit der Geburt meiner Tochter höre ich immer wieder: Quinn? Ist das nicht ein… Jungenname? Ja, sage ich dann. Auch! In den USA wird der Name seit ein paar Jahren aber sogar häufiger an Mädchen vergeben. Kritische Blicke. Aha. Meistens ist das Feedback im Nachgang aber dann doch recht positiv, ich höre oft: Also mittlerweile gefällt mir der Name richtig gut. Oder beziehungsweise: die, die den Namen unmöglich finden, sagen es mir vermutlich auch einfach nicht. 🙂

Fakt ist: ich war mir auch nicht ganz sicher, ob das jetzt eine gute Idee ist, meinem Kind einen so wilden Namen zu geben. Ich hätte NIE gedacht, dass ich meine Kinder Xaver und Quinn nenne. Aber ich habe mich bei beiden Kindern einfach auf das Bauchgefühl verlassen. Okay, und nach dem X musste irgendwie ein zweiter seltener Anfangsbuchstabe her. Außerdem wollte ich keinen Namen aus der Top Ten. Ich fand viele Namen sehr schön, habe mich aber dagegen entschieden, weil sie so häufig sind.

Mittlerweile bin ich mehr als glücklich mit unserer Wahl. Der Name passt perfekt zu Quinn, zu uns und auch, wie ich finde: zu unserer Zeit.

Aufbruch der Geschlechter

Denn warum müssen Mädchennamen mit A enden? Warum müssen sie weiblich klingen? Immer wieder startet nach der Diskussion über den Namen Quinn ein Gespräch über Transsexualität und Intersexualität. Über den Aufbruch der Geschlechter. Ich mag das. Denn die Natur produziert nicht nur zwei eindeutige Geschlechter. Ich finde nicht, dass man deshalb Toiletten für Trans- und Intersexuelle bauen muss, aber ein Bewusstsein dafür, dass es das gibt, dass das dazugehört, finde ich gut.

Und ich freue mich, dass Quinn einen Namen hat, der heraussticht und der nicht per se weiblich ist. Als Schwester eines großen Bruders wird sie wahrscheinlich eh weniger “Mädchen” werden, als viele andere. Das erste unmittelbare Vorbild wird ja immer Xaver sein und so hoffe ich, dass mir die Ballett-, Rosa- und Frozen-Phase vielleicht ein bisschen erspart bleibt.

Ich bin davon nämlich kein Fan. Auf gewisse Weise ist das natürlich normal, ich erinnere mich noch gut daran, dass bei mir auch ein paar Jahre lang alles rosa sein musste, dass ich ins Ballett und nur Kleider anziehen wollte. Ich wollte mich klar als Mädchen positionieren. Ich würde auch nie soweit gehen, nur gender-neutrale Kleidung für Quinn zu kaufen. Ich mag rosa, trage es selbst gerne und wenn mir ein Teil gefällt, darf es auch mal verspielt und sein. Aber eben nicht nur.

Und dass die Industrie daraus Kapital schlägt und dazu beiträgt, das Mädchen als Püppchen und Prinzessinnen abgestempelt und auf ihr Äußeres reduziert werden, das finde ich nicht gut. Ich würde soweit gehen, zu behaupten, dass uns die Industrie in den letzten Jahren einen gewissen Genderzwang aufgedrückt hat. Es gibt keine Kinderklamotten mehr, es gibt Jungs- und Mädchenklamotten. Die Jungsklamotten sind blau und mit Spiderman oder Bagger drauf, die Mädchensachen sind rosa, verspielt, beizeiten gar sexy (unmöglich, aber das ist ein anderes Thema). Es gibt Lego für Jungs, und welches für Mädchen. Alles soll streng getrennt sein. Warum?

Luka, Mika, Sascha, Toni 

Ist der Trend zu Unisex-Namen vielleicht ein bisschen so etwas wie Protest dagegen? Ich würde das begrüßen. In den USA heißen seit ein paar Jahren immer mehr Mädchen Dylan, Elliott oder Taylor. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich das toll finde. Und tatsächlich dachten wir ja am Anfang, Quinn würde ein Junge werden und ich hatte immer diesen Namen im Kopf. Als ich laß, dass der ebenso gut für ein Mädchen passt, habe ich mich tierisch gefreut. Und doch zögerte ich. Als ich einer Freundin von meinen Zweifeln erzählte, sagte sie: Quatsch. Das bricht doch eh gerade alles auf. Mädchen machen Jungs-Sachen und umgekehrt. Wenn Quinn Teenager ist, ist das nicht mehr so, dass so klar zwischen Mädchen und Jungs unterschieden wird. Alle werden die selben Chancen haben. Der Gedanke gefiel mir.

Auch in Deutschland nennen immer mehr Eltern ihre Töchter Luka, Mika, Sascha oder Toni – und wieder: ich finde diesen Trend gut. Er ist Teil unseres Zeitgeists. Ein Zeichen für mehr Toleranz und weniger Schubladendenken. Und vielleicht ein kleiner Hieb gegen die Rosa- und Blau-Industrie.

Ich wünsche mir für meine Tochter, dass sie alle Möglichkeiten dieser Welt hat. Dass sie ihr Mädchen-sein ausleben darf, wenn sie das will. Aber genauso gerne wild, forsch und bossy sein darf. Ich wünsche mir, dass sie einfach Quinn sein darf. Ohne dass ihr Farben, Normen und Wünsche zugeteilt werden.

Was haltet ihr von diesem Trend?

Findet ihr das komisch, wenn Mädchen wie Jungs heißen und umgekehrt?

Oder gut?

PS: Das Titelbild ist ein Draft von Quinns Geburtskarte. Am Ende haben wir uns für einen anderen Entwurf entschieden, aber dazu bald mehr!!

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