Let’s talk about: Mental Load – teilweise auch selbstgemacht

16. January 2020 | in Familie

Unsere letzte Woche als Familie war eine absolute logistische Meisterleistung. Eigentlich ist das fast jede Woche. Das bringt das Leben mit zwei Elternteilen, die selbstständig sind und alles 50/50 zu teilen versuchen, mit zwei Kindern und einem großen “Dorf”, das sich mit um die Kids mitkümmert, nun mal mit sich.

Für uns klappt dieses Modell sehr gut, zumindest so lange, bis nicht beide Eltern gleichzeitig wichtige Produktionen haben, die Oma krank wird, oder ein Kind. Dennoch merke ich natürlich regelmäßig, dass mir der “Mental Load” über den Kopf wächst. Ein ganz kleines bisschen bin ich daran aber auch selbst schuld. Oder?

Im Detail lief es letzte Woche so: Morgens teilen wir die Kinder meistens auf, einer begleitet den großen Sohn zur Schule, oder zumindest bis an die Ecke. Der andere macht die Tochter fertig und fährt sie in die Kita. Den Montag nachmittag hat dann mein Mann übernommen, er holte die Kids beide ab, ich konnte lange im Büro bleiben und war erst zum Abendessen zuhause. Am Dienstag hatte mein Sohn einen Schulfreund da, mein Mann hat das wieder beaufsichtigt, während die Kleine von der Oma abgeholt wurde. Wenn einer der Kinder Freunde da hat, ist es gerade immer ein bisschen schwierig, also versuchen wir, die Kinder an solchen Tagen aufzuteilen. Ich habe wieder lange gearbeitet und am Abend saßen wir noch eine Weile mit den Eltern des Besuchskindes zusammen.

Jede Woche ist eine logistische Meisterleistung

Am Mittwoch habe ich die Kleine geholt, der Große war bei der Oma, der Mann hat lang gearbeitet. Am Donnerstag hat eine Freundin den Großen von der Schule abgeholt, weil ich mit meiner Tochter zum Ballett musste, nach dem Ballett sind wir zu dieser Freundin gefahren, mein Mann kam dann nach der Arbeit da hin und wir aßen alle zusammen zu Abend. Den Freitag nachmittag habe ich dann gemacht, der Große wollte zum Karate, die Kleine kam mit.

Das klingt jetzt vielleicht alles gar nicht soooo kompliziert und vor allem weiß ich, was für ein Glück wir haben. In der Großstadt so ein gutes Netzwerk zu haben – das ist nicht selbstverständlich. Aber es muss eben auch immer alles organisiert und gepflegt werden: Oma anrufen und die Daten klären, beide Kinder wollten in dieser Woche einen eigenen Tag, normalerweise sind sie zu zweit bei ihr. Geht das? Wann? Braucht Xaver seinen BVG Ausweis? Mit der Freundin alles abklären, ihr sagen, wo sie genau hin muss in der Schule. Das Kinderfahrrad zur Schule bringen, oh Helm vergessen, also noch mal zurück, und eine Vollmacht für die Freundin in der Schule abgeben. Mist, vergessen, na dann ruft sie an, zum Glück machen die Erzieher eine Ausnahme. Der Mann organisiert seine Tage natürlich auch, spricht sich mit den Eltern der Kinder ab, die bei uns sind: isst es noch hier?

Obwohl meistens – meistens! alles klappt und ich extrem froh und dankbar darüber bin, dass wir so viele Freunde haben, die unsere Kinder wie ihre eigenen behandeln (und wir ihre natürlich auch!), über unsere Oma in der Stadt, über Schule und Kita, die wirklich beide wunderbar sind. Trotzdem denke ich schon auch manchmal: wenn nur mein Mann und ich zuständig wären, dann wäre es sicher stressiger, wir würden beide viel öfter beide Kinder gleichzeitig betreuen. Aber die ganze Orga würde eben auch wegfallen. Wenn wir es dann auch noch “klassisch” machen würden, wenn er also primär Geld ins Haus schaffen würde und ich die Haus- und Care-Arbeit alleine machen würde… Damit wäre ich extrem unzufrieden, aber es wäre halt auch schon entspannter. Dann müsste man nie was absprechen, dann wären die Aufgabenbereiche einfach klar. Ich wünsche mir das nicht so, aber dennoch…

Denn zusätzlich zu der Organisiererei müssen wir ja auch noch an Schulbrote, Wechselklamotten, Ausflugs-Rucksäcke, Geburtstagsgeschenke, Arzttermine, Urlaubsplanungen, passende Kleidung, Bücherei-Deadlines, die Wäsche und Einkaufslisten denken! Wir teilen das auf, so gut es geht. Mich belastet es dennoch.

Alle Eventualitäten durchdenken

Manchmal mache ich mir einen Teil der Belastung aber auch selbst. Ich denke: “Jetzt war der Junge über Nacht bei Oma, eventuell hat er da nicht so viel geschlafen und am Donnerstag hat er ja auch noch Nachmittagsunterricht. Könnte ihm das zu viel sein, wenn unsere Freundin ihn an dem Tag abholt? Und es regnet, ist das dann nicht vielleicht total anstrengend alleine mit zwei Kids auf dem Bike? Nicht dass ein Kind einen Anfall hat (am Ende noch meines!) und meine Freundin total gestresst ist.”

Lief alles gut. Beide Kinder waren vorbildlich, war auch nicht zu viel.

“Und Quinn. Der Donnerstag ist immer so krass bei ihr. Sie hat da Ausflug, an dem Tag waren sie im Tierpark, dann noch das Ballett. Wenn ich sie dann zu unseren Freunden fahre, muss ich echt aufpassen, dass sie mir nicht einschläft auf dem Fahrrad. Wie mache ich das denn, vielleicht kaufe ich ihr einen Keks, oder ich mache ihr ein Hörspiel an. Und hoffentlich ist das dann dort nicht doof für sie, wenn die beiden großen Jungs spielen. Wenn mein Partner dann später kommt, kann er sie vielleicht im Auto mitnehmen, dann schläft sie da bestimmt ein. Wir dürfen dann nicht vergessen, dass sie vorher noch mal aufs Klo gehen muss.”

Leo Lausemaus half beim Nicht-Einschlafen. Bei den Freunden war sie happy auf meinem Schoß mit einem Tip Toi. Im Auto ist sie nicht eingeschlafen.

Letztens war ich beim Yoga und bei der Meditation, bei der man einatmen und “LASS” denken soll. Und ausatmen und “LOS”. Wo man also all den Alltagsstress loslassen soll, da dachte ich an nichts anderes, als unseren kommenden Samstag. Da wollte ich mit Quinn ins Konzert und mein Mann wollte mit dem Großen was machen. “Hat er den Papa von dem Jungen, mit dem er sich treffen wollte, schon angerufen? Meine Mutter ist ja an dem Wochenende da, die will sicher mit ins Konzert, da muss ich noch eine Karte besorgen. Ob wir vorher Mittag essen, oder danach? Es geht um 14 Uhr los, 13:30 sind wir da. Lieber was mitnehmen, sonst wird es stressig. Ob ich das Auto nehmen kann? Wäre schon praktischer, der Weg zu laufen ist weit mit einer Dreijährigen. Auf der anderen Seite wollten die Jungs ja in die Kletterhalle und da kommt man öffentlich so schlecht hin.”

Lief natürlich alles super. Snacks eingepackt und einfach groß zu Abend gegessen. Auto konnten wir haben, der andere Vater fuhr.

Kommt euch das BITTE bekannt vor? Warum mache ich mir immer so viele Gedanken, denke für alle mit, überdenke alle Eventualitäten? Das ist doch “Gefühlsarbeit” par excellence, oder…  Wurde mir das so vorgelebt? Geht so… Keiner verlangt das von mir, und meistens bringt es nicht mal jemandem etwas. Und warum macht mein Mann das nicht? Er denkt ein Mal: “ah, das muss ich machen”, klärt es. Dann denkt er nicht mehr darüber nach. Details werden dann auch mal vergessen (kein Helm da, Sporthose vergessen…) aber so schlimm ist das meistens nicht, oft findet man spontan eine schnelle Lösung und es ist definitiv weniger aufwendig als mein “Zerdenken”.

Die wichtigste Frage ist: Wie komme ich von diesem “alles tausend Mal durchdenken” denn weg? Wie schaffe ich es, gelassener zu sein und auf meine Spontanität zu setzen, wenn es mal brenzlich wird? Ich bin eigentlich gar nicht mal so eine schlimme “Vorplanerin”, habe selten Snacks dabei, oder Wechselwäsche, bin nicht immer auf alles eingestellt. Und trotzdem gelingt es mir selten, die Dinge einfach mal passieren zu lassen. Könnt ihr das?

 

Kommentare