Let’s talk about: Erstmama vs Zweitmama

22. February 2017 | in Familie | Gesellschaft | Letstalkabout | Muttergefühle

Eine gute Freundin von mir hat vor fast vier Jahren gleichzeitig mit mir ein Baby bekommen. Sie in München, ich in Berlin. Und oft sagte sie: ach, es wäre so schön, wenn du hier wärst, ich habe hier niemanden, der auch ein Baby hat. Irgendwann fiel mir ein: Aber du hast doch diese eine Freundin, die kennst du doch schon lange und sie hat gerade noch ein Kind bekommen, was ist mit der? Ja, mit der treffe ich mich auch, sagte sie. Aber es ist halt das zweite Kind. Und sie lässt mich ständig spüren, dass sie mir so wahnsinnig weit voraus ist.

Jetzt bin ich selbst eine Zweitmama. Und habe viele Erstmamas um mich herum. Alles Frauen, die ich sehr schätze und mag und ich hoffe demnach auch sehr, dass ich nicht zu sehr den Dicken raushängen lasse. Aber ich muss zugeben, dass es schon eine ganz andere Nummer ist, beim zweiten Mal.

Hygiene? Ach was…

Fangen wir mit den Klassikern an: Schnuller auskochen? Wasser abkochen? Sand auf dem Baby? Sonne im Gesicht? Dreck essen? Oh, das Baby spielt mit den Schuhen. Alles Dinge, die mich bei Nummer eins fertig gemacht haben. Ich war nicht völlig unentspannt, habe nicht ständig alles desinfiziert und bin ja schließlich auch mit Xaver nach Indien gefahren im ersten Jahr. Trotzdem merke ich, dass es bei Quinnie noch mehr Laissez Faire zugeht. Ich schäme mich oft, wenn ich daran denke, wie selten dieses Baby gebadet wird, ich weiß nicht mal, wann ich das letzte Mal einen Schnuller ausgekocht habe. Ich mache ihre Fläschchen hier oft einfach mit dem Mineralwasser aus der Flasche. Ist eh so warm, da kann die Milch auch mal kalt sein. Die Liste ist endlos. Quinn bekommt sicher wesentlich mehr Bakterien ab als ihr Bruder in dem Alter. Bisher entwickelt sie sich sehr gut, ich hoffe, dass diese Leichtigkeit uns nicht auf die Füße fällt, gehe aber nicht davon aus!

Schläft er schon durch?

Aber es sind nicht nur diese Hygiene-Sachen, es sind auch die Themen. Die Erstmamas unterhalten sich zum Beispiel andauernd darüber, wie ihre Babys schlafen. Hab ich damals auch gemacht. Mache ich jetzt nicht mehr. Quinn schläft mittlerweile richtig scheiße, kann man echt nicht anders sagen, aber ich weiß, dass es eh nichts hilft, wenn ich da jetzt rumdoktere oder mir Gedanken mache. Beim ersten Kind denkt man noch, wenn man alles richtig macht, dann wird es sicher ein Super-Schläfer, die Hoffnung habe ich bei Quinn aufgegeben. Und für jede Art von Schlaftraining bin ich zu sehr Softie… Ich habe die Kinder gerne nah bei mir, solange sie so klein sind. Mit einem Jahr oder so darf Quinn gerne ausziehen, aber im Moment kuschle ich sie gerne noch die ganze Nacht ab, wenn sie das wünscht. Zuhause liegt sie eigentlich immer bei uns, seit sie zu groß für’s Beistellbett ist, hier lege sie aber immer wieder stoisch ins Reisebett. Nicht in der Hoffnung, dass sie so “lernt”, alleine zu schlafen, sondern schlicht weil uns hier der Platz fehlt. Klappt mal besser, mal schlechter. Mit Xaver habe ich alles durchgezogen: Milch abgewöhnt, ihn immer wieder ins eigene Bett verfrachtet und so weiter. Das mit der Milch war dann erst mit eineinhalb wirklich durch und das eigene Bett? Findet er bis heute medium. Den ganzen Stress hätte ich mir also sparen können, gebracht hat’s nix!

So ein guter Esser

Ein weiteres groooooßeeees Thema bei den Erstmamas ist das Essen im Allgemeinen und die Beikosteinführung im Besonderen. Wie macht man das nur und bloß immer eine paar Tage bei einem Gemüse bleiben, bevor man was Neues probiert, um sicherzugehen, dass das Kind es auch verträgt. Und erst die Pastinake, dann die Karotte, Karotte stopft ja manchmal und mit Weizen lieber noch aufpassen. Wenn es dann klappt mit dem Essen, dann sind sie ganz stolz: Meiner isst wirklich alles, der wird sicher mal ein Super-Esser! Die, deren Kinder nicht gut essen, machen sich Sorgen. Mit Xaver habe ich das auch alles durch und was hab ich mich gefreut, dass dieses Kind so gerne gegessen hat!! Das hat er sogar ziemlich lange beibehalten, aber heute müssen wir ihm sogar die Pommes einreden, damit er nicht nur das Würstchen isst. Wir müssen diskutieren, dass aber bitte noch ein Avokadobrot gegessen wird, bevor es Marmelade gibt.

Bei Quinn lief die Beikost-Einführung so nebenbei und völlig chaotisch: sie aß von Anfang an alles mit, was wir so aßen. Mit etwas weniger Salz, okay und ohne Chili und Honig – aber das war’s auch schon. Weizen, Gemüse, Bulgur, Quinoa, Fleisch und Fisch. Meistens als Fingerfood, aber gerne auch aus dem Glas (da ist sie aber picky, das meiste schmeckt ihr nicht). Selbst Brei kochen? Höchstens püriere ich ihr die Nudel, die wir essen, schnell klein, aber mittlerweile bekommt sie eigentlich alles runter. Und tatsächlich ist auch sie eine sehr begeisterte und gute Esserin, das freut mich, aber ich würde nie wieder davon ausgehen, dass das so bleibt! Alle Kinder werden irgendwann zu “Nudeln mit Butter” Monstern… Und die, die als Baby nicht essen? Werden genauso gut groß, in der Milch ist ja alles drin. Und sie werden zu genauso guten oder schlechten Essern…

Und so freundlich!

Ich merke auch, dass ich mir und anderen bei Quinn nicht mehr beweisen muss, wie toll, lieb und zutraulich mein Kind ist. Xaver habe ich immer so oft wie möglich bei allen auf den Schoß gesetzt, er sollte ja ein geselliger Bursche werden und fremdeln fand ich doof und anstrengend. Das hat übrigens gut geklappt, Xaver hat fast schon beängstigend nie gefremdelt und war wahnsinnig offen. Das lag aber sicher nicht daran, dass ich ihm immer allen in die Hand gedrückt habe. Es ist einfach sein Naturell! Mit Quinn ist es jetzt anders. Sie fremdelt ordentlich, sichert sich immer mit einem Blick zu mir ab, wenn sie bei anderen Leuten auf dem Arm ist, sucht mich, signalisiert sofort, wenn ihr etwas zu viel ist. Sie ist freundlich, das schon, sie lächelt und flirtet viel, aber nicht mit jedem. Und ich glucke übrigens auch mehr, als beim ersten Mal. Ich gebe sie nicht mehr jedem in die Hand. Es ist ein bisschen wie beim Essen und beim Schlafen. Beim ersten Mal denkt man noch, wenn man ein paar Knöpfe drückt, dann kommt das Traum-Kind heraus: Eines, das gut schläft und isst, offen, freundlich und unkompliziert ist. Heute weiß ich, dass es diese Knöpfe nicht gibt. Man kann lediglich versuchen, ein gutes Vorbild zu sein. Und sich vor allem nicht zu viele Gedanken, oder gar Sorgen zu machen.

Natürlich ist es auch mit dem Krank-sein, dem Verreisen, mit allem anderen so: Ich denke immer nur: Wird schon werden. Ich würde nicht sagen, dass Quinn so “nebenbei” groß wird, wie das von den Zweiten (und Dritten und Vierten) oft behauptet wird. Nein, sie bekommt schon ihre Aufmerksamkeit und fordert diese auch ein. Aber wir machen weniger Gewese um sie und alles drumherum. Sie ist einfach dabei. Ganz selbstverständlich. Und ja, ich bin mir sicher, dass sie anders wird, als Xaver. Das liegt in erster Linie an ihrem Charakter, aber sicher auch daran, wie wir mit ihr sind. Und wer jetzt denkt: ah, mache ich bei meinem ersten einfach auch so! Ich glaube, das klappt nicht. Man muss beim ersten Kind alles ausprobieren, alle Erfahrungen machen und das Kind darf völlig im Fokus stehen. Irgendwie muss es vielleicht auch genau so sein. Dass die Ersten gehätschelt und gepudert werden und ein paar Jahre lang ungeteilte Aufmerksamkeit genießen dürfen. Die Zweiten bekommen das alles nicht. Und auch das ist gut so und muss und darf so sein.

Was meint ihr? Was ist bei euch Zweitmamas anders? Wo erkennen die Erstmamas sich wieder? Oder seid ihr ganz anders? Es soll sie ja geben, die maximal entspannten Erstmamas, die sich nie sorgen!!

 

PS: Foto links: mit Xaver in Indien, 2014. Foto rechts: Mit Quinn in Südafrika, 2017.

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