Kleine Geburt, Eileiterschwangerschaft und unerfüllter Kinderwunsch – Tanjas Geschichte

25. July 2018 | in Familie | Schwanger

Tanja hat Einiges durchgemacht, bis sie sich endlich Mutter nennen durfte. Auf das zweite Kind wartet sie immer noch, obwohl sie nach der Geburt ihrer Tochter sogar noch weitere Schicksalsschläge verkraften musste – und sich auch schon in der Kinderwunschpraxis vorgestellt hat. Aber sie kämpft weiter! Wir wünschen dir alles Gute, liebe Tanja. Und danke, dass du deine Geschichte so offen mit uns teilst.

„Entspann dich mal“
„Fahrt doch erstmal in den Urlaub“
„Warum tust du dir das immer wieder an?“
„Das tut mir sooo Leid, aber ihr habt ja ein tolles Kind…“
„Vielleicht sollte es dieses Mal nicht sein.“
„An deiner Stelle würde ich es aufgeben – dieser Schmerz…“

Ja, dieser Schmerz ist die Hölle – sowohl geistig als auch körperlich. Aber so lange der Wunsch nach einem Kind größer ist, kann ich noch nicht aufgeben. Wir machen weiter, zumindest noch eine Weile.

Ich werde im September 39 und hatte eigentlich den Plan, bis 40 oder so zwei Kinder zu haben. Leider ist das Ganze nicht so einfach. Mein Mann und ich haben uns erst spät kennengelernt. Dann wollte ich nach dem Studium zunächst eine Weile arbeiten, und so entschlossen wir uns erst vor etwa fünf Jahren zum Start der Mission Baby. Im Jahr 2013 habe ich die Pille abgesetzt. Dadurch kam dann überhaupt erst heraus, dass ich verlängerte Zyklen habe. Zudem wiege ich zu viel und muss L-Thyroxin nehmen. Wenigstens habe ich nicht auch noch eine Insulinresistenz!

Nach einer Weile und ganz viel Liebe wurde ich im Frühling 2014 auch wirklich schwanger. Es war so eine Freude, so etwas hatte ich noch nie erlebt. Die Sache war für mich geritzt. Es stand für uns fest, dass im Winter ein Baby ins Haus einziehen würde. Perfektes Timing: Altbau saniert, Papa einen sicheren Job in Aussicht, Mutti auf Lebenszeit verbeamtet.

Pustekuchen.

30.04.: missed abortion in der 10. Schwangerschaftswoche. Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. So etwas passiert doch nicht. Ich kannte niemanden mit so einer Geschichte. Nach der Ausschabung verbrachte ich eine komplette Woche in unserem Garten. Das Wetter war angenehm, sonst erinnere ich mich an nichts. Im Frühjahr darauf, also 2015, wurde ich wieder schwanger. Diesmal lief es aber nicht so ganz einfach von allein. Durch meine Zyklen war das mit dem Eisprung auch eher unregelmäßig. Also habe ich mit Clomifen stimuliert. Dadurch wird die Eizellreifung angekurbelt und man kann zuverlässiger sagen, wann man sich für Zweisamkeit verabreden sollte. Hat bei uns im zweiten Anlauf geklappt. Test positiv – Freude ja, aber mit angezogener Handbremse.

Ich bin engmaschig bei meinem Frauenarzt zur Kontrolle gewesen. Der Weg ins Sprechzimmer war jedes Mal ein Albtraum. Kalter Schweiß auf der Stirn und heftiges Herzklopfen bei mir. In der 13. Woche kam die Erlösung – die sogenannte kritische Phase ist rum. Ich konnte es erzählen. Wir hatten bis dahin geschwiegen, nicht einmal unsere Eltern wurden eingeweiht. Ich muss sagen, ich hatte im Anschluss eine traumhafte Schwangerschaft. Natürlich das ein oder andere Wehwehchen wie etwa geschwollene Knöchel oder etwas Sodbrennen, aber sonst nix. Auch die Geburt unserer Tochter im Januar 2016 war total schön. Sie ist in der Geburtswanne der Klinik geschlüpft, und wir waren sofort schockverliebt.

Endlich zu dritt.

Mausi ist jetzt zweieinhalb und heute früh im Fußballtrikot in die Krippe marschiert. Wo sie ihre Begeisterung für Fußball her hat, das weiß hier keiner! Wir sind die glücklichsten Eltern überhaupt und tragen unsere Tochter auf Händen. Eben deswegen wollen wir nur zu gern ein Geschwisterchen für sie. Ich tendiere zum Verwöhnen und ich fühle, dass wir noch nicht komplett sind. Wie gesagt, ich bin 38 und mein Mann 41. Bei jedem Treffen auf dem Spielplatz, Sommerfest oder schon beim Geburtsvorbereitungskurs waren wir mit Abstand immer die Ältesten.

Unsere Tochter kam mit einem Jahr vormittags in die Krippe. Kurz darauf wurde ich wieder schwanger – ganz ohne Clomifen oder so. Irgendwie hat sich dieses Mal aber die befruchte Eizelle verirrt, so dass ich am Geburtstag meines Mannes abends mit Verdacht auf Eileiterschwangerschaft ins Krankenhaus fuhr. Ich wurde operiert, Ausschabung Nummer zwei – es war keine Eileiterschwangerschaft. Dieses Mal war die Trauer anders. Nicht so heftig wie beim ersten Mal. Vielleicht, weil ich durch meine Tochter sehr viel Trubel hatte und die Geburt erst ein Jahr her war? Ich konnte es irgendwie besser verkraften und sagte mir einfach, dass ich bestimmt eine 50% Quote habe: klappt nicht – klappt – klappt nicht – nächstes Mal klappt es sicher…

Die 50/50 Quote

Schließlich war das schwanger werden nie so das Problem. Nach einem entspannten Sommer wollten wir es wieder versuchen. Nicht lange rumprobieren, gleich mit Clomifen und BÄM. Test positiv, kurze Zeit später krasseste Unterbauchschmerzen und Blut im Urin. Ich wusste sofort, dass es dieses Mal eine Eileiterschwangerschaft ist. Ich bin heulend mit dem Fahrrad direkt von der Arbeit ins Krankenhaus gefahren. Die Schwestern haben mich gleich wiedererkannt und mit Taschentüchern versorgt. Ich wurde operiert, Eileiter konnte erhalten werden. Man sagte mir, dass der betroffene Eileiter nun aber vernarbt sei und natürlich schwieriger zu passieren als der andere. In dem Moment war mir das alles egal, ich konnte nur heulen. Bleibt mir nichts erspart? Mein Mann und meine Tochter waren in dieser Zeit einfach toll. Sie hat wohl gespürt, dass Mama mit Samthandschuhen angefasst werden muss.

Weil die innere Uhr irgendwie tickt, haben wir uns auf Empfehlung meines Gyns im Januar in einer Kinderwunschpraxis vorgestellt. Dort wurde eine Chromosomenuntersuchung gemacht, so ad hoc kann ich das nicht erklären. Das Ergebnis jedoch hat ausgesagt, dass die Chemie zwischen meinem Mann und mir stimmt. Seine Spermien hatten wir wegen des Clomifens schon untersuchen lassen. Mit dem Kinderwunschdoc entschlossen wir uns für einen weiteren hormonellen Versuch. Ich habe mit Gonal F die Eizellreifung stimuliert. Dazu musste ich mir täglich Spritzen in das Bauchfett injizieren und schließlich den Eisprung mit einer größeren Spritze auslösen. Das Prinzip nennen die „GV nach Plan“. So hat es sich auch angefühlt. Ich musste an dem Tag meine Tochter früher aus der Krippe abholen, da sie Fieber hatte. Mit ihr im Kinderwagen dann zur Kinderwunschpraxis, um die Follikelsituation zu überprüfen. Es ist schon ein komisches Gefühl, mit einem Kind die Kinderwunschpraxis zu betreten und im Wartezimmer neben den Frauen zu sitzen, die sich auch unbedingt ein Kind wünschen. An diesem Tag bekamen wir das GO zur Auslösung des Eisprungs und mussten dann nach einem Fahrplan der Praxis „GV“ haben. Mit einem kranken Kind zuhause nicht so einfach, also fand „GV“ mal eben so statt, als Mausi dann mal endlich schlief.

Was man nicht alles tut!

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es sofort klappt. Ich hatte sogar schon mit der Ärztin besprochen, wie es bei einem negativen Test weitergehen soll. Aber – der Test war positiv, die Freude erst groß, dann wieder mit angezogener Handbremse. Schließlich hatte ich schon Einiges hinter mir. In die Kinderwunschpraxis musste ich noch zwei weitere Male und wurde mit der Aussage „da schlägt das kleine Herzchen“ entlassen und zu meinem Frauenarzt geschickt. Der hat sich auch total für uns gefreut, schließlich kennt er mich und meine Geschichte schon so lange.

In der zwölften Woche war mein sonst so gesprächiger und super lustiger Frauenarzt auf einmal ganz still. Kein schlagendes Herzchen mehr! Das kann nicht sein! Ich war fassungslos, nach so vielen gescheiterten Versuchen sah es doch dieses Mal so gut aus. Wieder zur Ausschabung am 4. Mai 2018, Ende 12. Schwangerschaftswoche.

Jetzt gehöre ich zur Fraktion „habitueller Abort“. Was das genau für mich heißt, keine Ahnung. Der Wunsch ist aber immer noch größer als der Schmerz, daher machen wir weiter. Bei der Arbeit und im privaten Umfeld ist gefühlt jede Zweite schwanger. Manchmal ist das ganz schön hart.

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