Kinderhaben Anderswo: Sandra in Hongkong

17. April 2019 | in Familie | Travel

Sandra lebt schon seit knapp drei Jahren mit ihrer Familie in Hongkong – ihre erste Tochter hat sie noch in Deutschland bekommen, die zweite kam dann im Ausland zur Welt. Nach ersten Anfangsschwierigkeiten haben sich alle gut eingelebt, auch wenn das Leben dort so ganz anders ist, als in der Heimatstadt München. In ihrem persönlichen Bericht erzählt sie von einem spannenden Expat-Leben mit vielen tollen Reisen, aber auch von gelegentlichem Heimweh.

Unser Weg nach Hongkong

Mein Mann arbeitet als Lehrer an der deutschen Schule in Hongkong. Wir haben im Sommer 2015 geheiratet und kamen gerade aus unseren Flitterwochen in Bali wieder, als er eine Anfrage aus Hongkong bekam! Ich war bis dahin noch nie in Hongkong und habe China eigentlich immer ausgeschlossen. Ich habe einmal eine Freundin in Peking besucht, die dort mit ihrem Mann und kleinen Sohn lebte: Damals fand ich es sehr spannend, allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, dort auch zu leben! Mein Mann war allerdings direkt Feuer und Flamme und hat dann, nach einigen Gesprächen, tatsächlich den Job angeboten bekommen.

Wir haben dann im Herbst fix zugesagt, und dann ging die Planung los. Da wir den Gedanken ins Ausland zu gehen bereits seit längerem im Hinterkopf hatten, haben wir in München immer in einer kleinen Wohnung gelebt und es war klar, dass wir diese aufgeben würden. Unsere Traumvorstellung war immer, dass wir noch in Deutschland ein Baby bekommen und dann gemeinsam ins Ausland gehen. Leider hat es mit dem Schwanger-werden etwas länger gedauert… aber dann hat es zum Glück im Frühjahr geklappt und der Entbindungstermin wurde auf Ende September ausgerechnet. Mein Mann musste allerdings seine neue Arbeitsstelle Anfang August antreten. Er wollte, dass ich mitkomme und dort unsere Tochter bekomme, aber für mich waren das viel zu viele Unsicherheiten. Im Endeffekt wäre es sowieso daran gescheitert, dass mich keine Versicherung mehr für eine Entbindung aufgenommen hätte, wenn ich bereits schwanger bin. Also war klar, dass ich in München entbinden werde.
Die nächsten Monate haben wir dann mit dem Auflösen der Wohnung, dem Anschaffen der Grundausstattung für das Baby und viel Papierkram verbracht. Als mein Mann dann Anfang August nach Hongkong flog, war das schon sehr hart für uns. Wir waren noch nie so lange getrennt und dann noch in solch einer besonderen Zeit. Zum Glück gibt es Facetime! Er war sehr begeistert von der Stadt und hat mich angesteckt und sehr neugierig gemacht. Ich bin noch in unserer Wohnung geblieben und habe die letzten Wochen der Schwangerschaft sehr genossen und viel Zeit mit Freunden verbracht.

Geburt ohne Papa

Als es dann losging mit der Geburt hab ich schnell meinem Mann Bescheid gegeben, leider waren jedoch für diesen Tag bereits alle Flüge weg, sodass er erst am nächsten Tag fliegen konnte. Aber ich wurde super von vier engen Freundinnen unterstützt und der frisch gebackene Papa kam am Morgen nach der Entbindung nach München und konnte unsere kleine Tochter Mayla in die Arme schließen. Er durfte dann fünf Tage in Deutschland bleiben und kam in den Herbstferien noch einmal zu Besuch. Als Mayla 6 Wochen alt war, bin ich dann alleine mit ihr nach Hongkong geflogen. Das war schon alles sehr emotional und eine Achterbahn der Gefühle. Aber am stärksten war natürlich die Vorfreude darauf, als kleine Familie endlich zusammen zu sein.

Keine Chance mit Kinderwagen

Anfangs haben wir in einem Serviced Apartment in Wan Chai gelebt. Das ist wirklich mittendrin im Trubel der Stadt. Als ich an einem der ersten Tage mit dem Kinderwagen aus dem Haus wollte, wäre ich am liebsten sofort wieder umgedreht. Der enge Bürgersteig war so voll, dass man einfach mit dem Fluss der Menschen gehen musste. Ich hatte unseren Bugaboo Kinderwagen aus Deutschland dabei. Hier sieht man, wenn überhaupt, nur diese Miniatur-Kinderwägen und das macht auch wirklich Sinn! Es ist unglaublich schwierig, kinderwagengerechte Wege zu finden, selbst auf den Bürgersteigen sind manchmal Stufen. In den U-Bahnhöfen gibt es diese automatischen Schranken, durch die man nicht mit dem Kinderwagen passt. Also ist man immer auf die Schranken für Rollstuhlfahrer angewiesen. Diese sind dann aber immer nur dort, wo auch der Aufzug hinfährt. An den Aufzügen stehen immer so viele Menschen an, dass es ewig dauert und leider wird man auch selten vorgelassen, obwohl das natürlich die Idee ist. Das hat mich anfangs immer ganz verrückt gemacht und es kam nicht selten vor, dass ich an einem U-Bahnausgang gefangen war, weil ich die Rolltreppe genommen hatte. Ich konnte nicht raus oder runter, also zurück zum Gleis, und dann gab es nur Treppenstufen! So musste ich den Kinderwagen über die Absperrung heben… Ich habe dann recht schnell auf eine Babytrage umgestellt und damit war plötzlich alles herrlich einfach und ich konnte die Stadt neu erleben und erkunden. Wir sind dann auch in einen etwas ruhigeren Stadtteil, Kennedy Town, gezogen und ich habe eine gute Freundin (die Frau eines Kollegen meines Mannes mit gleichaltrigem Kind) kennengelernt. Zu zweit macht es direkt viel mehr Spaß!

Unser Alltag mit Kind

Ich war sehr motiviert meine Tochter bei verschiedenen Aktivitäten anzumelden. Ich habe immer davon geträumt, wenn ich Kinder habe, dann möchte ich mit ihnen zur Kindermusik, zum Schwimmen, Turnen etc. Es gibt hier auch viele Angebote allerdings kostet da eine Stunde locker mal um die 25-30 Euro. Wenn dein Kind dann keinen Bock hat und die ganze Stunde über an der Tür steht und raus will, überlegt man es sich, ob man das regelmäßig zahlen möchte. Ich sah diese Aktivitäten auch als eine Möglichkeit, andere Mütter kennenzulernen. Doch ich wurde leider enttäuscht: Hier ist es üblich, dass die Mütter zehn Wochen nach der Geburt wieder arbeiten müssen. Da es für Kinder unter zwei Jahren kaum Kindergärten oder andere Betreuungseinrichtungen gibt, haben in der Regel alle Familien sogenannte „Helper“. Diese kommen aus den Philippinen, Indien, Sri Lanka oder Indonesien und unterstützen die Familien bei der Hausarbeit und Kindererziehung. Anfangs war es für mich völlig befremdlich, dass immer und überall hauptsächlich Helferinnen unterwegs waren mit den Kindern. Dadurch lernt man natürlich keine Mütter kennen. Es ist üblich, dass die Helferinnen sich mit den Kindern zu Playdates treffen. Natürlich gibt es auch viele Expat-Frauen, die nicht arbeiten, aber die muss man erst einmal finden.

Finden ist hier insgesamt so ein Stichwort! Ich bin anfangs fast verzweifelt, weil ich die einfachsten Dinge, vor allem für das Baby, nicht finden konnte. Ich musste erst verstehen, dass aufgrund des sehr begrenzten Platzes, viele Geschäfte in irgendwelchen Hochhäusern in den oberen Stockwerken sind. Aber das steht dann, wenn überhaupt, erst am Aufzug dran. Man kann also nicht auf gut Glück durch die Stadt ziehen, wenn man etwas sucht – es sei denn man ist in einer Mall. Aber durch andere Mamis und vor allem über Facebook findet man dann doch nach und nach alles. Und man findet ihr eigentlich auch alles, wenn man den entsprechenden Preis zahlen kann.

Als unsere Tochter mit dem Essen angefangen hat, haben wir wieder einen Schock bekommen: Ein Gläschen kostet hier umgerechnet mindestens 2-3 Euro. Wir haben sehr viel aus Deutschland mitgenommen und bekommen immer, wenn Besuch kommt, viele Dinge von DM mitgebracht. Der fehlt mir hier so sehr… das ist auch immer der erste Besuch in Deutschland. Wenn wir ankommen, gehen wir erst zum Bäcker und, sobald die Geschäfte offen sind, ab zu DM. Ein Paradies – haha.
Auch bei den Lebensmitteln bekommt man hier erst einmal einen Schock, wenn man die Preise sieht. Ich bin anfangs oft in den Supermarkt gegangen und habe nichts gekauft, weil mir einfach alles viel zu teuer war. An vieles gewöhnt man sich mit der Zeit, aber an einige Preise kann ich mich auch nach zweieinhalb Jahren nicht gewöhnen! Ich sehe beispielsweise nicht ein, für eine Salatgurke umgerechnet über fünf Euro zu zahlen. Das Gute ist, dass man immer irgendwelche Tipps bekommt, wo man was besonders günstig kaufen kann. Allerdings ist man dann eben auch viel unterwegs.
Aber auch daran gewöhnt man sich. Hier im Ausland lernt aber viele Dinge in Deutschland zu schätzen…

Eine Sache, die mir hier total fehlt, sind lange Spazierwege, die auch mit Kinderwagen machbar sind. Denn dafür gibt es einfach keinen Platz.

Wir reisen viel!

Uns geht es hier sehr gut. Die Tatsache, dass wir mit nur einem Gehalt hier leben und super Urlaube machen können, genießen wir sehr. Auch die Nähe zu Stränden und Natur ist ein großes Plus. Wir waren bisher schon zwei mal in Vietnam und auch in Kambodscha, in Taiwan, in China oder in Myanmar. Mit dem Camper sind wir durch Australien und Neuseeland gereist. Dadurch, dass ich nicht arbeite und nicht nur meine 28 Tage Urlaub habe, können wir die Schulferien immer gut für gemeinsame Reisen nutzen. Die Urlaube haben sich nun natürlich an die Kinder angepasst. Die Hotels wurden besser und die Tage weniger voll gepackt.

Unser Leben hier ist teilweise aber auch total surreal. Ich arbeite nicht und kann so mit den Kindern viel Zeit verbringen. Seit der Geburt unserer zweiten Tochter, haben auch wir eine Helferin und dadurch habe ich sehr viele Freiräume und kann mich noch mehr auf die Mädels konzentrieren. Das genieße ich total. Wir sind nun noch einmal umgezogen. Wir wohnen jetzt in Discovery Bay, das liegt auf Lantau Island. Hier leben sehr viele Expats und unendlich viele Kinder und Hunde. Es gibt eine Fähre nach Central, die 25 Minuten benötigt. Unsere Tochter liebt es, mit dem Boot zu fahren und mein Mann pendelt jeden Tag mit der Fähre. Private Autos und Taxis sind, bis auf wenige Ausnahmen, nicht erlaubt. Es gibt interne Shuttle Busse, die zwischen den Wohnblöcken verkehren. Dadurch ist es insgesamt viel ruhiger und kinderfreundlicher. Lantau Island hat sehr viel Natur und Wanderwege. Man bekommt hier in Discovery Bay alles für den täglichen Bedarf und es gibt tolle Restaurants an einer Promenade, die an Mallorca erinnert. Insgesamt hat man hier ein Urlaubsgefühl. Als wir nach Hongkong kamen, haben wir immer gesagt, dass wir hier nicht wohnen wollen, weil es viel zu wenig chinesisch ist und das stimmt auch, allerdings haben wir dann, sobald unsere Kleine laufen konnte, unsere Meinung geändert: Hier ist es einfach schöner und eben familienfreundlicher. Wir sind aber sehr froh, dass wir in Kennedy Town gewohnt haben. Dort gibt es eine interessante Mischung aus westlich und chinesisch-traditionell, die uns super gefällt. Es gibt tolle günstige und einfache Restaurants, aber auch leckere Pizzerien. Und auch sonst hatte man einfach mehr Auswahl und war noch schneller im Zentrum. Aber wie gesagt, mit Kind ist das hier die beste Umgebung. Wir sind vom 39. Stock in den 1. Stock gezogen und fühlen uns sehr wohl.

Hongkong hat verschiedene Seiten – und viel wunderschöne Natur

Ich habe einmal gelesen, dass Hongkong eine Stadt der Kontraste ist und das trifft es zu 100 Prozent.

Eine Sache, die erst einmal niemand von Hongkong erwartet, ist, dass es hier so viel grüne Natur gibt. Es gibt so viele Wanderwege und wenn man dann auf dem Gipfel eines Berges steht, kann man kaum glauben, dass man weniger als eine Stunde vom krassen Trubel der Stadt entfernt ist. Es gibt auch sehr viele schöne Strände, an denen es sich anfühlt wie im Urlaub. Wenn man tagsüber einen Ausflug in die Natur gemacht hat und dann abends in der Stadt in der Skybar mit einem Cocktail sitzt und auf die Skyline schaut, ist man ziemlich geflasht von der Vielfalt dieser spannenden Stadt. Oder wenn man zum berühmten Pferderennen im Happy Valley geht. Das ist eine Rennbahn mitten in der Stadt umgeben von Hochhäusern! Auch die Vermischung von Moderne und Tradition ist hier sehr interessant. Neben einem hochmodernen Hochhaus mit verglaster Front, steht ein kleines zerfallenes Haus, in dem noch Menschen wohnen. Wenn man in der Stadt unterwegs ist, sieht man Business Menschen in schicker Kleidung, Helferinnen, Kinder in Schuluniform und viele Arbeiter. Die Mietpreise sind hier natürlich der absolute Wahnsinn und wir können hier nur leben, weil die Miete für uns übernommen wird. Es ist sehr verbreitet, dass verschiedene Generationen auf kleinstem Raum zusammenleben, da man ansonsten außerhalb der Stadt leben müsste.

Keine Berührungsängste

Wenn wir in Asien auf Reisen sind, wird unsere Tochter viel fotografiert und angefasst. Teilweise versuchen die Leute sogar, sie zu küssen. Das stresst mich immer sehr. In Hongkong ist das zum Glück überhaupt nicht der Fall, was viel dazu beiträgt, dass wir uns hier so wohl fühlen. Unsere vielen Reisen waren für uns auch ein Anreiz, überhaupt ins Ausland zu gehen. Wir lieben Asien und sind schon vorher viel hier gereist. Nun ist alles so nah und unkompliziert und auch Länder wie Australien oder Neuseeland sind leichter erreichbar. Mayla hat schon so viel erlebt und gesehen! Wir hoffen sehr, dass sie sich wenigstens ein bisschen daran erinnern wird. In jedem Urlaub macht sie immer einen großen Entwicklungssprung. Sie findet es natürlich immer super, wenn sie im Urlaub Mama und Papa den ganzen Tag bei sich hat. Finja hat auch bereits ihren ersten Urlaub hinter sich und hat super mitgemacht.

Tropische Temperaturen und zeitweise schlechte Luftwerte

Ich persönlich freue mich auch immer sehr auf den Heimaturlaub im Sommer. Wir bleiben mindestens vier Wochen in Deutschland und das tut immer total gut. Freunde, Familie, deutsches Essen, Wälder, lange Spazierwege. Da fällt der Abschied manchmal schwer. Vor allem ist es hier in Hongkong in den Sommermonaten unerträglich heiß und schwül. Das geht eigentlich von April bis Oktober so. Da braucht man keine lange Kleidung und keine geschlossenen Schuhe. Und auch im Winter ist es hier meistens angenehm. Eine Zeit lang zieht man mal einen Jacke an, aber das wars dann auch schon.
Und das gefällt mir sehr! Mir graut es davor, die Kinder in Deutschland im Winter dick einzupacken. Anziehen ist bei uns gerade eh nicht so leicht, da bin ich froh wenn es nur Shorts und T-Shirt sind. Und auch für mich mit dem Stillen ist es super easy. Im Hochsommer ist die Hitze allerdings kaum auszuhalten und dadurch, dass die Spielplätze hier oft nicht überdacht sind und es keinen Schatten gibt, kann man sich nicht viel draußen aufhalten. Im Winter und vor allem um das Chinesische Neujahr rum, ist es hier oft auch schwierig rauszugehen, allerdings liegt das dann an den schlechten Luftwerten. Die Luft bläst dann oft vom chinesischen Festland her und ist echt richtig schlecht. Dann bleiben wir viel drinnen und schalten unsere Luftreiniger an. Zum Glück sind das meistens nur kurze Phasen.

Viele Insekten (und Schlangen!)

Die Hitze bringt dann auch weitere Nebeneffekte mit sich: Leider gibt es hier oft Kakerlaken. Wir hatten sie, als wir in unsere Wohnung eingezogen sind, aber zum Glück nur für eine kurze Zeit, aber man sieht sie oft auf der Straße oder auch an der Promenade beim Essen. Moskitos und Sandfliegen sind hier auch eine Plage und ich werde eigentlich täglich mehrfach gestochen… zum Glück bleiben die Mädels oft verschont. Wir haben hier auch öfter Schlangen, allerdings habe ich erst zweimal eine gesehen, aber die eine war echt groß und seitdem bin ich etwas unentspannter beziehungsweise passe mehr auf.  Es gibt hier viele Schleichwege und Abkürzungen, aber derzeit vermeide ich sie lieber oder schaue viel bewusster um mich. Denn die Schlangen können sehr gefährlich sein. Unsere sonstigen Freizeitaktivitäten beeinflusst es aber nicht.

Taifune…

Im Spätsommer ist hier die Taifunzeit. Eigentlich gibt es immer mindestens einen Taifun, der Hongkong trifft. Letztes Jahr war es der stärkste Taifun seit vielen Jahren und es war wirklich ein schlimmes Erlebnis. Wir haben den ganzen Tag nur gehofft, dass unsere Scheiben nicht rausfliegen und mussten uns im Flur auf dem Boden aufhalten. Ich war schwanger und Mayla gerade knapp zwei Jahre alt. Das Wasser kam durch die Fenster rein und wir mussten den ganzen Tag wischen. In ganz Hongkong gab es sehr viel Zerstörung – es war erschreckend diese Macht der Natur mitzuerleben.

Was ganz toll ist, ist die Tatsache, dass Mayla mittlerweile schon ziemlich viel Englisch spricht. Mit unserer Helferin und in ihrer Playgroup, in die sie dreimal die Woche für jeweils zweieinhalb Stunden geht, wird ausschließlich Englisch gesprochen. Zu Hause wechselt sie zwischen Deutsch und Englisch, wenn sie mit uns bzw. unserer Helferin spricht.

Unsere Helferin

Emily kommt aus den Philippinen und ist unsere gute Seele. Sie nimmt uns viel Hausarbeit ab und bringt unsere große Tochter in den Kindergarten, geht mit ihr auf den Spielplatz oder spielt mit ihr Zuhause. Anfänglich war es eine ungewohnte Situation, dass sie mit unserer Tochter unterwegs ist und auch, dass jemand bei uns Zuhause ist. Aber sie ist wirklich zu einer Vertrauensperson geworden. Mit unserer kleinen Finja macht sie derzeit noch nicht so viel, außer, dass sie sie mir mal abnimmt wenn ich mit Mayla essen möchte.

Schwangerschaft und Geburt

Womit ich in der Schwangerschaft große Probleme hatte, waren die vielen Gerüche. Es riecht nach all dem Essen, das an Straßenständen oder in Restaurants angeboten wird. Bei manchen Gerüchen lauft einem das Wasser im Mund zusammen, bei anderen muss man sich fast übergeben. Und die extreme Hitze hat mir zu schaffen gemacht. Ich leider unter schwachen Venen und musste somit in der Schwangerschaft Kompressionsstrümpfe tragen. Das war in Deutschland auch schon so, aber hier bei 35 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit ist das noch einmal eine andere Nummer.

Zu Beginn der Schwangerschaft musste ich erst einmal das Gesundheitssystem hier verstehen. Es gibt eine super öffentliche Versorgung. Jeder, der eine Hongkong ID Karte hat, hat Zugang zu den öffentlichen Ärzten und Krankenhäusern. Das ist allerdings mit langen Wartezeiten und „Massenabfertigung“ verbunden. Wir haben uns für das private System entschieden. Das bedeutet, dass man das Krankenhaus bucht und den Arzt selbst mitbringt. Es ist wahnsinnig teuer, aber dafür darf der werdende Vater die ganze Zeit bei seiner Frau bleiben, in einem öffentlichen Krankenhaus darf er erst ganz am Ende dazu.
Es gibt hier eine deutsche Hebamme, die mir vor, bei und nach der Geburt sehr geholfen hat. Insgesamt muss ich sagen, dass ich die ärztlichen Untersuchungen hier als sehr oberflächlich wahrgenommen habe. Meine Tochter wurde bei den Untersuchungen manchmal nicht einmal ausgezogen und ich wurde nur gefragt, ob mir irgendwas aufgefallen sei. Deshalb machen wir jedes Jahr in Deutschland einen großen Check-Up.

Durch unseren Umzug nach Discovery Bay hatten wir immer Angst, dass wir es nicht zur Entbindung ins Krankenhaus schaffen würden. Die Fähre fährt zwar rund um die Uhr, allerdings gibt es nachts zwei größere Lücken. Es ist dann aber alles super gelaufen und ich konnte nach einem Blasensprung entspannt die Fähre nehmen und dann mit dem Taxi vom Ferrypier hoch zum Krankenhaus fahren. Das liegt kurz unterhalb des Victoria Peak, einem der bekanntesten Aussichtspunkte aus Hongkong Island. Die Aussicht aus dem Zimmer, und sogar vom Kreissaal, ist so toll, dass man sogar von den Schmerzen abgelenkt wird. Die Geburt hier verlief super und ich wurde sehr gut betreut.

Ein multikultureller Mix

Man wird hier insgesamt super aufgenommen und findet schnell Anschluss, wobei man oft doch eher mit anderen Expats zu tun hat. Es sind halt doch alle in der gleichen Situation. Man ist weit weg von zu Hause und jeder ist irgendwie auf der Suche nach Anschluss und gute Freunde ersetzen dann oft auch ein Stück weit die Familie.

Sehr interessant ist auch der Mix aus unterschiedlichen Kulturen und Hintergründen. Es ist schön, sich mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen auszutauschen und es gibt hier sehr viele internationale Events auf denen einem verschiedene Kulturen näher gebracht werden. Es gibt deutsche und finnische Weihnachtsmärkte, italienische Märkte etc. Sogar ein German Bierfest gibt es hier. Natürlich sind auch die chinesischen Feste und Feiertage total spannend. Wir haben das Chinesische Neujahr bereits mehrfach erlebt und auch viele Drachentänze gesehen und einiges über die Hintergründe der Festlichkeiten gelernt.

Ein Highlight hier ist auf jeden Fall noch eine sogenannte „Junk”: Das bedeutet, dass man sich als Gruppe zusammentut und gemeinsam ein Boot mietet mit dem man dann den ganzen Tag herumfährt bzw. ankert und dann vom Boot aus Schwimmen geht und den Tag genießt. Das klappt auch hervorragend mit Kindern.

Rückkehr nach Deutschland

Wir können maximal für sechs Jahre hier bleiben. Diesen Sommer sind es bereits drei Jahre und wir bleiben mindestens noch ein weiteres, vielleicht ja auch zwei oder drei. Es wird uns auf jeden Fall schwer fallen, eine Entscheidung zu treffen. Denn hier schwankt es ja auch immer etwas, wie man sich gerade wohl fühlt. Manchmal haben wir Heimweh und würden am Liebsten sofort in den Flieger und zurück nach Deutschland zur Familie und zu den Freunden. Vor allem wenn besondere Ereignisse wie Hochzeiten oder Geburten anstehen, wächst das Heimweh! Und wir finden es natürlich schade, dass unsere Familien so viel von den Mädels verpassen. Anderseits wissen wir auch, dass wir noch sehr lange in Deutschland leben werden und dann viel von hier vermissen werden. Asien ist so kinderlieb und in vielem unkomplizierter als Deutschland.

Wenn wir zurück in Deutschland sind, werde ich auf jeden Fall wieder arbeiten. Wir kommen aus München und da braucht man das zweite Gehalt. Aber das ist nicht der Hauptgrund: Ich freue mich darauf, wieder zu arbeiten. Ich habe im Event-Management gearbeitet und muss dann schauen, ob ich eine Stelle finde, die sich mit Kindern vereinbaren lässt (das ist ja in der Branche nicht so einfach). Ich bin allerdings auch offen, in einem anderen Bereich zu arbeiten. Falls wir noch länger in Hongkong bleiben als ein Jahr, würde ich hier auch gern arbeiten, wobei Teilzeitstellen eher sehr unüblich sind.
Derzeit würden wir sagen, dass die Familienplanung abgeschlossen ist, aber man weiß ja nie… 😉

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