Kinderhaben anderswo: Anna in Singapur

28. March 2017 | in Familie | Gesellschaft | Lifestyle

Ich kenne Anna seit fast zwei Jahrzehnten, sie ist – genau wie ich – in München aufgewachsen und schien mir immer – anders als ich – sehr mit der bayerischen Heimat verwurzelt zu sein. Umso überraschter war ich, als ich erfuhr, dass Anna mittlerweile mit Mann und Kind in Singapur lebt. Singapur habe ich mir immer ein bisschen wie “Plastic City” vorgestellt: die teuerste Stadt der Welt, eine der saubersten Städte der Welt, vorbildliche Wirtschaft und irgendwie so gar nicht Asien. Dieses Bild hat mir Anna in gewisser Weise bestätigt, sie sagt selbst, dass sie dort ein absolutes Expat-Leben lebt, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Dennoch hat sie sich richtig gut eingelebt und liebt das Leben in der Finanzmetropole sehr. Wie Schwangerschaft und Geburt liefen und wie ihr Alltag so organisiert ist – das erzählt sie am besten selbst. Bühne frei für Anna!

 

Wie ich nach Singapur kam

Hätte man mich vor einigen Jahren gefragt, ob ich in Asien leben wollen würde, hätte ich dies ganz sicher verneint. Jetzt lebe ich seit nun mehr als zwei Jahren in Singapur, und was soll ich sagen? Ich liebe es! Ich habe es noch keine Sekunde bereut, hier her zu ziehen und genieße die Zeit mit meinem Mann und meinem kleinen Sohn Leopold sehr.

Wie es dazu kam? Mein Mann hat 2014 von seiner Firma einen Job angeboten bekommen und nach reiflicher Überlegung und einem einwöchigen Aufenthalt inklusive Wohnungsbesichtigungen, haben wir uns entschieden auszuwandern. Einerseits keine leichte Entscheidung, da ich sehr gerne in München gelebt habe, einen tollen Job (als Trademarketing- und Eventmanager bei IWC Schaffhausen) hatte und sehr regelmäßig in die Berge gefahren bin. Ganz abgesehen von Freunden und Familie.

Andererseits verändert sich in München in ein paar Jahren nichts bahnbrechend… Singapur ist eine gute Ausgangsposition zum Reisen, mich reizte die  interkulturelle Erfahrungen und die Karriere meines Mannes war natürlich auch ausschlaggebend.  Man wird sehr gut bezahlt und zahlt nur ca. 12 Prozent Steuern. All das hat uns überzeugt, uns auf das Abenteuer Expat-Leben einzulassen und für einen begrenzten Zeitraum einen anderen – gehobeneren – Lebensstil zu leben. So sind wir also Anfang 2015 mit unseren liebsten Möbeln nach Singapur ausgewandert. Geplant war das Abenteuer eigentlich für zwei Jahre, jetzt haben wir verlängert und bleiben weitere zwei Jahre!

Für mich ist Singapur scherzhaft gesagt eher „Asia light“. Es ist sehr strukturiert, sicher, sauber und fast jeder spricht englisch, alle sind sehr freundlich und hilfsbereit.

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Wie wir leben

Wir wohnen – so wie die meisten Ausländer – in einem Condo, einer schicke Wohnanlage mit Fitnessstudio, Pool und Concierge… das versaut einen ein wenig, in Deutschland existiert so etwas nicht einmal glaube ich! Ursprünglich wollte ich hier auch arbeiten, da ich aber bereits schwanger war, als wir ausgewandert sind, habe ich mich erst mal mit dem Thema schwanger arbeiten, Mutterschutz und Elternzeit auseinandergesetzt. Eher ernüchternd. Eine gute Work-Life-Balance sieht anders aus. Singapur ist eher auf Erfolg, Konsum, Geld verdienen und ausgeben ausgerichtet, als auf Familienplanung und Familienleben. Und das merkt man!

Mütter haben es in Singapur daher nicht so leicht wie in Deutschland. Man hat 4 Wochen vor und 12 Wochen nach der Geburt Elternzeit und auch das Modell des Teilzeitjobs gibt es nur sehr selten, daher gehen Frauen gesetzlich nach drei Monaten wieder Vollzeit arbeiten. Die meisten Ausländerinnen haben gar nur acht Wochen gesetzliche Elternzeit.

Vaterschaftsurlaub gab es bisher nicht, seit diesem Jahr gibt es in staatlichen Unternehmen und für Regierungsangestellte zehn Tage Vaterschaftsurlaub. Die Regierung hofft, dass die freie Wirtschaft nachzieht. Eltern erhalten bei Krankheit der Kinder sechs zusätzliche – aber unbezahlte – Urlaubstage, ungeachtet der Anzahl an Kindern.

Von Regierungsseite hat man zwar erkannt, dass die Bevölkerungspyramide langfristig kippt, da die Geburtenrate prozentual über die Jahre stark zurückgegangen ist. Aber meiner Meinung nach hat man das Problem am falsche Ende versucht zu lösen. So erhalten einheimische Paare für jede Geburt Geld, umgerechnet ca 5.000 Euro pro Kind. Solange aber der Staat nicht genug Unterstützung für Mütter bietet, werden Frauen ihre Karriere weder unterbrechen, noch aufgeben. Und oft geht es auch gar nicht um Karriere, sondern einfach nur darum Geld zum Leben zu verdienen.

Schwangerschaft

Wir haben daher beschlossen, dass ich meine Schwangerschaft in vollen Zügen genieße und nicht arbeite. Ich finde, dass das Thema Schwangerschaft in Summe unaufgeregter und lockerer behandelt wird als ich es aus Deutschland kenne. Zum Beispiel spielt das Thema Ernährung und die damit `verbotenen` Lebensmittel nicht die selbe Rolle. Ich wurde nicht mal ausführlich darüber aufgeklärt, was ich alles nicht essen darf. Ich sollte lediglich auf rohes Ei, rohes Fleisch und rohe Sprossen verzichten und als Europäer die Straßenküche bzw. Hawker und Food Courts meiden da dort die Keimbelastung höher sei. Ich habe also auch jeden Käse und Sushi gegessen. Es wird auch nicht davon abgeraten, im ersten Trimester zu fliegen.

Also haben wir die gute geographische Lage Singapurs genutzt, und haben während meiner Schwangerschaft die benachbarten Länder bereist, Kurztrips nach Malaysia, Indonesien, Thailand und China. Ich habe meine Schwangerschaft sehr genossen, mir ging es richtig gut (bis auf ein paar Wochen Übelkeit) und die konstante Hitze von ca 33 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit haben mich nie gestört. Ich war dadurch vielleicht ein wenig zu aktiv, am Ende musste ich über zwei Wochen liegen und Leopold entschied sich dafür, viereinhalb Wochen früher zu kommen.

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Geburt Deluxe

Ich habe Leopold in einem privaten, internationalen Krankenhaus zur Welt gebracht, das unweit unserer Wohnung entfernt liegt. Ich habe mich in Woche 32 angemeldet, also nicht wie in München, wo man sich mancherorts bis Woche acht angemeldet haben muss. Nach einer privaten und kostenlosen Krankenhausführung durch die Abteilungen inklusive Essensverkostung und Zimmerbesichtigung war ich beeindruckt. Einzelzimmer sind Standard, der Personalspiegel extrem hoch, alle sehr freundlich und medizinisch gesehen ist Singapur auf höchstem Stand.

Ein paar Unterschiede gibt es aber natürlich: zur Schmerzbewältigung während der Geburt wird mit Lachgas gearbeitet und nur auf speziellen Wunsch mit PDA. Ich habe nicht in einem OP oder in einem Kreissaal entbunden, sondern in einer Delivery Suite (ein schickes Krankenzimmer mit allen Geräten zur Versorgung), ein paar Meter neben den Kreissälen und Intensivstation, falls doch operiert werden muss. Hier führt ein Gynäkologe, der einen auch die gesamte Schwangerschaft betreut, die Geburt durch, zwei Krankenschwestern und ein Kinderarzt waren zudem konstant mit anwesend. Auch die komplette Erstversorgung des Babys findet noch im selben Zimmer statt. Ich hatte darüber hinaus aber auch eine Traumgeburt. Ich kam kurz vor Mitternacht mit Blasensprung ins Krankenhaus, nach einer Stunde dann PDA und nach zwei Stunden ausruhen (dank Couch im Zimmer hat auch mein Mann Schlaf gefunden) ging es los und nach 45 Minuten war Leopold auch schon da.

Da er ein Frühchen war, musste ich vier Tage im Krankenhaus bleiben, was ich sehr angenehm fand, da ich ja hier ohne familiäre Unterstützung bin und so viel Hilfe hatte. Mir wurde Leopold tagsüber zum kuscheln und stillen gebracht und nachts nur zum stillen, wodurch ich mehr Schlaf bekommen habe. Mein Mann musste nach zwei Tagen wieder arbeiten, da der Urlaub ja erst vier Wochen später geplant war!

Da Singapur stark durch die chinesische Kultur geprägt ist, ist es üblich dass einen die gesamte Familie noch am ersten Tag besuchen kommt. So haben mich die Kollegen meines Mannes einige Stunden nach der Geburt zu fünft besucht, weil sie uns ein wenig das Gefühl von Familie geben wollten. Rührend! Ich dachte erst, mein Mann macht einen Witz als er fragte ob sie alle kommen könnten, aber ich fand es dann sehr nett.

Leopolds Geburt war extrem teuer, wir haben ca. 10.000 Euro bezahlt. Die Kosten wurden jedoch von unserer Krankenkasse komplett erstattet, wie auch alle sehr umfangreichen Vorsorgeuntersuchungen. Als Einheimischer zahlt man übrigens weit weniger für eine Geburt, als als Ausländer. (ca 3-4.000 Singapur Dollar). In Singapur ist in der Grundkrankenversicherung die Geburt nicht inkludiert, sprich Einheimische haben die Kosten hierfür selbst zu tragen.

Betreuung während und nach der Geburt

Hier gibt es zwei sehr typische Formen der Unterstützung: Zum einem gibt es Doulas, Frauen welche nicht zwingend eine medizinische Ausbildung haben, dich aber vor, während und nach der Schwangerschaft, ähnlich wie eine Hebamme, betreuen.

Zum anderen gibt es (speziell bei chinesischen Frauen) Confinement Nannies, die einen Monat lang bei dir Zuhause wohnen und sich um spezielles gesundes Essen, Wäsche, Babypflege und Kräuterbäder für die Mütter kümmern. Man trinkt traditionell zum Beispiel fast nur roten Dattel-Tee und darf seine Haare einen Monat lang nicht waschen.

Ich selbst habe mich für die in Deutschland gängige Form entschieden: eine Hebamme. Hebammen sind aber nicht üblich. Ich habe über das Krankenhaus eine sehr nette gefunden, die mich in den ersten zwei Wochen nach der Geburt drei Mal besucht hat, um mir Tipps zum Thema Babypflege speziell baden und Stillen zu geben.

Stillen

ich habe mit einem Tuch über der Schulter überall gestillt. Aber es gibt auch in fast jeder Shoppingmall einen Nursery Raum, wo man ungestört stillen könnte. Der Raum beinhaltet auch eine Wickelstation und oft sogar Heißwasser-Spender für die Fläschchen. Dort zu stillen kam für mich aber nie in Frage, da Leopold ewig gebraucht hat und ich nicht eine Dreiviertelstunde in einem Kammerl hätte sitzen wollen.

Für Mütter die bereits nach kurzer Zeit wieder arbeiten, aber weiter stillen wollen, gibt es in den Büros gesetzlich vorgeschrieben einen Nursery Raum zum abpumpen.

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Maids

Ganz normal ist es hier, eine Maid /Helper zu haben, die bei dir zu Hause wohnt. Die meisten Frauen kommen von den Philippinen oder aus Indonesien und haben ihre Familie bzw. selbst Kinder dort. Die Arbeitsbedingungen sind hart. In den ersten zwei Jahren ihres Anstellungsverhältnisses haben sie gesetzlich keinen Anspruch auf Urlaub, und nur Sonntags frei. Ansonsten gibt es auch keine Zeitbeschränkung, wie lange sie am Tag arbeiten müssen und wohnen tun die meisten im so genannten “Bomb Shelter”, einem Raum ohne Fester und Klimaanlage, welcher selten größer als 4 qm ist und den wir eher als Abstellkammer bezeichnen würden.

Das sind also Frauen die sich den ganzen Tag um dein eigenes Kind kümmern, obwohl sie selbst teils kleine Kinder haben, und das auch noch zu Bedingungen die ich selbst Menschenunwürdig finde.

Immer wieder unterhalte ich mich mit Maids, die mir erzählen, dass sie gerne für Europäer arbeiten, erst gestern hat mir eine Maid bei uns im Condo erzählt, dass ihr Arbeitgeber sie regelmäßig nach Hause fliegen lässt, damit sie ihre eigenen Kinder sehen kann. Unter den Chinesen sind solche Almosen nicht üblich, ihr ehemaliger chinesischer Arbeitgeber hatte ihr zum Beispiel überhaupt keinen Urlaub gegeben. Wir selbst haben keine Maid, da ich zum einen die Arbeitsbedingungen nicht mag und zum anderen haben wir den Luxus, dass ich mich Vollzeit selbst um unseren Sohn kümmern kann.

Impfungen

Unser Sohn wurde standardmäßig bereits im Krankenhaus mit vier Tagen geimpft, im ersten Halbjahr folgten vier weitere Impfungen. Der Impfplan ist dem deutschen sehr ähnlich. Ich habe in meinem Bekanntenkreis die Beobachtung gemacht, dass man nicht vor die Wahl gestellt wird. Man wird gefragt und Kinder werden geimpft. Das Thema Impfgegner wird nicht debattiert. Ich finde das übrigens richtig und gut.

Kinderprodukte

Es gibt alles an Babyprodukten zu kaufen. Anders als in China ist es normal, dass Kleinkinder immer Windeln tragen. Nur das Milchpulver habe ich aus Deutschland mitgebracht, da ich seit dem chinesischen Milchpulverskandal kein Vertrauen mehr in asiatisches Milchpulver habe…

Alltag mit Kind

In Singapur sind wirklich alle sehr kinderfreundlich und hilfsbereit. In der U-Bahn wird einem ausnahmslos immer ein Platz angeboten. Lifttüren werden aufgehalten, bis man eingestiegen ist, etc. Es macht richtig Spaß, unterwegs zu sein.

Das einzige Manko ist, dass die Stadt nicht immer sehr Kinderwagen-tauglich ist, sprich ein normaler Weg zur U-Bahn kann mit Kinderwagen plötzlich doppelt so lange dauern. Und mit dem Bus kann ich eigentlich nicht fahren, da es im Bus noch Pflicht ist, den Kinderwagen zusammen zu klappen. Mit meinem Kinderwagen ist das nicht möglich, da ich Leopold herausnehmen müsste um den Kinderwagen auseinander zu bauen – alleine eine nicht zu bewältigende Aufgabe. Und weil man in den Bussen nur vorne einsteigt, wird man zu 80 Prozent auch nicht mitgenommen, es ust eben gesetzlich verboten! Und hier hält man sich sehr strikt an Gesetze. Wenn ich kurze Erledigungen mache, nutze ich deshalb immer eine Trage.

Im Gegensatz zu Deutschland haben die Menschen in Singapur ein offeneres Wesen, aber auch ein anderes Empfinden für Distanz. Neben lieben Komplimenten (how cute, big eyes, beautiful, handsome, very happy boy) fassen sie ständig Leopold an, an der Ampel, im Aufzug, im Geschäft. Sie streicheln Arme und Beine, tätscheln ihn im Gesicht und manchmal wird er sogar geküsst. Das fand ich am Anfang sehr befremdlich. In vielen asiatischen Kulturen scheint es jedoch ganz normal zu sein, manche Chinesen glauben, es bringe Glück ein blondes Kind zu berühren und ich habe mich schnell daran gewöhnt. Und Leopold, der flirtet gerne mit den Menschen, lacht sie an und winkt ihnen.

Im Restaurant ist es sogar sehr praktisch, wenn der Kellner ihn einfach hochnimmt und mit ihm das Lokal erforscht, da hat man dann kurz Zeit in Ruhe zu essen!

Essmanieren 

Viele Einheimische haben die Angewohnheit, alles was sie nicht essen wollen, auf den Tisch zu legen, bzw. auszuspucken. Allerdings sieht man das hauptsächlich in Hawker Centers oder Food Courts. Nah über dem Teller lehnen und Schmatzen ist allerdings normal. Aber im Vergleich zu China auch hier eher Asia Light.

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Spielen und Co.

Spielplätze gibt es hauptsächlich in den Condos oder in Shopping Malls im Inneren. Ein echter Unterschied zu Deutschland, wo es an jeder Ecke Spielplätze im Freien gibt! Auch das Spielen im Sandkasten oder auf Gras fällt somit weg, denn die Spielplätze sind mit Tartanbelag. Dafür gibt es einige Wasser-Spielplätze.

Singapur hat übrigens weltweit die besten Schüler. Der Staat steckt extrem viel Geld in Bildung.
Allerdings bedeutet das auch, dass Kinder ein sehr hohes Lernpensum haben, das geht bereits in der Vorschule los, dort wird auch schon die zweite Sprache, Mandarin, gelehrt.

Unser Alltag

Leopold war sehr lange ein schlechter Schläfer und auch heute schläft er nicht immer durch. Da ich ihn nachts schneller beruhigen und wieder zum schlafen bringen kann, nimmt mein Mann den Kleinen morgens wenn er wach ist, sodass ich noch schlafen kann. Die zwei machen Kaffee und dann wird zu dritt gefrühstückt. Mein Mann geht ins Büro und ich kümmere mich um die Wohnung, die Wäsche, die Einkäufe und Leopold. Ein weiterer großer Vorteil zu Deutschland ist, dass mein Mann abends meist so nach Hause kommt, dass Leopold noch wach ist. Da er leidenschaftlich gerne kocht, macht er das fast jeden Tag. Und Leopold isst mittlerweile einfach bei uns mit. Ich hätte nie gedacht dass ich meinen Sohn mal mit Stäbchen füttern würde!

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Ich bin mit Leopold tagsüber teils zuhause, am Pool, treffe Freunde oder gehe zu Spielgruppen und in den Musikunterricht. Es gibt für Expats ein großes Angebot, das es aber für mich erst mal herauszufinden galt. Relativ bald wird er auch in die Childcare gehen.

Unabhängig von den Deutschen hier und einem privaten Netzwerk, ist es nicht einfach, im Alltag andere Mütter kennenzulernen und Freundschaften zu schließen, da sich hauptsächlich Maids um die Kinder kümmern und mit Ihnen tagsüber unterwegs sind. Dazu kommen noch kulturelle Diskrepanzen, es gibt zum Beispiel in unserem Condo viele Japanerinnen, die sehr sympathisch und freundlich sind, allerdings sprechen sie meist kaum englisch und sind sehr zurückhaltend.

Am Wochenende treffen wir uns mit Freunden, gehen brunchen, mit Leopold ins Aquarium, in den Park oder in den Zoo. Der Zoo ist unglaublich schön, mit großen, offenen Gehegen. Die Affen kann man frei herumlaufen sehen und täglich gibt es mehrere Fütterungen. Man kann ganz nah ran und die Tiere mit frischem Obst oder Blättern füttern, das fasziniert nicht nur unseren Kleinen.

Und natürlich nutzen wir weiterhin die tolle Lage um zu reisen, Japan und Bhutan stehen ganz oben auf der Liste. Bis dato war ich auch zweimal im Jahr zuhause, jeweils für mehrere Wochen. Ein großer Luxus, den wir im Voraus so eingeplant haben.

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Aberglaube

Man bekommt immer wieder Bräuche und Sitten aus der Chinesischen Kultur mit. Vieles dreht sich natürlich auch wieder um Wohlstand und Wachstum, zum Beispiel sieht man an Chinese New Year überall paarweise Orangen (im Taxi, Restaurants, Büros) die für Glück und Reichtum stehen.

Kindernamen werden von der Großmutter mitbestimmt und anhand des errechneten Sternzeichens werden dann Namen vergeben, die eventuelle negative Eigenschaften ausgleichen sollen. Im Straßenbild sieht man außerdem immer wieder, wie Einheimische ihren Ahnen opfern, indem sie neben angezündeten Räucherstäbchen auch profane Papiergegenstände (Luxusgüter aus Pappmache wie Autos, Geld, Taschen und Uhren) dazulegen, damit es die Ahnen im Jenseits gut haben. Außerdem hat Leopold eine kleine braune Haarsträhne in seinem blonden Haar, die Inder immer als “Lucky Hair” bezeichnen!

Korruption 

Im Alltag bekommt man nichts mit. Alle sind sehr ehrlich. Mein Mann hat sein Handy bereits drei Mal liegen lassen und es jedes Mal wieder erhalten. Einmal hat der Taxifahrer es ihm vom Flughafen wieder zu uns nach Haus gefahren ohne dafür etwas zu verlangen.

Beruflich hat mein Mann auch nichts mitbekommen. Aber Vetternwirtschaft ist ein offenes Geheimnis. Es regiert seit 50 Jahren eine Familie, offiziell als Demokratie. So gewinnen bei öffentlichen Ausschreibungen und Auftragsvergaben meist die Firmen von Familienmitgliedern.

Sauberkeit

Singapur ist unfassbar sauber. Man darf zum Beispiel in der U-Bahn nicht essen und trinken, darauf steht eine Strafe von 500$. Erst fand ich es albern, aber ich mag es ehrlich gesagt, weil es einfach nicht nach Mc Donalds, Leberkäse oder Döner riecht.

Auf der Straße darf man nur an bestimmten Stellen rauchen und seine Zigarettenstummel auch nicht auf den Boden werfen. Und da man keinen Kaugummi kaufen kann, findet man auch nirgends Kaugummi auf dem Boden (der Unterschied zu anderen Großstädten ist mir in Paris erst so richtig aufgefallen!). Wer Müll auf die Straße wirft, muss mit Strafen bis zu 1000$ rechnen. Und für Drogenbesitz kann man hier Todesstrafe bekommen.

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Was mir gefällt

-Die Menschen sind unglaublich freundlich

-Das harmonische Zusammenleben aller Bevölkerungsgruppen

-Es ist super sauber und sicher

-Kulinarisch ist Singapur ein Highlight, da es alle Küchen bietet

-U-Bahnen sind klimatisiert und günstiger als in Deutschland

-Wir leben hier besser und sparen dabei sogar noch Geld

was mich stört

-Die Stadt ist steril und wirkt oft künstlich

-Es dreht sich viel um Kommerz

-Taxifahrer können nicht Auto fahren

-Es gibt keine richtige Kunstszene

-Die Stadt ist extrem teuer

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