Julius’ aktuelle Lieblingsbücher (ab drei Jahren)

09. November 2016 | in Familie | Medien

Julius und ich lesen schon immer exzessiv. Ich bin keine große Bastlerin und auch keine Mutter, die ausreichend Geduld mitbrächte, stundenlang eine auf die andere Legolandschaft aufzubauen oder Dinofamilie zu spielen – aber Lesen ist fester Bestandteil in unserem Alltag.

Julius' Lieblingsbücher

Ich habe selbst als Kind die Bibliothek rauf und runter gelesen und ja, meinem Sohn den Wert von Literatur zu vermitteln, ist mir tatsächlich ein Anliegen. Also habe ich ihm bereits Erich Kästner vorgelesen, als er noch im Wochenbett an meiner Brust hing. Das war wahrscheinlich mehr mir Unterhaltung als dem Neugeborenen in meinem Arm. Aber sei’s drum.

Inzwischen ist Julius vier und wir lesen oft morgens gleich nach dem Aufwachen ein Buch, immer aber und als Tradition fest installiert abends nach dem Zähneputzen und vor dem Schlafengehen auf der Couch zwei, wenn ich gut drauf bin auch drei Bücher seiner Wahl. Wenn ich allzu müde bin oder den Prozess beschleunigen will, überspringe ich aber auch gerne Mal Sätze, Passagen, Seiten.

Das sind jedenfalls Julius’ aktuelle Lieblinge in unserem Bücherregal:

Mach schnell, Willi Wiberg

Die allermeisten Bücher, die hier so rumfliegen, sind solche, die ich als Kind selbst gelesen habe. Ich glaube, ich hätte nach 20 Jahren Abstinenz den Namen des Protagonisten nicht parat gehabt, aber als ich die Geschichten von Willi im Buchladen nach Julius’ Geburt wiederentdeckt habe, war klar, dass ich sie alle würde kaufen müssen. Tatsächlich sind die Geschichten rund um Willi nicht nur besonders hübsch illustriert. Die Autorin, Gunilla Bergström, beschreibt in ihnen vor allem sehr pointiert, wie Kinder die Welt begreifen und inwieweit dieser Zugang von der Lebenswirklichkeit ihrer Eltern abrückt. Der Abschluss der Willi-Geschichten ist unterdessen für seine kleine Leserschar immer versöhnlich beschrieben. Mir als Elternteil dienen sie wiederum oft als Denkanstoß und sei es, wie in „Mach schnell, Willi Wiberg“ darauf verwiesen zu werden, wie sehr mein Alltag oft vom Stress bestimmt ist, anstatt mich von meinem Kind in die Entschleunigung abholen zu lassen. Eine klare Empfehlung – übrigens für alle Willi-Bücher.

Frederick

Noch so ein Buch, das fest in meiner Erinnerung verhaftet ist. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an Frederick als die Maus, die scheinbar einen Sommer und Herbst darauf verbringt, alle anderen Mäuse für die Wintervorräte schuften zu lassen, während sie selbst nur zu ruhen, ja zu faulenzen scheint. Die Auflösung erfolgt dann gen Ende der Geschichte, als Frederick sich als diejenige Maus herausstellt, die seine Mäusefamilie mit Geschichten und Bildern über den kargen Winter zu bringen vermag, als die Speisevorräte bereits zur Neige gegangen sind. Auch hier wieder: super süße Illustration. Ich mag das Buch aber vor allem wegen seiner Aussage: Dass eben nicht nur bestimmte Formen von Produktivität einen Wert für unsere Gesellschaft haben.

Pettersson und Findus – Eine Geburtstagstorte für die Katze

Wenn ich eine Hierarchie in dieser Liste hätte aufstellen müssen, stünden Pettersson und Findus nach Julius’ Ermessen an oberster Stelle. Ich glaube, wir haben das vergangene halbe Jahr darauf verbracht, jeden Tag mindestens eine Geschichte von Sven Nordqvist zu lesen. Der alte Mann und seine Katze sind diejenigen Figuren, die Julius am allermeisten inspirieren. Petterssons Hühner benennt Julius immer nach den eigenen Freunden, er mopst sich ein Stück von Findus’ Geburtstagstorte, wollte unbedingt zelten gehen, als wir das Buch dazu begannen und leidet seit jeher sehr mit dem Fuchs, den Gustavsson in einem anderen Werk erschießen will. Erst gestern rezitierte Julius auf dem Spielplatz gegenüber einem Kind: „Füchse soll man nicht erschießen. Die muss man reinlegen. So mach ich das immer.“

Dalli – Der Haifisch

Im Antiquariat gefunden und gleich geliebt. Dalli wird zwar nicht mehr verlegt, lässt sich aber gut gebraucht bei Amazon finden. Das Buch zu Dalli ist inzwischen nicht mehr der einzige DDR-Klassiker in unserem Regal. Was einst im Kinderbuchverlag Berlin erschienen ist, scheint ein Qualitätsgarant zu sein. Zumindest gilt das für die Bücher, die wir hier stehen haben. Sie alle sind charmant bebildert und nach meinem Ermessen viel ansprechender geschrieben als etwa Pixie-Buch-Alternativen. Ich glaube nämlich, dass Kinder sehr wohl mehr als drei aufeinander folgende und recht schlicht anmutende Vier-Wort-Sätze begreifen. Und so lese ich Julius die verschachtelten Sätze der DDR-Kinderbuchliteratur mit tiefer Befriedigung vor. Dalli mag Julius darunter wohl am liebsten. Wahrscheinlich hier auch wieder aus Mitleid mit dem armen Meeressäuger, der unter Haien aufwächst und erst im Laufe seines Lebens begreift, nicht mehr als Flossen mit den sich nach Menschenblut verzehrenden Fischen gemein zu haben. Systemfragen, falls sich das der eine oder andere Elternteil an dieser Stelle fragen sollte, werden bei Dalli übrigens nicht behandelt.

Mumin und der Komet

Nun lesen wir hier aber nicht ausschließlich Bücher mit Botschaften oder solche Kinderliteratur, die sich immerzu als Korrektiv versteht. Zuweilen lese ich Julius auch vor, was für seine Kinderohren wohl gar nicht gedacht ist, aber mir umso mehr Vergnügen bereitet: die Mumins zum Beispiel und am allerliebsten Tove Janssons Welteruntergangsphantasien in Mumin und der Komet – eine Art Roland-Emmerich-Katastrophenfilm-Adaption als bitterböser Kinder-Comic. Mit den bedenklichen Stellen halte ich es so wie mit dem N-Wort bei Pippi-Langstrumpf: Ich lasse sie aus. Was ein elektrischer Stuhl ist, taucht in dieser Mumins-Folge auf, muss Julius aber noch nicht wissen. Ohnehin ist er noch weit davon entfernt, den bitterbösen Humor einer oft recht destruktiv anmutenden Mümmla zu verstehen. Dafür findet er all die Hattifinatten und Kliffklebse umso lustiger.

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