Hört auf damit, Frauen zu fragen, wo ihre Kinder sind!

21. February 2020 | in Gesellschaft

Letztes Wochenende ist eine 35-Jährige Mutter zur Miss Germany gekührt wurden, yeah! Ich feiere das nicht nur, weil ich Leonie gut kenne (und sie wirklich toll ist), sondern vor allem, weil ich es generell einfach so gut finde, dass endlich auch mal Frauen über 30 sichtbar werden – und nicht nur das: Mütter, Frauen in ihren Vierzigern, Frauen, die durch Charakter und nicht nur über das Optische punkten.

Jetzt kann man natürlich argumentieren, warum wir 2020 überhaupt noch so etwas wie eine Misswahl brauchen, dass die Auswahl der Jury sehr weiß und schlank und sogar blond war. Aber darum soll es heute gar nicht gehen.

Leonie war nicht die einzige Mutter, die unter den Finalistinnen war. Die Miss Niedersachsen ist sogar zweifache Single Mum. Christin Stalling heißt sie – und genau wie Leonie zeigt auch sie, dass Frausein und Muttersein vielfältig ist. Gut, beide sind große, schöne, blonde Frauen – wie gesagt, das nächste Mal geht es sicher noch diverser, aber immerhin. Sie zeigen, dass man als Mutter weiterhin große Pläne verwirklichen kann, arbeiten und Projekte schaffen kann.

Worüber ich mich heute echauffieren will: Während der finalen Phase der Miss Germany Wahl waren die Frauen natürlich viel unterwegs und sehr präsent auf Instagram, unter anderem gab es da immer wieder Fragerunden – wie man das eben so macht. Und eine der häufigsten Fragen war:

WO SIND DIE KINDER, WÄHREND DIE MÜTTER ARBEITEN?

Boah, da kann ich mich so aufregen. Hört bitte alle auf, Frauen diese Frage zu stellen!!! Sie impliziert, dass es irgendwie nicht okay wäre, als Mutter ohne Kind(er) zu sein. Dass eine Mutter das weder zu wollen noch zu tun hat. Sie impliziert auch, dass ein Kind prinzipiell am besten bei der Mutter aufgehoben ist. Und dass diese entsprechend etwas falsch gemacht hat, wenn sie ihr(e) Kind(er) nicht dabei hat.

Oder? So ist das doch. Fast immer ist der Unterton leicht vorwurfsvoll, oder anders gesagt: wen interessiert es WIRKLICH, wo die Kinder sind? Wo sollen sie schon sein? Sie werden schon nicht alleine zuhause vor der Glotze sitzen, seid beruhigt. Die Mutter wird sie auch nicht mit Schlafmitteln im Bett gelassen haben. Die Kinder sind natürlich liebevoll und gut betreut. Man sagt, es soll VÄTER geben, die das gut hinbekommen. Oder Großeltern, Verwandte, Babysitter, Freunde. Das Kind wird in guten Händen sein, was auch sonst.

Und wenn ihr schon fragen müsst (vielleicht interessiert es euch ja WIRKLICH): Könnt ihr dann bitte auch all die Männer, die jeden Tag des Jahres arbeiten, Business Trips machen, im Fitnessstudio rumhängen oder in der Bar, könnt ihr die bitte einfach auch mal fragen? Das fände ich fair.

Vielleicht mal wochentags durch die erste Klasse im ICE laufen und alle Anzugherren mit leicht angezogener Braue fragen: “Entschuldigung , aber wo ist denn dein Kind, während du hier ARBEITEST?”

Mir fällt das auch immer wieder an anderer Stelle auf. Wenn eine Frau, die Kinder hat, ein Interview gibt zum Beispiel. Nicht über das Muttersein, sondern etwa zu ihrem Job, zur Lage der Nation, zu politischen Fragen – zu allem möglichen eben, wofür frau zufällig noch Kopf hat, auch wenn sie ein Kind geboren hat. “Und wie ist das, wenn du dann von dem Kind getrennt bist?”

Wie soll es schon sein, für kurze Zeit vom Kind getrennt zu sein? Meistens ist es wunderbar! Manchmal vermisst man es auch, aber meine Güte! Es ist ja in guten Händen. Marie und ich haben erst letztens wieder festgestellt, wie sehr wir schon immer die Zeit ohne Kind(er) genossen haben. Wie wir eigentlich NIE ein schlechtes Gefühl dabei hatten. Beide haben wir uns schon nach wenigen Wochen Auszeiten genommen, ja, auch abends. Oh, wow. Wie oft haben wir da gehört: “DU, HIER?” Als ob man als Mutter eigentlich Hausverbot in Restaurants, Bars, oder auf Parties hätte. Beide haben wir schnell wieder gearbeitet, ja, auch außerhalb von zuhause. Haben wir die Kinder vermisst? In den allermeisten Fällen: NEIN!

Denn man ist ja gerade am Anfang eh 22 Stunden am Tag mit dem Baby zusammen, 2 Stunden ohne sind also immer eher schön, als alles andere.

Auch als die Kinder groß waren, ging es uns da nie so, dass wir das in Frage gestellt hätten, das ohne Kinder sein. Klar ist das kurz komisch, wenn die Kinder dann wirklich jeden Tag mehrere Stunden in der Kita sind – das ist es für Väter ja auch. Und ja, wenn ich im ersten Jahr mehr als eine Nacht von Quinn getrennt war, dann hat sie mir auch wirklich körperlich gefehlt. Aber mein Verstand wusste ja: das ist okay so. Guess what, Mütter können sogar alleine in den Urlaub fahren ohne Kinder. Ja, warum denn nicht. Vielleicht wollen sie das sogar, weil es nämlich herrlich ist, mal kurz so zu tun, als hätte sich nichts verändert und den ganzen Tag auf der faulen Haut zu liegen. Mütter können große Projekte stemmen, Träume verwirklichen, können lange Geschäftsreisen machen, sie können abends ausgehen und eine gute Zeit haben – alles ganz ohne Kind. Ja, das geht. Sie können sogar Miss Germany werden.

Also bitte. Hört auf Frauen zu fragen, wo ihre Kinder sind. Nur weil man mal ein Kind geboren hat, heißt das nicht, dass man Tag und Nacht und mehrere Jahre 24/7 mit diesem Kind verbringen will oder muss. Im Gegenteil. Ich finde ja sogar, frau hat es gerade nach einer Schwangerschaft, in der man so lange nie alleine war, und einer Babyzeit, sowas von verdient, mal wieder alleine wahrgenommen zu werden. Und der Papa kann in der Zeit beim Kind bleiben. Macht doch viel mehr Sinn als alles andere.

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