Gute Tage – Schlechte Tage

29. January 2015 | in Alltag | Familie

SAMSUNG CAMERA PICTURESMan hört ja immer: das erste Jahr ist das anstrengendste. Auch ich habe diesen Satz oft gesagt: wenn das erste Jahr erst mal überstanden ist… Tja und jetzt ist das zweite Jahr fast rum und es war noch VIEL anstrengender als das erste Jahr!

Die meisten fangen nach einem Jahr wieder an zu arbeiten, so auch ich. Und Beruf und Kind zu schaukeln, die Beziehung am Leben zu erhalten, den Haushalt nicht völlig außer Acht zu lassen, vielleicht noch ein Privatleben zu haben?! Das alles raubt unglaublich viel Kraft. Dazu kommt, dass viele Kinder auch im zweiten Jahr nachts wach sind und dass die Bedürfnisse laufender, plappernder Bälger, die auch tagsüber fast überhaupt nicht mehr schlafen, sogar noch deutlicher, lauter und unmittlebarer gestillt werden wollen, als die eines Babys.

Gut (oder scheiße)

Bekomme ICH also immer alles gebacken? Nö. Beziehungsweise: mal besser, mal schlechter! Meine Wochen teilen sich oft in gute und schlechte Tage auf. Ich habe mich damit abgefunden, staune aber immer noch, wie GUT und auch wie BESCHISSEN (sorry!) es laufen kann.

Letzte Woche zum Beispiel war eine Stress-Woche, der Papa hatte einen großen Job, musste morgens vor 8 aus dem Haus und kam abends erst nach 21 Uhr wieder. Ich war also quasi alleine mit Xaver und – die Alleinerziehenden unter euch werden jetzt lächeln – solche Wochen sind für mich immer eine echte Herausforderung. Die Krönung war der Dienstag.
Er fing schon doof an, das Kind wachte quengelnd und zu früh auf, hatte schlecht geschlafen. Ich machte Frühstück, es gab KA KA KAO! Denn der wurde lautstark gewünscht. Zwei Minuten Dusche, Kind bespaßen, Zähne putzen (“Neeee Tenebutsn!”), jetzt komm schon. Eine durchweichte, übervolle Windel, eine Zwangs-Dusche für Xaver (unter Schreien), Diskussionen beim Anziehen (“Neeee Bulli!, neee Ose!”) und ich hatte schon eine Stunde nach dem Aufstehen keine Kraft mehr für Spielchen und Kompromisse, ich wollte einfach nur aus dem Haus kommen.
Irgendwann schafften wir es, ich war schon zu spät, hatte einen vollen Tag vor mir. Vor der Kita checkte ich schnell schon mal Mails, musste mir tatsächlich von einer vorbeikommenden Frau, die ich versehentlich striff (und mich entschuldigte!) ein: “Jaja, das Handy ist halt wichtiger” anhören und wurde kurzzeitig zur Furie. Weiß sie, wie wichtig der Grund ist, warum ich aufs Handy schauen musste? Doofe Kuh.

Unproduktiv und hungrig

Ab ins Büro. Doch ich kam nicht in die Gänge. Fing eine Sache an, wurde von einer anderen abgelenkt. Musste spontan in ein überflüssiges Meeting, das mir 1,5 Stunden Lebenszeit raubte. Das Internet war langsam. Dann schrieb auch noch die Oma, dass sie ihren Urlaub um ZWEI Wochen verlängert hatte. Es war also keinerlei Erleichterung in Sicht. Irgendwann sah ich auf die Uhr: fast 14 Uhr. Ich hatte noch nichts geschafft, nichts gegessen. Mist, verdammter. Ich mühte mich ab, eilte um 15:15 los. Den Tränen nahe stand ich am Aufzug in der Kita, der nicht funktionierte. Warum war ich so nah am Wasser gebaut? Ach ja, ich hatte ja nocht nichts gegessen und die Oma und der Job und überhaupt. Parallel machten andere gerade Fashion Week, früher hatte auch ich diese Woche leicht angetrunken auf Parties verbracht – und jetzt?? Xaver war quengelig beim Abholen. Klar. Er habe nicht gut geschlafen, sagte seine Erzieherin, sei wohl zu früh aufgewacht. Na super. Mein Hunger breitete sich langsam im ganzen Körper aus.
Setzte mich also mit Xaver in das Restaurant im Haus. Es gab Gnocchi auf der Mittagskarte. Perfekt. Dummerweise dauerten die. Und dauerten. Xaver hatte sich schon seinen “Nuller” und Fiete erkämpft. Ich saß da, leidend, hungrig, das Kind schnullernd auf dem Schoß, mit Handy in der Hand. Was für ein Rabenmutter-Bild! Als ENDLICH das Essen kam, begann er zu brüllen, ich versuchte, ihn ruhig zu stellen und mir nebenbei ein paar Gnocchi in den Mund zu schieben.

An diesem Tag half nicht mal Kuchen. Jede Handlung war ein Kampf. Dazu Pech, ein Horror-Fahrradtrip durch den Regen, weitere Diskussionen ums Abendritual und um sieben Uhr lag Xaver dann im Bett. Er schlief ohne Mucken ein, hatte wahrscheinlich auch die Nase voll von mir. Ich dachte: was ein Tag. Warum hatten wir alle so schlechte Laune gehabt? Warum hatte ich NICHTS geschafft? Warum sah die Wohnung so aus? Okay, es war Januar und es regnete seit Wochen, kein Sonnenstrahl in Sicht. Aber trotzdem! Auf jeden Fall würde es mir nicht mehr passieren, dass ich den ganzen Tag nichts aß. Ich ging früh ins Bett.

Morgen sieht die Welt schon ganz anders aus

Und siehe da: der nächste Tag war ein Traum. Xaver schlief 13 Stunden durch, wachte quietschfidel und erholt auf, plapperte den ganzen Morgen fröhlich, bekam wieder Ka Ka Kao, aber diesmal weil er so lieb war. Er und ich, wir waren einfach im Flow. Das Anziehen wurde zum Spiel, während ich duschte, spielte er selig mit seinem Musik-Buch. Wir fuhren singend in die Kita, im Büro war ich effektiv und nahm mir eine ganze Stunde Zeit fürs Mittagessen. Am Nachmittag holte ich ein gut gelauntes Kind ab (die Erzieherin hatte ihn, als er wieder quengelnd zu früh aufgewacht war, gleich in den Arm genommen, wo er nochmal eingeschlafen war). Wir fuhren gemeinsam zur Little Art Class. Xaver hatte durch und durch gute Laune, Spaß, powerte sich aus. Danach gingen wir noch einkaufen, er machte freudig mit, wir kochten gemeinsam, er aß gut und ging ohne Murren gegen 8 ins Bett. Danach räumte ich sogar noch sorgfältig die Küche auf, legte Wäsche zusammen und hängte neue Bilder an die Wand. Was für ein guter Tag!

So ist das bei mir immer. Manche Tage sind gut, andere sind schlecht. Vieles hängt von guter Organisation ab, noch mehr von der Laune des Kindes und der Nacht davor. Glück kommt auch noch dazu. Essen und Trinken ist wichtig, vielleicht sollte ich auch damit aufhören, bei jedem Wetter Rad zu fahren.

Nach dem Bombentag folgte übrigens die Katastrophe. Am Donnerstag wurden Xavers Papa und ich gleichzeitig so richtig krank. Aber ich will hier nicht noch mehr meckern! Ich sollte mich mehr an den guten Tagen erfreuen und die schlechten schnell aus dem Gedächtnis streichen, oder?

Wie geht ihr mit schlechten Tagen um?

PS: Das Foto haben wir Mittwoch morgens gemacht…

Kommentare