Gründer-Mums: Yara von XOUXOU

15. August 2019 | in Karriere
– Hinweis: Anzeige aufgrund von Markennennung –

Vor zwei Jahren hatten wir Yara hier im Porträt – schon damals erzählte sie uns von ihren Handyketten und dass die Nachfrage gerade immer größer wird. Ein knappes Jahr später ging ihr kleines Unternehmen XOUXOU (sprich: schuschu) dann so richtig durch die Decke: 2018 wurden mehrere zigtausend Ketten verkauft – und damit tatsächlich über eine Million Euro Umsatz gemacht. Gründerin Yara ist dennoch völlig auf dem Boden geblieben. Sie hat parallel zum Durchbruch ein zweites Kind bekommen, ihren Mann mit ins Unternehmen geholt, immer wieder neu skaliert – und reinvestiert nun fleißig in ihre Firma. Wie das alles seinen Lauf genommen hat, und noch viel mehr – erfahrt ihr im Interview!

Liebe Yara, dein Label XOUXOU ist ja eher durch einen Zufall entstanden, oder? Erzähl mal…

Ja, das stimmt! Aber erst mal vielen Dank für die Einladung, in dieser Rubrik mitzumachen. Ich schätze es sehr und freue mich, dass du mich gefragt hast. Besonders, weil ihr mich so ziemlich am Anfang der Reise porträtiert habt und wir seitdem immer in Kontakt geblieben sind.

Es stimmt, XOUXOU ist im Grunde zufällig aus meinem Hobby Macramé entstanden, dafür hat es mein Leben aber umso nachhaltiger verändert. Alles kam so: Als frisch gebackene Mama habe ich ständig gegen meine Vergesslichkeit gekämpft: Andauernd habe ich mein Handy verlegt und war davon genervt. Nicht nur, weil ich es so oft suchen und deshalb Wege mit einem weinendem Baby doppelt laufen musste, sondern vor allem deshalb, weil das Handy dadurch plötzlich so viel Raum einnahm. Und das, obwohl ich  eigentlich so verliebt in mein Baby war und für nichts anderes mehr Augen hatte. Ich wollte eine einfache und praktische Lösung und bastelte sie mir kurzerhand selbst: Aus den Seilen, die ich für das Macramé ohnehin zu Hause hatte, machte ich eine Kette und befestigte mein Handy daran. Das Handy war damit immer griffbereit, aber jetzt viel mehr an mich gebunden, als ich ans ständige Suchen – so hatte ich endlich wieder Zeit für die wesentlichen Dinge.

Mit dieser recht einfachen Idee habt ihr dann letztes Jahr eine Million gemacht! Wahnsinn! Parallel hast du im Frühjahr 2018 dein zweites Kind bekommen. Wie war diese Zeit für dich?

Es war verrückt. Der Erfolg von XOUXOU kam wirklich überraschend. Ich habe zwar schnell das Potenzial gespürt, aber dass es so zum Selbstläufer wird und durch die Decke gehen würde, damit hat niemand gerechnet. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass das Produkt so eine Eigendynamik entwickelt hat – jeder, der die XOUXOU-Kette trägt wird quasi zum Markenbotschafter, die Leute sehen es, interessieren sich, fragen nach. Und ja, im Mai 2018 kam unser zweites Kind zur Welt und von der Nachfrage, die parallel immer weiter aufstieg, wurde ich völlig überrollt. Es war der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, um ein Baby zu bekommen. Oder anders gesagt: es war der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, um ein florierendes Geschäft und zwei kleine Kinder unter einen Hut zu bekommen.

Ich war, im Nachhinein betrachtet, völlig überfordert. Mein zweites Wochenbett hatte mit dem ersten absolut nichts gemein… Klar ist es immer anders beim zweiten Kind, denn das Erste ist ja auch da und hat seine eigenen Bedürfnisse und wir mussten uns alle neu einspielen. Aber das war nicht die größte Umstellung. Die größte Herausforderung, war dass die Bestellungen bei XOUXOU sich jeden Monat verdoppelten, wir zwei Windelkinder zu Hause hatten und uns die Zeit davon rannte. Es gab nur Kinder und XOUXOU – absolut nichts anderes. Die Wäsche türmte sich, der Kühlschrank war immer nur mit dem Nötigsten gefüllt und der Schlaf begrenzte sich auf weniger als das Minimum. Wenn die Kinder schliefen, haben mein Freund und ich bis tief in die Nacht gearbeitet, um dann um sechs wieder von unseren Kleinen geweckt zu werden.

Ich wollte mich nicht entscheiden, ich wollte alles wuppen, XOUXOU und die Kinder, aber wir waren natürlich ziemlich schnell an unseren körperlichen, zeitlichen und nervlichen Grenzen angelangt. Zum Ende des Wochenbetts war klar, dass wir Unterstützung brauchten. Die beste, schönste und schnellste Lösung: Die Familie mit ins Boot holen. Meine Verwandten in Brasilien haben alles stehen und liegen gelassen und haben sich direkt auf den Weg gemacht. Ein Umstand, für den ich sehr dankbar bin. So begann ich, direkt nach dem Wochenbett wieder zu arbeiten, das Baby wurde mir zum Stillen gebracht, wann immer es mich brauchte. Ich habe lange mit mir gekämpft, diese Realität anzunehmen und auch das große Glück darin zu erkennen, dass ich mein eigener Boss bin und immer Pausen machen kann, wenn ich will oder mein Baby es einfordert. Aber es war auch eine sehr anstrengende Zeit und wer mit einem Neugeborenen ein Business aufbaut, muss sich das immer klar machen.

Du sagst immer “wir”, denn du hast dann recht schnell deinen Mann mit ins Boot geholt, oder?

Ja genau. Es war dieser Moment, als XOUXOU kein Küchentischhobby mehr sein konnte, es sprengte ja schnell alle Kapazitäten und parallel wurde ich zum zweiten Mal schwanger. Mein Freund, der von Anfang an alles miterlebt hat, ist gleich mit eingestiegen und wir haben gemeinsam angefangen, nach Wegen zu suchen, den Ablauf der Produktion und des Versandes zu professionalisieren und zu verbessern. Ich glaube, das war mit die größte und zugleich wichtigste Lehre für mich: Dass man Aufgaben abgeben muss, um zu wachsen. Heute sind wir beide voll mit XOUXOU beschäftigt, was ich mir nie erträumt hätte! Wir arbeiten zwar zusammen, aber wir sind so unterschiedlich, dass auch unsere Aufgaben komplementär sind und wir nicht die ganze Zeit zusammenhocken. Aber wo es erforderlich ist, ergänzen wir uns super.

Du hast es eben erzählt: XOUXOU ist quasi parallel zur Geburt deines zweiten Sohnes wahnsinnig schnell gewachsen. Wie seid ihr denn dann konkret hinterhergekommen, habt ihr einfach immer mehr Leute eingestellt?

Erstmal hatten wir ja gar nicht die zeitliche Kapazität, um nach Mitarbeitern zu suchen. Aber das drohte uns schnell auf die Füße zu fallen, also haben wir angefangen uns umzuschauen, um skalieren und überhaupt weitermachen zu können. Parallel haben sich auch tolle Leute initiativ bei uns beworben. Wir haben also angefangen, Mitarbeiter anzustellen und Strukturen zu schaffen. Ganz wichtig: Familienleben und Arbeitsleben räumlich trennen, also haben wir ein Büro gemietet.

Vom Homeoffice bin ich kein Fan, ich finde es wird total glorifiziert und romantisiert! Für mich bringt die räumliche Trennung von Privatleben und Arbeit auch eine zeitliche und dadurch eine mentale Trennung mit sich; ich kann wirklich präsent sein, in dem was ich tue. Heute ist klar: wenn ich im Büro bin, arbeite ich und wenn ich gehe, habe ich Feierabend. Zu Hause will ich mit den Kids sein und mich entspannen und dort gibt es – ebenso wie im Unternehmen – wichtige Themen, denen ich meine volle Aufmerksamkeit schenken will. Richtig Feierabend machen muss man ja fast wieder lernengerade in Zeiten von ständiger Bereitschaft und “mal eben kurz Mails checken” – aber bei mir gibt es das nicht mehr. Wenn ich mit den Kindern bin, schaue ich nur selten aufs Handy, trotz Handykette!

Auch die Produktion wurde sicher aufwendiger, wie seid ihr da hinterhergekommen?

Angefangen habe ich mit einer Anzeige auf Ebay Kleinanzeigen: “Suche bastel-affine Leute…” hahaha. Ich habe sogar einen kleinen Kurs bei uns zu Hause gegeben! Gekommen sind fünf Leute, die habe ich mit Materialien und Arbeitsutensilien ausgestattet. Von ihnen wurde ich dann wöchentlich beliefert. Ich hatte ein kleines Lager neben dem Restaurant von meinem Freund, der Beuster Bar, von dort aus habe ich den Versand organisiert. Doch auch so konnten wir die Nachfrage bald nicht mehr auffangen – wir mussten eine leistungsstärkere Werkstatt hinzuziehen, die uns auch im Versand unterstützen konnte. Wir wuchsen also weiter, hatten dann irgendwann zwei Werkstätten in Kreuzberg, stellten uns größer auf. Wir mussten uns trotzdem immer wieder neu anpassen und haben wirklich lange gebraucht, um selbst zu begreifen, dass da gerade nicht nur ein kurzer Hype stattfindet, sondern sich ein komplett neuer Markt eröffnet! Ich kann nicht behaupten, dass ich die Handykette erfunden habe, aber durch meine Komposition: mit Camouflage-Kordel, goldenen Endkappen und Quetschklemme, ist sie erst zum Trendprodukt und dann zum gängigen Accessoire geworden – und das ist verrückt!

Und die Kinder? Wie alt sind sie jetzt und wie werden sie betreut, wie sehen deine Arbeitszeiten aus? 

Der Große ist drei und er geht in den Kindergarten. Der Kleine ist ein Jahr alt und wir haben eine Nanny. Bald beginnt auch er mit der Eingewöhnung. Ich bin meistens ab 15 Uhr mit den Kindern zusammen und beginne morgens etwa um 9.30. Mein Freund und ich wechseln uns nachmittags ab, je nachdem was gerade ansteht. Natürlich fällt auch mal etwas nach Feierabend an, aber wie gesagt: ich versuche, das zu vermeiden!

Hattet ihr Investoren mit an Bord, oder ist alles organisch gewachsen?

Nein, wir haben zu keinem Zeitpunkt Investoren gehabt, keine Finanzierung und keinen Kredit. XOUXOU ist, wenn man so will, komplett organisch gewachsen und wir haben den Umsatz immer wieder re-investiert. Bis heute! Gerade sind neue Farben und unsere Modulor-Kollektion an den Start gegangen, wir haben eine Kampagne produziert – und so weiter…

Man sagt, Frauen gründen vorsichtiger, organischer, emotionaler. Stimmt das deiner Meinung nach?

Wenn ich von mir ausgehe, dann kann ich organisch und emotional bestätigen. Was aber nicht heißt, dass man als Frau nicht strategisch handelt. Nur sollte man die Dinge nicht zerdenken, denn dann wagt man weniger. Vorsichtig bin ich auch, aber nicht im Sinne von ängstlich. Ich mag es, die Dinge nachhaltig und mit Blick auf das Ganze anzugehen – und im Sinne meiner Familie natürlich.

War die erste Zeit mit Kind im Nachhinein genau die richtige Zeit, um zu gründen?

Ja und nein. Es kommt auch darauf an, wie das Kindchen drauf ist. Ich bin kein Fan von Pauschalisierungen, es ist auch voll okay, ausschließlich Mama zu sein, das darf auf keinen Fall unterschätzt werden. Bei mir waren es viele glückliche Fügungen: Mein Hobby, mein Problem und die Lösung, die plötzlich Potential hatte, mein entspanntes Kind, viel Zeit und vielleicht auch sogar ein bisschen Langeweile dadurch. Ein eigenes Business zu starten war damals überhaupt nicht Teil meines Lebensplans, aber ich bin glücklich und dankbar dafür, dass es so gekommen ist.

Wo siehst du dein Label in 5 Jahren?

Wir wollen XOUXOU als Brand für Tech Accessoires weiter etablieren. Es gibt noch so unendlich viel Potential, was die Produktfelder betrifft, dass es manchmal schwer ist, sich zu entscheiden wohin die Reise gehen soll!

Danke Yara. Und viel Erfolg weiterhin!!

Foto: Franziskus Dornhege

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