“Finding me in Motherhood” – Ich brauche auch mich!

Was ist eine gute Mutter? Muss ich eine “gute” Mutter sein? Und wo bleibe ich eigentlich bei dem Ganzen? Solche Gedanken hatte ich als Babymama sehr viel. Auch heute beschleichen sie mich hin und wieder. Ähnlich ging es Felicitas (hier im Porträt!), unserer Gastautorin: Mit zwei kleinen Kindern, die sie bindungsorientiert erzieht, fragt sie sich nun auch immer häufiger: Was ist eigentlich mit mir? Aber lest selbst…

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Ich bin mal ganz ehrlich: Meine Rolle als Mutter ƒällt mir nicht immer leicht. Zumindest in letzter Zeit beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Identität und Grenzen, während ich versuche mein Leben als Mutter, als Frau und als jemand, der tatsächlich gerne arbeitet, zu organisieren.

Ohne jeden Zweifel waren meine beiden Kinder geplant, ungeduldig erwartet, und von Anfang an geliebt. Auch die bindungsorientierte Erziehung habe ich vorbildlich implementiert: Beide Kinder wurden zu Hause geboren, weit über das empfohlene Alter hinaus gestillt und in den verschiedensten Arten von Babytragen herumgetragen, und bis heute erinnere ich mich an das unsagbare Gefühl von Freiheit, als ich plötzlich meine Arme und Hände wieder hatte und im Grunde alles machen konnte, so lange das Baby nur auf meinem Rücken war. Ich befolgte sowohl die Regeln des „baby-led weaning” als auch die gefühlt monatlich aktualisierten Ernährungsvorschriften für Kinder zwischen dem 6-12-Lebensmonat. Und ich habe (fast) nie Industrienahrung gekauft, oh, und das Familienbett. Ja, das habe ich natürlich auch eingeführt. Was mir nur niemand gesagt hat, ist, dass das Familienbett vom Perfekten und Glückseligen nahtlos ins Schmerzhafte und Ermüdende übergeht, wenn eben dieses Baby mal ein Kleinkind ist, aber nach wie vor wie ein Neugeborenes schläft, weil es eben erwartet, dass der nächste Milch-Snack zum Greifen nah ist. Kurz gesagt, ich habe diese Erziehungsideale nicht nur begrüßt, sondern ich bin regelrecht darin aufgegangen. So sehr, dass einige Stimmen aus der Heimat Bedenken äußerten. „Ist das nicht zu eng?” wurde ich gefragt, und „machst du auch noch was für dich?” Meine beste Freundin war regelrecht erleichtert, als ich mich zum ersten Mal über das Dasein als Mutter beschwerte. Ihre Worte, „Es tut echt gut, zu hören, dass nicht alles nur perfekt ist,” werde ich nicht vergessen. Doch ich muss zugeben, ich habe diese Zeit in meinem Leben in vollen Zügen genossen.

Nicht “nur” Mama sein…

Aber jetzt ist mein jüngstes Kind fast drei Jahre alt. Die Zeiten des Wickelns, Stillens, und Babytragens sind vorbei. Jetzt beginnt der wahre Alltag mit Kindern, und ich ertappe mich dabei, dass ich weniger bereit bin, mich selbst hinten anzustellen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Kinder nicht weniger, aber meine Kompromissbereitschaft hat deutlich abgenommen. Und ich realisiere immer mehr, um mich erfüllt zu fühlen, brauche ich auch mich in meinem Leben. Und ich bin nicht „nur” Mama.

Ich hatte ein pulsierendes Leben mit einem großen und vielseitigen Freundes- und Bekanntenkreis. ich besuchte renommierte Universitäten und absolvierte einen Master und ein Ph.D. Studium. Ich blieb ganze Nächte wach, um ein Uni-Projekt fertigzustellen oder einfach um Musik zu hören und zu schreiben. Ich war jemand, der morgens aus Prinzip erst nach dem ersten Kaffee ganze Sätze sprach, und jemand, der weder die nächste Herausforderung, das nächste Abenteuer oder spontane Reisepläne ausgeschlagen hat. Ich verabscheue eigentlich Routine und Vorhersehbarkeit. Ich ziehe jede Happy-Hour Bastelnachmittagen vor und ich fühle mich wohler bei Meetings im Büro als am Kuchenstand beim Schulfest. Und um ehrlich zu sein, ich würde jetzt liebend gerne meine Tasche packen und die Welt erobern.

Die Frage, mit der ich mich nun auseinandersetze, ist die: Wie kann ich auch eine Mutter sein? Oder um es auf den Punkt zu bringen: Kann ich eine gute Mutter sein?

Das Bild der “guten Mutter”

Mein Bild einer „guten Mutter” ist zugegebenermassen verzerrt. Ich bin in West Deutschland aufgewachsen, wo bis heute, dank der Überbleibsel des Nationalsozialismus, diejenigen Mütter gelobt und belohnt werden, die sich engagiert und hingebungsvoll in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder vollkommen aufs Muttersein konzentrieren. Und meine eigene Mutter –alleinerziehend und ab meinem 2. Lebensjahr in Vollzeit beschäftigt -, verbrachte jede nicht-arbeitende Minute damit, sich um mich zu kümmern. So dankbar wie ich ihr für ihre Hingabe, ihren Einsatz und ihr Pflichtbewusstsein bin, frage ich mich jetzt selbst als Mutter, muss das so sein? Ich fühlte mich immer geborgen und geliebt, aber hätte ich mich weniger behütet gefühlt, hätte meine Mutter sich selbst höher auf ihre Prioritätenliste gesetzt? Sie ging nicht aus, sie ging nicht Shoppen, und sie hatte kein Liebesleben. Ich befürchte aber, das bin nicht ich.

Es gibt eine Art Mutter, die bis vor kurzem mein Gefühl von Unzulänglichkeit noch verstärkt hat. Und es gab eine Zeit, in der ich dachte, dass sich genauso und nur so eine “gute Mutter” zu verhalten hat. Diese Mutter ist die, die permanent drei, vier Kinder an sich baumeln hat. Sie schafft es auf verblüffende Weise, ein Gespräch in all dem Chaos aufrechtzuerhalten und dabei auch noch glücklich und zufrieden auszusehen. Sie ist die Mutter, die mal Karriere machte, aber jetzt Vollzeitmama ist. Die, die sich zwar gerne an ihre kinderlosen Abenteuer erinnert, aber diese ohne mit der Wimper zu zucken ad acta gelegt hat. Ich befürchte aber, das bin nicht ich.

Was ich in den letzten Monaten realisiert habe, als ich über diese Frage nachdachte, ist dies: Mütter gibt es in den verschiedensten Formen, Typen und Konstellationen. Mutterschaft ist kein festgelegtes Konzept. Sie ist ein Prozess, ein Geben und Nehmen, und sie entwickelt sich unweigerlich weiter – von Generation zu Generation, aber auch von Lebensabschnitt zu Lebensabschnitt. Ich wage zu behaupten, was eine „gute Mutter” ausmacht, ist ihre Fähigkeit auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören und ihr Leben dementsprechend anzupassen. Was das konkret für mich bedeutet, kann ich noch nicht sagen. Ich fange mal mit einer Solo-Reise in eine meiner Lieblingsstädte an – Berlin.

Über Felicitas: Felicitas Jaima ist die Mama von Emilia und Hugo. Ursprünglich kommt sie aus Deutschland, aber mittlerweile wohnt sie in San Diego, wo sie an der Uni unterrichtet und freiberuflich schreibt und als historischer Consultant arbeitet.

Finding me in Motherhood

I am not going to lie. Motherhood does not always feel natural to me. At least lately, I have grappled with the concepts of identity and boundaries when it comes to organizing my life as a mother, a woman, and someone who actually loves to work.

Without a doubt, both my children were planned, impatiently awaited, and loved from the very beginning. And I think I did a fairly good job with the whole attachment parenting program. I mean, I home-birthed, I nursed far beyond the recommended age, I carried them around in slings, and wraps, and carriers, and I will never forget the sensation of freedom when I realized that I could have both my arms and hands back and do anything if I just put baby on my back. I encouraged baby-led weaning and stayed on top of the ever changing nutritional advice for 6-12-months-olds. And I (almost) never bought processed baby food. Oh, and co-sleeping. I definitely did that, too. What nobody tells you about co-sleeping is that it is perfect and blissful until it becomes excruciatingly draining when said baby, now a toddler, continues to wake like a newborn because her or she is used to the next snack being within reach at all times. Long story short, I fully embraced and immersed myself in these parenting ideals. And I loved that chapter, to the extent that some dear friends back home began to express concern. “is this not too close?” they asked, and “Are you still taking care of yourself?” My best friend was literally relieved when I first complained about motherhood. I will never forget her words: “It is refreshing to hear that not everything is always perfect.” At the same time, I have to admit that I thoroughly enjoyed this phase of my life.

But now that my youngest is about to turn three years old, and now that I am done with diapering, and nursing, and baby wearing, now that basically real life kicks back in, I feel less willing to put myself on the back burner. Don’t get me wrong, I don’t love my kids any less, it’s just that I feel less willing to compromise. And I am realizing that in order to truly feel fulfilled, I need me in my life. And me is more than “just” mama.

me had a vibrant social life prior to kids with an eclectic mix of friends and acquaintances. me also went to graduate school to get a Master’s and a PhD, by the way. me used to pull all-nighters to finish academic projects or simply to listen to music and write. me used to be someone who refused to talk in the morning before the first cup of coffee, someone who never said no to the next challenge or adventure or impromptu travel. me actually detests routine and predictability. me prefers happy hour over arts-and-craft-meetups, and work meetings over bake sales. In fact, me would be thrilled right now to pack her bags and explore the world.

The question then becomes: How can me also be a mother? Or more importantly: Can me be a good mother?

Now, my vision of “a good mother” is most likely skewed. I grew up in West Germany where the remnants of National Socialism to this day praise and reward mothers who, fully dedicated and committed, stay home for the first few years of their kid’s life. And my own mother – she was a single mom and worked full-time once I turned two-, spent every non-working minute watching over me. As thankful as I am for her dedication, commitment, and sense of responsibility, as a mother myself, I am genuinely wondering if this is what it takes? I always felt loved and secure, but would I have felt any other way if my mother had put herself a little bit higher on her list of priorities? She didn’t go out, she didn’t shop, she didn’t date. But I’m afraid that’s just not me.

There’s a type of mother that, until recently, used to compound my own feelings of inadequacy. I used to think that she represents the only way to be truly a good mother. She is the one who has three, four children hanging from and tugging on her. The one who somehow manages to hold a conversation in the middle of constant interruptions but who keeps her composure and still looks absolutely happy and satisfied. The one who used to have a career but has become the default parent. The one who reminisces about her adventurous life but has happily put it ad acta. But I’m afraid that’s just not me.

What I’ve come to realize in recent months as I have pondered these questions is this: mothers come in all kinds of shapes and ways and types. Motherhood is not a fixed concept. It’s a process, a give and take, and it is bound to evolve, across generations, and across different stages in your life. In the end then, I dare to propose that what makes us good mothers is the ability to tune in to our needs, and to adjust accordingly. I am still not sure yet what precisely this will look like for me but I am starting with a solo trip to one of my favorite places, Berlin.

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