Es ist, was es ist : Teilzeit-Mama und Patchwork light

25. August 2015 | in Alleinerziehen | Familie | Gesellschaft

Als ich mein frisches Baby in den Armen gehalten habe, musste ich erst mal ganz neu anfangen: Wer bin ich? Was für eine Mutter werde ich sein? Die Neu-Definition war eine Herausforderung. Vieles ändert sich, und vieles auch nicht. Aus dem viel reisenden, viel arbeitenden Party-Girl wurde eine Mama. Und sogar eine ziemliche gute, würde ich behaupten. Ich mag mich als Mama, ich mag die neuen Prioritäten. Ich mag wie viel reicher mein Leben geworden ist und ich mag die Stärke und die Lebensfreude, die ich aus dem Mama-Sein schöpfe.

Dann kam die nächste Herausforderung. Der Vater und ich trennten uns. Ich war überrascht, wie sehr ich doch an alten Familienmustern hing. Ich fühlte mich als Versagerin, weil ich meinem Kind nicht die Happily-Ever-After-Familie bieten konnte. Mal wieder musste ich einen neuen Weg für mich finden, mich irgendwie neu-definieren. Bin ich nun Alleinerziehend? Bin ich Teilzeit-Mama? Bin ich Teil-Erziehende? Eine Single-Mama? Manno – wieso kann ich nicht einfach nur Junios Mama sein?

Teilzeit-Mama !?

Ich finde den Begriff Teilzeit-Mama davon am Schlimmsten. Ich höre ja nicht auf, Mama zu sein, nur weil mein Sohn gerade nicht bei mir ist. Ich vermisse Ihn, ich denke an ihn. Am Anfang war das gar nicht so einfach. Da blieb die Kinderzimmertür geschlossen, weil mich der Anblick der unbespielten Spielzeuge zu traurig machte. Jetzt habe ich mich daran gewöhnt, die Tür bleibt offen. Sein Nicht-Dasein ist zu einem positiveren Bald-Wieder-Dasein geworden. Ich weiß auch, dass er glücklich ist beim Papa und habe Vertrauen, dass es ihm gut geht. Die Papa-Zeit versuche ich intensiv für mich zu nutzen. Arbeit, Steuererklärungen, vielleicht mal Ausgehen. Und dann freue ich mich so sehr auf die Mama-Zeit: Spielplatz, für Junio kochen, viel kuscheln, ihn aus der Kita abholen. Der Wechsel ist kein Kinderspiel. Und es läuft mit Sicherheit nicht immer alles so harmonisch ab. Es hat eine Weile gedauert, bis der Vater und ich eine Lösung gefunden haben. Und auch diese Lösung dauert nicht lange an: Junios Bedürfnisse verändern sich, er wird älter. Heute braucht er jenes, morgen etwas anderes.

Es gab viele Auseinandersetzungen, sehr intensive und auch traurige Zeiten. Nach über einem Jahr Trennung bin ich jetzt an einem Punkt, an dem ich froh bin, über die Situation, über das Miteinander. Einmal die Woche unternehmen wir etwas zu dritt. Junio liebt diese Nachmittage – Mama und Papa zusammen zu haben, ist toll.

Vor lauter Aufregung ruft er MaPa

Wenn wir zu dritt sind, dann ist der Kleine überhappy. Er ruft MaPa und man merkt, wie stark er sich fühlt. Aber diese Patchwork-Idylle hin oder her, ich mache mir nichts vor: Wenn einer von uns beiden wieder einen Partner haben wird, wird das sensible Gefüge noch ein mal kräftig durcheinander gewirbelt. Was wir haben ist eher ein Patchwork Light. Noch sind wir getrennt, aber irgendwie zu dritt. Komplizierter wird es mit Sicherheit. Alles kann sich von heute auf morgen ändern. Nichts bleibt, wie es ist. Deshalb genieße ich jetzt diesen Abschnitt, wo alles relativ harmonisch abläuft und hoffe wir nehmen das Verständnis für einander mit, wenn es auch mal wieder Krisen gibt. Es ist eine Herausforderung, wenn zwei sehr unterschiedliche Menschen ein Leben quasi gemeinsam planen müssen. Man ist nicht zusammen, und doch für immer verbunden. Niemand kann aus Berlin wegziehen – wir sind an diese Stadt gebunden. In einer Stadt, in der die Unverbindlichkeit gefeiert wird, habe ich mir die größte Verbindlichkeit geschaffen: Meinen Sohn.

Und wer hätte es gedacht, ich war nie glücklicher.

 

 

 

 

 

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