Es gibt unendlich viele Wege, eine Mutter zu sein

06. May 2021 | in Familie | Gesellschaft

Es ist Muttertagswoche. Puh! und das nach diesem Jahr. Eltern sein war vielleicht noch nie so hart. Mutter sein insbesondere. Die wenigsten haben wohl gerade das Gefühl, allem gerecht zu werden. Aber muss man das überhaupt? Wer sagt das, wer verlangt das? Was hattet ihr erwartet, als ihr Mutter wurdet?

Corinna Mamok war zumindest ganz schön durch den Wind, als sie Mutter wurde. “Zu dem Zeitpunkt hatte ich eigentlich alles und doch nichts. Ich hatte eine großartige Familie, Freunde, ein schönes zu Hause, einen sicheren und gut bezahlten Job im Angestelltenverhältnis und zusätzlich war ich nebenberuflich selbstständig und konnte mich kreativ verwirklichen. Pures Glück, Fehlanzeige. Stattdessen fühlte sich mein Leben wie eine nicht enden wollende To-Do Liste an. Ich hatte mir, ohne es mitzubekommen, mein eigenes Hamsterrad erschaffen. Ich versuchte ständig, diesem irren Bild in meinem Kopf und auch den vermeintlichen Erwartungen der anderen gerecht zu werden. Doch ich fragte nie, wo es überhaupt herkam.” Am Ende hat sie ein Buch über 30 ganz verschiedene Mütter geschrieben. Es ist ein schönes Buch geworden!

Heute erzählt sie ein bisschen von ihrem Weg und dem Buch, das auf diesem entstand. Und zufälligerweise kommen in Mama, mutig, mittendrin auch viele Frauen vor, die wir gut kennen und ganz großartig finden.

Im Sommer 2018 bekam ich unverhofft die Chance meines Lebens, die sich im ersten Moment eher wie ein schwerer Schicksalsschlag anfühlte. Ich wurde ungeplant mit Zwillingen schwanger und erlitt in der 7. SSW eine Fehlgeburt. Jetzt fragt man sich vielleicht, was daran eine Chance sein soll. Ganz ehrlich, das fragte ich mich auch. Ich fühlte mich in dem Moment wie eine Marionette des Lebens und hatte absolut keine Ahnung, wozu dieser riesengroße Schmerz gut sein sollte. Doch unerwarteterweise nullte mich die Verzweiflung auf eine ganz seltsame Art. Ich hatte das Gefühl, ich könnte wieder von vorne anfangen. Schließlich hatte ich nichts mehr zu verlieren. Denn der Schmerz, den ich immer so gern vermeiden wollte, war nun in Hülle und Fülle vorhanden. Daraufhin fragte ich mich, was ich wirklich vom Leben will und erschreckenderweise hatte ich keine Ahnung. Ich wusste nur, dass ich das Leben, das ich lebte, nicht mehr wollte. Und plötzlich war da diese Frage in meinem Kopf „Wie zur Hölle machen das andere Mütter nur?“.

Hätte man mir vor ein paar Jahren gesagt, dass mich diese Frage dazu bringt, meine bisherige Identität Stück für Stück über den Haufen zu werfen, dann hätte ich nur müde gelächelt. Doch diese Frage hat mich dazu gebracht, morgens um 4 Uhr aufzustehen, Sport zu treiben (und das obwohl ich ein Sportmuffel bin!), auf Zucker zu verzichten, meinen Job zu kündigen, meine Angst vorm alleine Auto fahren zu überwinden und auch die Scheu zu überwinden, andere um Hilfe zu bitten. Diese Frage führte dazu, dass ich mit 50 Müttern über das Muttersein diskutiert habe, mehrmals durch das ganze Land gereist bin und am Ende sogar über 3000km innerhalb von 8 Tagen mit der kompletten Familie in einem Polo durch Deutschland gefahren bin. Klingt verrückt, ich weiß, aber es hat sich gelohnt. Denn während dieser Reise habe ich nicht nur mein eigenes Familienmodell neu definiert, sondern auch mich selbst wiedergefunden. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es die Reise zu mir selbst war. Die Treffen mit all den großartigen Frauen waren magisch und jede hat mir sozusagen ein Puzzlestück mitgegeben, so dass ich am Ende wieder komplett war.

Heute möchte ich euch drei dieser wundervollen Frauen vorstellen. Sie haben mir gezeigt, dass es okay ist sein eigenes Ding zu machen, dass es okay ist sich immer wieder neu zu erfinden und dass es okay ist, wenn sich Dinge mit der Zeit doch anders entwickeln als gedacht.

Hannah Schlutius, 35 Jahre, 5 Kinder, verheiratet, Vollzeit-Mama
Hannah, war mein letztes „Date“ auf meiner Süddeutschland Tour. Ich weiß noch, wie ich auf der Autobahn lauthals zu James Bay mitgesungen habe und mich ständig gefragt habe: „Wie meistert man wohl den Alltag mit fünf Kindern?“ Nach dem Gespräch mit ihr wusste ich, erstens: Man wächst mit seinen Aufgaben und zweitens: Hannah hat definitiv viel mehr Struktur und Leadership Skills als ich. Ohne würde es wahrscheinlich auch nicht so reibungslos laufen. Ich weiß noch, wie fasziniert ich der Familie beim Aufräumen zugeschaut habe, es war so, als wüsste jeder genau, was zu tun ist.

Doch nicht nur das, Hannah hat mich mit ihrer ganzen Art einfach sehr fasziniert. Sie strahlt unglaublich viel Ruhe und Selbstsicherheit aus. Und während viele in dem Alter noch sich selbst suchen, schien sie schon ganz genau zu wissen, wer sie ist. Am spannendsten fand ich allerdings, dass sie in die Rolle der stay-at-home-Mom erst hineingewachsen ist. Denn der eigentlich Plan war, dass sie nach dem ersten Kind nach einem Jahr wieder zurück in ihren Job geht. Doch als es soweit war, fühlte es sich nicht richtig an. Und so kam es, dass sie nun seit mehr als 12 Jahren Vollzeit zu Hause ist. Nachdem sie mir das erzählt hatte, fragte ich mich, ob ich vielleicht auch irgendwann in diese Rolle hineingewachsen wäre? Ich glaube nicht, denn während es sich für Hannah richtig angefühlt hat, zuhause zu bleiben, so hat es sich für mich richtig angefühlt, meiner Arbeit nachzugehen. Zum Abschluss habe ich Hannah noch nach ihrem Geheimtipp für andere Mütter gefragt: „Entspanntheit, sich von den eigenen und auch fremden Vorstellungen loslösen. Meistens läuft es sowieso anders, als man vorher denkt.“

Sabine Gärtner, 40 Jahre, 1 Kind, getrennt erziehend, Marketingmanagerin
Ich weiß noch, dass ich mich beim Treffen mit Sabine des Öfteren dabei erwischt habe, zu denken „Krass, das geht wirklich?“. Vor allem, als Sabine erzählte, dass sie und ihr Ex-Partner das Modell „getrennt erziehend“ leben. Ich kannte „alleinerziehend“, aber „getrennt erziehend“ war neu für mich. Wenn man „getrennt erziehend“ ist, kümmert man sich gemeinschaftlich um die Betreuung des Kindes, auch wenn man kein Paar mehr ist. Doch wie setzt man so etwas um? Sabine und ihr Ex-Partner hatten nach der Trennung tatsächlich noch eine Weile zusammen in der gemeinsamen Wohnung gelebt. Danach ist ihr Ex nur ein paar Straßen weitergezogen, so dass ihr „getrennt erziehend“ Modell relativ unproblematisch umgesetzt werden konnte. Ihr gemeinsamer Sohn ist seitdem immer abwechselnd 3-4 Tage bei Mama und dann 3-4 Tage bei Papa. Wie sieht der Alltag als getrennt erziehende Mutter aus? „Wenn ich eine produktive Phase habe, in der viel ansteht, dann lass ich Fünf auch einfach mal gerade sein. Mein Gott, dann liegt da der Wäscheberg, aber der rennt ja auch nicht weg. Alle zwei Wochen gönne ich mir eine Putzkraft, die dann die Basis für alles im Haushalt schafft und ansonsten mache ich alles alleine. Dadurch, dass mein Ex- Mann und ich ein Wechselmodell leben, ist es auch so, dass mein Sohn an manchen Tagen nicht hier ist und dann lege ich mir Termine oder Erledigungen bewusst auf solche Tage. Dafür habe ich an den anderen Tagen auch viel Zeit für ihn.“ Zum Abschluss habe ich Sabine noch nach ihrem Geheimtipp für andere Mütter gefragt: „Hört auf euren Bauch. Hört auf eure Intuition, macht alles so wie ihr es für richtig haltet. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es ist ganz wichtig, dass jeder selbst weiß was ihm gut tut . Schafft euch ein Netzwerk, tretet mit anderen Müttern in den Austausch und sucht euch Gleichgesinnte.“

Rebecca Lina, 40 Jahre, 2 Kinder, verheiratet, Schauspielerin, Autorin, Bloggerin
Go with the flow, das beschreibt meiner Meinung nach das Lebensmotto von Rebecca-Lina am besten. Sie verkörpert für mich den Mut für Veränderung, gepaart mit einer unglaublichen Lässigkeit. Rebecca ist definitiv eine Frau mit vielen Talenten. Denn während die meisten von uns mit einem Studium schon bedient sind, hat sie gleich zwei Studiengänge parallel studiert: Freizeitwissenschaften und Kunst. Freizeitwissenschaften fand sie eher langweilig, sodass sie Kunst zum Ausgleich studierte. Mit 23 Jahren zog sie spontan innerhalb von drei Tagen nach Berlin, um dort Schauspielerin zu werden. Spielte in einer Kinoproduktion mit und gründete nach der Geburt ihres ersten Kindes ihr eigenes Bio-Kindermodelabel „Elfenkind“. Doch damit nicht genug, gleichzeitig rief sie noch ihren eigenen Mamablog ins Leben und schrieb nebenbei ein Buch übers Kreativsein mit Kindern. Aktuell ist sie wieder im Wandel „Ich werde sehr stark von der Natur gerufen. Ich mache gerade eine Ausbildung im Bereich Astrologie, weil ich meine Zukunft eher bei spirituellen Themen und persönlicher Weiterentwicklung in Kombination mit Heilkräutern und Nachhaltigkeit sehe. Es geht mir um das Verbundensein mit Mutter Erde.” Rebecca ist eine Frau, die die Chancen des Lebens erkennt und ergreift und gleichzeitig ein unfassbares Vertrauen in sich hat. Mir hatte diese Art sehr imponiert. Zum Ende unseres Gesprächs wollte ich von ihr wissen, ob der stetige Wandel für sie „normal“ ist oder viel Mut kostet? „Ich hatte nie Angst davor, etwas neues anzufangen. Es macht für mich auch einfach keinen Sinn, abends traurig ins Bett zu gehen. Wenn sich etwas nicht mehr gut anfühlt, sollte man in die Stille gehen und sich fragen, was man verändern kann. Man kann auch sagen. Ich bin sehr vom Glück geleitet. Alles was ich mache, kommt direkt aus meinem Herzen.“

Mehr zu Hannah, Sabine und Rebecca-Lina sowie den anderen Frauen mit denen ich über das Muttersein und Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesprochen habe, findet ihr in meinem Buch „Mama, mutig, mittendrin“. Darin befindet sich auch meine Antwort auf die Frage „Wie machen das andere Mütter bloß?” Ich habe mich bei den Treffen mit diesen großartigen Frauen immer gefragt, was ich von ihnen lernen kann. Vielleicht magst du es ja genau mit der gleichen Intention lesen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wertvoll es sein kann, seine eigene Wahrheit durch die von anderen Frauen wiederzufinden. Dieses Buch soll dir als Motivation und Inspiration für deinen eigenen Weg dienen.

 

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