Es gibt sie schon, die 50/50 Männer!

14. May 2021 | in Alltag | Vereinbarkeit
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Insbesondere in den letzten Tagen und Wochen wurde viel über die Mutterrolle, über Doppel- und Dreifachbelastungen und überfrachtete Erwartungen an Mütter gesprochen. Man kann während dieser ganzen Diskussion immer wieder berechtigt die Frage stellen: Wo sind eigentlich die Väter? Warum übernehmen die nicht einen Teil der vielen Aufgaben, wie stehen sie zu all dem? Unser Plädoyer ist ja schon seit Jahren: Solange wir keine strukturellen Änderungen bekommen (und die sind natürlich dringend überfällig), macht es sehr viel Sinn, sich im Privaten fairer aufzuteilen. Dazu haben wir sogar ein Buch geschrieben! Denn wenn man aufteilt, dann ist es eben nicht immer die Mutter, die an alles denkt, die mehr Arbeit übernimmt, im Job Nachteile hat und so weiter.

Gerade in Zeiten der Pandemie ist unsere Erfahrung: Wer einen Partner hat, mit dem alles, was anfällt, ziemlich hälftig aufgeteilt ist, kommt besser durch die Krise. Weil mehr Zeit für Self Care bleibt, für den Job, für alles. Weil Care-Arbeit belastend sein kann – und geteilte Last eben einfach halbe Last ist. Unsere Erfahrung zeigt auch: Die Frauen finden diese Idee meist super, die Männer zögern eher. Deshalb wollen wir euch hier immer wieder Väter vorstellen, die schon 50/50 ticken. Könnt ihr gerne weiterleiten!!

Heute haben wir Tilman Kreuder ausgefragt. Er arbeitet zusammen mit seiner Schwester Michaela in der Geschäftsführung von das boep. Über seine Vater-Erfahrungen erzählt er heute!

Lieber Tilman, erzähl mal: wie kam es dazu, dass du bei „das boep“ gelandet bist und seit wann bist du selbst Vater?

Mit dem boep habe ich zwei Kinder! Ich war nämlich von Anfang an dabei: Als meine Schwester Michaela 2015 die Idee hatte, dass sie natürliche Kinderpflegeprodukte entwickeln möchte, war ich sofort Feuer und Flamme und bin somit seit der Entwicklungsphase und Gründung mit an Bord. Seit August 2020 bin ich nun auch Papa von einer süßen und vor allem lustigen Tochter.

War für dich immer klar, dass du ein aktiver Papa sein willst? Hast du Elternzeit genommen?

Ja, für mich war immer klar, dass ich sehr involviert in den Alltag meines Kindes sein will. Unabhängig davon, wie die genaue Ausgestaltung oder Verteilung der Elternzeitmonate sein würde. Als Selbstständiger ist es schwer, Elternzeit zu nehmen, formal und da man ja konstant in sein Unternehmen involviert ist. Deshalb habe ich keine Elternzeit im klassischen Sinne genommen, aber meine Frau und ich teilen uns die Betreuung über den Tag verteilt auf.
Etwas vereinfacht dargestellt sieht das wie folgt aus: Ich stehe mit der Kleinen auf und übernehme die Zeit von 6:30 Uhr bis ca. 11 Uhr. Dann übernimmt meine Frau bis ca. 15/16 Uhr. Die Zeit bis sie dann um 19 Uhr ins Bett geht, teilen wir uns spontan auf. Je nachdem, wer kann und was wir ggf. auch gemeinsam unternehmen.
Ich genieße die Zeit mit der Kleinen sehr, weil es schön ist, die Entwicklung eng mitzubekommen. Allerdings ist es ein Tag, an dem ich komplett auf meine Tochter aufpasse, oft anstrengender als früher meine reinen Arbeitstage. Insgesamt bin ich stolz, dass ich durch die viele Zeit eine ungezwungene und enge Verbindung zu ihr habe.

Bist du an solchen Tagen dann klischeehaft oft der einzige Vater unter lauter Müttern? 

Da unsere Tochter in der Pandemie geboren wurde, haben wir keine klassischen PEKIP Kurse oder ähnliches besucht, so dass ich das kaum sagen kann. Aber eine Beobachtung dieser Art habe ich gemacht: Wenn ich unter der Woche tagsüber mit ihr einkaufen gehe, sind außer mir meist nur Mütter mit Kinderwägen unterwegs. Am Wochenende beim Brötchenholen stehen mit mir dagegen fast nur Väter mit Nachwuchs in der Schlange. Nervige Sprüche gab es bisher zum Glück noch nicht, allerdings hatten wir auch pandemiebedingt kaum Spielplatz-Dates in den letzten Monaten.

Was ist für dich besonders schön an der Zeit alleine mit Kind?

Die letzten Monate, seit denen die Kleine jetzt immer mehr kann und interagiert, sind besonders spannend, obwohl es natürlich auch mehr Einsatz erfordert. In den ersten Monaten konnte ich sie neben mich legen und arbeiten und sie hat geschlafen oder mit einer Rassel gespielt. Aber jetzt mit ihr zu krabbeln, rollen und lachen ist einfach wunderbar.

Was macht deine Partnerin beruflich und habt ihr vorher detailliert besprochen, wie ihr euch die Care Arbeit aufteilen wollt?

Meine Frau ist im Finanzbereich eines großen Industriekonzerns tätig und beschäftigt sich dort mit komplexen Themen der Konzernrechnungslegung. Zudem hat sie in ihrer Elternzeit angefangen zu promovieren. Detailliert besprochen, wie wir es machen, haben wir im Vorfeld nicht, aber es war immer klar, dass wir uns die Betreuung möglichst fair aufteilen wollen. Im Alltag ergibt sich dann immer Abstimmungs- und kurzer Diskussionsbedarf, aber bisher haben wir das gut gemeistert.

Wie klappt euer 50/50 Modell generell, müsst ihr viel organisieren?

Das klappt insgesamt sehr gut, da wir aber auch Unterstützung von unseren Eltern haben und unser boep-Team sehr familienfreundlich ist. Es ist kein Problem, wenn meine Tochter auf meinem Schoß an einem Videocall teilnimmt. Natürlich müssen meine Frau und ich uns oft abstimmen, aber da aktuell ohnehin das meiste im Home Office stattfindet, lässt es sich gut organisieren. Die zeitliche Abarbeitung meiner Aufgaben muss ich eben für mich organisieren: Zum Teil mache ich Dinge dann am Abend oder Wochenende.

In der Firma teilst du auch alles hälftig mit deiner Schwester. Wie kann man sich das vorstellen, gibt es klare Aufgabenbereiche?

Wir machen die strategischen und großen Entscheidungen gemeinsam, ansonsten haben wir getrennte Aufgaben und Verantwortungsbereiche: Meine Schwester, Michaela, verantwortet die Produktentwicklung, das Marketing, Personal und die Außendarstellung des Unternehmens. Ich konzentriere mich auf Finanzen, Produktionsplanung, Einkauf, Vertrieb und Logistik. Wir sind also völlig gleichberechtige Eltern unseres boep-Babys.

Viele Männer scheuen sich vor Hausarbeit und Kinderbetreuung, weil sie das unmännlich finden – was sagst du ihnen?

Wer im Jahr 2021 seine Männlichkeit darüber definieren muss, dass er keine Hausarbeit und Kinderbetreuung macht, tut mir leid. Selbstverständlich muss man sich um diese Themen gemeinsam kümmern, Verantwortung übernehmen und die Erledigung abstimmen. Es sollte nicht sein, dass dieser Teil des Lebens automatisch in den Verantwortungsbereich der Frau fällt. Ich will ja auch nicht, dass meine Tochter irgendwann mal mit diesen Aufgaben allein dasteht und deshalb versuche ich, ein möglichst gutes Vorbild zu sein – für Jungs und Mädchen.

Danke, Tilman!

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