Eingewöhnung, Umgewöhnung – und schon wieder ein neuer Lebensabschnitt

31. July 2014 | in Familie | Parenting

Jetzt ist es also auch bei uns so weit. Wir haben ein Kita-Kind zuhause. Die Zeit rennt. Und obwohl es so gut ist, dass es so ist, bin ich mal wieder wehmütig. Aber es half nichts. Xavers Vater und ich, wir mussten beide pünktlich nach Ende der Elternzeit in den Job zurück. Es war finanziell nicht möglich, dass wir länger (fast) nicht arbeitend den Tag mit Xaver verbringen.

Ich hatte bereits im April, also kurz nach Xavers erstem Geburtstag eine 20-Stunden-Stelle angenommen. Zeitlich war das machbar, vor allem weil der Papa zuhause blieb. Doch irgendwann waren auch die zwei Papa-Monate rum, und dann: was? Eine Nanny konnten wir uns nicht leisten, die Oma konnte nicht immer, und die allermeisten Kita-Plätze in Berlin werden im August frei. Das bedeutet: Kinder, die zum Beispiel im März geboren wurden (wie Xaver), müssen warten. Und ihre Eltern auch. Außer man findet einen Platz in einer Kita, oder bei einer Tagesmutter, die sich flexibel zeigt und schon früher anfängt. Einen solchen haben wir zum Glück gefunden. Nach viel Überredungskunst und Bettelei konnte Xaver Anfang Juni mit der Eingewöhnung beginnen. Übrigens haben wir letztendlich alle FÜNF Kita-Plätze auf die wir uns beworben hatten, bekommen. Soviel zur Kita-Misere, sie scheint für Berlin-Kreuzberg nicht zu gelten… Gewonnen hat dann schlicht die Kita, die eben schon im Juni einen Platz frei hatte, und die aber auch eine unserer Favoriten-Kitas war. Sie hat einen guten Betreuungsschlüssel, alle Erzieher und Erzieherinnen waren uns sympathisch, es gibt vegetarisches Bio-Essen und vor allem: Xaver fühlte sich beim ersten Besuch gleich so wohl, dass er überhaupt nicht mehr weg wollte.

Kita-reifes Kind, Kita-reife Eltern

Dazu muss ich noch sagen, dass Xaver über-Kita-reif war. Sein einziges Interesse galt schon seit Monaten anderen Kindern. Er wollte jeden Tag raus, auf den Spielplatz, dort tobte er wild in der Gegend herum, und würdigte seine Eltern keines Blickes mehr. Kurz vor dem Kita-Start wurde er dann aber doch ganz schön anhänglich. Die Zähne drückten, und er war fast vier Wochen lang ununterbrochen krank. Gebrochene Finger, Hand-Fuß-Mund-Virus und ein fieser Magen-Darm-Infekt. Wir dachten, das käme dann mit dem Kita-Start, aber nein: das Schlimmste waren die Wochen vorher…

Dennoch lief die Eingewöhnung gut, und laut der Erzieher: turbo-schnell. Xaver fühlte sich sofort wohl, die ersten Tage legte er sein übliches Verhalten an den Tag: Mama, Papa? Wer ist das? Auch als wir das erste Mal den Raum verließen (wir haben die Eingewöhnung geteilt, also einer von beiden war immer dabei), gab es keine Reaktion. Am vierten Tag blieb ich eine Stunde lang weg, am fünften schon bis 11 Uhr. Doch dann stagnierte das Ganze. Denn Xaver war um 11 Uhr immer schon so müde, dass er nur noch quengelnd am Arm der Erzieherin hing. Obwohl er zuhause schon Kita-Rhytmus gehabt hatte (immer bis nach 12 wach, dann ein langer Mitagsschlaf, der auch der einzige am Tag war), schaffte er es einfach nicht, länger durchzuhalten. Kein Wunder. So viele neue Eindrücke müssen erst mal verarbeitet werden!

Turbo-Eingewöhnung mit Hochs und Tiefs

Tagelang holte ich also um 11 Uhr ein völlig erledigtes Kind ab, das natürlich bereits auf dem Weg nach hause einschlief. Diese Woche war auch noch die, in der mein Freund beruflich verreist war, und in der uns das Fahrrad geklaut wurde. Alles ziemlich anstrengend und nur dank eines sehr flexiblen Arbeitgebers machbar! Nach einer Woche dann aber der große Durchbruch. Xaver blieb bis zum Mittagessen, er aß mit viele Freude und Bereitschaft, und am Tag danach durfte er schon zum Mittagsschlaf bleiben. Ich saß währenddessen im Café unten im Haus und war aufgeregt. Würde er das hinbekommen? Mittagsschlaf in der Kita? Wie die das schaffen, dass da 10 Kinder auf ihren kleinen Mini-Matrazen zwei Stunden schlafen, ist mir eh ein Rätsel. Ich schaffe es ja oft nicht mal, EIN Kind zum schlafen zu bringen! Dabei ist Xaver wirklich nur selten ein kompliziertes Kind in der Hinsicht. Schnuller, Kuscheltuch (jaja, er ist ein kleiner Linus, dieses Tuch ist seine große Liebe…), und weg isser. So war es dann auch in der Kita. Xaver’s Eingewöhnung war damit durch, er war angekommen. Jeden Tag jetzt bis 15 Uhr. WOW!

Für Xaver begann ein neues Leben – für mich auch! Zwar hatte ich schon vorher halbe Tage Kind-frei gehabt, manchmal auch (fast) ganze. Aber wenn er bei Papa war, war ich trotzdem immer da gewesen irgendwie. Denn wir telefonierten, ich wurde mit Bildern auf dem Laufenden gehalten, usw. Jetzt dagegen war er weg. Richtig weg. Das war komisch, aber auch schön. So viel Zeit! Nur für mich. Bis 15 Uhr bekommt man eine ganze Menge gebacken, wenn man ungestört arbeiten kann… Fiel die Trennung also schwer? Nein. Ich kannte das Gefühl ja bereits. Mich macht nur immer wieder dieses Gefühl fertig, dass alles so schnell geht. Vor kurzem war er doch noch ein Baby! Und jetzt? Ist er schon ein kleiner Junge…

Ein langer, anstrengender Arbeitstag

In der ersten Woche nach dem Mittagsschlaf-Durchbruch wurde es dann aber noch mal holprig. Xaver weinte jetzt beim Abgeben morgens, er klammerte sich fest an uns, ließ sich zwar immer schnell von den Erziehrinnen beruhigen, dennoch: Mein Mutterherz blutete! Vor allem weil mir mit fester Stimme geraten wurde, zu gehen. Gut gelaunt tschüss sagen und raus. Denn wenn ich da bliebe, würde ich es ihm nur noch schwerer machen. Das leuchtete mir ein. Ich winkte also mit einem Lächeln, verschwand hinter der Tür, wartete immer noch einen Moment, um sicherzugehen, dass er sich wirklich beruhigte. Das tat er immer. Und ich wusste ja auch: wenn er mich wirklich braucht, dann rufen sie mich an. Trotzdem waren das die Momente, die überhaupt keinen Spaß gemacht haben…

Das Abholen war weniger problematisch, Xaver war immer gut gelaunt, oft haben wir ihn mitten im Spiele-Wahn überrascht und er schien eher beleidigt, dass der Spaß-Tag in der Kita jetzt vorbei ist.  Jedoch: er war erschöpft, quengelig, kaputt die restlichen Stunden des Tages. Marie hatte mit Junio auch diese Erfahrung gemacht, es ist einfach so anstrengend für die Kleinen. All die anderen Kinder, die neuen Eindrücke. Xaver wirkte, als habe er einen extrem anstrengenden Arbeitstag hinter sich, und irgendwie war es ja auch so. Wir strichen also alle Nachmittags-Aktivitäten, zuhause fühlte er sich (völlig untypisch für ihn), am wohlsten. Auch am Wochenende brauchte er: Ruhe. Geburtstage, Treffen mit Freunden. Xaver war nach kurzer Zeit durch, schlief wieder oft zwei Mal am Tag.

Angekommen.

Jetzt, nach acht Wochen ist er gefühlt total in der Kita angekommen, er freut sich morgens, wenn wir das Haus verlassen, und winkt mir fröhlich, wenn ich ihn dort abgebe. Er liebt seine Erzieher und auch alle anderen Kinder. Er macht rasante Fortschritte, plappert, kann plötzlich richtig gut selbst mit dem Löffel essen. Ich habe wirklich das Gefühl, dass er dort gut aufgehoben ist, was mich sehr glücklich macht. Und auch, dass die Aktivitäten in der Kita seinem Temperament, seinem Bewegungsdrang und seiner offenen Art mehr entsprechen, als das, was wir als Eltern ihm bieten können. Das sehen manche anders und vielleicht gibt es auch Kinder, für die es wirklich besser ist, lange mit den Eltern zuhause zu bleiben. Für Xaver gilt das nicht, er und wir, wir alle sind viel ausgeglichner seit der Kita. Nachmittags braucht er aber immer noch oft Erholung. Und ich genieße es auch, dann einfach nur mit ihm zuhause zu sein. Denn das ist das Schönste: seit ich den Vormittag für mich habe, kann ich den Nachmittag voll mit ihm sein. Kein Handy, keine Emails. Alles schon erledigt. Das ist dann wohl das, was alle Quality-Time nennen. Wie schön!

PS: auf dem Foto seht ihr eine typische Abhol-Situation. Ein begeisterter Xaver auf der Dachterrasse!

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