Einfach nur genießen

04. November 2014 | in Familie | Parenting

Ich denke zur Zeit oft an Jesper Juul. Eigentlich denke ich immer an ihn, denn er ist der Einzige, dessen Theorien vom Kinder-haben mich ansprechen. Ich bin eigentlich kein Fan von Erziehungs-Theorien, ich mag mich am liebsten auf mein Gefühl verlassen.

Aber im Moment schwirrt eben immer wieder dieser Satz im Kopf herum: Man kann seine Kinder auch einfach nur genießen.

Alltag, Alltag, Hektik, Hektik

Denn mittlerweile ist der Alltag mit Kind voll da, wir sind eingespielt, jeder Tag läuft ungefähr gleich ab. Und weil ich zwischen Job, Blog, Kind, Mann und Freunden oft merke, dass ich total gestresst bin, versuche ich zwischendurch, einfach zu genießen. Durchzuatmen und alle Fünfe gerade sein zu lassen. Mich von jeder Art von Perfektionismus zu verabschieden. Von Zeitdruck und Verpflichtungen. Denn irgendwas ist immer. Die Nacht war doof, einer von uns kränkelt, ein Termin wird nach vorne verlegt. Hektik ist vorprogrammiert, durchatmen dringend nötig.

Meistens klappt das am besten in den Stunden, die ich exklusiv mit Xaver habe. Ich hole ihn von der Kita ab, wir machen alltägliche Dinge. Gehen einkaufen, erledigen etwas, treffen manchmal Freunde auf dem Spielplatz. Am liebsten hat er es aber, wenn wir nur zu zweit sind und nicht weit fahren müssen. Wenn wir ein Eis essen gehen oder einfach Quatsch machen. Ich plane nachmittags am liebsten keine großen Aktivitäten mit ihm, es gibt einfach Alltag. Noch so ein Satz von Juul: “Was Kinder wirklich brauchen, ist, dass sie einfach nur dabei sind und die Eltern sich über sie freuen.” So einfach, oder?

Wenn wir dann, meistens gegen 17:30 zuhause sind, muss ich mich aber immer dazu ermahnen, nicht gleich wieder in Stress-Muster zu verfallen. Denn manchmal hat man so viel im Kopf, dass man vergisst, die Kinder zu genießen. Man hetzt sich und sie vom Kochen zum Essen, zum Baden, zum Zähneputzen, zum ins Bett gehen. Man liest motorisch eine Gutenacht-Geschichte, wickelt Rituale ab, ohne wirklich da zu sein. Lässt dem Kind eine Badewanne ein und hat die ganze Zeit nur diese Email im Kopf, die man später noch schreiben muss.

Essen anbrennen lassen, baden ausfallen lassen

Ich zwinge mich deshalb oft dazu, das Chaos Chaos sein zu lassen und einfach nur mit Xaver zu sein. Lasse also die Suppe anbrennen, weil es gerade so schön ist, mit ihm auf dem Wohnzimmer-Teppich zu liegen. Wir kullern uns, er klettert auf mir herum, wir verstecken uns unter der Decke, wir lachen. Wir spielen “Schwimmen”, eine seiner Lieblingsbeschäftigungen seit er den kleinen Schwimmer bekommen hat, der uns jetzt immer in die Badewanne begleitet. Oder wir spielen verstecken, er versteckt sich immer an der gleichen Stelle, steht dann ganz still und freut sich immer wieder, wenn ich ihn “finde”. Und zum Essen gibt es dann halt Brotzeit.

Oder er nimmt mich an der Hand, um mich durch die Wohnung zu führen und mir etwas zu zeigen (nur dann lässt er sich an der Hand nehmen, sonst nie!). Die Wäsche wird oft zweimal gewaschen, weil vergessen wurde, sie aufzuhängen. Manchmal hängen wir auch “gemeinsam” Wäsche auf. Er reicht sie mir und versteckt sich unter dem Ständer, wenn alles hängt. Ich versuche, zu lachen, wenn er die Badewanne anmalt und mich anstrahlt: “Maaln!” Zum Glück sind die Stifte ja abwaschbar. Ach, und das Baden lassen wir auch oft aus. Stattdessen genieße ich die Zeit mit ihm, die so kostbar ist und die nie wieder kommen wird.

Loslassen wird immer schwerer, oder?

Das mit dem Loslassen fällt nicht immer leicht, vor allem wenn, wie meistens, immer irgendwelche Zusatzbelastungen, Termine, Verpflichtungen dazukommen. Ein Arzttermin, eine Geburtstagsfeier, eine Verabredung, Besuch und ab und zu muss man halt baden. Ich sage viel öfter: Beeil dich, komm jetzt! als ich gerne würde. Weil wir eben wohin müssen, weil ich nicht erst um 11 im Büro aufschlagen kann, weil wir nicht erst um zehn Uhr Abendessen können. Obwohl mein Sohnemann stundenlang auf-und-ab-laufen könnte, sich verstecken, trödeln.

Wenn man erstmal zwei, drei Kinder hat, wird es sicher noch schwerer, den Alltagsstress nicht zuzulassen. Umso wichtiger sind mir genau jetzt die kleinen Pausen mit Xaver. In denen ich auch wieder ein bisschen Kind sein darf. Und genieße. Und mich erfreue!

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