Ein paar Gedanken zu Instagram und der Art, sich dort zu präsentieren

30. July 2019 | in Medien
– Hinweis: Anzeige aufgrund von Markennennung –

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber bei mir im Bekanntenkreis ist Instagram allgegenwärtig. ALLE benutzen die App. Viele haben ihre Facebook-Profile mittlerweile gelöscht, aber ohne die Foto-Sharing-App geht es nur bei Wenigen. Viele teilen dort fast jeden Schritt, den sie machen, mit ihren Followern, sie machen “Stories” und posten gefühlt die ganze Zeit, auf jeden Fall aber täglich. Einige haben Instagram auch zu ihrem Job gemacht.

Manchmal denke ich über diese ganzen Social Media Dinge nach und werde irgendwie traurig und auch ängstlich. Am Anfang war Instagram Spaß, Austausch mit Freunden, Verbinden. Jetzt ist es groß, viele haben Millionen von Followern, es ist völlig kommerzialisiert und voller Werbung, sichtbar und unsichtbar. Und dieses “Sich Präsentieren”, dieses “Alles Festhalten” – gerade Jüngere haben ja wirklich mittlerweile das Gefühl, Erlebnisse sind weniger wert, wenn sie nicht festgehalten und geteilt werden – ist das gesund? Ich mache im Privaten total gerne Bilder von meinen Kindern und unseren Erlebnissen und ab und zu teile ich sie auch. Ohne viel Text, einfach nur die Fotos. Manchmal scrolle ich durch mein Feed und erfreue mich an den Bildern und denke, was für ein Glück ich doch habe.

Manchmal macht es glücklich, manchmal nicht

Ich scrolle aber auch durch die Feeds von anderen Menschen, von anderen Eltern. Manches interessiert mich, weil es inhaltlich gut ist. Manches finde ich wunderschön. Manches triggert mich, weil es mir passiv-aggressiv vorkommt, weil ich den Ton nicht angebracht finde, oder aus anderen Gründen. Ja und manchmal denke ich auch: Scheiße, das Leben von XY sieht noch besser aus als meines. Menschen, die weniger Rückhalt haben, kann das richtig schaden. Mädchen werden magersüchtig, Selbstzweifel machen sich breit und nicht zuletzt gibt es ständig Unfälle beim Selfie-Machen…

Dann bin ich nicht sicher, ob Instagram wirklich die reine Fun-App ist, als die die meisten sie verwenden. Man weiß mittlerweile, dass Instagram der Psyche nicht gut tut. Viele Profile sehen so perfekt und doch persönlich aus, sie sind extrem gut kuratiert und ich finde, man muss wirklich aufpassen, mit welchen Augen man diese Feeds sieht.

Kritisch konsumieren

“Kritisch lesen” ist ein Leitspruch, den ich schon früh von meinem Sozialkunde-Lehrer mitbekommen habe. “Nehmt nichts für bare Münze! Hinterfragt alles, was ihr lest!” hat er immer gesagt. Er bezog sich natürlich auf Nachrichten, auf Zeitungen. Aber das Gleiche gibt doch eigentlich auch für Social Media, oder? Jeden Post hinterfragen, zwei Mal überlegen: ist das jetzt echt? Ist es Werbung? Warum löst es diese oder jede Gefühle in mir aus? Die Menschen in manchen Feeds fühlen sich an wie Freunde, aber das sind sie nicht. Vieles wirkt echt und ungeschminkt, aber das ist es nicht. Instagram mit viel Weitsicht und Reflektion konsumieren, das ist sicher eine gute Idee. Übrigens kann man dieses Verhalten auch schon früh an seine Kinder weitergeben, damit die nicht mit 13 – in einer Zeit, in der man so verunsichert ist, wie selten im Leben – mit der App anfangen und damit nicht klar kommen.

Also: ich sehe Instagram sehr kritisch. Was ich aber nicht mag, ist wenn pauschal verurteilt, gedisst und gelästert wird. Ja, vielen mag Instagram wie ein Monster vorkommen, denn es macht süchtig, verkauft Dinge, die wir nicht brauchen, kann traurig und arm machen. Aber nichts davon ist illegal oder wird jemals verboten werden. Sicher haben die, die viele Follower haben auf Instagram auch eine Verantwortung. Aber darauf kann man sich am Ende nicht beziehen. Die User müssen sich auch selbst schützen.

Their Choice

Die meisten Menschen auf Instagram, denen ich folge, sind erwachsene Menschen und die Art und Weise, wie sie sich präsentieren, ist ihre freie Entscheidung. Und die Menschen haben nun mal unterschiedliche Talente und Interessen! Einige präsentieren ein perfekt wirkendes Fenster ihres Lebens als Inspiration, sind sehr fotogen, haben ein Händchen für Inneneinrichtung oder Mode. Andere zeigen alles: Bäuche, Tränen, Geburten und Schwangerschaftsstreifen und ihre tiefstes Seelenleben. Wieder andere sind gute Fotografen und haben ein exzellentes Auge für Details, nicht wenige können diese Fotos auch noch extrem gut bearbeiten. Eine große Zahl der Mama-Accounts konzentriert  sich auf den menschlichen Aspekt, sie schreiben über Beziehungen, Emotionen… Und alle diese Menschen, Fokussierungen und Accounts haben ihre Daseinsberechtigung. Keiner ist besser oder schlechter.

Instagram ist nicht und war nie das echte Leben. Wer Feeds folgt, in denen die Menschen permanent glücklich und im Urlaub zu sein scheinen, und wer merkt, dass das nicht gut tut – der sollte diesen Feeds entfolgen. Wer sogar das Gefühl hat, die App tut ihm generell nicht gut oder er verbringt viel zu viel wertvolle Zeit dort, der kann sie auch einfach mal löschen. Es tut irre gut, mal einige Zeit nur mit analogen Freundschaften zu tun zu haben. Das sind ja am Ende auch die, die bleiben und die wertvoll sind! Was auch gut tut: Nicht morgens nach dem Aufstehen direkt durch Insta scrollen. Zu dieser Zeit sind wir wohl sehr verletzlich, noch nicht gefestigt und viel anfälliger dafür, uns von Dingen mitnehmen zu lassen. Abends vor dem Einschlafen ist das übrigens noch krasser. Also: Telefon weg!

Ich finde, wir sind schon auf eine Art und Weise selbst verantwortlich dafür, was wir aus der Insta-Welt machen. Oder wir entscheiden uns einfach, die App nicht mehr zu nutzen. Diese Entscheidung hat man immer. Und man kann auch wunderbar ohne Instagram leben!!

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