Ein Haus voller Kinder

16. January 2015 | in Alltag | Familie

Processed with VSCOcam with b1 presetAls wir eingezogen sind, erzählte uns die Vermieterin: “es gibt keine Kinder im Haus”. Keine Ahnung, wie sie darauf kam! Denn schnell stellten wir fest, dass es nicht nur in jeder Wohnung mindestens ein Kind gab (eine einzige ausgeschlossen, in der ein schwules Paar lebt, das es laut Eigenaussage “immer wieder versucht, aber einfach nicht schwanger wird” :)), sondern auch, dass unser neues Haus irgendwie fruchtbar macht. Jedenfalls war ich zwei Monate nach unserem Einzug schwanger und unseren Nachbarn ging es ähnlich.

Solidarität durch Kinder

Ein Haus voller Kinder. Für manche eine Horrovorstellung, für uns ein Traum. Obwohl ich nicht ganz sicher weiß, ob ich ohne die Kinder-Verbindung – denn alle Kinder sind auch noch zwischen 3 Monate und 6 Jahre alt – mit unseren Nachbarn so gut befreundet wäre, so sind sie mir doch richtig ans Herz gewachsen. Wir haben immer Unmengen von Gesprächsthemen, man hilft sich gegenseitig. Einen Hochstuhl oder einen Skianzug ausleihen, kein Problem! Wir erben sogar immer wieder Klamotten und Schuhe. Auch Eier, Mehl und jegliche andere Lebensmittel werden natürlich hin- und hergeliehen, genauso wie Leitern und alles mögliche Handwerker-Utensil.

Im Treppenhaus und im Hof stapeln sich die Kinderwägen, Schlitten, Laufräder und Anhänger. In unserem Haus ist es nie ruhig, ein Kind plärrt oder lacht immer. Man trifft sich oft im Hausflur und verquatscht sich. Gerade jetzt, wo es abends so früh dunkel wird, trifft man sich nachmittags auch gerne bei einem von uns auf einen Tee. Früher hatte ich nie mit meinen Nachbarn Kontakt, jetzt ist es das Gegenteil.

Gemeinsame Essen und Übernachtungs-Parties

Mittlerweile werden auch regelmäßig Essen organisiert, die Kinder sind immer bis zu einem gewissen Zeitpunkt dabei, danach bleiben alle noch mit Babyphone. Es wird gegessen, getrunken, und über viele andere Dinge, als nur die Kinder, gesprochen. Irgendein Kind macht bei solchen Veranstaltungen immer nicht mit (und will nicht essen, nicht ins Bett gehen, nicht am Kindertisch sitzen…), das Gute ist aber: alle wissen ja, wie das ist. Keiner ist genervt. Ich liebe diese Abende! Unser Haus wird dann zu einer großen Gemeinschaft, viele treffen sich in einer Wohnung und wie toll ist es, wenn man nicht mal Schuhe anziehen muss, um zu einer Essenseinladung zu gehen?

Wir haben sogar schon die ersten Übernachtungsversuche gestartet. Unser 3-jähriger Nachbarsjunge hat letztens bei uns geschlafen. Er war schon oft in unserer Wohnung, fühlt sich hier zuhause. Wir kennen ihn gut, insofern war das keine große Sache für ihn. Für mich schon! Es war eine erste Probe, wie das dann sein könnte, mit zweien.
Alles lief großartig, er bestand darauf, neben Xaver zu schlafen, um neun Uhr schlummerten beide selig. Und als seine Mutter ihn gegen Mitternacht abholte, wachte er nicht mal auf. Sie trug ihn im Schlafanzug die zwei Stockwerke hoch.

Und es soll so weitergehen!

Unsere Traumvorstellung ist jetzt, dass die Kinder sich bald am Wochenende morgens selbstständig in einer Wohnung treffen und die Eltern schlafen lassen. Oder: dass eine Partei mal alle Kinder (es sind mittlerweile neun!) ein Wochenende lang nimmt, die Kinder machen Matrazenlager und dafür hat man dann den Rest der Wochenenden frei. Ob es soweit kommt – mal sehen. Auf jeden Fall werden die Kinder irgendwann gemeinsam in die Grundschule laufen können, die nur zwei Blocks entfernt ist. Die ersten tun das schon. Die Vorstellung, dass Xaver mal mitlaufen kann, mag ich so gerne, dass ich sehr hoffe, wir wohnen noch hier, wenn es soweit ist!

Wie auch immer, ich bin verflixt froh über meine netten Nachbarn und kann nur jedem empfehlen, sich mit den seinigen zu verbünden. Natürlich hat nicht Jeder so ein Glück. Aber für alle, die auch andere Kinder im Haus haben: versucht, Freundschaften zu schließen! Das kann super klappen, sogar wenn man anfangs denkt, man sei nicht auf einer Wellenlinie. Natürlich bin ich auch mal genervt von meinen Nachbarn, finde nicht alles, was sie machen, super. Aber Toleranz und Respekt gegenüber anderen Eltern zu lernen, das tut uns ja wohl allen gut. Ich habe auf jeden Fall durch das Haus, in dem ich wohne, sehr viele interessante Menschen getroffen, mit denen ich sonst vermutlich nicht in Kontakt getreten wäre. Das empfinde ich als große Bereicherung….

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