Durch Dänemark mit zwei Zweijährigen…

10. September 2015 | in Lifestyle | Travel

“Lass uns wegfahren, nur wir und die Kinder!” So ging’s los. Meine Freundin Katie, ihre Tochter Ronja, Xaver und ich. Auf dem Bauernhof hatten wir schon “geübt” und weil ich dieses Jahr ja eine ausgesprochene Norden-Affinität an den Tag lege, war schnell klar, dass wir nicht nach Spanien oder Griechenland fahren würden, sondern in kühlere Gefilde. Dänemark Anfang September – da kann man Glück und Pech haben mit dem Wetter, wir hatten beides und wir haben mal wieder gelernt: Kindern ist das ja eh wurscht. Und solange die glücklich sind, sind wir es auch!

City-Trip und Strandurlaub

Der Plan war: nach Kopenhagen fliegen, dort zwei Nächte bleiben und dann in ein kleines Fischerdorf an der Küste fahren. Zehn Tage waren es insgesamt und der Trip war perfekt, absolut machbar mit zwei Zweijährigen und auch noch unheimlich günstig. Die Flüge nach Kopenhagen kosteteten von Berlin aus schlappe 25 Euro, da war es dann auch gerade mal egal, dass die Kinder schon voll zahlen müssen. In Kopenhagen und am Meer hatten wir AirBnB-Unterkünfte gebucht und wurden, mal wieder nicht enttäuscht! Doch der Reihe nach.

Kopenhagen ist der Hit. Ich habe noch nie eine so schöne, aufgeräumte, geschmackvolle, charmante Stadt gesehen, die ganz nebenbei auch noch SO kinderfreundlich ist! Es geht am Flughafen los: Eine Spielecke beim Gepäckband. Wie unfassbar clever!
Wir wohnten in Nørrebro, ein bunter und lebhafter Stadtteil, in dem anscheinend fast nur hippe Eltern wohnen. Es gibt an jeder Ecke einen Spielplatz und Sorry Berlin! diese sind alle um Längen toller, praktischer und schicker als das, was wir von zuhause kennen. Überall heben gutaussehende, schnieke angezogene Papas Babies aus riesigen Kinderwägen (wir haben keine Buggies gesehen, dänische Kinder leben in schiffsähnlichen Gefährten), die Fahrradwege sind so breit wie die Straße, was auch so sein muss, denn jeder fährt Lastenfahrrad, überall gibt es Kinderstühle und Wickel-Möglichkeiten (selbstredend auch auf den Männertoiletten). Kopenhagen mit Kids? Ein DO!

Und die Wohnung war ein absoluter Glücksgriff. Perfekt gelegen und vor allem: leben hier zwei Kinder. Entsprechend gab es Hochstühle, Kinderbetten, und ein unfassbar gut ausgestattetes Kinderzimmer. Ronja und Xaver waren direkt nach Ankunft erst mal zwei Stunden lang beschäftigt, während wir den Interieur-Geschmack der Vermieter bewunderten.

Wir sind aber natürlich nicht nur in der schönen Wohnung rumgehangen, wir sind auch durch Kopenhagens In-Viertel geschlendert, haben, während die Kinder im Buggy schliefen, eine kleine Shopping-Tour gemacht und ein großartiges Mittagessen inklusive Rosé in der Torvehallerne (eine beeindruckende Food-Hall) genossen. Kurz danach waren die Kinder wach und der Himmel verfärbte sich verdächtig dunkel, wir eilten ins Nationalmuseum – schafften es gerade noch, nicht ganz pitschnass zu werden. Eine Kurzschluss-Reaktion, die besser nicht hätte sein können! Die Ausstellung von Laura Lima “The Naked Magician” hat die Kinder so nachhaltig beeindruckt, dass wir noch den ganzen restlichen Urlaub vom “Zauberer” sprachen. Der erste richtige Museumsbesuch für die beiden, bei dem sie richtig was mitgenommen haben! Ach ja, im Museum gibt es Kinderwägen von Stokke zum Ausleihen und natürlich werden im Restaurant Tripp Trapps zur Verfügung gestellt. Klar! Ach, die Dänen.

Einfach eine Spur kinderfreundlicher

Am Abend gingen wir um die Ecke essen, die Kinder waren übermüdet, hüpften vor dem Restaurant zwischen aufgehübschtem Freitag-Abend- Essengehen-Publikum in den Pfützen. Xavi sprang auf einmal mit Vollkaracho in den Matsch, traf einen Businessmann im Anzug. Ich: “Oh mein gott, Entschuldigung!!” Und er? Lächeln. “Kein Problem, das sind doch Kinder!”
Dieses Erlebnis fasst meinen Eindruck von den Dänen perfekt zusammen: ALLE sind kinderfreundlich, akzeptieren Familien und ihre Bedürfnisse und wisst ihr was? Ich vermute fast, dass sich dänische Kinder auch deswegen besser benehmen, weil sie einfach spüren, dass sie akzeptiert werden. Macht das nicht total Sinn? Vielleicht ist das ja auch in Frankreich der wahre Grund dafür, dass Kids im Restaurant nicht mit Essen werfen…

Mit dem Zug fuhren wir am Samstag nach Gilleleje, ein Fischerdorf, keine 100km von Kopenhagen entfernt. Auch hier: alles aufgeräumt, geschmackvoll, SCHÖN! Unser Haus war ein relativ einfaches Strandhaus, gemütlich und hell, mit Riesengarten. Und bei den Dänen ist auch “einfach” immer schon mit schönem Bad und neuem Induktionsherd ausgestattet, ich war wirklich beeindruckt von dem offensichtlich hohen Lebensstandard und dem weit verbreiteten guten Geschmack!

Strandurlaub mit Matschhose im Gepäck…

Gilleleje also und was soll ich sagen, ich will da auf jeden Fall wieder hin. Der Strand war etwa 20 Minuten vom Haus entfernt, mit den Buggys nicht gerade eine leichte Übung, auf der anderen Seite ein tägliches Wok-out. Dort dann: rougher Ostsee-Strand, Dünen, Steg, Muscheln, Sand und vor allem: wir waren tatsächlich fast immer fast alleine. Am Hafen kann man Fish & Chips essen und zwischen Schiffsruinen die Welt erkunden, im Dorf gibt es sogar ein paar nette Läden. Der “Super Brugsen” ist einer der großartigsten Supermärkte, in denen ich je war und überhaupt: Gilleleje verbindet ziemlich viel miteinander, was man für einen gelungenen Urlaub braucht. Gutes Essen, angenehme Menschen, schöne Natur….

Wir blieben eine ganze Woche, in der wir: NICHTS machten. Außer natürlich kochen, waschen (Das Haus hatte Waschmaschine und Trockner, thank God! Schließlich waren wir mit zwei Kids unterwegs, die gerade erst aus der Windel raus sind, der ein der andere Unfall war da vorprogrammiert, dazu die Pfützen….), aufräumen, Streit schlichten, Kinder trösten, Kinder unterhalten, Spaziergänge machen, Blumen pflücken, Zauberer-Geschichten erzählen, Sandkuchen backen, Muscheln sammeln, Schnecken beobachten, Regenwürmer bewundern, in Matschepfützen hüpfen, in Matschepfützen fallen (Waschmaschine!), Geschichten vorlesen. Unser Motto war oft “let them be little” und deshalb durften die Kinder ganz oft ganz ohne Hektik einfach ihr Ding machen. Da konnte der Heimweg auch schon mal Stunden dauern, schließlich musste alles genau inspiziert werden.

Und abends: Mama Time! Wein, Gespräche, Filme (Apple TV im Haus, klar!)… Die Abende haben wir immer am meisten genossen, denn ansonsten muss man natürlich ganz ehrlich sagen: Urlaub mit zwei Zweijährigen ist nicht unbedingt Me-Time. Zum Glück ist meine Freundin eine ebenso flexible, nervenstarke und humorvolle Mama wie ich und wir haben uns zu viert durch Wind und Wetter, Sonne und Tränen, Anstrengung und Entspannung geschaukelt und wunderschöne Tage verlebt.

Zurück in Berlin bin ich überraschenderweise tatsächlich erholt! Und wir haben schon beschlossen, dass wir GENAU diesen Trip nochmal machen wollen. Gerne wenn die Kinder schon ein bisschen größer sind und alleine den Zauberer im Leuchtturm oder die Schiffsruinen besuchen können. Und auch gerne mit den Männern, damit wir das nächste Mal ein bisschen weniger schuften müssen. 🙂

Danke, Dänemark!

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