Die Schnuller-Frage

13. June 2013 | in Familie | Parenting
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»Hier hast du ihn! Nun sei hübsch still,
Weil ich die Wäsche trocknen will.«

So beginnt Wilhelm Buschs Bildergeschichte “Der Schnuller” . Dort saugt ein Baby an einem mit süßen Brei gefüllten, kleinen Stoffbeutel, der um das 18. und 19. Jahrhundert verwendet wurde. Ab Mitte des 19. Jahrhundert gab es dann die wesentlich hygienischeren Gummischnuller – ähnlich den heutigen Nuckeln. Babys haben also schon immer gern gesaugt, nicht umsonst heißen sie Säuglinge. Und das nicht nur zur Nahrungsaufnahme, sondern um sich selbst zu beruhigen. (Babys einzige Möglichkeit sich selbst etwas zu “kontrollieren”, um nicht komplett auf seine Umgebung angewiesen zu sein). Anders als Wilhelm Buschs Mutter in der Geschichte, sollte man den Sauger natürlich nicht zum Ruhigstellen des Babys nutzen (und auf keinen Fall mit etwas Süßem!). Wie der Name schon sagt, ist er in aller erster Linie zum be-ruhigen gedacht.

Ein wahrer Segen!

Ich selbst habe den Schnuller bzw. Nuckel nach ca. drei Wochen gegeben (was einige noch für zu früh halten). Das Stillen war allerdings schnell unkompliziert und so ging ich davon aus, dass der Kleine sich auch von dem Nuckel nicht verwirren lässt.  Er bekommt den Schnuller beispielsweise, wenn er müde ist, sich so richtig eingeschrien hat und ich ihn auch durch Singen, Wiegen etc. nicht mehr beruhigen kann. Was für eine Hilfe! Sobald er schläft, ziehe ich den Schnuller vorsichtig raus. Oft ist das allerdings nicht nötig und er fällt ganz von allein aus seinem kleinen Mund. Sicherlich mache ich mir Gedanken um verformte Kiefer oder Probleme bei der Sprachentwicklung (neben Giftstoffen im Gummi die größten Risiken), habe aber nach einiger Recherche in Erfahrung gebracht, dass ich mir keine Sorgen machen muss, so lange der Schnuller ab dem ersten bis zweiten Jahr verschwindet (eine kurze Zusammenfassung dieser Studie findet ihr hier) und nicht ständig eingesetzt wird.

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Schnullerbaum und Nuckelfee

Um den Kleinen den Verlust ihres geliebten Schnullers etwas einfacher zu machen, lassen sich Eltern so einiges einfallen. Ähnlich der Zahnfee gibt es die Nuckelfee, die nach dem Motto “Nuckel gegen Geschenk” funktioniert. Besonders hinreißend finde ich aber den Schnullerbaum: Der Schnuller wird feierlich an den Baum gehangen und das Kind kann auf Wunsch seinen Schnuller immer mal wieder besuchen gehen. Ursprünglich aus Dänemark, gibt es solche Bäume auch in Deutschland (der in Berlin steht übrigens am Haupteingang der Wuhlheide in Köpenik).

Isabels Erfahrungen dazu sind ähnlich:

“Ich muss zugeben, dass ich sehr froh bin, dass er den Schnuller nimmt. Es war von Anfang an klar, dass er ein “Nuckler” sein würde, er hatte auf den Ultraschallbildern schon immer seine Hand im Mund und kaum draußen, nuckelte er an allem, was ihn im die Quere kam: Mein kleiner Finger, Papas Nase … Er scheint das Nuckeln auch wirklich zum Entspannen zu brauchen und hat mittlerweile seine kleinen Fäuste regelmäßig im Mund, wenn er müde wird. Den Schnuller bekommt er zum Einschlafen (und er spuckt ihn immer aus, wenn er richtig tief schläft und wacht dann auch nicht auf), und wenn er sehr unruhig ist. Er nimmt ihn nie, wenn er wirklich schimpft und weint oder wenn er irgendein konkretes Bedürfnis hat. Für ihn ist es im Moment wirklich rein Beruhigungssauger und ich hoffe, das bleibt auch so. Das Risiko der “Brustverwirrung” hatten wir nicht. Der weiß ganz genau, wenn Busen-Time ist und dass er dann anders saugen muss. Einmal sagte ein Bekannter, der Schnuller-Gegner ist, zu mir: “Ich befasse mich lieber mit meinem Kind, anstatt ihm den Schnuller in den Mund zu stopfen.” Das fand ich gemein, denn bei Xaver ist es nicht so dass man ihn, wenn er nuckeln will, mit “sich mit ihm befassen” beruhigen könnte. Die Alternative wäre, ihm immer den kleinen Finger oder den Busen zu geben. Ich habe für mich beschlossen, dass ich Schnuller besser finde.”

Und wenn ihr jetzt vor dem Schnullerkauf steht, gibt es auf dem Mamiblog eine praktische kleine Checkliste, die euch dabei helfen kann. Ach ja, das habe ich noch nicht erwähnt: Es gibt natürlich auch Kinder, die den Schnuller prinzipiell ablehnen. Was sind eure Erfahrungen?

 

Illustration: Kera Till

Foto © Norbert Kaiser

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