End-Jahres-Kater und Wünsche vs Vorsätze

18. January 2018 | in Familie | Gesellschaft | Muttergefühle

Ich starte meistens mit einer kleinen Neujahrsverwirrung ins beginnende Jahr. Oft war der Dezember die Krönung eines stressigen Jahres und ich bin erstmal durch. Durch mit Weihnachten, durch mit der Arbeit, durch mit all den Anforderungen, die ich an mich selbst gestellt hatte.

Die Illusion, dass es voran geht

Seitdem ich zu Silvester nicht mehr verrückt feiere, also meist am 1. Januar keinen Alkohol-Kater habe, habe ich etwas anderes: Den End-Jahres-Kater. In den ersten Tagen des neuen Jahres fühle ich mich verloren, das Alte wirkt noch nach und ich blinzle unbeholfen in die Zukunft – wie ging das nochmal mit dem Optimismus? Einfach ein bisschen reflektieren und dann Schwamm drüber? Machen wir uns da nicht etwas vor? Sitzen wir nicht, trotz aller guten Vorsätze, so oft am Ende des Jahres wieder in der selben Suppe? All diese Dinge schießen mir durch den Kopf. Und der graue Berliner Januar tut sein übriges.

Ganz zart kämpft sich dann aber doch meine Lebensfreude hervor, trotz einem seit anderthalb Jahren währenden Rechtsstreit. Vielleicht ist es auch eine ordentliche Menge Pragmatismus, denn es MUSS ja irgendwie weitergehen. Ja: Ich will im Neuanfang eine Chance sehen.

Wünsche aufschreiben

Vor einigen Jahren habe ich eine kleine Tradition begonnen, die mir damals geholfen hat, meinem End-Jahres-Kater zu überwältigen: Ich formuliere meine Wünsche für das neue Jahr genau aus. Ich stelle mir vor, wie es mir in einem Jahr gehen soll. Und das funktioniert überraschend gut: Ein Großteil meiner Wünsche, die ich ein Jahr zuvor konkret formuliert habe und auf ein großes Blatt Papier geschrieben, zusammengerollt und mit einer Schleife zusammengebunden habe, sind in Erfüllung gegangen. Auch dieses Jahr habe ich das wieder getan – und meine Stimmung wurde so gleich besser. Ich tue etwas, ich gehe einen Schritt nach vorne – ich traue mich, an das unsichere Terrain des neuen Jahres heran. Außerdem ist 2018 ist ein gerades Jahr. Gerade Jahre haben etwas Beruhigendes für mich und ich freue mich auf die vielen, vielen unendlichen Achten, die ich werde schreiben können.

Wünsche versus gute Vorsätze

Ich finde es viel wichtiger, genau seine Wünsche zu kennen, als wieder einmal Vorsätze zu (er-)finden, die einen durch die Maschinerie Lifestyle-Health-Ratgeber-Influencer ans Herz gelegt werden, um einen dann vielleicht auch noch das neue Chiasamen-Müsli von Marke XY zu verkaufen. Und überhaupt: Ich will mich eigentlich nicht mehr optimieren, als ich es eh schon tun muss. Der Euphemismus “gute Vorsätze”, klingt für mich eigentlich eher nach Selbst-Geißelung. Vielleicht spreche ich einfach weiterhin von Wünschen. Ich wünsche mir mehr Sport, mehr Verständnis für den Partner, gleichzeitig aber auch mehr Zeit für mich, und vor allem: mehr Gelassenheit. So ähnlich habe ich das vor einigen Jahren hier schon mal geschrieben: Weniger Stress, mehr Leben.

Und es scheint in kleinen Schritten voran zu gehen, wie das wohl meist mit der persönlichen Entwicklung so ist: Ich mache zwei Schritte nach vorne und dann wieder einen zurück. Sensibilität für die eigenen Grenzen und Bedürfnisse zu entwickeln, musste ich erstmal lernen. Obwohl ich den Artikel “Weniger Stress, mehr Leben” vor über zwei Jahren geschrieben habe (in den besten Absichten), bin ich immer noch oft gestresst.

Aber es ist besser geworden. Und ich habe auch gleich am Anfang diesen Jahres etwas für mich getan: Ich bin Mitglied im Aspria Club geworden. Ganz ohne Werbesprech: Dieses Wellness-Fitness-Spa-Super-Club-Haus ist mein neuer Rückzugsort weg vom Alltag geworden. Ich freue ich aufs Schwimmen, aufs Yoga und die Sauna. Auch mein Sohn ist Mitglied, kann Kinder-Kurse besuchen, im Kinderclub betreut werden oder mit mir zusammen in den Pool. Ich habe das Gefühl, dass dieser Ort für eine ganze Weile mein Recharge- und Me-Time Refugium sein wird.

Dabei muss es gar nicht immer der Fitness-Club sein, es gibt viele andere Orte, die zu dem werden können, was wir alle mal brauchen: Einen Safe Space. Das gemütliche Café, die Bibliothek, der Park, das Schwimmbad. Ich finde es wichtig, Orte zu haben, in denen es nur um einen selbst geht. Zu Hause wartet ja dann doch meist die Wäsche oder der Computer. Anstatt sich zu “guten Vorsätzen” zu zwingen, die man eh nicht einhalten kann oder will, plädiere ich für mal wieder für mehr Gelassenheit und dafür seine eigenen Wünsche ernst zu nehmen. Ihnen Raum zu geben. Dann wird auch alles andere gut.

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