Die berühmten Sprünge – Oder: Ist das noch mein Baby?

01. November 2013 | in Familie
Screen shot 2013-11-01 at 8.45.31 AMScreen shot 2013-11-01 at 8.45.31 AM

Wie schon mehrmals geschrieben, habe ich eigentlich immer versucht möglichst wenig Ratgeberliteratur zu besitzen, um nicht in Versuchung zu geraten das Verhalten meines Kindes ständig zu analysieren und zu vergleichen. Außerdem: Mein Kind ist ja eh ganz anders als die Anderen! Nun ja, erschreckenderweise ist es das eben manchmal doch nicht und es lässt sich sogar eine gewisse Regelmäßigkeit feststellen, was seine Veränderungen angeht. Aber warum? Und: Wie damit umgehen?

Ein Buch, welches mir immer wieder von verschiedenen Freunden empfohlen wurde, ist “Oje, ich wachse!” der niederländischen Psychologen Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij.

Ein anderes Baby

In bestimmten Abständen verwandelt sich mein meist süß-entspanntes Kind, in ein unausgeglichenes, ungeduldiges und, um es einfach mal beim Namen zunennen, anstrengendes kleines Ungeheuer. Plötzlich quengelt er ununterbrochen, lässt sich gar nicht mehr ablegen, will nicht mehr schlafen und ist mit sich und der Welt überfordert. Und noch etwas kommt hinzu: Er ist anders. Und das ist befremdlich. Manchmal ertappe ich mich bei dem Gedanken: Wer ist das eigentlich? Und mir wird wieder bewusst, dass der Kleine und ich uns erst seit einem halben Jahr kennen. Dinge, die ihn sonst begeistert haben, findet er langweilig. Er schaut sich viel mehr um. Er bewegt sich anders, er kann andere Laute bilden. Was ist los?!

Oje, ich wachse!

Und hier hat mir das Buch dann tatsächlich geholfen. Es wird dort beschrieben, dass Babys in den ersten 14 Monaten ungefähr acht solcher sogenannten Entwicklungssprünge durchmachen. Das heisst, die Kleinen entwicklen sich geistig weiter – und sind dann erstmal ordentlich verunsichert. Jeder einzelne Sprung wird beschrieben und mit den Erfahrungen anderer Eltern untermalt (die oft ganz sympathisch und offen genervt sind): “ Wenn ich im Bus sitze, und er wird wach und fängt so laut an zu schreien, gucken mich alle an. Davon wird mir ganz heiß, und ich kriege Beklemmungen. Dann denke ich: Halt doch mal die Klappe!”

Am Ende eines jeden Kapitels gibt es Tipps, wie man die neuen Entwicklungen spielerisch fördern kann. Außerdem eine Checkliste, von Dingen, die das Kind jetzt können könnten. So ein großer Fan bin ich von diesen Checklisten nicht, weil es einen schon etwas irritiert, dass ich das Verhalten meines Kleinen Punkt für Punkt abhaken sollte und mich dann wundere warum er dieses oder jenes aber doch noch nicht kann. Also auch hier wieder: Als Orientierung und emotionale Unterstützung ist das Buch klasse, zu ernst sollte man es nicht nehmen. Die Übersetzung aus dem Niederländischen ist manchmal leider auch etwas holprig geraten.

An alle, die gerade so einen Sprung mit ihren Kind durchmachen: Haltet durch! Es geht vorbei! Und danach ist es doppelt schön!

“Oje, ich wachse!”, Hetty van de Rijt, Frans X. Plooij, Mosaik bei Goldmann Verlag

Nachtrag: Das Buch ist auch als gleichnamige App erhältlich, leider lief die bei mir etwas fehlerhaft und, im Vergleich zum Buch natürlich, mit relativ wenig Inhalt.

Kommentare