Der Endspurt: Im dritten Trimester angekommen

24. July 2019 | in Muttergefühle | Schwanger
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Nach einem ziemlich guten zweiten Trimester, bin ich nun mitten im letzten Abschnitt der Schwangerschaft angekommen. Der Bauch ist groß, der Nabel zum Amüsement meines Sohnes, sehr präsent und das Baby streckt und reckt sich, dass mich mein schiefer Bauch manchmal an eine Szene aus dem Film Alien erinnert.

Seit ein paar Wochen hat es sich der Kleine nämlich ziemlich schräg in meinem Bauch bequem gemacht. Wenn er sich dann bewegt, sieht das tatsächlich ein bisschen lustig-deformiert aus, mir macht es Spaß meinen schiefen Bauch anzugucken. Nur die -gefühlten- 180 Grad Drehungen werden langsam ein wenig anstrengend. Wenn er das macht, muss ich mich kurz hinlegen, tief durchatmen und darauf warten, dass er seine Position gefunden hat. Meine Organe sind mittlerweile irgendwie an die Seiten gequetscht, nach dem Essen muss ich erstmal eine Weile sehr aufrecht sitzen und obwohl ich einen Bärenhunger hab, ist der Magen meist schon nach einem kleinen Teller voll. Wenn das Kind dann mit seinen kleinen, aber echt kräftigen, Beinbewegungen auf meiner Blase herum strampelt, muss ich manchmal schon kurz stehen bleiben und innehalten. Und beim Einschlafen, wenn ich ruhig werde, wird er aktiv. Das Baby macht wieder Kung-Fu, sagt dann mein Sohn. Und ach, wenn er seine kleinen Hände auf meinen Bauch legt und sich über die Bewegungen freut, würde ich die Zeit am liebsten anhalten.

Das ist überhaupt so schön: Mein großer Sohn ist sechs und bekommt die Schwangerschaft von Anfang an sehr bewusst mit. Er ist oft schon eine richtige Hilfe und so stolz bald ein großer Bruder zu sein. Und die ruhigen, verkuschelten Momente, wenn er zart gegen den Bauch drückt und das Baby im Bauch zurückdrückt, da denke ich manchmal: Ich weiß für den Rest meines Lebens, warum ich auf dieser Welt bin. Allein für diese Momente hat sich doch alles gelohnt. Und bevor mir jetzt gleich wieder die Tränen in die Augen schießen, ja: Ich bin auch von oben bis unten voll mit Hormonen. Glückselig schaue ich auf die Welt. Ich bin weich, verträumt, vergesslich. Die Sorge vor einer anstrengenden, schmerzhaften Geburt (wie es die erste war) sind komplett verflogen. Ich habe tatsächlich überhaupt keine Angst, sondern freue mich einfach darauf. Gruselige Filme oder Dramen kann ich nicht mehr sehen, sowieso alles, das irgendwie rau, schnell oder mit Gewalt oder Unglück zutun hat, schalte ich sofort weg. Ich bekomme beim Anblick von Babys Schmetterlinge im Bauch und feuchte Augen (es reichen auch kleine Hunde).

Mit meinem Sohn lese ich gerade viele Woher-kommen-die-Babys-Bücher (Post dazu kommt nächste Woche) und finde es immer wieder Wahnsinn, wie klein dieses Bauchbaby noch vor einigen Monaten war und wie daraus jetzt tatsächlich ein kleiner Mensch geworden ist. Wenn ich an das zweite Trimester denke, muss ich ein wenig schmunzeln wie groß mir mein Bauch vorkam, denn jetzt nimmt er nochmal ganz andere Ausmaße an. Meine Hüfte ist so weich geworden, dass ich doll am watscheln bin und mein Bauchgewicht von einer Seite auf die andere kippt. Apropos Gewicht: Die 20 Kilo-Mehr-Marke hab ich schon fast geknackt. Dabei muss ich sagen, dass ich mich wohl fühle mit ein bisschen mehr auf den Rippen (und am Po!), runder, weiblicher und weicher.

Ich bin jetzt endlich so schwanger, dass man es sofort sieht und ich in der Bahn niemanden mehr bitten muss einen Platz frei zu machen (oder mich dabei komisch fühle, weil der Bauch ja noch nicht so groß ist, ich aber trotzdem sehr gern sitzen würde). Lustig ist es auch, wenn ich mit dem Bauch irgendwo gegen stoße, gegen Menschen in der Bahn, den Türrahmen, beim Einsteigen ins Auto. Weil mein Kopf den neuen Umfang einfach noch nicht realisiert hat. Die Kommentare werden auch mehr, man wünsche mir alles Gute, darf ich mal die Hand auflegen? und so weiter. Ehrlich gesagt, finde ich das gar nicht nervig, sondern schön. Ich freue mich über die Aufmerksamkeit, habe gerade zu eine großes Bedürfnis danach ein wenig gepampert zu werden.

Meine Freundin nannte es mal den Egoismus für zwei haben. Denn ja, ich bin zwei. Ich hab Verantwortung für das Kind in mir, es kostet mich Kraft. Deshalb werde ich wohl auch bedürftiger. Und muss gleichzeitig total darauf achten mir genug Ruhe zu gönnen, mir Gutes zutun und weniger von mir und meinen Körper zu fordern. Wie eine Schwangerschaft allein ist, habe ich ja vor einigen Jahren hier schon mal festgehalten. Nun bin ich dieses Mal nicht allein, und das macht schon emotional einen riesengroßen Unterschied und ist eine sehr schöne Erfahrung.

Ansonsten: Hab ich Wasser in den Beinen, sie sind schwer (juhu, Kompressionstrümpfe im Sommer), der Rücken tut ab und zu mal weh, ich bin wenig belastbar. Die Schwester beim Arzt meinte nur, wie niedrig doch der Blutdruck sei, aber “wenns Ihnen jut geht dabei”. Das tut es meistens. Die Beschwerden sind ehrlich gesagt ziemlich ok dafür, dass ich ein fast fertiges Baby mit mir herumtrage.

Lustig ist auch, dass ich manchmal höre wie groß der Bauch sei und am selben Tag von jemand anderem wie klein er doch sei. Die Größe des Bauches zu thematisieren macht also generell wenig Sinn (würde ich immer von abraten, auch wenn es meist der erste Impuls ist). Wenn man einer Schwangeren etwas sagen will, dann kann man doch einfach fragen, wie es ihr denn so geht. Kommt immer gut an! Oder eben durchaus alles Gute wünschen.

In den nächsten Wochen habe ich noch viel vor mir, bevor ich dann richtig runterfahre (und ein wenig den Mutterschutz genießen werde, dank KSK) . Darauf freue ich mich auch schon. Auf das Warten, die letzte Zeit zu dritt noch einmal genießen. Die Vorfreude auf das neue Leben mit dem zweiten Kind: Ich mag Veränderungen, ich mag den Moment, indem man realisiert, jetzt passiert hier etwas, was mich mein ganzes Leben begleiten wird, jetzt wird Geschichte geschrieben. Bis dahin ist aber noch etwas Zeit. Das Kind ist noch nicht ganz fertig. Und ich darf noch eine Weile stolz diesen schönen Bauch herumtragen.

Foto: Anne Freitag
Das schöne Kleid im Bild ist übrigens von mara mea.

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