Das größte Geschenk: ZEIT

16. June 2022 | in Alltag

In den letzten Wochen und Monaten war mein Partner viel verreist, beruflich und privat. Ich war entsprechend oft alleine mit beiden Kids. Das ist etwas, was ich immer noch nicht gerne mache, aber mittlerweile geht es eigentlich ganz gut – und oft haben wir halt auch keine Wahl!

Aber es ist auch wirklich okay: Meine Kinder sind mittlerweile sechs und neun, sie schlafen gut, sie sind recht selbstständig, haben Hobbys, FreundInnen, bei denen sie auch gerne übernachten. Und wir haben eine Oma in der Stadt, die gerne mit den Kindern Zeit verbringt. Sprich: Der Alltag ist total machbar – und wenn man sich gut organisiert, bleibt eigentlich kaum was auf der Strecke.

Ehrlicherweise fehlt mir aber oft die Zeit, alles so richtig gut zu organisieren. So war es auch vor etwa vier Wochen. Der Mann war eine ganze Woche in Spanien auf einer Produktion und ich schlingerte jeden Tag so rum. Rockte den Morgen mit den beiden, Schulbrote, Kita-Drop-Off, ab ins Büro. Traf FreundInnen eher spontan auf dem Spielplatz als verabredet, nahm das kleine Kind mit zum Fußballtraining des großen Kindes, anstatt eine Verabredung für sie auszumachen. Ich ärgerte mich die ganze Zeit, dass ich es nicht besser hinbekam, aber ich war auch abends so müde, dass ich es nicht schaffte, die Woche anständig zu planen, Playdates auszumachen, vielleicht ein Übernachtungsdate oder so zu organisieren, dass jemand das kleine Kind morgens mitnimmt, sodass ich nicht zur Kita fahren muss und Zeit gewinne.

Orga ist alles – aber manchmal fehlt dafür die Zeit und Muse

Nur für den Donnerstag hatte ich mir die Oma organisiert. Denn da – oh, du glamouröses Eltern-Leben – war Elternabend in der Schule und da wollte ich unbedingt hin, weil Pandemie, lange nichts gehört aus der Schule, irgendwie null Überblick, wie das Kind sich so macht. Und obwohl es ein ELTERNABEND war, freute ich mich auf den freien Abend. Die Kids wurden schon nachmittags von Oma abgeholt und sie würde sie dann bei uns Zuhause ins Bett bringen. Vielleicht danach noch auf ein Bier mit einem anderen Eltern-Teil? Wahrscheinlich würde ich dafür zu müde sein… Sicher würden die Kids aber schon schlafen, wenn ich nach Hause kommen würde.

Einen Abend ohne Zubettgeh-Ritual, alleine darauf freute ich mich.

Der Donnerstag kam, es war bombastisches Wetter. Ich schaffte mein Arbeits-Pensum schnell und so huschte ich nach dem Büro schnell ins Schwimmbad. Das versuche ich im Sommer immer: jede freie Minute am Wasser verbringen. Ich finde, es lohnt sich schon für eine Stunde! Da war ich also. Alleine am Pool. Welch Wonne. Tat so gut. Ein paar Bahnen, Sonnen, Lesen, kein Kind. Nur leider nicht lang, 18:30 sollte der Elternabend los gehen.

Ich saß im Badeanzug am Beckenrand, checkte noch mal den Kalender – wo musste ich überhaupt hin – in den Klassenraum? – und traute meinen Augen nicht. Der Elternabend war eine Woche später! Ich hatte nicht nur schlecht, sondern auch noch falsch geplant. Der Ärger währte aber nur kurz. Dann stellte sich ein wahnsinnig gutes Gefühl ein. Ich hatte Zeit geschenkt bekommen. Einfach so. Freie Zeit. Zeit, die ich verplant hatte und die nun einfach völlig blank und ohne jede Verpflichtung vor mir lag. Und das auch noch, während ich eh schon in der Sonne am Pool fläzte. Ich fühlte mich prompt zehn Jahre jünger. Dieses Gefühl hatte ich schon lange nicht mehr gehabt!

Kurzurlaub!

Ich schrieb drei WhatsApp Nachrichten an Freundinnen, die in der Nähe wohnten, ob sie spontan Zeit hätten. Streckte mich lang. Ging noch mal ein paar Bahnen ziehen. Steckte die Nase in die Sonne. Merkte, wie ich innerlich ruhig wurde. Wie der Stress und die Belastung der letzten Woche von mir abfielen.

Diese Leichtigkeit! Das Wetter! Die Ruhe… Dabei war es gar nicht ruhig, um mich wuselten Menschen in allen Altersklassen. Aber meine Kinder waren eben nicht dabei, niemand um den ich mich kümmern musste. Es war wirklich wie ein Kurzurlaub.

Dann sagte auch noch eine Freundin zu, die gerade am See war aber in einer Stunde auf dem Rückweg. Wir trafen uns ungeschminkt mit nassem Bikini unterm Kleid und noch feuchten Haaren beim Koreaner. Tranken kaltes Bier und aßen scharfes Bibimbab. Auch sie hatte spontan einen freien Abend, weil ihr Mann nach dem See mit den Kindern nach Hause gefahren war. Wir freuten uns wie kleine Kinder und erzählten uns einfach mal ausführlich, wie es uns so ging und was so los war die letzten Wochen. “Ich muss aber noch was einkaufen fürs Pausenbrot” nörgelte sie irgendwann. “Ganz ohne Verpflichtungen geht halt nicht”. Da fiel mir ein: musste ich auch. Damn! Wir stellten aber eine Minute später fest, dass der Rewe nebenan bis Mitternacht offen hatte – und bestellten noch ein Bier. Gegen halb zehn liefen wir durch den Rewe, kauften alles Nötige ein – ich fuhr beseelt nach Hause. Die Kinder schliefen, hatten einen schönen Nachmittag mit der Oma gehabt.

Dieser freie Nachmittag und Abend war so erholsam gewesen, dass ich am nächsten Tag energetisch erwachte. Der Morgen war entsprechend harmonisch, einer von denen, wo alles am Schnürchen klappt.

Nachdem das kleine Kind in der Kita abgegeben war und ich mich auf den Weg ins Büro machte, stellte ich mal wieder fest: Es gibt kein schöneres Geschenk als Zeit.

Solltet ihr also noch überlegen, was ihr einer lieben Freundin, eurem Partner oder oder schenken wollt: Zeit ist immer gut. Auch Freund*innen, die kleine Babies haben, kann man Zeit schenken. Indem man das Baby mal in die Trage nimmt und eine Stunde spazieren geht. Oder indem man die Küche sauber macht oder die Wäsche faltet. Oder habt ihr alleinerziehende Freund*innen? Schenkt ihnen Zeit. Sagt: Ich chille heute mit deinem Kind und bringe es ins Bett und du gehst einfach mal raus und schaust, was passiert. Ich wette, die meisten freuen sich richtig. Ich wünsche mir jetzt auch wieder öfter Zeit. Nicht für bestimmte Tasks, arbeiten, Events, Konzerte… Nein, einfach so. Einfach freie, unverplante Zeit.

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