Bye for Now! Das Ende der Wickelzeit

14. May 2019 | in Alltag | Familie

Es war wirklich ein emotionaler Moment. Ich loggte mich auf der Lillydoo-Website ein, aber dieses Mal nicht, um mein Abo zu bearbeiten, oder um es zu timen. Sondern um es abzubestellen. Ein Klick. Noch einer. “Mein Kind ist trocken” wählte ich. Und jetzt werden wir wohl nie wieder Post von Lillydoo bekommen. Schnief!

Ehrlich, Lillydoo hat uns jetzt eine ganze Weile begleitet. Die Pakete mit den Windeln und den Feuchttüchern kamen immer genau dann, wenn der Windel-Vorrat zu Ende ging. Und im Anschluss wurden die Boxen dann einige Tage lang von den Kindern bespielt. Lillydoo gehörte schon total zur Familie. Dank meines Jobs darf ich auch weiterhin mit dieser tollen Firma zusammenarbeiten, aber es wird tatsächlich kein Paket mit Windeln mehr kommen. Denn auch das zweite Kind hat nun den Weg aus der Windel geschafft. Es lief ganz anders als beim ersten Kind, aber auch ziemlich reibungslos und vor allem unspektakulär.

Und weil ich gerade so in dem Thema drin bin und uns auch immer wieder Eltern fragen, wie man das hinbekommen soll, dass die Kinder keine Windel mehr brauchen, dachte ich, ich schreibe mal meine Erfahrungen und alles, was ich zu dem Thema gelernt habe, auf.

  1. Wann?

Man ist sich mittlerweile eigentlich ziemlich einig, dass es die berühmte physiologische “Töpfchenreife” nicht gibt. Sprich: Auch Babies können schon spüren, wenn sie müssen. Sonst würde “Elimination Communication” ja auch nicht funktionieren. In vielen Kulturen sind Kinder “töpfchenreif” sobald sie zum Töpfchen laufen können, also meist mit ungefähr einem Jahr. Die meisten Babies bekommen hierzulande aber von Beginn an eine Windel um und gewöhnen sich dann quasi an, “einfach laufen zu lassen”. Tatsächlich berichten mir auch die meisten Eltern, dass sie es lange nicht mal mitbekommen, wenn die Kinder ihr Geschäft machen, dass es keine Anzeichen oder Signale gibt.  So ganz stimmt das glaube ich nicht, aber gerade die zweiten und dritten Kinder kann man ja auch nicht den ganzen Tag beobachten und auf ihre Signale eingehen. Und je kleiner die Kinder sind, je öfter machen sie auch. Bei den meisten kommt  der Durchbruch dann im zweiten oder dritten Lebensjahr. Die Kinder beginnen damit, sich zurückzuziehen, zu erzählen, wenn die Windel voll ist, oder bestimmte Gesichtsausdrücke und Geräusche zu machen. Und dann kann man im Prinzip schon loslegen, wenn man Lust hat. Sprüche wie: “Vor zweieinhalb klappt das eh nicht”. Oder: “Je früher man beginnt, desto mehr Unfälle gibt es” sind also schlichtweg Quatsch.

Bei den meisten Kindern in meinem Umfeld ist es um den zweiten Geburtstag herum so weit, dass sie erste Signale geben. Unser Kinderarzt sprach von “Zeitfenstern” in denen Interesse an den eigenen Ausscheidungen besteht – und wenn man diese verpasst, kann das nächste Zeitfenster auch erst wieder viel später sein. Und: viele Kinder machen auch Fort- und dann wieder Rückschritte, weil zum Beispiel ein Wachstumsschub, eine Krankheit oder (hier ist es meistens ganz besonders auffällig) ein Geschwisterkind dazwischen kommt. Alles ganz normal!

Mit drei Jahren haben es dann schon viele Kinder aus der Windel heraus geschafft, wenn nach dem vierten Geburtstag immer noch keinerlei Fortschritte in der Hinsicht da sind, kann man auch mal sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen. Ich würde sagen, in meinem Bekanntenkreis waren die meisten zwischen zwei und drei so weit, einige auch erst mit dreienhalb. Aber wie gesagt: man kann loslegen, wenn man ein gutes Gefühl hat, dass das Kind mitmacht.

Bei uns hat es zwei Mal in den Ferien “Klick” gemacht. Und das macht ja auch so viel Sinn. Man hat mehr Zeit, mehr Geduld, mehr Ruhe, kann besser auf die Kinder eingehen. Und natürlich eignet sich der Sommer auch besser als der Winter für das Trocken werden, ist ja klar…

Von der weit verbreiteten Theorie, dass Mädchen generell früher dran sind als Jungs halte ich persönlich übrigens nichts. In meiner kleinen Familie war der Junge wesentliche früher trocken als das Mädchen. Traut euren Jungs das ruhig zu!

Zudem beobachte ich, dass bei vielen Eltern im Moment ein “Ach lass sie doch machen” “Alles zu seiner Zeit” Trend herrscht – dass die Kinder also immer länger, oft bis fünf in der Windel sind. Ich finde das nicht schlimm, denke aber, man tut den Kindern keinen Gefallen. Je älter sie werden, je verkopfter wird das Prozedere, viele sind dann so auf Windel getrimmt, dass sie sie gar nicht mehr hergeben wollen. Ich bin also ein Fan vom eher früher und spielerischer beginnen. Im dritten Lebensjahr finde ich perfekt, aber am Ende entscheidet jede Familie selbst und es hat ja auch immer mit der Lebens- und Belastungssituation zu tun, wann man dafür bereit ist. Die Kinder könnten wie gesagt theoretisch schon als Baby beginnen…

2. Kein Druck

Für mich ist das das A und O im “Sauber werden” Prozess. Kein Druck, kein Schimpfen, ich persönlich bin auch kein Fan von Belohnungs- und Trainings-Methoden, aber das muss jeder für sich entscheiden. Das Kind soll spüren, wenn es muss, es aufs Klo zu setzen und zu warten, bis was kommt, kommt mir komisch vor. Genauso wie Bonbons als Belohnung… Wie geht es also los? Im Idealfall gibt das Kind selbst Signale dafür, dass es bereit ist. Das kann ein sich-zurück-ziehen sein, um das Geschäft zu machen, das kann die Verweigerung sein, die Windel anzuziehen. Manche Kinder reißen sich die Windeln auch immer wieder runter, andere wollen sich nicht mehr wickeln lassen. Dann kann man langsam darauf eingehen, besprechen, wie es ohne Windel wäre – oder diese einfach mal weglassen und schauen, wie das Kind reagiert. In jedem Fall sollte man die Signale des Kindes ernst nehmen und auf sie eingehen. Wenn das Kind keine Anstanden macht, kann man das mit dem nackig lassen natürlich trotzdem mal probieren und das Kind dann gut beobachten. Dass die Eltern keine Lust mehr auf Wickeln haben, ist meiner Meinung nach auch ein legitimer Grund, einfach mal zu sondieren, wie ohne Windel sein so ankommt. Was auch gut geht: Beobachte, wann normalerweise Stuhlgang- und Pipi-Zeiten sind. Bei vielen Kindern ist das immer zur gleichen Tageszeit, zum Beispiel morgens, nach dem Mittagessen, oder nach dem Mittagsschlaf. Wenn man die Kinder dann (natürlich ohne Zwang) aufs Klo oder Töpfchen setzt, hat man gute Chancen, dass es klappt.

Wichtig ist natürlich auch, dass die Kita oder Tagesmutter mitspielt. Es soll Kitas geben, wo die Erzieher da wenig Lust drauf haben, weil Wickeln praktischer ist. Das würde ich unbedingt ansprechen, denn das soll nicht sein! Bei uns sind die Erzieher zum Glück sehr sehr kooperativ, es gibt viele kleine Toiletten, die es den Kindern leicht machen. Oft kann es auch unheimlich hilfreich sein, wenn viele Kinder gleichzeitig durch diesen Prozess gehen, andere lassen sich dann gerne davon anstecken.

3. Unfälle

JA, die gibt es und die wird es eventuell auch noch eine Weile geben. Ich persönlich habe ein extrem entspanntes Verhältnis zu Ausscheidungen aller Art seit ich Mutter bin, weiß aber auch, dass das nicht allen so geht. Wie also damit umgehen?

Wenn man hier sehr große Bedenken hat, ist es vielleicht schlau, erstmal zuhause bleiben und Teppiche, etc. für eine Weile zur Seite räumen und Töpfchen aufzustellen. Und dann das Kind beobachten, es schnell aufs Töpfchen setzen, wenn es so aussieht, als würde es gleich…. Manchen Kindern macht das dann schnell total viel Spaß, und sie lernen spielerisch, andere verweigern sich auch erstmal und verlangen eine Windel. Auch das sollte dann respektiert werden, ist ja klar.

Es gibt von Lillydoo auch großartige Höschenwindeln, die die Kinder selbst runterziehen können und die für Viele perfekt funktionieren in dieser Übergangsphase. Bei meinen Kindern lief es immer am besten ganz ohne, aber jedes Kind ist unterschiedlich. Meine Tochter zog auch eine Weile noch ab und zu eine Höschenwindel an, wenn ein besonders aufregender Tag anstand zum Beispiel, oder wenn sie sich nicht sicher fühlte.

Ansonsten kann ich auch solche Trainingshosen empfehlen. Sie halten zumindest ein bisschen was auf, fühlen sich aber an wie eine Unterhose.

Für mich waren “Unfälle” natürlich auch total unangenehm. Das ist einfach doof, gerade wenn es unterwegs passiert. Für mich war es dennoch nie ein Grund, “aufzugeben”. Ich hatte mich irgendwann gut vorbereitet: Immer Ersatzwäsche dabei, Feuchttücher, eine Wetbag für die nassen Sachen. Wieder: schimpfen ist kontraproduktiv, auch wenn einem danach ist. Wischen, umziehen, ruhig erklären. Und weiter.

4. Offen mit Ausscheidungen umgehen

In unserer Familie ist es ganz normal, voreinander aufs Klo zu gehen und über Ausscheidungen zu sprechen. Geschwisterkinder bekommen bei den Großen schon früh mit, wie diese auf dem Töpfchen oder auf dem Klo sitzen, auch Eltern pinkeln oft vor ihren Kindern – ein natürlicher Umgang damit, dass man das eben macht ist sicher immer hilfreich. Bei vielen Kindern kommt das Sauber werden parallel mit einem gewissen Interesse an Kaka und Pipi und – naja – auch damit sollten wir Eltern offen umgehen, denke ich. Wenn die Kinder ihre Ausscheidungen sehen wollen: why not! Es gibt übrigens auch lustige Bücher dazu, das ist gut, wenn man sich selbst da ein bisschen schwer tut (aber auch so). Ich empfehle diese Bücher:

So ein Kack: Das Kinderbuch von eben dem.

Das große Kackaturnier

Alle müssen mal aufs Klo

Die Kackwurstfabrik

Das gleiche gilt übrigens für “den Körper entdecken” – auch das kommt oft parallel zum Windelfrei-Start. Und auch da sollten wir Eltern die Kinder machen lassen, ohne Bremsen, ohne Schamgefühl…

5. Bücher lesen

Ich bin ja generell ein Fan davon, Bücher zu lesen, die zu einem Thema, das gerade ansteht, passt. In Quinns Fall haben wir aber tatsächlich nur Conni geht aufs Töpfchen und Moritz Moppelpo braucht keine Windel mehr gelesen, das hat ihr schon als Motivation gereicht. Vielleicht haben unsere Leser noch bessere Tipps? Für Eltern kann ich sehr das Buch Pipi. Kacka.: Gut gewickelt – ruckzuck windelfrei empfehlen. Es geht sehr undogmatisch und offen mit dem Thema um und hat mir extrem viel Wissen und Entspannung gebracht.

6. Und nachts?

Bei manchen Kindern dauert das mit der Windel nachts dann noch sehr lang, man kann versuchen, abends nichts mehr zu trinken und immer vor dem Schlafengehen noch mal Pipi zu machen. Aber oft hat das auch wirklich mit der Größe der Blase und der Schließmuskelreifung zu tun. Es gibt Unterlagen für’s Bett, um damit anzufangen, bei manchen hilft auch das Töpfchen neben das Bett stellen. Bei uns war dieser Prozess zwei Mal sehr unproblematisch und natürlich. Ein Kind hat nach ein paar Wochen einfach selbst beschlossen, dass es nachts keine Windel braucht (und keinen einzigen Unfall gehabt), das andere hat direkt in der zweiten Woche windelfrei auch immer morgens eine trockene Windel gehabt. So kann es auch laufen!

Ich denke, man kann sich hier immer auf sein Bauchgefühl verlassen. Es gibt viele “Bettnässer” und meistens ist das kein großes Problem, sondern ein kleines, das sich irgendwann von selbst erledigt. Wenn man aber als Eltern das Gefühl hat, dass ein psychisches Problem dahinter steckt, wenn das Kind sich auffällig verhält – dann kann man sich Hilfe holen, oder erst mal den Kinderarzt fragen.

7. Klo oder Töpfchen?

Je nachdem, wann das Kind trocken wird, kann man natürlich auch direkt auf der Toilette beginnen. Es gibt Aufsätze und Kletterkonstruktionen, die hier sehr hilfreich sind. Bei kleinen Kindern und hohen Toiletten ist das Töpfchen aber oft praktischer, auch wenn Töpfchen auswaschen natürlich nur minimal weniger eklig ist als Kacka-Windeln wechseln. Der Schritt aufs Klo kommt aber meistens recht schnell und bei uns ist es auch praktisch, das Töpfchen noch zu haben, wir haben nur eine Toilette und so können auch mal zwei parallel…

8. Was, wenn es gar nicht klappt?

Ich bin eigentlich der festen Überzeugung, dass man das mit dem Kind zusammen, mit Geduld und Einfühlungsvermögen und mit viel Kommunikation gut hinbekommen kann. Dennoch gibt es bei vielen Kindern auch wirklich “issues”, der Prozess dauert ewig, es ist ein einziges Auf- und Ab. Manche Kinder wollen zum Beispiel noch lange das große Geschäft in die Windel machen – sehr unbefriedigend für die Eltern, aber die Kinder machen das sicher nicht mit Absicht. Sie sind einfach so auf die Windel konditioniert, dass der Darm nur mit Windel loslassen kann (auch hier: wenn man früher beginnt, kommt  es dazu meist erst gar nicht…). Susanne Mierau empfiehlt dann, die Windel mitzunehmen, oder das Kind mit Windel aufs Klo zu setzen. Alles natürlich immer freiwillig. Tatsächlich kenne ich auch Fälle, wo die Kinder die Windel generell nicht hergeben wollte, weil sie im Laufe der Jahre so wichtig geworden ist, so viel Sicherheit vermittelt hat. Am besten bespricht man das dann immer wieder, verabschiedet sich vielleicht symbolisch von der Windel, oder versucht ein “Schritt für Schritt” System…

Manchmal kommen auch Verstopfung und regelrechte Verweigerung hinzu, hier auch wieder: es ist ein Prozess und für manche Kinder wirklich schwer. Liebevoll und geduldig dabei bleiben ist wohl der Schlüssel.

So wie bei dem ganzen Prozess des Trockenwerdens!

PS: Ich feiere Lillydoo wirklich sehr dafür, dass sie diesen Post mit uns gemacht haben. Danke, Lillydoo! Für alles!

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