Bloggerspätsommer! Okka von Slomo über New York mit Kind und das Kreativ-Sein

11. September 2014 | in Lifestyle | Travel
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Okkas Blog Slomo steht für Slow Motion. Warum? Weil sie den Blog in ihrer Schwangerschaft begonnen hat und damals das Gefühl hatte, sich nur noch in Slow Motion bewegen zu können. Kennt man irgendwoher, oder? Auf Slomo schreibt Okka über alltägliche schöne Dinge: Kochen, Reisen, Kosmetik, Design oder gute Bücher. Apropos gute Bücher! Okka veröffentlicht im Oktober ihr erstes Buch über die verrückten ersten Jahre mit ihrer Tochter Fanny.  Gerade eben war sie aber noch im New York – Urlaub. Davon erzählt sie und hier (und natürlich von ihrem Buch!):

Du warst gerade mit Deiner Tochter in New York. Wie war´s mit Kind in New York?

Richtig schön. Wir haben wieder einen Wohnungstausch gemacht, dieses Mal mit einer Familie aus Brooklyn, die uns für zweieinhalb Wochen ihr Haus in Carroll Gardens überlassen hat, während sie bei uns eingezogen ist. Das macht das Leben in einer fremden Stadt sehr schön und sehr einfach. Fanny hatte ein Kinderzimmer, Spielzeug und ein Baumhaus im Garten. Und wir haben uns sehr schnell zu Hause gefühlt – man tauscht ja nicht nur die Wohnungen, sondern ein bisschen auch das Leben. Nach zwei Tagen kannten wir die Nachbarn und wussten dank der Riesenliste, die uns die Familie geschrieben hatte, wo es die leckersten Burger und das beste Eis gibt, welcher Spielplatz am schönsten ist und welches Museum einen Ausflug lohnt. Am besten haben ihr das Kindermuseum in Brooklyn, der Zoo im Prospect Park (da kann man lebensgroße Holzkühe melken und in einem großen Spinnennetz Spinne spielen!), das Muschelsuchen am Meer und unsere Pflegekatze Lulu gefallen, sagt sie.

Hast du ein, zwei Orte, die du besonders empfehlen kannst?

Unser letzter Tag war der schönste, vielleicht ist das eine gute Empfehlung? Wir sind zur Brooklyn Bridge gefahren und ungefähr bis zur Hälfte hinüber gegangen (danach gab es einen riesigen Polizeieinsatz, weil ein junger Mann, der Lust auf Nervenkitzel hatte, die Brücke hinauf geklettert ist). Der Blick auf die Skyline von Manhattan ist umwerfend – auch wenn man sie schon so oft von allen möglichen Punkten aus gesehen hat. Ist man wieder zurück am Ausgangspunkt, ist es nur ein kurzer Spaziergang zu „Jane´s Carousel” – einem liebevoll restaurierten, alten Karussell. Danach: ein Eis von der „Brooklyn Ice Cream Factory”. Anschließend sind wir die Piers im Brooklyn Bridge Park entlang gegangen, immer am East River. Am Wochenende drehen an Pier 2 Familien auf einer Rollschuhbahn ihre Runden. Es gibt dort die schönsten Spielplätze, die mir je irgendwo untergekommen sind, mit riesigen Rutschen und Wassersprinkler-Parcours. Im East River spielen die Mitglieder des Kanuvereins Kanu-Wasserball. Und an Pier 5 findet jeden Sonntag der Smorgasburg-Flea-Food-Market mit unzähligen kleinen Food-Ständen statt. Ich wusste auch nach zwei Runden nicht, was ich zuerst probieren sollte: die belgischen Fritten, die mexikanischen Sandwiches, die asiatischen Teigtaschen mit Kokosnuss-Hühnchen, die Steinofen-Pizza, deren Duft man schon fünf Stände weiter riechen konnte, die Macarons oder diese unfassbaren Dulce de leche-Donuts. Später haben wir uns mit unserem Picknick und unserer Ahornsirup-Limonade ans Wasser gesetzt und uns ungefähr 20 Mal von New York verabschiedet wie von einem guten Freund.

Fanny war ehrlich gesagt bei mir ganz oben auf der Liste für Mädchennamen – und dann bekam ich natürlich einen Jungen. Wie kamst du auf den Namen?

Ich wünschte, ich könnte jetzt eine gute Geschichte erzählen. Tatsächlich ist er uns bei einem Fernsehabend eingefallen. Wir haben uns „8 Frauen” angesehen, dieses Krimi-Musical mit all den tollen französischen Schauspielerinnen, irgendwann sagte ich, wie sehr ich Fanny Ardant mag und dann gab es diesen seltsamen Moment, in dem wir fast gleichzeitig: „FANNY!” sagten. Wir haben noch eine Nacht darüber geschlafen, eigentlich wussten wir aber sofort, dass unser Mädchen eine Fanny sein soll.

Du veröffentlichst bald dein erstes Buch über die ersten Jahre als Mutter. Hat dich das Mama-werden sehr verändert?

Puh, das ist eine große Frage. Wo fange ich da an? Geändert hat sich, glaube ich, weniger mein Leben an sich als die Sicht auf mein Leben und meinen Alltag. So ein Kind macht einen ganz schön dankbar für vieles, oder? Ich glaube, sie hat mir beigebracht, mehr den Moment zu sehen, als ich das früher gemacht habe – einen frischgebackenen Kuchen, einen Nachmittag im Park, einen riesengroßen gelben Mond über der Straße, diese kleinen Dinge. Ich finde es überhaupt so schön (und so ansteckend), welch großes Talent Kinder noch zur Freude haben, zu überbordender, Ich-halt´s-nicht-mehr-aus-, Ich-muss-hüpfen-tanzen-quietschen-Freude. Ich glaube, ich bin organisierter als noch vor ein paar Jahren, schlicht weil ich sonst nicht wegarbeiten könnte, was ich wegarbeiten muss, bis ich sie aus der Kita abhole. Ich bin definitiv alberner geworden. Und seit der Schwangerschaft ein Wasserwerk: Ich heule noch über die schlimmsten Schmonzetten, keine Ahnung, was da passiert ist…

Wie war es, das Buch zu schreiben?

Ich kann immer noch nicht glauben, dass es nun wirklich fertig ist und im Oktober erscheint (”Völlig fertig und irre glücklich. Meine ersten Jahre als Mutter” bei Rowohlt). So magenumdrehend nervös war ich zuletzt bei meiner Abiprüfung. Das Schreiben selbst war oft sehr schön und sehr erfüllend. Es ist ein riesiger Luxus, das tun zu dürfen, was man wirklich gerne tut – und wenn man mal drin ist, macht das Schreiben so viel Spaß. Es gab aber auch die ganz großen Selbstzweifel-Tage, an denen ich alles, was ich geschrieben habe, schrecklich fand. Neulich musste ich sehr über die Worte lachen, die eine Frau auf Instagram gepostet hatte, ich weiß leider nicht mehr, woher sie stammen, aber sie hängen jetzt neben meinem Schreibtisch: „Creative Process: 1. This is awesome. 2. This is tricky. 3. This is shit. 4. I am shit. 5. This might be ok. 6. This is awesome.

Danke dir, Okka!

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