Augen auf bei der Namenswahl – das Buch zum Chantalismus

15. August 2013 | in Gesellschaft

So ganz sicher bin ich mir ja nicht, dass jeder Kevin und jede Jaqueline es gleich automatisch schwer haben werden im Leben. Ich stelle mir folgende Situation vor: Eine Chantal kommt zu mir ins Bewerbungsgespräch (also dann so in 20 Jahren…), ich erwarte nicht viel, denn sie heißt ja “Schantalle”. Wenn sie dann aber durch Intelligenz und Charme besticht, sind sofort alle Vorurteile über Bord geworfen. Und von diesem Tag an werde ich allen Chantals gegenüber anders denken. Vielleicht hat sie es am Ende sogar einfacher, weil alle ihr mit niedrigen Erwartungen entgegentreten, sie also nur positiv auffallen kann? Wenn die erste Sunnybelle dann Bundeskanzlerin ist, werden wir alle doch sicher ganz anders über die Chantalismus-Debatte denken…

Und dass das Phänomen der gewollt ausgefallenen und fantasievoll eingeenglischten Namen nur ein Unterschichten-Ding ist, stimmt ja nun nicht ganz. Immerhin sind die Ochsenknechts und die Schweigers da sozusagen Trendsetter gewesen! Lustig ist dieser Chantalismus dennoch, es sind schon wirklich kräisi Namen dabei. Schon lange gibt es dazu einen Tumblr, der wilde Krationen sammelt. Und jetzt gibt es auch noch ein Buch: Ernst beiseite! 500 Namen, die sie ihrem Kind besser nicht geben sollten.

Zeitgeist, Trend und Bauchgefühl

Tja, Xaver ist nicht dabei, puh – hätte ich mir durchaus vorstellen können. Dafür Leander – da wird behauptet, dass dieser ein Weichei werden wird. Haha, mein Freund und ich sagen auch immer, dass Leander ein Ballettänzername ist, der wirklich null zu unserem Sohn passt. Aber als zweiten Namen fanden wir ihn ganz klingend.
Mir war damals bei der Namenswahl wichtig, dass es ein Name mit mehr als vier Buchstaben ist. Den Trend zum Kurznamen wollte ich nicht mitmachen. Im Bekanntenkreis haben ALLE Kinder solche Namen bekommen, das ist wohl der Zeitgeist… Ich wollte außerden auf keinen Fall, dass mein Kind einen Namen wie jeder andere hat, wie die Floriane und Maximiliane aus meiner Schulzeit  – um dem Autor gleich mal zu widersprechen. Im Vorwort wird nämlich behauptet, Jungs, die auf -ian enden hätten es leicht im Leben. Gähn. Diese Namen finde ich heute einfach nur sehr unoriginell.

Stellt der Name wirklich die Weichen?

Und sonst? Das Buch ist nur halb ernst gemeint, und das ist auch gut so. Die meisten Namen sind wirklich einfach objektiv hässlich und bescheuert (Fiffi Trixibelle….) und die dazugehörigen Beschreibungen ehrlich gesagt auch. Dass ich mein Kind nicht Tod, Dofi oder Klothilde nenne – das sollte doch eigentlich selbstverständlich sein! Laut William Wahl sind außerdem alle Katharinas sexsüchtig und alle Sandras wilde Amazonen. Meine Freundinnen mit diesen Namen werden sich schlapplachen!

Trotzdem bleibt das Buch ein unterhaltsames und manchmal auch informatives Lästerwerk. Generell finde ich, man sollte sich auch bei der Namensfindung auf sein Bauchgefühl verlassen. Am wichtigsten ist, dass der Name zum Kind passt! Okay, und dann kann man vielleicht noch einen verstohlenen Blick in das Buch werfen, um nicht völlig danebenzuliegen… Ach ja, und es gibt einen Chantalisator! Wirklich ganz witzig…

Eine kleine Auswahl der Namen, die laut Wahl klare Chantalismus, bzw. Kevinismus-Kandidaten sind, die also die Kinder ein Leben lang zeichnen werden:

Dustin
Roy
Dylan
Leon
Davina
Conan
Lana
Cheyenne
Vanessa
Tyron
Tamila
Melody

Was sagt ihr dazu? Findet ihr, dass der Namen wirklich so sehr die Weichen stellt, und kennt ihr richtig miese Namenssünden, bei denen euch die Kinder leid tun? Was war euch bei der Namenswahl wichtig?

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