Eine neue Beziehung und neue Herausforderungen

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Das sich alles ständig verändert wissen wir ja eigentlich: Und doch hat man manchmal das Gefühl, das Leben steckt fest. Alle meine Freunde lachten nur, wenn ich die Vermutung äußerte, vielleicht doch für immer Single zu bleiben. So richtig habe ich das vielleicht auch selbst nicht geglaubt. Aber so angefühlt hat es sich oft! Tja, und dann kommt das Leben und wirbelt wieder alles ordentlich durcheinander. Nach dem ersten Kind, der Trennung und zwei Jahre Single Mama-sein ist es nämlich passiert: Überraschend, überwältigend und so schön! Mama ist jetzt nicht mehr alleine. Und Mama hätte nie gedacht, dass sie einer App mal so dankbar sein könnte – oder vielleicht einfach dem Leben.

Passt er zu uns?

Ihr ahnt es vielleicht (nein, dieser Post ist nicht gesponsert): Aber ich habe meinen neuen Partner tatsächlich über Tinder kennengelernt. Die App, über die ich im Post Single Mama Dating noch gemeckert habe, hat mir tatsächlich den Traummann beschert. Jetzt sind wir einige Monate zusammen, frisch verliebt und immer noch irgendwie perplex. Keiner hätte DAS erwartet. Aber sich verlieben und auf einen neuen Partner einlassen ist mit Kind im Schlepptau doch etwas anderes. Ich stelle mir andere Fragen, als noch ohne Kind. Und man wird weniger impulsiv. Trotz der Verliebtheit, bleibe ich immer eine Prise rational: Ich frage mich nicht mehr, passt er zu mir? Sondern: Passt er zu uns? Ist er familientauglich? Hat er sein Leben im Griff und kann Verantwortung übernehmen? Das alles klingt wenig romantisch und passt eigentlich gar nicht zu der Marie von vor ein paar Jahren. Aber man lernt dazu, wird überlegter und hat einfach einen riesen Haufen Verantwortung.

Und wenn es dann langsam los geht mit dem Daten, kommen noch ganz andere Fragen: Ab wann kann er das Kind kennenlernen? Gibt es eine goldene Regel dafür? Nach einem Monat, zwei, einem halben Jahr? Ab wann ist eine Beziehung eigentlich ernst genug, um es aller Welt zu kommunizieren? Und was, wenn wir uns doch trennen? Gibt es überhaupt irgendeine Art von Sicherheit? Wie lange verheimliche ich meinem Kind, warum ich so gute Laune habe? Und wie kommuniziert man sowas eigentlich einem Dreijährigen?

Junio und ja hatten uns in unserem Mama-Sohn-Team schon ziemlich eingegroovt: Und neben der Arbeit und der Uni, fragte ich mich sowieso, wie da eigentlich noch Platz für einen Partner sein kann, deshalb hatte ich es auch nicht eilig. Meine ursprüngliche Sorge, mit Kind weniger attraktiv für’s andere Geschlecht zu sein, konnte ich schon früh ablegen. Wie sagte eine Freundin einmal: Die Männer mögen Frauen mit einem Kind, weil das Mutationsriskio gesenkt ist! Haha, aus der schönen Spaß-Frau wird also nach der Schwangerschaft nicht plötzlich und unumkehrbar ein langweiliges Muttertier. Na Gott sei Dank. Aber im Ernst: So wunderbar es ist, ein neuer Partner bedeutet auch immer eine extreme Veränderung in der Mini-Familiendynamik und das ist manchmal gar nicht so einfach, für alle Beteiligten. Das Kind muss sich daran gewöhnen Mama auch mal teilen zu müssen. Für Junio total neu, hatte er in den letzten Jahren doch immer 200 % Mama. Möglichst behutsam versuche ich ihn nun an die neue Situation heranzuführen, aber es ist eben doch auch oft learning by doing.

Meine Mama!

Manchmal gar nicht so einfach zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen des Kindes auszubalancieren: Mama kann ja nicht auf Dauer all ihre Aufmerksamkeit dem Kind schenken, das ist für beide nicht gut. Aber wie viel ist zu wenig und wie viel gerade richtig? Hier habe ich gelernt, auf meine Intuition zu vertrauen und vor allem auf Junio zu schauen. Er hat sich mit der neuen Situation bis jetzt gut arrangiert und findet es, abgesehen von kleinen Mama-ist-meine-Attacken und gelegentlichen Eifersüchteleien, eigentlich ganz gut, dass da jetzt ab und zu jemand mehr mit dabei ist. Kennengelernt hat er ihn nach ungefähr zweieinhalb Monaten. Davor musste mein Besuch eben kommen, wenn das Kind schläft und spätestens um Mitternacht dann auch wieder weg sein. Das war manchmal ganz schön lustig: Wir fühlten uns wie Teenager, die sich vor den Eltern verstecken müssen.

Neue Dynamiken

Aber nicht nur für das Kind ist es eine Umstellung: Auch ich muss erstmal lernen, dass ich kein Einzelkämpfer mehr bin. Dass es da plötzlich jemanden gibt, den man um Hilfe fragen kann. Dass es jemanden gibt, der einen fragt, wie der Tag war. Dass ich Abends nicht nur mit Junio bespreche, was es in der Kita zum Mittag gab (Nuuuudeln! Wie immer), sondern auch mal wirklich erzählen kann, wie es mir so ging.

Ich hatte aufgehört zu warten und aus meiner Situation einfach das Beste rausgeholt. Und genau dann passiert es wohl auch; wenn man nicht mehr krampfhaft sucht. Wenn man mit sich selbst im Reinen ist und einfach offen, für alles, was einem das Leben bietet. Auch wenn es über Tinder kommt.

To be continued.

 

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