Ambulant entbinden

10. April 2015 | in Geburt | Schwanger

Der Geburtsort ist wichtig, und jede Frau muss individuell vor der Entbindung entscheiden, was für sie die richtige Wahl ist. Prinzipiell gibt es vier Möglichkeiten: Eine Hausgeburt, eine Geburt im Geburtshaus, eine klinische Geburt oder ein geplanter Kaiserschnitt. Letzterer ist entweder medizinisch notwendig oder gewünscht und findet natürlich auch im Krankenhaus statt.

Wenn ich mich so im Freundeskreis umhöre, ist es aber so, dass eine Möglichkeit kaum populär ist: die ambulante Geburt.

Eine Geburt im Geburtshaus ist fast immer ambulant, das heißt, man ist schnell wieder zuhause (hier hat man übrigens dann keine Wahl!). Wenn alles gut lief, ist es völlig problemlos möglich, auch im Krankenhaus ambulant zu entbinden.

Wir haben das so gemacht. Warum? Mir war die medizinische Sicherheit, die im Krankenhaus gewährleistet ist wichtig, trotzdem wollte ich keine Minute länger dort bleiben, als nötig! Ziemlich genau vier Stunden nach der Geburt stiegen wir in ein Taxi, fuhren nach hause und ich kann nur immer wiederholen: es war großartig! Und genau richtig für uns.

Nicht Jedermanns Sache

Natürlich ist das nicht Jedermanns Sache, manche wollen im Krankenhaus bleiben, weil sie die Rundum-Betreuung schätzen, medizinisch abgesichert sein wollen und sich vielleicht auch einfach nicht bereit fühlen. Man kann das spontan nach der Geburt entscheiden und auch wenn man vorher dachte: “ich fahre nach hause!”, sich dann aber nicht danach fühlt, kann man natürlich im Krankenhaus bleiben. Uns hat die Hebamme empfohlen, 4-5 Stunden nach der Geburt zu fahren. “Fahrt, aber fahrt jetzt!”, hat sie gesagt. Denn erfahrungsgemäß fühlen sich die Eltern in den ersten Stunden nach der Geburt noch fit und sogar euphorisch, während dann irgendwann die große Erschöpfung einsetzt. Und man sich natürlich nichts mehr zutraut.

Für mich war es die allerbeste Entscheidung, nach hause zu fahren. Ich hatte schon während der Geburt Momente, an denen ich mich in meine Wohnung (und vor allem auf mein Klo!) hätte beamen wollen. Zuhause war ich entspannter, ich fühlte mich wohl. Natürlich war auch ich in den ersten Tagen oft heillos überfordert mit meinem kleinen Baby und der Situation, aber ich war froh, zuhause zu sein, meine eine Hebamme zu haben, die mir täglich zur Seite stand, meinen Freund immer bei mir zu haben.

Viele Vorteile und ein paar Bedingungen

Eine ambulante Geburt hat viele Vorteile:

  • Das Stillen klappt oft besser, weil alle zuhause entspannter sind und die Mutter nicht mit mehreren Ratschlägen von verschiendenen Schwestern konfrontiert wird.
  • Überhaupt erzählen mir die meisten Freundinnen, die im Krankenhaus bleiben mussten, die unterschiedlichen Tipps waren das Schlimmste als unsichere Erstgebärende. Zuhause komme eine Hebamme, die sich um alles kümmert. Dieser sollte man natürlich vertrauen können.
  • Wochenbettdepressionen treten seltener auf, aus einem ähnlichen Grund: Zuhause sind alle entspannter.
  • Man setzt sich und das Neugeborene nicht den vielen Keimen aus, die im Krankenhaus nun mal herumschwirren.
  • Papa, Mama und Baby können ausgiebig und gerne nackt im Bett kuscheln, ohne dass Ärzte, Schwestern oder irgendjemand stört.

Es gibt ein paar wichtige Dinge, die gesichert sein müssen, um früh nach hause zu fahren:

  • Man muss eine Babyschale mit im Krankenhaus haben für den Transport des Babies.
  • Der Kühlschrank sollte übervoll sein, wir hatten so viel Essen gehortet, dass wir ganze zwei Wochen nicht einkaufen mussten!
  • Überhaupt sollte alles da sein: Windeln, Binden, Kohl (für den Busen!), Stilltee, Stilleinlagen, Ibuprofen…
  • Es ist auch empfehlenswert, sich um Hilfe für den Haushalt zu kümmern. Das kann jemand aus dem Familien- oder Freundeskreis sein, die Versicherung bezahlt nach einer ambulanten Geburt oft sogar eine Haushaltshilfe. Informiert euch!
  • Eine Hebamme für die Nachsorge muss organisiert sein, diese kommt dann in der Regel mindestens zwei Wochen lang täglich. Ich hatte eine Beleghebamme, der ich eine Rufpauschale bezahlte habe (auch das übernehmen manche Kassen), die also während der Geburt und danach da war. Man muss sich sehr sehr früh um eine solche Beleghebamme kümmern, für mich war es perfekt.
  • Die U1, also die erste Untersuchung des Babies wird noch im Krankenhaus durchgeführt. Die U2 (3. bis 10. Lebenstag) muss ein Kinderarzt machen. Viele Kinderärzte kommen nach hause, oft muss man aber auch hinfahren. Für mich war der Trip zum Arzt nach einer Woche ziemlich anstrengend, ich würde nächstes Mal versuchen, einen Arzt kommen zu lassen.

Wenn es große Komplikationen gab, oder das Baby unter Beobachtung bleiben muss, sollte man natürlich im Krankenhaus bleiben. Wer Glück hat, bekommt ein Familienzimmer, dann kann der Papa die ganze Zeit dabei sein. Was “große” Komplikationen sind, ist Ermessenssache, meiner Erfahrung nach können das die Hebammen am besten einschätzen. Ich hatte zum Beispiel eine PDA und eine Saugglockengeburt und bin trotzdem auf Rat der Hebamme nach hause gefahrem.

Auch nach einem Kaiserschnitt sollte man mehrere Tage in der Klinik bleiben. Die Wunde muss heilen und das viele Personal im Krankenhaus ist dann oft auch sehr sinnvoll, denn die Mutter sollte wirklich gar nicht aufstehen müssen.

Allgemein ist es so, dass die Entlassungsentscheidung individuell nach dem Befinden der Mutter getroffen werden muss. Ich mache trotzdem hier Werbung für die ambulante Geburt, weil ich glaube, dass sie für viele Frauen eine großartige Option ist, von der sie überhaupt nicht wissen!

 

Hat hier noch jemand Erfahrungen mit einer ambulanten Geburt gemacht und welche?

 

PS: Auf dem Foto: das sind Xaver und ich, einen Tag nach der Geburt! Wie klein er ist, oder?

PPS: Meine Geburtsgeschichte habe ich hier aufgeschrieben. Achtung, es geht teilweise ziemlich ins Detail!!

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