Ab welchem Alter macht welches Geschenk Sinn?

02. December 2020 | in Familie
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Letzte Woche haben wir ja eine große Umfrage mit euch bei Instagram gemacht. Welche der “typischen” Weihnachtsgeschenke ihr im Nachhinein sinnvoll fandet, und ab wann. An sich hat mich die Auswertung nicht so richtig überrascht. Die Tonie Box kommt natürlich fast durchgehend gut an – klar: Welches Kind hört nicht gerne Musik und Hörspiele? Und die Figuren finden ja selbst wir toll. Die Spielküche war auch fast bei niemandem ein Fehlkauf, ebenso wie ein Arztkoffer und ein Roller. Lustigerweise fahren meine Kinder NICHT viel Roller, sie laufen lieber. Kann ich selbst kaum glauben, aber Kinder sind eben unterschiedlich…

Und das ist vielleicht am Ende die Crux, wenn es um Geschenke für Kinder geht. Sie sind soooo individuell. Ich weiß noch, wie ich meinem Sohn eine Brio Bahn kaufen wollte, weil der Sohn einer Freundin so drauf abfuhr und ich selbst so gerne Bahnen baue. Dabei ist meiner einfach eher der Lego Typ und das war er auch schon immer. Deshalb hat es mich auch nicht überrascht, dass es in unserer Umfrage bei den meisten Geschenken fast zu einem Patt kam: Die Hälfte der Kinder bespielt sie viel – die andere nicht. Kein Kind gleicht dem anderen – und jedes verändert sich quasi ständig.

Bevor es an die Geschenkeplanung geht, macht es aber Sinn, sich zu fragen: Was ist mein Kind momentan für ein Typ? Eher Rollenspiele, oder eher Konstruieren? Eher Bewegung, oder eher ruhige Aktivitäten? Eher grob- oder feinmotorisch? Was hat es gerade für Interessen? Basteln? Ninjago? Manchmal ist ein Kind mit drei Jahren auch noch voll im Rollenspiel-Fieber – und mit vier Jahren will es dann nur noch bauen und erfinden. Viele sind auch totale Misch-Typen, aber ich glaube schon, dass die meisten Kids ziemlich klar auf eine Art von Spielsachen abfahren. Wer dann einem Konstruktions-Kind ein Verkleidungskostüm schenkt, liegt damit sicher nicht so richtig… Und na klar: Wer einfach ALLES hat, der hat eventuell auch einfach zu viel Auswahl, um sich einer Spielsache richtig leidenschaftlich hinzugeben. Und es gibt auch Kinder, die machen sich nicht viel aus Spielsachen. Einfach so generell. Oft kann man ihnen dann mit Büchern oder besonderen Ausflügen eine Freude machen.

Welcher Typ ist mein Kind?

Ich finde ja, in der Corona Zeit, als wir alle SOOOOOO viel zu Hause waren, da hat man mal wunderbar sehen können, wie die eigenen Kids so drauf sind. Können sie sich gut selbst beschäftigen? Sich stundenlang in etwas reinspinnen und konzentriert vor sich hin arbeiten? Oder brauchen sie Bespaßung, Motivation und Inspiration am laufenden Band. Wird ihnen schnell langweilig? Erfinden sie von sich heraus Spiele, bauen Höhlen, spielen Rollenspiele? Basteln und malen sie versonnen? Erfinden sie die verrücktesten Konstrukte? Oder sind sie einfach nur gerne in Bewegung, klettern, hüpfen, toben die ganze Zeit. Sind sie musikalisch? Tanzen, singen viel und summen die ganze Zeit Melodien vor sich hin? Je besser man seine Kinder beobachtet und kennt, je besser kann man sie beschenken. Die meisten Kinder haben auch immer EINEN Herzenswunsch, zumindest ist das bei meinen so. Immer wenn ich ihnen eher “meinen Willen” geschenkt habe, kam das so mittel an. Herzenswünsche werden seitdem eigentlich fast immer erfüllt. Ob es den Eltern passt, oder nicht. Na gut, ein kleines Wörtchen haben wir noch mitzureden, eine Konsole kommt mir zum Beispiel nicht ins Haus!

Und eine weitere Sache ist mir aufgefallen: Ich glaube, dass ganz viele Spielsachen zu früh verschenkt werden. Ich war wirklich überrascht, dass so viele schrieben: Die Brio Bahn macht ab eins Sinn. Ab eins! Den Tip Toi hätten ihre Kinder schon mit zwei toll gefunden, wegen der Lieder. Und die Tonie Box, die könne man auch ab eins verschenken, weil sie so intuitiv funktioniert. Versteht mich nicht falsch: das KANN man machen. Man kann zum ersten Weihnachten schon alles schenken und irgendwas werden die Kinder schon damit anfangen können – oder auch nicht.  Oft sind Spielsachen ja auch einfach schon von den größeren Geschwistern da und werden bespielt – und dann ist das eben so und es ist ja nicht weiter schlimm. Aber ich denke mir heute, wo mein Sohn sieben Jahre alt ist, und ich nicht mehr viele Optionen habe, oft: Warum habe ich ihm so früh so viel geschenkt? Viele Eltern pflichteten mir auch in der Umfrage bei. Die Brio Bahn stand zum Beispiel bei richtig vielen von euch jahrelang herum, im Grundschulalter wurde sie dann erst so richtig bespielt. Das macht auch Sinn, denn so eine richtig coole Bahn aufzubauen, dafür braucht es schon ein bisschen Erfahrung und Konstruktionstalent!

Ich habe den Eindruck, es ist das gleiche Phänomen, wie das, dass Kinder jetzt so oft schon mit drei Fahrrad fahren lernen (sollen). Oder schon vor der Schule mit den Eltern lesen lernen. Dagegen ist nichts auszusetzen, vor allem, wenn die Kinder wirklich so motorisch fit sind, dass sie nach Radfahren lechzen und sich das wünschen. Aber ganz oft sind es die Eltern, die immer höher, schneller, weiter wollen, immer wieder was Neues dazu haben wollen – und am Ende hat man richtig früh schon richtig viel Pulver verschossen. Es gibt Eltern von 5-Jährigen, die jeden Tag lesen üben. Und Eltern von 3-Jährigen, die richtig Druck machen und wochenlang Radfahren üben, bis es endlich klappt. Aber warum? Es ist doch schade. Einem 5-jährigen Kind hätte es richtig Freude gemacht, zu merken, wie es jetzt langsam wirklich richtig alleine und frei Rad fahren kann – mit drei kann man sich ja kaum erinnern. Und wer von selbst schon in der Vorschule anfängt, sich fürs Lesen zu interessieren – kein Thema. Aber warum muss man das als Eltern pushen? Sogar Druck machen? Ist es wirklich so toll, wenn das eigene Kind immer mit allem ganz besonders schnell ist?

Warum muss alles immer früher passieren?

So ist es irgendwie auch mit den Geschenken. Zu viele Geschenke überfordern – je kleiner die Kids sind, je mehr. Und ich denke heute: Warum haben wir der Tochter zum zweiten Geburtstag eine Tonie Box geschenkt? Sie konnte was damit anfangen, klar. Aber die richtig tollen Tonie Figuren sind ab vier – aus gutem Grund. Sie hätte sich später so viel mehr gefreut. So lag das Ding ein Jahr lang viel rum. Jetzt hängt sie ständig davor – kann sich aber nicht mehr daran erinnern, wie großartig es war, als sie sie bekommen hat. Die Box war eben irgendwann da.

Ich glaube eigentlich, vor drei kann man den Kindern alles schenken – und sie werden es toll finden. Vor allem reicht ganz wenig, um sie glücklich zu machen. Danach kann man langsam aufstocken. Dann bleibt mit sieben auch noch was übrig, was die Kids noch nicht haben. Im Nachhinein würde ich es zumindest so machen.

Meine Erfahrung ist nicht repräsentativ und ganz persönlich, aber sie geht etwa so: Ab einem Jahr ist ein Rutschauto toll (oder andere einfache Bewegungsgeräte wie ein Pikler Dreieck) – mit zwei Jahren eine Spielküche (oder andere Rollenspiele), mit drei ein Arztkoffer (oder wieder andere Rollenspiele), mit vier Lego, Laufrad, Kostüme (oder Kapla, Roller, Kaufladen – je nachdem ob Konstruktion, Bewegung oder Rollenspiele). Ich persönlich finde eine Tonie Box vor drei Quatsch, eher ab vier sinnvoll. Und einen Tip Toi vor vier finde ich ebenfalls unsinnig – so wird es ja auch empfohlen. Bei der Eisenbahn ärgere ich mich richtig, dass ich die nicht später eingeführt habe. Ich glaube, dann wäre sie auch besser angekommen! Playmobil ist übrigens ein guter Mix aus Bauen und Rollenspielen, aber aufgrund der kleinen Teile würde ich auch hier immer zu “lieber später” tendieren. Das gleiche gilt für Lego, mein Sohn hat mit drei Jahren sein erstes richtiges Set bekommen, weil er es sich so gewünscht hat – und es war ein Desaster, denn er war eigentlich völlig überfordert mit den kleinen Teilen und auch mit der Anleitung. Es gibt ein paar Geschenke, die bei uns zu Hause altersübergreifend der Renner sind, dazu gehören Bastelsachen, Gesellschaftsspiele und die Tukluks. Viele Sachen hätten wir uns sparen können – Duplo zum Beispiel. Ist auch nicht weiter schlimm, aber ich hätte auch einfach ein bisschen halblang machen können mit den Geschenken beim ersten Kind. Vor sechs (!) Jahren habe ich mir hier schon mal Gedanken zu Weihnachten gemacht – die ich immer noch so unterschreibe. Zu viel verschenkt haben wir in diesen letzten Jahren dennoch. Ich habe meine Vorsätze also nicht eingehalten – leider.

Nicht in Stein gemeißelt

Natürlich kennt jeder sein Kind am Besten und das, was meine Erfahrung ist, ist überhaupt nicht in Stein gemeißelt. Es macht eben auch Spaß, tolle Sachen zu verschenken und natürlich auch stolz, wenn das einjährige Kind schon selbst eine Musikbox steuern kann. Aber: Es hätte sich auch über etwas Einfacheres gefreut, da bin ich mir ganz sicher. Mein Appell also: Verschießt nicht gleich euer ganzes Pulver! Es ist so schön, wenn man zum vierten Geburtstag nicht schon alle erdenklichen Spielsachen in rauen Mengen Zuhause hat…

Wir halten es auch mittlerweile so, dass die Kinder drei Geschenke bekommen zu Weihnachten – und auch zum Geburtstag. Das sind dann eher größere Sachen und wirkliche Herzenswünsche, wie gesagt: Auch wenn diese nicht immer unserem eigenen Geschmack entsprechen. Praktische Dinge wie ein Fahrradhelm, Handschuhe, Kleidung, Dinge, die die Kinder “brauchen” – kommen bei uns übrigens eher nicht unter den Baum. Mein Sohn sagt auch immer: Das sind ja keine “richtigen” Geschenke. Ich kenne aber Kids, die sich sehr über Kleidung freuen, also auch hier kann man es natürlich machen, wie es passt. Aber so halten wir persönlich es bei uns klein – und das ist uns wichtig. Damit es nicht ausufert. Weil das eben auch überfordern kann – und ein falsches Wertesystem einführt, das wir uns wohl alle nicht für unsere Kinder wünschen.

Den Problemfaktor Großeltern kenne ich aber auch. Klar – die wollen was Tolles schenken! Und dann wird es schnell zu viel. Vielleicht kann man sie überreden, statt Geschenke die ersten Jahre etwas auf ein Konto einzuzahlen? Oder man sucht “große” Geschenke aus, wie ein Fahrrad, die sie dann zusammen schenken? Was ich auch immer schön finde, sind “Aktivitäten”. Bei uns schenkt der Opa gerne zu Weihnachten einen Besuch in der Kinderoper, der immer ein Highlight ist und lange in Erinnerung bleibt. Geht leider dieses Jahr nicht, aber vielleicht fällt uns was anderes ein. Sowieso hat die Adventszeit für mich immer eher mit “viel Zeit zusammen verbringen” als mit Geschenken zu tun. Ich habe mir auch dieses Jahr wieder viel überlegt, selbst wenn Weihnachtsmarkt, Kino und Weihnachtszirkus ausfallen müssen: Lebkuchenhäuser schmücken, Weihnachtsgeschichten lesen, Weihnachtsfilme schauen, Kränze schmücken, backen, Gesellschaftsspiele spielen, Picknick unterm Weihnachtsbaum, gemeinsam schmücken – oder einfach gemütlich zusammen sein und Mandarinen schälen. Ich hoffe, dass die Kinder das auch so lieben, wie ich. Und dass es das ist, woran sie sich erinnern – nicht an die Geschenke…

PS: Mir ist vollkommen klar, dass das eine absolute Wohlstandsdiskussion ist. Aber ich denke, dass Viele das nachvollziehen können!

 

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