50:50 Paare: Astrid und Ian

06. November 2019 | in Vereinbarkeit

Astrid ist in München geboren und in Niederbayern aufgewachsen – mit einer Mutter, die lange zuhause geblieben ist, so wie das im Süden Deutschlands damals üblich war. Nach dem Studium hat sie England gearbeitet und bald auch ihren Mann Ian, einen Engländer, kennengelernt. Sie zog zu ihm nach Den Haag, mittlerweile arbeiten beide dort in internationalen Organisationen in einer Festanstellung.

Die gemeinsamen Zwillingsmädchen sind mittlerweile fast acht Jahre alt und gehen auf eine Europäische Schule und dort auch in den Hort.
In den Niederlanden ist es sehr üblich, dass sich beide Eltern 50/50 aufteilen und somit machen auch Astrid und ihr Mann es so, zusätzlich haben sie eine Haushaltshilfe und Babysitter, die bei Engpässen oder Geschäftsreisen einspringen. Wie die beiden alles im Detail organisieren, erfahrt ihr im Interview!

Liebe Astrid! Was und wieviel arbeitet ihr beide?

Wir arbeiten beide Vollzeit – 40 Stunden die Woche und sind fest angestellt. Wir haben flexible Arbeitszeiten, es gibt Kernarbeitszeiten, aber drum herum können wir es flexibel gestalten. Mein Mann kann auch per Laptop von zu Hause aus arbeiten, bei mir gibt es nun seit ein paar Monaten die Möglichkeit, zwei Tage im Monat per Telearbeit von zu Hause aus zu arbeiten. Gleichzeitig sind wir aber beide Führungskräfte und daher ist es schwieriger, von zu Hause aus zu arbeiten, weil man einfach den Kontakt zum Team braucht.

Unsere beiden Arbeitgeber sind auf jeden Fall familienfreundlich. Wir arbeiten bei europäischen Organisationen und sind, genau wie die meisten unserer Kollegen, ohne Familienunterstützung hier in den Niederlanden. Daher sind wir alle auf Unterstützung seitens des Arbeitgebers angewiesen.
Was mir auf jeden Fall auffällt ist, dass es in unserem Umfeld zu 100% akzeptiert ist, dass wir beide Vollzeit arbeiten. Wir bekommen von allen Seiten Unterstützung und wenig Fragen oder gar “hochgezogene Augenbrauen”.

Wie habt ihr eure Woche aufgeteilt?

Das ist ganz flexibel. Wir sprechen jede Woche gemeinsam ab und klären, wer die Kinder wann zur Schule bringt und abholt. Da wir beide auch oft auf Dienstreisen unterwegs sind, müssen wir uns immer gut abstimmen. Wir machen auch aus, wer wann mit Freunden ausgeht, jeder von uns macht das so ein Mal pro Woche.

Macht ihr einen Wochenplan?

Ja, genau. Am Sonntag Abend machen wir immer einen Plan. Dienstreisen und Termine werden immer schon bevor wir diese zusagen untereinander abgestimmt. Langfristige Termine stimmen wir auch gemeinsam ab. Urlaub wird meist zu Beginn des Jahres geplant und abgestimmt.

Welche Tools nutzt ihr?

Wir schreiben uns Emails und haben auch je einen wöchentlichen Kalender, den wir gemeinsam bearbeiten können. Und jeder hat einen Arbeitskalender und dann gibt es noch einen Familien-Papier-Wandkalender. Alles in allem sind wir gut organisiert. Klar, immer mal wieder muss einer von beiden zurückstecken, aber meistens finden wir einen guten gemeinsamen Weg.

Wie sind die Kinder tagsüber untergebracht?

Sie gehen von 08:30 bis 15 Uhr in die Schule, Mittwochs von 08:30 bis12:45. Anschließend gehen die beiden noch in den Hort und wir holen sie zwischen 17 und 18 Uhr ab. Manchmal auch früher, je nachdem, wie das Arbeitspensum ist. Die Schule hat auch eine Kantine, in der die Zwillinge mittags warmes Essen bekommen. Neben dem Hort gibt es auch viele Angebote in der Schule, vor allem Sport.

Was ist mit Paar-Zeit, wann bekommt ihr die unter?

Mein Mann hat ab der ersten Woche mit den Zwillingen gesagt: Paar-Zeit ist wichtig! Wir haben also seit die Kinder klein sind, einen Babysitter und sind etwa einmal in der Woche zu zweit aus. Die Kinder fragen dann schon immer: Habt ihr heute wieder ein Date?

Dadurch, dass wir Zwillinge haben, habe ich das Gefühl, dass es mir von Anfang an leichter fiel, Hilfe von anderen anzunehmen und auch mit Babysittern zu arbeiten. Alleine schafft man das einfach nicht! Wir haben mittlerweile drei Babysitter, die uns bei Engpässen unter der Woche unterstützen, oder wenn wir am Wochenende ausgehen.

Habt ihr das Gefühl, genug Zeit mit den Kindern zu verbringen?

Es ist okay. Aber wir würden auf jeden Fall gerne mehr Zeit mit den Kindern verbringen. Und ich habe auch das Gefühl, dass wir viel Zeit mit der täglichen Organisation verbringen – und so weniger Zeit zum Spielen bleibt.

Sprechen wir über den Haushalt: wie teilt ihr euch hier auf?

Mein Mann macht Frühstück und kümmert sich um die Spülmaschine. Ich mache meist die Waschmaschine, den Müll, die Einkaufsliste und das Kochen. Mein Mann kümmert sich um den Garten und ich kümmere mich um Aufräumen, Kleidung einkaufen, Kleidung aussortieren. Wir haben zwei Mal pro Woche vormittags eine Haushaltshilfe da – sie putzt, wäscht, bügelt und wechselt die Bettwäsche. So gibt es bei uns eigentlich nie Stress wegen dem Haushalt! Das haben wir auch schon früh angefangen nach der Geburt der Zwillinge, am Anfang ein Mal die Woche, nun zwei Mal.

Wer hat die Orga in der Hand?

Ich mache das alles, und ich mache es auch gerne, aber wenn ich zeitlich nicht kann, dann übernimmt mein Mann zum Beispiel die Arzttermine.

Wie habt ihr die Finanzen geregelt?

Wir haben beide getrennte Konten und ein Familienkonto, auf das prozentual anteilig am Verdienst einbezahlt wird. Altersvorsorge machen wir beide getrennt voneinander und wir haben ein gemeinsames Haus als Altersvorsorge.

Wie seid ihr selbst aufgewachsen?

Bei uns beiden haben die Mütter nicht gearbeitet. Als ich 14 war, hat meine Mutter Teilzeit zu arbeiten begonnen, aber nie Vollzeit. Zu Beginn meiner Arbeitszeit fiel mir das ehrlich gesagt schwer, kein Vorbild für meinen Lebensweg zu haben, aber mittlerweile ist es einfacher.

Bist du mit dem System in den Niederlanden zufrieden?

Ja, schon. Wir haben eine gute Unterstützung mit Kinderbetreuung ab sechs Wochen, ich war in Elternzeit bis die Mädels 10 Monate alt waren, dann habe ich wieder angefangen zu arbeiten. Nun ist die Schule bis 15 Uhr und theoretisch geht die Hortbetreuung bis 18:30. Auch unser Arbeitgeber unterstützt uns organisatorisch und finanziell.
Elternzeit sind hier 120 Tage pro Kind und das kann zu jeder Zeit genommen werden, bis das Kind 12 Jahre alt ist. Minimum ist ein Monat und die Elternzeit kann Vollzeit oder Teilzeit genommen werden. Die Vergütung zu der Zeit ist wenig, aber trotzdem da. Der Arbeitgeber unterstützt das auch. Ich habe diese Zeit gleich nach dem Mutterschutz genommen und nun nehme ich im Sommer noch mal sechs Wochen in den Ferien.

In den Niederlanden ist es auch einfach üblich, dass sich beide Eltern aufteilen, es gibt hier oft einen Mama-Tag, bei dem die Mama daheim auf die Kinder aufpasst und einen Papa-Tag, bei dem der Mann daheim aufpasst. Diese Begriffe Mama-Dag und Papa-Dag höre ich auch viel in Unterhaltungen und es ist für mich ein fester Begriff im holländischen Wortschatz. Ansonsten sind viel auch die Großeltern mit eingebunden in die Kinderbetreuung, wir haben nur leider keine in der Nähe!

Was kommt immer zu kurz?

Zeit um auszuruhen und sich mal hinzusetzen und nichts zu tun.
In der Arbeit ist auch alles immer sehr knapp bemessen und mir fehlt es manchmal, einfach einen Kaffee mit den Kollegen in Ruhe zu trinken und nicht auf die Zeit schauen zu müssen, ob ich wieder losrennen muss, um die Kinder zu holen.

Und was klappt aber eigentlich ziemlich gut?

Wir sind sehr gut organisiert, das hilft sehr viel – und wir verlassen uns zu 100% aufeinander.

Was stresst euch im Alltag am meisten?

Es ist jeden Tag so viel zu tun von 6 Uhr bis 21 Uhr geht es immer hin und her. Danach ist ein bisschen Zeit zum ausruhen. Ehrlich gesagt ist das sogar auch am Wochenende meist so!

Und was macht am meisten Freude?

Zusammen im Urlaub zu sein. Gemeinsam zusammen zu essen. Geschichten im Auto aus der Schule zu hören. Und gemeinsam abends zu lesen.

Danke, Astrid!

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