50/50 Paare: Sarah und Thomas

01. February 2019 | in Alltag | Vereinbarkeit

Sarah und Thomas sind auch eines dieser Paare, die es ziemlich gut gebacken bekommen, alle Aufgaben, die in einer Familie anfallen gerecht aufzuteilen und ungefähr gleichwertig berufstätig zu sein. Die beiden hatten einen holprigen Start mit ihrem Sohn Paul, der ein Schreibaby war. Heute ist der Kleine ein Sonnenschein (so ist das ja meistens, ich spreche hier aus Erfahrung…), im Frühjahr wird er zwei Jahre alt. Zusätzlich hatten beide auch noch einige Stolpersteine in Sachen Karriere zu meistern! Doch mittlerweile hat sich alles gut eingeruckelt, wie genau, das erzählen die beiden im Interview

Was und wieviel arbeitet ihr beide?
Sarah: Wir sind beide fest angestellt. Ich bin Wissenschaftlerin und arbeite nach meiner Promotion gerade im Bereich Wissenschaftsmanagement und Chancengleichheit, Thomas ist Bauleiter im Garten- und Landschaftsbau. In dem Bereich hat sich bei uns aber seit Pauls Geburt viel verändert und wir haben verschiedene Phasen durchlaufen. Ich war in den letzten Zügen meiner Promotion als Paul geboren wurde. Thomas hat bis zur Geburt als Niederlassungsleiter in der Verkehrssicherung gearbeitet. Mit der Geburt sind wir beide parallel in Elternzeit gegangen, ich für 8 Monate, Thomas für ein Jahr. Mein Wiedereinstieg in den Job war insofern komfortabel, als ich damals nur drei Tage pro Woche gearbeitet habe und sowohl den Ort als auch die Arbeitszeit vollkommen frei bestimmen konnte. Ich saß in der Bibliothek und habe meine Disputation vorbereitet, während Thomas mit Paul zuhause war.

Nach der Doktorverteidigung (da war Paul 10 Monate alt) habe ich noch bis zu seinem ersten Geburtstag so flexibel und frei arbeiten können. Dann lief mein Vertrag aus und ich musste mir eine neue Stelle suchen. Da wir erst ein halbes Jahr später einen Betreuungsplatz für Paul hatten war der Plan, dass ich bis dahin erstmal mit Arbeitslosengeld zuhause bleibe und Thomas Vollzeit in seinen alten Job zurückkehrt. Leider hat uns sein damaliger Chef einen Strich durch die Rechnung gemacht: eine Woche vor der geplanten Rückkehr versetzte er Thomas als Strafe für die lange Elternzeit in eine andere Stadt. Parallel dazu fand ich unerwarteterweise eine Stelle im Wissenschaftsmanagement eines großen Forschungsinstituts, so dass sich unsere Rollen nochmal umkehrten: Ich ging arbeiten und Thomas ließ sich krank schreiben, um in Ruhe eine neue (familienfreundlichere!) Stelle suchen zu können und Paul zuhause zu betreuen, bis er zur Tagesmutter kam. Seit Dezember arbeiten wir nun wieder beide: ich 30 Wochenstunden, Thomas momentan für die Einarbeitung 40.

Thomas: Nach einer Eingewöhnungszeit in Vollzeit reduziere ich meine Wochenstunden dann auf 30. Das habe ich von Anfang an mit meinem neuen Arbeitgeber so besprochen. Es war mir ein großes Anliegen, neben der Lohnarbeit Zeit für Paul und Sarah zu haben und nicht morgens um sechs aus dem Haus zu gehen und abends gegen sechs zu Hause zu sein, so wie in meinem früheren Job. Bevor Paul zu uns kam, war das alles möglich, weil ich mit Sarah in einer Fernbeziehung lebte und unter der Woche eine Firma leiten konnte, ohne dabei Abstriche für die Familie machen zu müssen. Für eine gewisse Zeit war das auch ganz okay aber nun will ich so nie wieder leben.

Sarah: So wie es bisher aussieht, haben wir jetzt beide familienfreundliche Arbeitgeber. Ich arbeite an fünf Tagen pro Woche, kann aber an zwei Tagen Home Office machen und mir außerhalb der Kernzeiten die Arbeit relativ frei einteilen. Normalerweise arbeite ich montags und freitags zuhause (ca. 9:00 bis 15:00), dienstags, mittwochs und donnerstags im Büro (9:00-14:30 bzw. einmal bis ca. 18:00). Meine Chefin vertritt zum Glück die Ansicht, dass nicht die geleisteten Stunden wichtig sind, sondern ob die Arbeit gemacht wird. In meinem Team haben mehrere Kolleginnen kleine Kinder, so dass es auf viel Verständnis stößt, wenn ich mal früher weg muss oder nicht kommen kann, weil Paul krank ist. Ich selbst spüre auch viel weniger Druck, seit meine Arbeit nicht mehr die Doktorarbeit, sondern eher Wissenschaftsmanagement ist. Was ich nicht schaffe, muss eben verschoben werden. Das ist bei rein wissenschaftlichen Stellen nicht immer so einfach, weil es oft Deadlines für Publikationen, Abgaben etc. gibt.

Wie habt ihr eure Woche aufgeteilt?
Sarah: Momentan, wo wir beide arbeiten und Thomas übergangsweise in Vollzeit ist, bringe ich Paul morgens vor der Arbeit weg und hole ihn auch ab. Donnerstags holen ihn immer seine Großeltern ab und betreuen ihn bis abends, so dass wir beide lange arbeiten können. Wenn wir beide demnächst 30 Stunden arbeiten, wird Thomas Paul an zwei feststehenden Tagen morgens wegbringen und ihn ein- bis zweimal pro Woche abholen. Ich bringe ihn demzufolge dann dreimal und hole ihn dreimal ab. Die Tage dazu müssen wir noch ausprobieren, aber es werden feststehende Tage sein.
Die Abende machen wir abwechselnd, die Nächte eher Thomas, weil ich eine sehr sensible Schläferin bin und schlecht wieder einschlafen kann, wenn ich von Paul geweckt werde. Thomas fällt das leichter, daher übernimmt er öfter nachts. Da gibt es aber keine feste Regel; wenn mal einer von uns sagt, er/sie braucht dringend mal eine Nacht Schlaf/einen Abend für sich, dann reden wir drüber und können es meist auch einrichten.

Thomas: Wenn einer von uns jedoch etwas vor hat, wird getauscht – ganz so strikt ist es eben doch nicht, soll aber gerecht aufgeteilt sein. Ungefähr alle 1-2 Monate schläft Paul für eine Nacht bei seinen Großeltern, so dass wir zusammen ausgehen und ausschlafen können.

Organisiert ihr euch spontan oder macht ihr einen Wochen- Monatsplan?
Sarah: Wir machen eine Mischung aus allem. Langfristige Planungen wie (Dienst-)Reisen machen wir mehrere Monate im Voraus. Zusätzlich versuchen wir Sonntagabends einen Wochenplan zu machen.

Welche Tools nutzt ihr?
Thomas: Die App TimeTree mit geteiltem Kalender. Für Einkaufs- und andere To-Do-Listen benutzen wir die Wunderlist. Außerdem haben wir einen Stapel mit Karten, auf denen jeweils eine Aktivität steht, die wir gern zusammen als Paar machen. Die Idee ist, bei der Planung eine Karte zu ziehen und die in den Wochenplan einzubauen. Leider ist das momentan ein bisschen eingeschlafen…

Würdet ihr sagen, dass die Organisation des Alltags sehr zeitaufwendig ist und klappt sie gut? 
Thomas: Da wir beide recht organisiert sind und gern planen, geht eigentlich nichts verloren. Allerdings verlieren wir uns manchmal im Planen und stellen dann nach einer Weile fest, dass wir heut noch gar nicht über etwas anderes als Paul oder Orga-Kram geredet haben.

Habt ihr einzeln Hobbies, oder macht Sport? Wann findet ihr Zeit dafür?
Thomas: Ja, haben wir. Das findet meist abends Zeit, wenn der/die andere sich um Paul kümmert und ihn ins Bett bringt. So die Theorie, wenn man nicht wie jetzt gerade im Winter einfach nur schlapp ist und auf der Couch liegen will. Oder aber jeder von uns beiden kommt seinem Hobby oder Freizeit an einzelnen Wochenenden nach, während der/die andere dann Zeit mit Paul hat.
Sarah: Ich gehe einmal pro Woche zu einer feministischen Gruppe (das sind 2-3 Stunden an einem Abend) und einmal pro Woche zum Sport (1,5 Stunden an einem anderen Abend). Da ich letztes Jahr einen Bandscheibenvorfall hatte, ist es mir sehr wichtig, mir die Zeit dafür zu nehmen. Und auch das politische/aktivistische Engagement liegt mir am Herzen, um nicht nur Lohnarbeit und den Familienalltag zu haben. Nebenbei versuche ich jeden 2.-3. Abend für ca. 20 Minuten Rückenübungen zu machen. Das mache ich zuhause mit einer App.

Was ist mit Paar-Zeit, wann bekommt ihr die unter?
Sarah: Davon haben wir gerade nicht so viel. Unser Deal ist eigentlich, dass wir alle 1-2 Wochen ein Date haben und das abwechselnd organisieren. Also: Zeit festlegen, Babysitter organisieren, überlegen, was wir machen. Oft sind das dann Abende, an denen wir ins Kino und essen gehen, oder ein Besuch bei der Thai-Massage, oder… Besser hat das natürlich noch funktioniert, als Thomas noch nicht gearbeitet hat. Da haben wir uns oft mittags zum Essen getroffen und hatten danach noch Zeit zu zweit zuhause, wenn Paul bei der Tagesmutter war. Das hatte den deutlichen Vorteil, dass wir noch nicht so müde waren wie abends. Momentan ist uns abends einfach oft nach Couch oder Bett… Wenn wir uns doch noch aufraffen, haben wir das Glück, direkt über einem Restaurant zu wohnen. Das hat den riesigen Vorteil, dass wir spontan was trinken oder essen gehen können, ohne einen Babysitter organisieren zu müssen. Wir nehmen dann einfach das Babyphone mit.

Habt ihr das Gefühl, dass ihr genug Quality Zeit mit Kind und als Familie habt?
Sarah: Ja. Paul ist momentan jeden Tag von 8:30 bis ca. 15:00 in der Betreuung und ich habe das Gefühl, wir sorgen sehr gut dafür, dass wir uns genug sehen und können die Zeit zusammen auch wieder mehr genießen, seit jeder von uns wieder arbeiten geht. Vorher hingen wir oft zu dicht und zu viel aufeinander. Aber auch aus dieser intensiven Erfahrung der langen gemeinsamen Elternzeit heraus ist es uns jetzt beiden sehr wichtig, neben der Arbeit genug Zeit mit Kind und als Familie zu haben.

Habt ihr Hilfe, also einen Babysitter, ein Au-Pair, etc? Wie oft kommt diese?
Sarah: Aus genau diesem Grund sind wir nach dem Elternzeitjahr in die Stadt gezogen, wo unsere Eltern und erweiterte Familie wohnen. Jetzt haben wir zwei Großelternpaare (von denen das eine schon in Rente ist), eine Uroma, meine Schwester samt Nichte in Pauls Alter, meine Tante und meine Cousine vor Ort, die sich alle darum reißen, Paul zu hüten. Wir nutzen das meist spontan, wenn die Tagesmutter nicht da ist oder wir abends was zu zweit machen wollen. Ein Tag pro Woche ist zusätzlich fester Oma-und-Opa-Tag, da holen Thomas‘ Eltern Paul von der Tagesmutter ab und bringen ihn abends nach Hause. Das ist eine sehr luxuriöse Situation, die wir sehr zu schätzen wissen.

Sprechen wir über den Haushalt: wie teilt ihr euch hier auf?
Thomas: Da teilen wir uns irgendwie nicht explizit auf, weil es so nebenbei läuft und meist funktioniert. Jeder macht mal was. Klar achten wir darauf, dass wir abwechselnd oder gemeinsam putzen, aber es gibt auch Aufgaben, die immer eher eine/r von uns übernimmt und der/die andere dann dafür was anderes. In der Summe gleicht es sich irgendwie aus und fühlt sich gerecht an.

Gibt es Aufgaben, die einer von beiden typsicherweise immer übernimmt?
Sarah: Ja. Ich überlege mir meist immer, was wir essen, schreibe Listen und kaufe ein. Da es mich nervt, dafür die alleinige Verantwortung zu haben, versuchen wir gerade das zu ändern. Der Plan ist, dass jede/r von uns abwechselnd für ein Wochenende zuständig ist (da wir eigentlich nur am Wochenende zusammen kochen).
Wäsche waschen, aufhängen, abnehmen und zusammenlegen macht eher Thomas, weil ich ihm da zu unordentlich bin. Er putzt auch häufiger das Bad und die Küche. Dafür habe ich das Gefühl, dass ich häufiger so Kleinkram aufräume, der im Alltag liegen bleibt (Klamotten, Spielzeug, Briefe, Zettel etc.)

Thomas: Jetzt muss ich echt überlegen. Sarah räumt mehr auf als ich. Ich bin da immer ein wenig schluderig und lasse hin und wieder Klamotten liegen. Ich hingegen repariere alles, was kaputt geht, und mache die Recherchearbeit wenn wir etwas anschaffen wollen. Gekocht wird abwechselnd, je nachdem wer Lust hat, wobei Sarah immer die leckereren Ideen hat.

Wer hat die Orga in der Hand?
Sarah: Mir fällt bei der Frage auf, dass wir das tatsächlich auch aufgeteilt haben, aber nicht, indem wir darüber sprechen, sondern es hat sich so ergeben. Ich mach eigentlich immer die Einkaufslisten (siehe oben), Kinderklamotten und die Freizeit- und Urlaubsplanung. Thomas übernimmt die Arzttermine, weil er das in der Elternzeit schon immer gemacht hat. Er hat auch alles im Blick, was mit dem Auto zu tun hat und verwaltet unsere gemeinsamen Finanzen. Wenn ich so überlege, hab ich aber schon das Gefühl, dass ich in dem Bereich mehr mache, und das ärgert mich auch regelmäßig. Wir sprechen oft darüber und versuchen was zu ändern, eben z.b. durch den Einkaufs- und Essenplan.

Seid ihr beide zufrieden mit eurem Haushaltssystem?
Thomas: Ja, ich glaube es geht gerecht zu bei uns.

Sarah: Ich würde die Organisationsarbeit, also das Drandenken, den mental load, gern mehr aufteilen, weil ich das Gefühl hab, dass ich da mehr mache. Und ich würde gern mehr auslagern, also z.B. eine Putzhilfe anstellen.

Habt ihr denn bisher eine Putzhilfe?
Thomas: Nein, eine Putzhilfe haben wir nicht, haben jedoch schon darüber nachgedacht, um einfach mehr Freizeit zu haben. Wenn ich allerdings in Teilzeit bin, hoffe ich dass ich Zeit dafür habe und wir uns das sparen können.

Wie habt ihr die Finanzen geregelt?
Sarah: Wir haben jede/r unser eigenes Konto, was uns sehr wichtig ist. Gemeinsame Ausgaben wie Miete, Betreuungskosten, Essen einkaufen, Kinderklamotten etc. schreiben wir in ein Heft und am Ende des Monats macht Thomas eine Abrechnung zum Ausgaben- und Gehaltsausgleich. Auf diese Weise haben wir quasi ein Familieneinkommen, von dem gemeinsame Ausgaben bezahlt werden. Wer gerade mehr verdient, bezahlt auch mehr. In Zukunft wollen wir das ein bisschen vereinfachen, indem wir ein gemeinsames Haushaltskonto eröffnen. Darauf wollen wir beide in Abhängigkeit vom Verdienst einen bestimmten Betrag einzahlen. Eine gemeinsame Altersvorsorge haben wir nicht.

Wie seid ihr selbst aufgewachsen? Mit zwei arbeitenden Eltern, oder nicht?
Sarah: Wir sind beide in der DDR aufgewachsen, aber in eher untypischen Verhältnissen. Meine Mutter war mit meiner Schwester und mir fünf Jahre lang zuhause, was damals die totale Ausnahme war. Wir sind beide erst mit drei in den Kindergarten gekommen, wohingegen viele Kinder in der DDR ja schon mit wenigen Wochen oder Monaten in die Krippe gingen. Solange wir klein waren, hat meine Mutter in Teilzeit gearbeitet. Mein Vater war immer in Vollzeit. Meine Eltern haben also eher das traditionelle Familienmodell vorgelebt.

Thomas: Meine Eltern haben immer gearbeitet. Ich habe im Alter von 1,5 bis 5 Jahre mit meinem Vater allein gelebt, der in Vollzeit gearbeitet hat. In der Zeit war ich meist sehr lang im Kindergarten oder bei meinen Großeltern, zu denen ich auch heute noch ein sehr inniges Verhältnis habe.

Findet ihr euer System gerecht, seid ihr glücklich damit?
Thomas: Ja, es war von vornherein unser Bestreben eine gerechte und gleichwertige Beziehung zu führen.

Sarah: Ich finde unser System die meiste Zeit über sehr gerecht und bin zufrieden. Vor allem bin ich froh, dass wir nicht in die typische und oft zu beobachtende Retraditionalisierung der Rollen gerutscht sind, die bei vielen Paaren nach der Geburt des ersten Kindes zu beobachten ist – egal wie gleichberechtigt sie vorher gelebt haben. Ich bin sicher, dass das bei uns daran lag, dass Thomas so lange in Elternzeit gegangen ist. Dazu kommt, dass wir einen recht schwierigen Start mit Paul hatten und er die ersten Monate nachts sehr viel geschrien hat. Weil ich damit so überfordert war, hat Thomas Paul in diesen Nächten meist übernommen, ihn stundenlang getragen und geföhnt bis er endlich irgendwann einschlief. Was damals echt schlimm war, hat sich sehr positiv auf uns ausgewirkt, weil sich Thomas von Anfang an zuständig gefühlt hat und ein großes Selbstvertrauen als Vater entwickeln konnte. Dadurch ist es seit Pauls Geburt selbstverständlich, dass wir beide zu gleichen Teilen verantwortlich sind. Ich bin der Meinung, davon profitieren wir bis heute enorm.

Was würdet ihr euch vom Staat, von eurem Umfeld, vom Arbeitgeber wünschen?
Kostenlose Kinderbetreuung, einkommensunabhängiges Elterngeld (denn dann wäre es kein Privileg der besser verdienenden Paare mehr, dass auch Väter längere Elternzeit nehmen), ein bedingungsloses Grundeinkommen, so dass jeder Mensch so viel Zeit mit seinen Kindern verbringen kann, wie sie/er möchte. Von Arbeitgebern wünschen wir uns aus unserer eigenen Erfahrung heraus mehr Unterstützung der Elternzeit von Vätern.

Was kommt immer zu kurz?
Thomas: Freizeit. Das wird sich aber hoffentlich ändern, wenn ich bald in Teilzeit bin.
Sarah: Alleine sein. Ich brauche das mehr als Thomas und fordere es auch mehr ein. Aber es ist trotzdem oft zu wenig.

Und was klappt aber eigentlich ziemlich gut?
Dadurch dass wir beide lange mit dem Kind zuhause waren, wissen wir beide, was das an Arbeit bedeutet und können die Leistung desjenigen, der gerade mehr Care work macht, dementsprechend anerkennen und wertschätzen. Auch in stressigen Zeiten schaffen wir es deshalb meistens, Zeit für jeweils eigene Bedürfnisse einzubauen, wie z.B. allein und ungestört schlafen, Sport, ein Abend für sich oder mit Freund*innen, ausschlafen etc.

Was stresst euch im Alltag am meisten?
Sarah: Das frühe Aufstehen, um Paul rechtzeitig zur Tagesmutter zu bringen und pünktlich im Büro zu sein und überhaupt der durchgetaktete Alltag. Ich mag es überhaupt nicht, ein so kleines Kind zu drängeln, wenn wir morgens los müssen. Das wird sich hoffentlich ein bisschen entspannen, wenn Thomas ab nächstem Monat auch in Teilzeit arbeitet. Was mich auch nervt, ist, dass ich abends oft zu müde bin, um noch was Produktives zu machen, wenn Paul schläft. Die ein bis zwei Stunden zwischen seinem Einschlafen und meinem ins-Bett-Gehen sind meist die einzige Zeit am Tag, in der ich was für mich machen könnte. Oft bin ich aber so kaputt, dass ich nur noch ein bisschen auf Facebook und Instagram bin und dann schlafen gehe.

Und was macht am meisten Freude?
Thomas: Paul beim groß Werden zuzusehen, momentan vor allem beim Lachen, Tanzen und sprechen Lernen. Wir freuen uns jeden Abend darauf, was er uns am nächsten Tag wieder alles erzählen wird, was er wichtig findet und wie er sich mitteilen will.

Sarah: Ich hab auch das Gefühl, dass ich das alles bewusster genießen kann, seitdem ich wieder arbeiten gehe und nicht mehr jeden Moment des Tages mit Paul zusammen bin. Der schönste Moment des Tages ist, wenn ich ihn bei der Tagesmutter abhole und er strahlend auf mich zugelaufen kommt.

Danke, ihr beiden!

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