50/50 Paare: Josi und Marcel

22. September 2021 | in Gesellschaft | Vereinbarkeit

Josi und Marcel leben in der schönen Pfalz in einem kleinen Dorf, beide sind fest angestellt und arbeiten etwa 80%. Das funktioniert, weil tatsächlich beide flexible Arbeitgeber haben, aber auch, weil die beiden sich wirklich sehr gerecht aufteilen. Das war gar nicht unbedingt immer so, die Elternzeit hatten sie noch sehr “klassisch” aufgeteilt. Wie der Alltag der beiden im Detail organisiert ist, erzählen sie uns ausführlich im Interview!

Was und wieviel arbeitet ihr beide?

Josi: Ich arbeite aktuell 30 Stunden in der Festanstellung. Ich bin Betriebswirtin und in der Qualitätssicherung bei einem Großhändler tätig. Ich arbeite dort meist von Dienstag bis Donnerstag 8 Stunden und freitags 6 Stunden. Home Office gab es bei uns im Unternehmen bereits vor Corona und durch Corona wurde es noch weiter ausgeweitet. Aktuell dürfen wir 50% der Arbeitszeit im Home Office verbringen. Aufgrund dessen und der recht flexiblen Arbeitszeiten ist mein Job auf jeden Fall schon sehr familienfreundlich. Dennoch gibt es auch noch viel Luft nach oben – gerade was die Einstellung vieler Führungskräfte angeht. Zusätzlich zu meiner Festanstellung bin ich gerade im Aufbau meiner Selbstständigkeit als Personal und Business Coachin für Mütter, Paare und Unternehmen. Zu den Themen gehören Empowerment von Müttern, gleichberechtigte Partnerschaft und Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Selbstfürsorge. Diesen Aufgaben widme ich mich vor allem montags, aber auch Freitagmittag und Samstagmorgen.

Marcel: Ich arbeite aktuell 33 Stunden in Festanstellung im öffentlichen Dienst als stellvertretender Werkleiter eines Ver- und Entsorgungsbetriebs. Dort bin ich für den kaufmännischen Bereich mit ca. 10 Beschäftigten verantwortlich. Meine Arbeitszeit kann ich mir ziemlich flexibel zwischen 7 und 19 Uhr einteilen. Lediglich donnerstags haben wir feste Arbeitszeit bis 18 Uhr. Dafür können wir freitags bereits ab 12 Uhr ins Wochenende starten. Homeoffice kann ich mir auch ziemlich frei einteilen und bei privater / familiärer Notwendigkeit bis auf 100% meiner Arbeitszeit ausdehnen. Das natürlich dann nur vorübergehend. In der Regel sind es 50% von Zuhause aus. Ich habe aber auch nur 10 Minuten Fahrtzeit ins Büro. Demnach ist mein Arbeitgeber super familienfreundlich. In unregelmäßigen Abständen sind auch Abendtermine von Gremien, an denen man teilnehmen muss. Aber das hält sich in Grenzen.

Wie alt sind eure Kinder und gehen sie in eine Betreuung?

Unsere beiden Töchter sind 5 und 2,5 Jahre alt. Sie gehen beide von Montag bis Freitag ganztags in die Kita.
Ganztags bedeutet, dass sie morgens zwischen 8 und 9 in die Kita gebracht werden und nachmittags zwischen 16 und 16:30 Uhr abgeholt werden.

Seid ihr zufrieden mit der Betreuungssituation?

Josi: Ich bin total glücklich mit unserer Kita. Die Erzieherinnen sind toll und unsere Töchter gehen beide von Anfang an gerne hin. Das einzige Manko sind für mich tatsächlich die Öffnungszeiten. Ich finde es nicht zeitgemäß, dass die späteste Abholzeit 16:30 Uhr ist. Wir bekommen das zwar immer hin und haben das Glück, dass wir beide in Gleitzeit arbeiten, aber viele Eltern können das nicht und da fände ich längere Öffnungszeiten sinnvoll. Zusätzlich wären weniger Schließtage schön, da man hier eben auch immer vor einer Herausforderung steht, wenn beide Eltern berufstätig sind.

Marcel: Ich bin auch grundsätzlich sehr zufrieden mit der Kita, in die unsere Töchter gehen. Das Team ist super und unsere Töchter gehen auch sehr gerne hin. Allerdings sind die Betreuungszeiten von 7:00 bis 16:30 Uhr wirklich nicht sehr flexibel. Da gibt es ganz viele Job-Konstellationen, wo das für Eltern und insbesondere Alleinerziehende zum Kraftakt wird. Wenn wir nicht beide so flexibel und auch von Zuhause arbeiten könnten, wäre das ein Problem. Die 30 Schließtage sind natürlich auch nicht sehr familienfreundlich, denn das ist ja mehr als der Mindesturlaub nach BUrlG. Klar ist es in der Schule noch schlimmer, aber das sollte kein Maßstab sein.

Wie habt ihr die Elternzeit(en) aufgeteilt?

Josi: Beide Elternzeiten haben wir leider sehr klassisch aufgeteilt. Mein Mann hat nur die beiden „Vätermonate“ genommen und ich war bei unserer großen Tochter zwei Jahre zu Hause und bei unserer kleinen Tochter 14 Monate. Rückblickend würde ich die Elternzeit gleichmäßig aufteilen, da mir in beiden Elternzeiten irgendwann die Decke auf den Kopf fiel und mir der Ausgleich fehlte.

Marcel: Genau. Leider ganz klassisch. Das gefällt mir rückblickend gar nicht. Das hätten wir anders aufteilen, bzw. überhaupt verteilen sollen. Aber da fehlte damals auch einfach der Input von außen. Da wird man sehr alleine gelassen bzw. von der Gesellschaft wird einem ja fast ausschließlich nur das “klassische” Modell vorgelebt.

Wie habt ihr eure Woche aufgeteilt?

Josi: Aktuell sind wir so aufgeteilt, dass Marcel die Kinder morgens fertig macht und in die Kita bringt. Das Abholen teilen wir uns auf. Marcel holt unsere Töchter Mo, Mi und Fr aus der Kita und ich Di und Do. Das ins Bett bringen haben wir uns auch aufgeteilt. Marcel macht das Mi, Do und Sa, ich übernehme die anderen Tage. Wir haben das Glück, dass unsere Nächte inzwischen meist ruhig sind. Wenn doch mal ein Kind wach wird, übernimmt das meist mein Mann, da er direkt wieder einschlafen kann, ich aber nicht mehr richtig in den Schlaf finde, wenn ich wach werde. Oft werden wir aber ohnehin beide wach, da wir im Familienbett schlafen.

Marcel: Da kann ich den Ausführungen von Josi nichts mehr hinzufügen.

Organisiert ihr euch spontan oder macht ihr einen Wochen- Monatsplan? 

Josi: Wir organisieren uns so, dass wir immer sonntags ein Planungsmeeting machen. Das heißt, dass wir da alle anfallenden Termine für die kommende Woche durchsprechen und schauen, was sonst noch ansteht und aufgeteilt werden muss. Das hilft uns enorm, da so unter der Woche alle Zuständigkeiten klar sind und wir nicht spontan schauen müssen, wer was übernimmt. Das spart uns enorm viel Zeit.

Marcel: Ohne eine halbwegs ordentliche Planung würde das im heillosen Chaos enden und unnötig Energie verschwenden. Deswegen ist unser Wochenplan so wichtig. Gerade auch, weil ich für mich keinen Kalender führe, ist das besonders für mich wichtig.

Welche Tools nutzt ihr? 

Josi: Wir nutzen einen gemeinsamen Google Kalender, um einen Überblick über unsere Termine zu haben. Hier kommen alle Termine rein, sowohl für die Arbeit als auch für die Familie. Zusätzlich nutzen wir Trello zur Planung von zum Beispiel To Do´s, Geburtstagen und unserem Essensplan. Unsere Einkaufsliste organisieren wir über die gemeinsame „Notizen“-App. Hier können wir die Liste gegenseitig teilen und so sieht der jeweils andere immer, was gerade eingekauft werden muss oder kann hinzufügen, was gebraucht wird. Ich nutze zusätzlich auch noch einen physischen Kalender, um meine Termine und To Do´s zu organisieren.

Würdet ihr sagen, dass die Organisation des Alltags sehr zeitaufwendig ist?

Josi: Durch unser wöchentliches Planungsmeeting empfinde ich die Organisation im Alltag überhaupt nicht als zeitaufwändig. Auch unser Planungsmeeting selbst dauert nicht lange. Insgesamt vielleicht eine halbe Stunde. Dafür müssen wir dann aber die restliche Woche kaum planen, außer es kommt etwas Spontanes auf. Daher klappt die Organisation meiner Meinung nach super und bisher gingen auch noch keine Termine verloren.

Marcel: Ich finde es nicht sehr aufwendig, den Alltag zu organisieren. Man muss es halt regelmäßig machen. Aber mit unserem wöchentlichen Planungsmeeting kriegen wir das in kurzer Zeit gut hin. Dadurch gehen auch keine Termine verloren und wenn mal spontan was dazwischen kommt, weiß der jeweils andere schon, wann was ansteht. Ein großer Vorteil bei unserer Planung ist auch, dass sie online vom Handy verfügbar ist, so hat man immer alles dabei.

Habt ihr einzeln Hobbies, oder macht Sport? Wann findet ihr Zeit dafür?

Josi: Ja, wir haben auf jeden Fall jeder unsere Hobbies. Ich lese zum Beispiel super gerne oder bin kreativ (z.B. Handlettering). Das ist etwas, wofür ich momentan viel zu wenig Zeit habe und was ich gerne ändern würde. Allerdings liegt meine Priorität momentan auf dem Aufbau meines Business, deshalb stecke ich die meiste freie Zeit, die ich habe, hier rein. Das ist auch der Grund, warum ich momentan gar keinen Sport mehr mache. Seit Anfang des Jahres hatte ich eine gute Routine für mich etabliert, mit 4x pro Woche Sport (Yoga, Hula Hoop, Fahrrad fahren). Aber ich musste mir nun eingestehen, dass das zur Zeit einfach mehr Stress und Druck verursacht, als mir gut tut. Ansonsten nehme ich mir die Zeit für meine Hobbies abends, wenn die Kinder schlafen oder am Wochenende, wenn wir uns gegenseitig Freiräume ermöglichen.

Marcel: Ja, Hobbys haben wir, aber die Zeit dafür ist sehr knapp bzw. lässt sich oft nur schwer einrichten. Gerade jetzt, wo auch die Eingewöhnung der Kleinen ist, geht die meiste freie Zeit in die Care-Arbeit. Abends hat sich dadurch auch aktuell noch keine Schlafroutine eingestellt, wodurch auch da kaum Zeit für Hobbys ist. Ich mache 6x pro Woche Sport und trainiere mit Kettlebells. Die Einheiten gehen so ca. 30 Minuten und das mache ich nach Möglichkeit in meiner Mittagspause oder vorm Abendessen. Das klappt ganz gut.

Was ist mit Paar-Zeit, wann bekommt ihr die unter?

Josi: Paarzeit in unseren Alltag zu integrieren ist auch immer eine große Herausforderung für uns, da wir leider kein “Dorf” haben, das uns unterstützt. Wir nutzen gerne unsere Mittagspause, wenn wir beide im Home Office sind, um Zeit miteinander zu verbringen und bauen immer wieder kleine Inseln in unseren Alltag ein, indem wir die Momente nutzen, in denen unsere Töchter ins Spiel versinken und uns gerade nicht brauchen. Dann ziehen wir uns in die Küche zurück und trinken gemeinsam eine Tasse Kaffee/Tee oder setzen uns zusammen auf die Couch. Der Samstagabend ist ebenfalls für uns als Paar reserviert und da nehmen wir uns nach der Einschlafbegleitung immer etwas Schönes vor. Zusätzlich versuchen wir 1x im Monat einen Tag für uns zu organisieren, wo wir ohne Kinder ausgehen.

Marcel: Wir haben für Paarzeit aktuell mehrere Zeitfenster in der Woche eingeplant. Ansonsten würde das leider viel zu oft im Alltag untergehen. Aufgrund der Corona-Pandemie war auch leider das regelmäßige ‘zusammen was Unternehmen’ kaum möglich. Das wollen wir aber auch wieder mehr einplanen.

Habt ihr mit den Kindern außer der Betreuung Hilfe?

Josi: Unsere Unterstützung besteht eigentlich nur aus der Kita und meiner Mutter. Mit meiner Mama versuchen wir 1x im Monat einen Tag zu finden, an dem sie vorbei kommt und auf unserer Mädels aufpasst, sodass wir kinderfrei haben und etwas als Paar unternehmen können.

Marcel: Genau. Außer der Kita und meiner Schwiegermutter haben wir keine Hilfe. Da die Schwiergermutter leider auch ca. eine halbe Autostunde entfernt wohnt, steht uns da auch keine spontane Unterstützung zur Verfügung. Deswegen würde es auch ohne flexible Arbeitszeiten gar nicht funktionieren. Das ist leider ein Problem, das in unserer Gesellschaft nicht sichtbar gemacht wird, da immer noch das klassische Modell mit der kümmernden Vollzeit-Mutter als allgemein gegeben gilt. Babysitter und/oder Au-Pair ist auch immer eine Geldfrage, die sich nicht alle Familien leisten können.

Wie seid ihr durch die Corona-Zeit gekommen?

Josi: Ich denke im Vergleich zu vielen anderen Familien hat uns Corona nicht so dolle erwischt. Wir haben das Privileg, in einem Haus mit Garten zu wohnen und zu zweit zu sein. Zudem war ich bis Mai 2020 in Elternzeit, wodurch wir etwas mehr Zeit hatten, die Betreuung für meinen Wiedereinstieg zu organisieren. Wir haben dann auch pünktlich zu meiner Rückkehr in den Job einen Platz in der Notbetreuung für unsere Töchter bekommen, was ein großes Glück war. Und wir hatten beide keine Verdienstausfälle durch Kurzarbeit. Allerdings hatten auch wir mit Herausforderungen zu kämpfen. So war es z.B. sehr schwer, dass unsere große Tochter anfangs nicht in die Betreuung konnte, da sie die Kita und ihren Alltag dort liebt. Sie hat auch ihre Freunde sehr vermisst und das zu begleiten hat uns viele Ressourcen und Kraft gekostet.

Marcel: Corona hat zwar schon sehr viel Kraft gekostet. Aber ja, wir haben es noch sehr gut erwischt. Kein Homeschooling, keine Gehaltseinbußen durch Kurzarbeit o. Ä., kein “Lagerkoller” dank ausreichend Wohnraum mit Garten. Aber gerade für unsere große Tochter war es schwer, als in den Lockdowns keine Kita war. Ihr hat der fehlende Kontakt zu ihren Freund:innen zu schaffen gemacht. Da war es schwer, sie entsprechend zu begleiten, da die Situation für ein Kind kaum zu verstehen ist.

Habt ihr das Gefühl, genug Zeit mit den Kindern zu verbringen?

Josi: Grundsätzlich ja. Allerdings gibt es natürlich immer mal wieder Phasen, in denen es viel zu tun gibt oder auch aktuell bei mir mit dem Aufbau meiner Selbstständigkeit, wo ich merke, dass es teilweise zu kurz kommt im Alltagstrubel. Da hilft es mir, immer wieder konkrete Zeiten einzuplanen, in denen ich mich dann ganz auf die Familie konzentriere und nichts anderes tue.

Marcel: Ja, das auf jeden Fall. Allerdings ist dann oft nicht richtig Zeit, um sich ausschließlich auf die Kids zu konzentrieren. Gerade unter der Woche müssen noch Aufgaben erledigt werden, obwohl die Kids schon nicht mehr in Betreuung sind, wie z. B. kochen. Das stört mich, lässt sich aber auch kaum vermeiden. Dafür versuche ich am Wochenende möglichst keine To-Dos mehr offen zu haben.

Sprechen wir über den Haushalt: wie teilt ihr euch hier auf?

Josi: Wir haben hier Aufgaben für uns definiert, die jede Woche erledigt werden müssen und an denen daher kein Weg vorbeiführt. Das sind so Dinge wie Einkaufen gehen, saugen, wischen und Bad putzen. Diese Dinge haben wir dann gerecht aufgeteilt. Zusätzlich hat jeder noch Aufgaben, die seltener erledigt werden müssen und man dann individuell schauen kann, wann man das macht.

Gibt es Aufgaben, die einer von beiden typischerweise immer übernimmt? (Bsp: kochen er, waschen sie)

Josi: Ja, die gibt es. Wir haben eigentlich so gut wie alle Aufgaben fest verteilt. Marcel wäscht zum Beispiel die Wäsche und ich lege sie dann zusammen und räume sie ein. Er putzt das Bad, ich gehe dafür Lebensmittel einkaufen. Es gibt wenige Dinge, die wir spontan machen. Die Spülmaschine ist so etwas. Das macht eigentlich immer die-/derjenige von uns, die/der gerade Zeit hat.

Marcel: Ja, wir haben eigentlich fast alles fest verteilt, um ständige Diskussionen über die Verteilung zu vermeiden. So hat man seine To-Dos im Blick und kann sich darum kümmern. Außerdem bekommt man dadurch ja eine Routine, wodurch die Aufgaben schneller erledigt werden können.

Wer hat die Orga, also den Mental Load, in der Hand? 

Josi: Auch den Mental Load teilen wir uns auf. Allerdings habe ich da definitiv mehr auf meiner Liste stehen als mein Mann. Dafür übernimmt er dann die ein oder andere Aufgabe im Haushalt mehr. Das war eine bewusste Entscheidung von uns, da wir so unsere Stärken besser einsetzen können. Ich organisieren und plane sehr gerne und bin darin auch gut. Marcel mag das eher nicht so. Dafür stört es ihn nicht, zu putzen. Ich hingegen hasse alles, was mit Putzen zu tun hat.

Marcel: Wir haben bei unserer 50/50-Aufteilung alle Bereiche als Ganzes gesehen und dann in einigen Bereichen auch eine Verschiebung weg von 50/50, weil das einfach mehr den Stärken und Vorlieben entspricht. So auch beim Mental Load, da hat Josi definitiv mehr, weil ihr das gerade bei Geburtstagen und so deutlich leichter fällt. Ich tue mir mit Geschenken bzw. Feiern organisieren unheimlich schwer.

Josi: Eine typische Mental Load Aufgabe, die bei Marcel liegt ist zum Beispiel alles, was mit dem Kinderarzt zu tun hat (U-Untersuchungen, Termine vereinbaren, Impfen,…) oder auch alle To Do´s rund um unsere Autos (TÜV, neue Reifen,…). Ich bin zuständig für alle Geschenke, die Geburtstagsfeiern oder auch die Garderobe unserer Töchter. Es gibt auch Dinge, die wir zusammen planen, wie z.B. Urlaub.

Seid ihr beide zufrieden mit eurem Haushaltssystem?

Josi: Grundsätzlich ja. Ich finde, dass wir uns fair aufteilen, was mir sehr wichtig ist, und dass es auch gut klappt. Dennoch würde ich nicht ausschließen, dass wir in Zukunft einzelne Bereiche auslagern, um Zeit zu gewinnen.

Marcel: Ja, ich bin grundsätzlich zufrieden, wie es läuft. Aber es ist trotzdem eigentlich viel zu viel Hausarbeit zwischen Erwerbsarbeit, Hobbys, Kindern und Paarzeit. Das ist fast unmöglich zu balancieren, außer man macht z. B. Abstriche beim Gehalt und reduziert deutlich die Erwerbsarbeit

Josi: In Zukunft hätte ich gerne eine Putzhilfe, die uns 1x pro Woche unterstützt.

Wie habt ihr die Finanzen geregelt?

Josi: Wir haben ein gemeinsames Konto, auf das all unsere Einnahmen gehen. Hier gehen auch unsere Fixkosten ab und die variablen Kosten wie z.B. Lebensmittel und Drogerie. Zusätzlich haben wir noch Unterkonten, die z.B. für unseren Notgroschen oder den Urlaub sind. Dann hat jeder noch ein Konto, auf das wir uns den gleichen Betrag jeden Monat einzahlen. Mit diesem Geld können wir tun, was wir wollen. Jeder von uns sorgt auch nochmal separat fürs Alter vor.

Wie seid ihr selbst aufgewachsen?

Josi: Meine Mutter war alleinerziehend und musste daher schon immer alleine für unseren Lebensunterhalt sorgen. Für mich war es also ganz normal, dass meine Mama viel arbeitet und so auch nicht immer zu Hause ist. Ich fand das aber nie schlimm, sondern habe, im Gegenteil, große Bewunderung dafür und bin dadurch auch schon immer so eingestellt gewesen, dass ich alleine für mich und meine Kinder sorgen können will und von niemandem abhängig sein möchte.

Marcel: Ich bin im traditionellen Familienmodell mit arbeitendem Vater und kümmernder Mutter aufgewachsen. Dadurch war ich zu Beginn unserer Familienplanung auch sehr in diese Richtung geprägt. Ich habe aber schnell für mich gemerkt, dass diese Rollenverteilung nicht dem entspricht, was ich mir für mich und unsere Familie wünsche.

Findet ihr euer System gerecht, seid ihr glücklich damit?

Josi: Ich finde unser System auf jeden Fall gerecht und bin zufrieden damit. Glücklich wäre ich, wenn wir in Zukunft etwas mehr auslagern könnten, um die Zeit, die aktuell für den Haushalt draufgeht, für uns als Familie zu haben. Außerdem überlegen wir, zusätzlich zu meiner Mama, noch eine Babysitterin zu suchen, um uns flexibler Zeit als Paar nehmen zu können.

Marcel: Ich empfinde unser System als gerecht und bin auch glücklich damit. Das einzige, was mich stört ist einfach, dass der Workload an sich für uns als Eltern ohne regelmäßige Unterstützung durch weitere Personen wie z. B. Oma/Opa eigentlich zu viel ist.

Was würdet ihr euch anders wünschen?

Josi: Ich würde mir wünschen, dass wir eine Putzhilfe beschäftigen, sodass hier ein großer Batzen an Arbeit wegfallen würde und wir stattdessen das, was übrig bleibt untereinander aufteilen und die freie Zeit in uns als Familie und in unsere Partnerschaft investieren. Gerade für das Thema Partnerschaft und Zeit zu zweit wäre auch eine Babysitterin toll. Da das aber auch ein finanzielles Thema ist, müssen wir mal schauen, was in Zukunft möglich ist.

Marcel: Mir geht es da wie Josi. Ich wünschte mir auch, wir könnten Arbeit auslagern, um mehr Freiheit und Ruhe in den Alltag zu bringen. Das ist aber halt vor allem ein finanzielles Thema. Wobei wir mit einer Haushaltshilfe einmal schlechte Erfahrungen gemacht haben. Mal schauen, was wir in Zukunft möglich machen können.

Was würdet ihr euch vom Staat, von eurem Umfeld, vom Arbeitgeber wünschen?

Josi: Ich würde mir vom Staat viel mehr Unterstützung für Eltern wünschen. Ich würde mir wünschen, dass es weniger Schließzeiten in den Kita´s gibt und die Betreuungszeiten ausgebaut werden. Generell, dass es für jedes Kind möglich ist, die Kita ganztags zu besuchen, wenn das gewünscht ist und nicht nur, wenn es wegen der Arbeitszeiten der Eltern gebraucht wird. Hierfür ist natürlich auch der passende Betreuungsschlüssel nötig, um eine qualitativ hochwertige Betreuung zu sichern. Das gleiche gilt auch für die Schulen. Ansonsten würde ich mir mehr Verständnis von Arbeitgeber:innen für Eltern und ihre Bedürfnisse wünschen. Vor allem für Mütter. Hier werden nach der Elternzeit oft ganz wichtige Ressourcen verschenkt, da Mütter gedanklich aufs Abstellgleis gestellt werden und als weniger leistungsfähig gelten. Das ist aber nicht der Fall. Gerade Mütter machen durch die Geburt eine Persönlichkeitsentwicklung im Schnelldurchlauf durch und erwerben ganz viele neue Kompetenzen, die sich wunderbar ins Arbeitsleben übertragen lassen. Und von der Gesellschaft an sich würde ich mir wünschen, dass weniger geurteilt wird. Dass weniger nach rechts und links geschaut wird, sondern darauf, was man selbst für sich und seine Familie möchte und dass akzeptiert wird, dass es unterschiedliche Familienmodelle gibt und keins besser oder schlechter als das andere ist.

Marcel: Vom Staat wünsche ich mir deutlich mehr finanzielle Unterstützung für Familien. Ein Ausgleich der Gehaltseinbußen bei einer Reduzierung der Arbeitszeit wäre sinnvoll und würde sicherlich vielen Familien helfen, alles in Balance zu bringen. Steuerliche Entlastungen als solches müssten auch ausgeprägter sein. Auch der Ausbau der Ganztagsbetreuung müsste schneller voran gehen. Die Arbeitswelt sollte endlich mal erkennen, welchen großen Mehrwert Mütter für Unternehmen bringen können, anstatt ständig vor Fachkräftemangel zu warnen.

Was kommt immer zu kurz?

Josi: Gefühlt ist das fast immer die Paarzeit, da unsere Töchter noch so klein sind und wir eben nur wenig Möglichkeiten für ihre Betreuung haben. Wir bauen zwar immer wieder Paarzeit im Alltag ein, aber wenn es stressig ist oder viel los ist, fällt sie eben auch schnell hintenüber.

Marcel: Ruhe, Hobbys, Schlaf, Paarzeit

Was stresst euch im Alltag am meisten?

Josi: Die Fremdbestimmtheit. Mit Kindern weiß man nie, was als Nächstes passiert und oft genug fallen die sorgfältigst geschmiedeten Pläne komplett in sich zusammen, wenn z.B. ein Kind krank wird. Ich bin sehr ordnungsliebend und habe gerne immer einen Plan. Zu akzeptieren, dass dieser Plan ständig durchkreuzt werden kann, ist eine Herausforderung für mich.

Marcel: Das ständige Balancieren der verschiedenen Bedürfnisse. Da möchte grade Kind A noch was spielen, aber eigentlich müsste man schon kochen, damit die Kids auch rechtzeitig ins Bett kommen. Oder man möchte abends ein bisschen seinem Hobby nachgehen und dann dauert aber die Einschlafbegleitung ewig. Das stresst und macht mich manchmal richtig unzufrieden.

Und was macht am meisten Freude?

Josi: Am meisten Freude machen mir die Momente, in denen wir als Familie oder Paar einfach im Moment sind und völlig losgelöst von To Do´s oder sonstigen Verpflichtungen eine gute Zeit miteinander verbringen. Zudem liebe ich es, wenn ich Zeit für mich alleine habe und so sehr in meine Projekte versinken kann, dass ich die Zeit vergesse und völlig im Flow bin.

Marcel: Die Kinder durch ihr Leben zu begleiten und zu sehen, wie toll sie sich entwickeln. Auch die Zeit die man bewusst mit der Familie verbringt und gemeinsame Erlebnisse und Erinnerungen schafft. Das ist die größte Freude.

Danke, ihr Beiden!

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