Einfach im Moment sein! Jeremy Caulfield with Atticus and Opal .

Jeremy, Kyla und ihre beiden Kinder Atticus (3) und Opal (1) sind eine richtige Berliner-Expat Bilderbuchfamilie: Mit Background in der Clubszene haben sie ein kleines Gastro-Imperium aufgebaut und wohnen natürlich in Berlin Mitte. Ihr lockerer Unternehmergeist ist ansteckend – fast wirkt es, als würden sie ein wachsendes Business und zwei Kleinkinder ganz nebenbei schaukeln. Dahinter steckt allerdings keine Zauberei, sondern viel Organisation und Leidenschaft. Neben einem Bistro und einer Bar, haben sie vor kurzem die Berliner Gastro-Szene mit einem weiteren Highlight bereichert: Ein richtiger nordamerikanischer “Cake Shop”!

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Hallo Jeremy! Wir kennen uns ja eigentlich von Parties vor Jahren, also du noch Techno DJ warst. Plötzlich sehe ich dich auf dem Spielplatz mit zwei süßen Kindern. Was ist passiert?

Haha! Das Leben ist passiert! Aber ich bin sehr glücklich damit. Ich habe mich irgendwie wieder in Berlin verliebt und bin froh, so viele Seiten der Stadt erlebt zu haben: etwas dunkle Berliner Underground Szene, die kreative Elektro-Szene und jetzt eben die vielen Parks, grünen Ecken und verschiedenen Kieze. Wenn man Kinder hat muss man immer aktiv bleiben, um ihnen spannende Dinge bieten zu können. Es war der perfekte Moment in meinem Leben, diesen Schritt zu tun!

Wo geht ihr gerade am Liebsten hin?

Auf jeden Fall in den Tiergarten. Wir sind dort sehr oft. Dorthin sind wir geflüchtet, als es im Sommer so heiß war, und im Winter, um uns vor der Kälte zu schützen – wie richtige Entdecker! Die Kinder schlafen zum Glück gerne im Buggy. Der Tiergarten ist toll zum Spazierengehen, die Kinder entspannen sich, genießen die Natur, spielen und schlafen irgendwann. Und dann kann ich mich auch ein bisschen bewegen. Der Garten verändert sich aber mit jeder Jahreszeit.

Du, deine Frau Kyla und dein Schwager betreiben Aunt Benny gemeinsam. Seit Neuestem habt ihr auch den Aunt Benny Cake Shop in der Markthalle Neun – ein richtiges Familienunternehmen also! Kannte jemand von euch sich in der Gastronomie aus oder habt ihr gemeinsam bei Null angefangen?

Wir haben uns alles selbst beigebracht. Wir haben alle eher Design-Backgrounds und sind irgendwie in das Restaurant-Business gerutscht – wie so viele in Berlin. Aber je mehr wir unsere gastronomische Seiten entdeckt haben, desto öfter haben wir auch Talente in unserer Familie aufgedeckt: Kylas Mutter kann zum Beispiel wunderbar backen! Außerdem hat Kanada auch eine besondere gastronomische Vergangenheit – all das sind Einflüsse, die uns geprägt haben.

Wer bleibt zuhause, wenn eines der Kinder krank ist?

Unsere morgendlichen Frühstücke sind nicht nur dazu da, um zu schauen, wie wir die Kinder organisieren, sondern auch, was wir alles erledigen müssen. In der Gastronomie kann jederzeit alles Mögliche passieren und das sehr schnell. Daher bleibt der zuhause, der weniger zu tun hat. Und das ändert sich jeden Tag. Die Kinder gehen aber auch nicht in die Kita, sobald wir merken, dass sie angeschlagen sind, weil sie nämlich genau dann besonders anfällig fürs Krankwerden sind. Wir entscheiden dann auch entsprechend, was unternommen werden soll: Ich bin der Typ fürs Aquarium und den Tiergarten. Ich mag die Spaziergänge mit den Kindern sehr und es ist gut für ihre Gesundheit!

Was sind die Vor- und Nachteile davon, Kinder in Berlin aufzuziehen? Vermisst ihr euer Zuhause manchmal?

Mit zwei Kindern und verschiedenen Läden fehlt manchmal die Familie, die helfen könnte. Wir sind physisch gesehen ziemlich auf uns gestellt, aber nicht im Geiste! Mir fehlen auch unsere Familientreffen und dass unsere Kinder ihre Großonkels und -tanten nicht kennen ist schade. Ich träume von einem schönen Landhaus in Kanada, irgendwann einmal. Und trotzdem: Berlin ist wirklich eine sehr freundliche und großzügige Stadt, wenn es um Kinder geht. Alle haben ein Herz für Kinder und und wir haben viele wunderbare und fürsorgliche Menschen getroffen, die es einfacher machen, Eltern zu sein. Mal ganz abgesehen von der Hilfe des Staates! Toll sind auch all die Parks und grünen Ecken in Berlin. Als ich klein war hatte ich einen kleinen Hof hinter dem Haus und eine Schaukel. Hier in Berlin haben Atticus und Opal wundervolle Möglichkeiten, Selbstvertrauen zu erlangen und motorische Fähigkeiten – besonders mit den vielen tollen Spielplätzen und den manchmal etwas gruseligen Klettergeräten.

Woher in Kanada seid ihr eigentlich beide?

Ich bin in Montreal geboren und Kyla und Alexander, ihr Bruder, sind aus Toronto. Ich bin dort aber auch aufgewachsen. Es ist wirklich eine Stadt für Menschen, die gerne essen…

Wie habt ihr euch organisiert als die Kinder noch Babys waren? Mit eurem eigenen Business, das man ja nicht einfach für Wochen schließen kann?

Kyla hat wirklich bis zum letzten Tag der Schwangerschaft gearbeitet und danach auch relativ schnell wieder angefangen. Wir hatten da keine Wahl, glauben aber, dass das gut für die Kinder war. Sie sind sehr aktiv, freundlich und selbstsicher und sie lieben es, unter Leuten zu sein. Kyla hat mit Atticus auf dem Arm Interieur-Design gemacht und wir haben oft bis spätabends im Café gearbeitet, während die Kinder nebenan geschlafen haben. Jetzt wo sie älter sind, brauchen sie mehr Routine, aber sie sind gerne dabei, helfen auch mal ein bisschen mögen es, wenn etwas los ist.

Deine Frau Kyla ist Interieur-Stylistin, was man definitiv an euer schönen Wohnung sieht! Wo findet sie all diese schönen Dinge und Möbel in eurem Wohnzimmer?

Ja, sie hat ein wirklich gutes Auge und hat jahrelang für Sammler und Läden, die Fünfziger-Jahre-Möbel verkaufen, gearbeitet. Sie ist Expertin für Ebay und andere Onlineshops und hat immer lauter Benachrichtigungen auf dem Telefon, die sie daran erinnern, etwas zu kaufen oder zu ersteigern. Sie liebt es, Schnäppchen zu machen (jedenfalls verkauft sie mir das so). Kyla hat auch das Design für das Café und den Cake Shop gemacht und viele gute Anbieter. Hauptsächlich braucht es aber einfach Zeit, ein Sammler zu sein und es muss auch Spaß machen! Oft kommen die guten Deals erst spätabends.

Nun zu eurem neuen Projekt: dem Cake Shop. Was war die Idee dahinter? Warum braucht Berlin mehr Kuchen?

Bei uns gibt es hauptsächlich nordamerikanische Kuchen, die ganz anders als die deutschen sind, wenn es um Herzhaftigkeit und Süße geht. Unser Cheesecake zum Beispiel ist ein richtiger New York Cheesecake, der im Wasserbad gebacken wird, eine absolute Geduldsprobe. Außerdem bieten wir im Shop auch Papeterie und Deko für Geburtstage und allerhand Feiern an – denn wenn man einen Kuchen kauft, braucht man das ja oft auch. Man kann bei uns auch Last Minute einen ganzen Kuchen kaufen – alle am selben Tag gebacken. Und dazu passt dann wieder wunderbar unser Party-Zubehör!

Was ist das Anstrengendste am Papa-Sein?

Irgendwie einfach nicht gut sein in vielen Dingen: E-Mails vergessen, Networking-Möglichkeiten verpassen oder lange offline sein, weil sobald man seinen Computer öffnet, vier kleine Hände daran kleben. Aber die blödesten Dinge, waren oft eigentlich das Beste für mich: Gerade das offline- sein, das Telefon weglegen und einfach im Moment sein!

Und was ist das Beste?

Die kleinen Stimmen, die einen morgens um sechs Uhr wecken… “Daddy, wake up! Let’s play!”

Danke Jeremy!

 

Schaut euch Jeremys und Kylas Aunt Benny an.

Jeremy Caulfield und Kyla Boyle mit Atticus (3) und Opal (1), Dezember 2016

Photography: Sarah Winborn
Interview: Marie Zeisler


Jeremy, Kyla and their two children Atticus (3) and Opal (1) are the perfect Berlin expat family. Coming from a party background, then opening up a restaurant business, living in Berlin Mitte – their on-the-go entrepreneur spirit is truly inspiring. You begin to believe that everything is possible, even with two toddlers on board! The two Canadians have been living in Berlin for years. They opened up a café, bistro, and a bar and just recently enriched the Berlin food scene with another food highlight: A North American style cake shop!

Hello, Jeremy! We know each other from parties, years ago when you still were a techno DJ. Suddenly, I met you at a playground with two very sweet kids. What happened?

Ha-ha. Life happened! But I’m very happy with it. I’ve fallen in love with Berlin again. I feel blessed to have been exposed to so many sides of the city; the seedy underground side, the creative electronic side, and now the parks, green spaces, and neighborhoods of the city. With kids, you have to stay on your toes to find exciting things to do. It was the perfect stage of life to do this!

What is your favorite spot in Berlin with kids at the moment?

Definitely Tiergarten. We make use of the park a lot. This is where we head to escape the heat in summer, and in winter to get some shelter from the cold, just like explorers. The kids also love sleeping in their cart. Tiergarten is such a great walk for us and the kids just relax, take in nature, play and then usually fall asleep, and then I get a bit of exercise. The garden is always different through each season.

You, your wife Kyla and your brother in law successfully run a bistro called Aunt Benny, a bar and a super cool cake shop at Markthalle Neun in Berlin.  It’s a real family business! Did you start in food services from scratch or does one of you have a background there?

Yes, we are all 100% self-taught. We all come from design backgrounds and fell into the restaurant business (as so many people in Berlin have).  But the more we discovered our gastronomic sides, the more we also uncovered our families skills (Kyla’s mom is an excellent baker). Canada’s gastronomic past and these influences have shaped our way of thinking.

Who stays at home when one of the kids is sick?

Our morning breakfast consists of not only organizing the kids for the day but also checking out what’s on the plate for us. In the catering trade, anything can happen and it can happen quickly, so we choose who stays home based on whose schedule is less packed. That changes daily, but we also keep the kids home if we notice they are getting worn out, as that’s when sickness sets in. Then we assign who stays at home based on activity. I seem to be the aquarium / Tiergarten guide. I love walking the kids through Tiergarten to get their lungs and health back up to where it should be.

Raising two kids in Berlin – what are the advantages and disadvantages? Do you miss home sometimes?

With two kids and multiple businesses, I often miss just having my parents around or any family member to help out. We are quite on our own physically although definitely not in spirit. I also miss family gatherings and that our kids don’t really know their great uncles and aunts. I do also dream of a beautiful cottage in Canada at some point. But let’s not get confused. Berlin is a very hospitable and generous city for raising children. Children are on everyone’s minds, and we have been lucky to meet some amazing and caring people who have made parenthood easier – Not to mention help from the state.  All the green spaces and parks that Berlin has are also a plus. When I was a child, all I had was a little backyard and a swingset from the building & repair store. Here, Atticus and Opal have wonderful opportunities to develop self-confidence and motor skills with all the amazing parks and sometimes-spooky climbing apparatuses.

From where in Canada are you from exactly? And Kyla?

I was born in Montreal, and Kyla and Alexander are from Toronto, but I also grew up in Toronto. It’s a real eaters town.

How did you organize yourselves when the kids were still Babies while running your own business, which you can’t just close down for weeks?

Kyla worked up to the last day of having both babies and was back to work shortly after. It’s made our babies active, friendly, confident, and happy to be around people. We are grateful for this forced opportunity. Kyla worked on designing spaces for clients with Atticus in his wagon or chair and we often worked late nights at the café with the kids sleeping in their carriages or being close-by. Now, that they are older, they need more of a routine. But they are very good at visiting workplaces or pitching in with some help, and they love people.

Your wife Kyla is an interior stylist, which you can definitely see in your beautiful apartment. Where does Kyla find all those beautiful things, for example, the furniture in your living room (maybe the table, couch, etc.)?

Kyla is an excellent picker and worked for years with mid-century furniture collectors and shops. She is an expert on Ebay and other online gems and has lots of things beeping and warning her to get busy and get online to bid. She loves finding stuff for good prices (or so she tells me). She also does all the design for the café, so she comes across a lot of good suppliers. Mostly you need time to be a collector, and you need to be entertained by it because it seems the good deals are always around 11 pm.

About your new cake shop: What is the idea behind it? Why does Berlin need more cake?

We feature mostly North American style cakes that differ greatly from their German counterparts in sweetness and savouriness. Our Cheesecake is a real New York cheesecake baked in a water bath, which is a true test of the baker’s patience. Additionally, our stand is a one-stop shop for birthdays and celebrations. You can pick up a full cake, often very last minute as the stand features full cakes baked fresh on a daily basis. We also have a lot of cool party supplies that will just make your party that much more special.

What’s the most annoying part about parenthood?

Kind of sucking at stuff and forgetting things like dropped emails, missed networking opportunities, being offline for large stretches of time – because if you open your computer, 4 little grubby hands are on it in 3 seconds. But some of the most annoying things have been the best for me: like being offline, putting the phone away and just being present.

What’s the best part?

Those little voices that pop up every morning at 6 am “Daddy, wake up… let’s play …”

Thank you, Jeremy!

 

Have a look at Jeremys and Kylas restaurant business Aunt Benny.

Jeremy Caulfield and Kyla Boyle with Atticus (3) and Opal (1), December 2016

Photography: Sarah Winborn
Interview: Marie Zeisler