Was müssen Kinder “aushalten”?

BabylonstorenIhr Lieben, wir sind zurück aus der Osterpause und ich bin auch zurück aus Kapstadt. Zumindest physisch! Zum Start will ich gleich mal eine Sache mit euch teilen, die mich schon lange beschäftigt.

Wir geben hier ja keine Erziehungstipps, aus gutem Grund, denn wir haben schlicht keine Ahnung von der Materie, sind blutige Anfänger und erwischen uns immer wieder dabei, unsouverän und so weiter zu sein. Nein, nein, das sollen andere übernehmen, wir haben hier wenig zu melden. Aber so ein bisschen austauschen können wir uns ja dennoch, oder?

Eine langjährige Grundschullehrerin berichtet

Vor kurzem gab es bei StadtLandMama einen Gastbeitrag von einer Grundschullehrerin, der mich nachhaltig beeindruckt hat. Nicht wegen den Erzählungen über “Helikopter-Eltern”, die bei der Lehrerin anrufen und sich über die Sitzordnung beschweren (?!), oder die ihren Kindern noch in der vierten Klasse den Ranzen ins Klassenzimmer tragen. Über die, die ihre Kinder als “Projekt” ansehen. Das wusste ich, das überrascht mich wenig.

Ich fand es aber interessant, dass sie berichtet, das Konzentrationsvermögen der Kinder hätte sich nicht verändert (denn man hat das Gefühl, dass in den letzten zehn Jahren “ADHS” und “Konzentrationsschwäche” Modebegriffe geworden sind) und vor allem, dass viele Kinder nicht gemeinschaftlich denken können, nichts tun wollen, was ihnen nicht passt und keinen “Frust” aushalten können.

Liegt das wirklich daran, dass in den letzten Jahren anders erzogen wurde, als noch vorher? Und wenn ja: was müssen Kinder “aushalten” können, wo können – oder besser: müssen – wir etwas ändern?

Ich glaube, dass Kinder heute tatsächlich mehr Mitspracherecht haben, dass sie von klein auf zu mehr Selbstbewusstsein erzogen werden, dass ihre Wünsche und Bedürfnisse ernster genommen werden als noch vor zehn Jahren (übrigens habe ich das in Südafrika genauso beobachtet und diskutiert, wie in Deutschland). Und ich glaube, dass das eine gute Entwicklung ist, die aber natürlich auch zu Reibereien führt. Kinder lassen sich heute vermutlich wirklich ein bisschen weniger sagen und das passt nicht in unser preußisch geprägtes Schulsystem.

Dennoch glaube ich auch, dass Kinder lernen müssen, dass man in der Schule eben manchmal Dinge tun muss.

Weil das im Leben so weitergeht!

Aber wo soll man als Eltern ansetzen, um die Frust-Toleranz nach oben zu schrauben? Ich muss dabei auch immer an diesen doofen Artikel aus der Huffington Post denken, “Warum Eltern Angst vor ihren Kindern haben“. Ich fand den wirklich doof, weil platt und generalisierend. Da heißt es zum Beispiel: “Ein Baby muss lernen, sich selbst zu beruhigen”. Das sehe ich nicht so. Ich finde, wir dürfen den Babys dabei ruhig noch ein Weilchen helfen und sollten sie nicht weinen lassen.

Und in dem Artikel steht außerdem etwas vom Trinkbecher-Test. Ob die Mutter dem Kind einen anderen Becher bringt, weil der eine nicht passt. Ganz ehrlich? Ich mache das manchmal. Nicht weil ich Angst vor einem Wutanfall habe, sondern weil ich es nicht schlimm finde, wenn nett gefragt wird. Und weil ich keine Lust habe, wegen einem Becher zu streiten. “Choose your battles”.

Ich streite auch nicht, wenn das Kind zum Beispiel wirklich zu müde ist, um weiterzulaufen. Ich habe festgestellt, dass das überhaupt nichts bringt. Wenn wirklich keine Kraft mehr da ist, dann strengt das Diskutieren doch nur noch mehr an. Ich finde dann Kompromisse, oder nehme das Tempo raus. Manchmal darf er auch noch in den Kinderwagen, manchmal! (siehe Bild: sieht das absurd aus, so ein großes Kind im Kinderwagen…)

Bei anderen Dingen bin ich aber relativ konsequent: Toiletten-Hygiene, Aufräumen, solche Dinge. Auch wenn ich mich hunderttausendmillionen Mal wiederholen muss, ich bleibe dabei. Ich glaube also, dass mein Kind schon lernt, auch mal Frust auszuhalten. Dinge zu tun, auf die er gerade keine Lust hat.

Aber ist das genug?

Was ich mich auch frage: Es ist ja nicht nur das Elternhaus, in dem Kinder lernen, sozial zu agieren, zu teilen, aufzuräumen, gemeinschaftlich zu denken und auch mal Dinge zu tun, die keinen Spaß machen. Meine Erfahrung ist, dass die Kinder das auch und vor allem im Kindergarten lernen und dass die Erzieher darauf sehr viel Wert legen. Bei uns im Kindergarten müssen zum Beispiel alle Kinder aufräumen. Und wegputzen, wenn sie Dreck gemacht haben. Sie müssen sich an gemeinschaftliche Regeln halten und so weiter. Und in unserem Fall klappt das alles auch sehr gut im Kindergarten und besser als zuhause. Insofern denke ich, dass Kinder eigentlich gut unterscheiden können – aber dann müsste es doch auch in der Schule klappen? Oder hat sich in den Kindergärten etwa auch so viel geändert in den letzten Jahren?

Also: Was müssen Kinder aushalten? Was hat sich genau verändert und was sollte sich ändern? Was denkt ihr?

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    2 days ago by littleyears Wenn Junio und Xaver das "bitte" oder "danke" sagen vergessen, werden sie von ihren Eltern daran erinnert. Katharina dagegen sagt, das müsse man gar nicht. Die Kinder würden es früher oder später ohnehin machen, wenn man ihnen Höflichkeit vorlebt. Bei ihrem Sohn hat das ganz wunderbar funktioniert. Was sagt ihr? Mehr dazu heute im Blog!

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