Rezension: Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen

man wird doch wohl mal wütend werden dürfen

Weil er, der (gewisser Weise) selbstgeschaffene Anlass es so will und ich ohnehin vorhatte, es zu besprechen, stelle ich heute ein Buch vor, das wir hier schon eine ganze Weile rumstehen haben – dessen Wert sich mir aber erst vor kurzem über einen Freund ins Bewusstsein betoniert hat.

Soweit, so Schachtelsatz. Es handelt sich um und wie ihr schon dem Titel dieses Posts entnommen habt um dieses Buch: Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen.

Wer die sechste Folge unseres Podcasts nicht gehört hat, wird sich nun vielleicht fragen: Anlass? Ja, aber welcher Anlass denn nur?

Wir haben in jenem Podcast darüber gesprochen, wie das so ist, bei uns und unseren Kindern und der Gewalt. Vor allem: wie wir damit umgehen. Jedenfalls erzürnte sich darüber wiederum der eine oder andere Leser in den Kommentaren im Blog, dass unsere Herangehensweise doch zu kurz gegriffen sei, wir müssten doch auch die andere Seite betrachten, usw. Dies nur kurz: sicherlich gerechtfertigt, die Kritik. Man richtet sich ja doch immer eher in der eigenen Perspektive ein, als in der des Anderen und kann immer das besonders gut nachvollziehen, was man oder respektive das Kind selbst erlebt. In meinem Fall, bzw. dem des Kindes, ist das vor allem die Opferperspektive.

Nun steckt mein Kind also eher ein, aber was dabei entsteht – habe ich den Eindruck – will sich auch Raum verschaffen. Und so sitzt mein Kind häufig abends neben mir auf der Couch, während wir lesen, oder liegt später neben mir im Bett und erzählt ganz unbedarft von seinem Tag und empört sich, wer mal wieder “gestänkert” hat. Zuweilen will es dann auch denjenigen auffressen oder nach Italien schicken. Es will deshalb manchmal auch nicht in die Kita gehen, oder Zäune um seinen Geburtstag im Park bauen, auf dass bestimmte Kinder keinen Zutritt finden oder übt sich in anderen Momenten in der Verteidigung: mit Ninja-Spinjizu-Moves, mit Schildern, aber auch Waffen.

Und dann schilderte er ganz eindringlich warum und mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Dieses Buch schafft Raum für Emotionen.

Jedenfalls: Dieses Buch steht also schon eine ganze Weile in unserem Regal. Ich kann mich erinnern, es irgendwann einmal gekauft zu haben, weil es die ZEIT als Teil ihres Kinderbuchkanons empfohlen hatte (eine Besprechung von der SZ findet sich wiederum hier). Ich kann mich aber auch erinnern, dass ich es aufschlug und dann damit erstmal nichts anzufangen wusste. Weil die einzelnen Geschichten darin scheinbar ins Nirvana verliefen, nicht aber in eine unmittelbare Erkenntnis oder eine Handelsempfehlung, wie sie in anderen Kinderbüchern häufig so überdeutlich formuliert sind.

Ich schlug es also erst Mal wieder zu, das Buch, und stellte es zurück ins Regal. Dort stand es eine ganze Weile, bis mich vor einem Monat ein guter Freund besuchte, der exakt darauf ansprang und sogar sprach, es sei das Lieblingsbuch seiner Tochter, aber würde auch von ihm sehr geschätzt.

Und dann schilderte er ganz eindringlich warum und mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Dieses Buch schafft Raum für Emotionen.

Ich bin ja immer sehr dafür zu haben, dass wir unser emotionales Spektrum nicht künstlich auf ein “gude Laune, Alter” verkürzen in der Annahme, alle anderen Stimmungsbilder seien nicht vertretbar. Als dürfte das Schlechte, die unguten Gefühle, die Wut, die Trauer, das Leid keinen Platz haben. Per se. Weil schlechte Emotionen nicht sein dürfen, sie nur weiteres Leid beflügeln (habe ich hier schon einmal drüber geschrieben).

“Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen” konterkariert genau diesen Anspruch. Es formuliert vor allem den Umgang und eine Gelassenheit gegenüber vermeintlich unguten Gefühlen, die der eine oder andere vielleicht schambesetzt zur Seite schiebt, die zuweilen und scheinbar nicht gefühlt, zumindest aber nicht gegenüber anderen kommuniziert werden dürfen: Der Zorn, die Habsucht, Stolz und Neid, Trägheit, Überdruss, Unmäßigkeit.

Was soll ich sagen: Ich motiviere mein Kind regelrecht all diese Gefühle zu feiern. Ihnen Raum zu geben, sie sein dürfen zu lassen, sie mit mir zu besprechen – und dabei hilft dieses Buch ungemein.

Weil es in ihm lauter kleine putzige Protagonisten gibt, denen es auch so geht: Dem Klippschliefer etwa, der darüber zürnt und rasend vergeht, dass die Sonne immer und immer wieder untergeht. Die nicht auf ihn hören mag und er nicht mehr kann, als das zuzulassen, ihr dabei einen jeden Tag zuzusehen. Ich wüsste meinem Kind nicht besser zu illustrieren, dass Gefühle manchmal einfach ausgesessen werden wollen – sie zuweilen einfach da und nicht aufzulösen sind, es nicht immer eine Lösung für jedes emotionale Problem gibt, weil wir keinen Einfluss darauf haben, was etwa Andere in uns bewirken, sehr wohl aber darauf, uns die Reaktion auf den Anderen zuzugestehen.

Und der Klippschliefer, er ist ja nicht alleine. Dem Regenwurm, dem Krebs, der Spitzmaus, dem Nilpferd und dem Nashorn geht es ja nicht anders. Der Kröte übrigens auch nicht:

Oder sie könnte eine Mauer um ihre Wut herum bauen.

“Es müsste aber eine sehr hohe Mauer sein, Kröte”,

sagte die Ameise. “Eine, über die man nicht klettern kann.”

“Oder springen”, sagte die Kröte.

“Oder springen”, sagte die Ameise.

Sie könnte ihre Wut auch aufessen, sagte die Ameise.

“Aufessen?”, fragte die Kröte.

“Ja”, sagte die Ameise, “Das geht auch. Du musst sie nur sehr schnell runterschlucken, die Wut, denn gut schmecken tut sie bestimmt nicht.”

Also: eine klare Empfehlung. Ich finde sogar: Gewisser Weise ist dieses Buch ein Standardwerk und schmückt jedes Kinderbuchregal. Und weil der gute Freund, auf den dieser Text hier auch ein gewachsen ist, ein Radiomensch und außerdem mit der besten aller Stimmen gesegnet ist, habe ich ihn während des Besuchs gebeten, meinem Sohn und euch ein Kapitel einzulesen und das findet ihr nun hier:

 

 

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