Podcasts für unterwegs: Gegen die Langeweile am Kinderwagen

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Aus den Augen, aus dem Sinn beschreibt sehr präzise, wie ich mich in der Retrospektive an die Jahre seit Julius’ Geburt erinnere. Ich kann mich zum Beispiel durchaus noch erinnern, aber nicht mehr nachfühlen, wie unfassbar strapaziös die vielen durchwachten Nächte mit ihm waren. Was habe ich gelitten. Wie selbstverständlich ist nun wieder, alle Nächte durchzuschlafen – mit Ausnahme selbstredend solcher, in denen hier irgendwer krank ist.

Ähnlich verhält sich das mit der großen Langeweile im ersten Lebensjahr des Kindes. Dazu trägt sicher bei, dass ich ein Jahr in Elternzeit war und in all den Monaten nicht mehr gemacht habe, als neben meinem Baby zu sitzen. Es zu stillen. Es zu wickeln. Es herumzutragen. Schrecklich viel Zeit, ihn einfach zu beobachten. Und nun mag der eine oder andere zu Recht aufmerken: Wie toll. Gewisser Weise ist es das auch. Aber nicht 12 Monate. Ausschließlich. Weil mir das neben dem Baby herumsitzen also schnell zu langweilig wurde, bin ich anstatt zu arbeiten, viel raus mit Julius. Zu neuen Bekannten – ich war ja erst anlässlich Julius’ Geburt nach Berlin gezogen. Der Freundeskreis war überschaubar. Ich ging zu Stillrunden und in Cafés. Noch viel mehr aber trug ich Julius durch Berlin. Entdeckte Kiez für Kiez, Straßenzug um Straßenzug mit ihm im Tuch.

Jedenfalls entdeckte ich in diesen vielen, vielen Stunden unterwegs und neben der Stadt auch eine alte Liebe wieder: Podcasts. Ich habe lange Jahre fürs Radio gearbeitet und während des Studiums mit Kollegen selbst einmal einen Podcast moderiert. Radiobrennt gibt es inzwischen nicht mehr. Irgendwie war die Zeit damals noch nicht reif für das, was die Howard Stern Show bereits vor 10 Jahren in den USA war: sehr erfolgreich. So sehr sogar, dass die Leute damals schon Geld dafür bezahlten. Und das will was heißen.

Irgendwann vor ein paar Jahren scheint die Podcast-Sache hierzulande richtig Fahrt aufgenommen zu haben. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe fabelhafter Radiotalkshow-Formate zum Mitnehmen. Und auch wenn ich sie nicht mehr mit Baby unterwegs höre, weil das Baby als Kind inzwischen zu viel zu sagen hat, als dass ich ihm den Dialog Podcast hörend verweigern würde: wenn ich alleine in der U-Bahn oder auf dem Fahrrad sitze, höre ich inflationär viel, was andere so ins Mikro gequatscht haben.

Und das sind meine Favoriten:

Fest & Flauschig

Kein Vorbeikommen an Jan Böhmermann und Olli Schulz. Ich ahne, dass nicht alle meine Begeisterung für Böhmermann teilen. Aber man muss ihm, wie ich finde, durchaus zugestehen, dass er hierzulande in der Unterhaltungsindustrie einiges voran gebracht hat, wozu sich vorher niemand so recht getraut hat. Unter anderem also Fest & Flauschig. Jener Podcast, der sehr davon lebt, dass die beiden Moderatoren einfach drauf los reden und sind, wer sie sind. Es gibt wohl immer ein grobes Konzept, gewisser Weise eine Agenda – aber keine Manuskripte. Fest & Flauschig will wohl in erster Linie unterhalten, spart aber auch politische und zeitgenössische Momente nicht aus. Ganz im Gegenteil. Wenn natürlich auch immer persönlich vorgetragen. Böhmermann und Schulz haben sicher schon fünf Mal durch dekliniert, welche Snacks sie am liebsten essen. Aber sie reden eben auch über Trump.

Aufwachen!

Über Trump und eine Sondersendung zu seiner Wahl bin ich auch endgültig bei Tilo Jung und Stefan Schulz gelandet. Ich fand Tilo Jung lange schwierig. Jung und Naiv – das Jung als Format an politisch Desinteressierte formulierte – schien mir lange ZU naiv. Aber gewisser Weise hat es sehr früh ein Phänomen beschrieben, dass uns dieser Tage einholt: Dass sich scheinbar vor allem diejenigen politisieren, von denen wir nach 1945 angenommen haben, sie würden nie wieder aufbegehren, Alle anderen indes die Füße still halten und stattdessen sich im Konsum kompromittieren. Ihr merkt schon: die Journalistin in mir kann sich hier nicht zurücknehmen. Ich finde gerade dieser Tage wichtig, sich mit der Welt zu befassen. So düster das alles zu scheint. Aber vom Wegsehen wird es eben nicht besser. Über den Aufwachen-Podcast kann man sicher auch streiten, aber ich finde ihn allein als Alternative zur ansonsten sehr homogen formulierten Presselandschaft sehr dankbar.

Alternativlos

Sehr schön, wenn auch nicht ganz so ernst gemeint wie der Aufwachen-Podcast, ist: Alternativlos. Unter anderem moderiert von Felix von Leitner. Ganz klar: eine Nerd-Kiste. Hier wird im Großen und Ganzen das Zeitgeschehen behandelt. Verschwörungstheorien, Cyberwar, Plasmaphysik oder die Kulturgeschichte von Heroin. Ich kann es nicht anders sagen und wahrscheinlich hätte ich den Podcast auf Platz 1 setzen sollen: Ich liebe ihn. Insbesondere parallel zum Kleinkind-Kosmos und dem Gefühl, darüber intellektuell unter die Räder zu geraten.

Mutterskuchen

Auch wenn es schon eine Weile her ist, ich kann mich durchaus noch daran erinnern, dass ich mich einfach auch sehr, sehr gerne und intensiv über Baby- und Mütterthemen unterhalten haben in diesem ersten Lebensjahr von Julius. Ich meine, dass es den Mutterskuchen-Podcast damals noch nicht gegeben hat. Jedenfalls fand er in meinem Bewusstsein nicht statt und soweit ich das sehe, ist Susanne Mirau nebst Moderationskollegin mit dem Podcast immer noch allein auf weiter Flur. Aber korrigiert mich gerne. Vielleicht bin ich auch einfach zu wenig damit befasst. Ich lese jedenfalls ihren Blog ganz gerne und wem das genauso geht, wird mit Mutterskuchen sicher auch gut bedient.

Gästeliste Geisterbahn

Erst kürzlich über die Empfehlung eines Freundes entdeckt und gleich gemocht: Gästeliste Geisterbahn. Wer in den 90er Jahren Viva geschaut hat, kann sich sicher an Nilz Bokelberg erinnern. Der ist unter anderem im Moderatoren-Dreiergespann mit dabei. Der Podcast ist vor allem Klamauk – letztlich drei Typen, die sich vor allem innerhalb einer Reihe an Anekdoten rund um ihr Leben bewegen. Kann man machen.

Deutschlandfunk – Das Feature

Immer machen bzw. reinhören kann man auch in die vom Deutschlandfunk produzierten Features. Ich muss ja gestehen, mehr Deutschlandfunk als Musik zu hören – so über den Tag. Insofern ist das Feature für mich die konsequente Podcast-Fortsetzung meiner Hörgewohnheiten. Die Features sind jedenfalls immer fantastisch produziert – sehr dicht, wie man unter Radioleuten sagen würde und immer eine Bereicherung. Zumal man hier auch nie wahllos zugequatscht wird, sondern sich die Themen nach dem eigenen Gusto aussuchen kann und die Inhalte scheinbar immer so abseitig sind, dass sie über die Berichterstattung in der Tagespresse, den Onlinemedien hinaus reichen. Zum Beispiel: Unterwegs mit Straßenbau-Ingenieuren im Himalaya. Oder: der weltweite Kampf um Lohn und bessere Arbeitsbedingungen.

BBC – In our time

Wer darüber hinaus auch noch sein Englisch aufpolieren will, ist mit der Podcast-Reihe In our time des BBC gut beraten. Selbstverständlich aber nicht nur deshalb. Vielmehr hat der BBC regelrecht ein Archiv an Podcasts eingerichtet, die nach Fachgebieten sortiert sind: Philosophie etwa, Geschichte oder die Naturwissenschaften. Unbedingt empfehlenswert. So oder so.

 

Titelbild: Kopfhörer von Urban Outfitters

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