Is Life Really that Perfect? Mütter auf Instagram

INSTADass Mütter mitteilungsbedürftig sind, das wusste ich ja schon immer. Und seit ich auch zum Mama-Clan gehöre, bin ich selbst der beste Beweis. Ich könnte Tage und Wochen nur über mein Mutter-Dasein quatschen, hunderte Anekdoten über mein Kind erzählen und tausende von Fotos zeigen. Fotos! In Zeiten von Smartphone-Kameras werden Kinder von Tag Eins an täglich zig-mal fotografiert und gefilmt. Und ich behaupte jetzt einfach mal: alle tun das. Und dann posten viele das Foto bei Instagram.

Mamas auf Instagram – ein Phänomen

Wo wir bei einem Phänomen angelangt wären. Denn das Verhalten vieler Mütter auf Instagram finde ich einfach nur interessant. Was da an Austausch, an virtueller Freundschaft und Diskussionen abgeht! Würde ich eine Master-Arbeit in Kommunikationswissenschaft schreiben, ich würde sie darüber schreiben. Viele Mütter leben auf Instagram, sie kommunizieren scheinbar den ganzen Tag lang.

Und: es gibt unglaublich viele Mamas, die dort das absolut perfekte Leben darstellen. Wunderschöne Kinder in teuren Klamotten und durchgestylten Kinderzimmern. Morgens liegt da ein zuckersüß schlummernder Säugling im neuen Mini Rodini-Strampler zwischen den perfekt pedikürten Füßen, mittags gibt es fröhliches Hüpfen inmitten des todschicken Kinderzimmers, abends ein selig schlafendes Baby in der sauberen Bettwäsche. Dazu das Lieblings-Hashtag: #widn. What I’m doing now. Damit connecten sich die Mamis, informieren sich, was die andere gerade so macht. So ganz nebenbei! As if!

Sieht so das Leben mit Kindern aus? Nein, natürlich nicht. Ab und an gibt es kleine Anekdoten unter den Bildern, da klagt eine Superperfekt-Mama auch mal über Stillporobleme oder darüber, wie hart die Nacht war (“Up since 4.45 am, what’s a girl got to do?”). Darunter zig Kommentare, aufmunternd, ratend, alles furchtbar nett. Viele Mütter schicken sich auch gegenseitig Briefe, Pakete, Postkarten… Richtige Freundschaften scheinen da unter dem Deckmantel der schönen Bilder zu entstehen.

Alles inszeniert – und trotzdem kann man nicht wegschauen

Und obwohl wir ja alle wissen, dass das meiste Inszenierung ist, dass die Bilder bearbeitet und gestellt sind, dass es sich nicht um zufällige Schnappschüsse handelt, scheint es vielen zu gefallen, sich solche Super-Mütter mehrmals täglich anzusehen. Zumindest haben viele von ihnen eine Riesen-Followerschaft! Und ich gestehe – ich bin einer der heimlichen Voyeure…
Hier meine liebsten crazy Mama-Accounts:

chloeuberkid – 4 Kinder, 44.000 Follower. Diese Kinderzimmer! Diese Kinder! Diese Bilder. Wie kann man 4 Kinder haben und alles so sauber und schick halten? Chloe ist eine wahre Uber-Mama. Und sie muss außerdem uber-reich sein….

Gray Benko –  2 Kinder 27.000 Follower. Hier ist eine Fotografin am Werk und das sieht man. Wunderschöne Bilder, ich kann es nicht anders sagen. Jedes Foto sieht aus als wäre es ein Mode-Shooting für Kinder oder etwas Ähnliches.

Kowaleen –  3 Kinder, 29.000 Follower. Perfekt beleuchtete, perfekt durchgestylte Bilder. Wie könnte es auch anders sein.

dancewithdirtyfeet –  5 Kinder, 21.000 Follower. Hier haben wir eine richtig Besessene: Monochrome Addict triffts wohl ganz gut. Dieses Feed ist fast komplett in schwarz-weiss gehalten! Ob die Kinder das auch schön finden? Optisch macht es natürlich was her.

allieroyal – 2 Kinder, 53.000 Follower. Auch hier wird scheinbar täglich ein Profi-Shoot organisiert. Zu schön um wahr zu sein!

freeandwildchild – 2 Kinder,  34.000 Follower. Hier haben wir eine echte Fashion-Addict-Mama! Die Kids tragen immer die neuesten Teile der angesagtesten Labels. Ach klar, und die Bilder sind auch schön…

Das sind nur ein paar Accounts. Es gibt unzählige weitere. Auch in Deutschland sind die IG-Mamas auf dem Vormarsch. Viele machen Instagram richtig professionell, dahinter steckt oft ein Shop, ein Label, ein Magazin. Auch die Super-Mama-Blogger aus den USA wie Love Taza (340.000 Follower), Bleubird (227.000 Follower) und Joanna Goddard (59.000 Follower) nutzen Instagram natürlich wie wild. Als Marketing-Strategie ist das auf jeden Fall ziemlich schlau und erfolgreich. Viele scheinen es aber auch einfach zu genießen, ihr Privatleben zur Schau zu stellen. Und dank geschickter Vernetzung pushen sich die Muttis gegenseititg und verhelfen sich zu einer immer größer werdenden Followerschaft.

Cleveres Marketing, pure Selbstinszenierung und echte Freundschaften

Auch ich bin Instagram-süchtig. Nicht nur für littleyears poste ich gerne Bilder, auch mein privater Account platzt aus allen Nähten. Instagram macht mir Spaß, weil es verbindet. Weil man schöne Erinnerungen auf einfachste Art und Weise für immer aufbewahren kann. Vor kurzem habe ich ein Blurb-Fotobuch machen lassen, mit all den Instagram-Bildern aus Xavers erstem Jahr. Damit, dass ich die Rechte auf meine Bilder durch das Posten quasi abgebe, habe ich mich mitterweile abgefunden. Damit, dass ich Bilder von meinem Kind poste, weil ich einfach nicht anders kann, auch. Ich versuche, schöne Bilder zu posten, die auch für Xaver eine Erinnerung sind und für die er sich (hoffentlich) nie schämen wird. Nur sieht bei mir irgendwie nie alles so perfekt aus. Vermutlich habe ich einfach nicht die richtige Bild-Bearbeitungs-App. Oder ich lasse mein Kind einfach zu oft dreckig und unfrisiert!

Obwohl Instagram also wirklich Spaß macht, darf man sich keiner blenden lassen und man muss sich einfach immer wieder einreden, dass es sicher auch bei den perfekten Insta-Mamas nicht immer so aussieht, wie auf den Bildern. Es ist wohl so, wie Gray Benko in ihrem Profil schreibt: This is my life, or at least what I want you to see of it. Nicht mehr und nicht weniger!

Und jetzt bin ich neugierig: Was haltet ihr vom Insta-Hype? Stellt ihr Bilder eurer Kinder online?

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