Familienbett und kein Ende (in Sicht)

Familienbett

Mein Sohn und ich wir schlafen in einem Bett, seitdem er geboren ist. Bis auf die Nächte, die er bei seinem Vater, seinen Großeltern, Freunden übernachtet hat, liegt er neben mir auf der Matratze. Oder besser gesagt: Ich liege neben ihm auf der Matratze auf den wenigen Quadratzentimetern, die neben so einem kleinen (großen) Kind überhaupt frei bleiben.

Es gibt wohl Nächte, in denen ich mich ärgere, dass er seinen Fuß im Schlaf gegen meinen Bauch rammt; Er sich so sehr an meinen Körper wanzt, dass ich ihn regelrecht umlagern muss, um Platz neben ihm zu finden. Aber ansonsten: Mag ich unser Modell und nach nun 5 Jahren immer noch. Vermisse ich ihn eher, sobald sein kleiner Körper einmal eine Nacht nicht unser Nachtlager vorgewärmt hat, als dass ich ihn mir in sein eigenes Bett wünschte.

Denn so ein eigenes Bett: das hat er natürlich trotzdem, auch wenn er immer noch kein eigenes Kinderzimmer hat. Aber eben eine Kinderzimmer-Insel in unserem recht großen Schlafzimmer. Jenes Bett wird dieser Tage wiederum maximal zum Höhlenbauen genutzt, wenn die Kitafreunde zu Gast sind. Noch nie hat Julius darin hingegen eine Nacht vollständig alleine geschlafen. Auch in allen anderen Bettformen, die wir hier so hatten im Übrigen nicht.

Familienbett ab der ersten Nacht im Krankenhaus

Alles fing damit an und das habe ich hier auch schon einmal geschildert, dass ich ihn am Tag seiner Geburt im Krankenhaus nicht in diesem Plastikbettchen sehen konnte – ich das starke Bedürfnis hatte, dieses Kind einfach an meine Seite in das – wenn auch enge – Krankenbett zu legen. Ich tat das damals in einem Umfeld und in einer medialen Öffentlichkeit, die – aus meinem Erleben heute – immer noch sehr von dem Eindruck geprägt war, damit sei der plötzliche Kindestod quasi vorprogrammiert. Das Baby müsse auf jeden Fall auf einer eigenen Matratze ohne Nestchen in einem Schlafsack untergebracht sein. Beistellbett war 2012 schon Standard, aber bei der Kinderärztin hingen noch Plakate, die davor warnten, das Baby neben sich einschlafen zu lassen.

Ich habe den Eindruck, seitdem hat sich nochmal einiges getan. Wahrscheinlich auch, weil das Thema Attachment Parenting inzwischen ein so großes ist oder Artikel wie dieser hier über die Verhältnisse in von der industrialisierten Zivilisation abgeschnitten Strukturen Einzug halten in unserer medialen Öffentlichkeit. Dabei bedürfte es gar keiner Formel oder eines Vergleichs, habe ich immer wieder den Eindruck, wenn wir es alle schafften, einfach mehr auf unser Gefühl zu hören. Wenn uns nicht immer wieder unsere Kognition, die Meinung anderer, vermeintliche Traditionen verleiteten, das gute Bauchgefühl zur Seite zu schieben.

Meine Intuition hat nie Alarm geschlagen

Meine Intuition hat jedenfalls noch nie Alarm geschlagen, dem Baby, dem Kind neben mir könne etwas passieren, gar neben mir ersticken. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass ich gerade in der Zeit, als Julius noch Mini war, viel enger mit ihm verbunden war als ich das vielleicht gewesen wäre, wenn er in einem eigenen Bett oder sogar in einem anderen Raum geschlafen hätte, deshalb viel schneller reagieren konnte, wenn irgendwas war. Julius’ Vater hat einmal gegenüber Freunden gesagt, Julius käme ja gar nicht ins Weinen oder Schreien, weil ich meist schon bei kleinsten Regungen wach würde. Und so habe ich das bis heute auch noch in Erinnerung. Es gab wohl ein, zwei Situationen, in denen ich aufwachte und mein Baby unter unserer Decke wiederfand. Aber auch da: Ich glaube, dass ich gerade deshalb dann wahrscheinlich und rechtzeitig aufgewacht bin, weil mich meine Sensoren für das neben mir liegende Kind dazu getrieben haben, ehe so etwas wie zu wenig Sauerstoff am Kopf des Babys hätte sein können.

Und klar, vielleicht ist diese Familienbett-Nummer für andere aus ihrem Gefühl heraus so rein gar nichts. Weil sie sich damit einfach nicht wohl fühlen. Geht auch klar. Voll sogar. Ich kann ebenso nicht sagen, wie lange das bei uns noch so läuft. Tendenziell steht hier ja auch und zur Einschulung eine größere Wohnung nebst eigenem Kinderzimmer an. Oder ich schaffe es doch irgendwie, diese eigentlich in Quadratmeter ausreichend groß angelegte Wohnung so aufzuteilen, dass wir hier weiter klarkommen. In New York schaffen die Leute das doch auch irgendwie. Ich staune immer wieder über diese Familie hier. Freunde von uns haben zu dritt sogar bis vor einem halben Jahr und ehe sie nach Irland zogen in einer 1-Zimmer-Wohnung gelebt, dessen Hauptraum sie in drei kleine Zimmer unterteilt haben.

Wie dem auch sei, wenn es so ein eigenes Kinderzimmer gäbe, denke ich manchmal – vielleicht würde mein Sohn dann einfach von selbst flügge. Bei einem Kita-Freund von Julius ist das gerade so, wollte das Kind – wenn es auch sehr früh schon ein eigenes Bett hatte – eine jede Nacht ab einem gewissen Zeitpunkt zu seinen Eltern ins Bett. Dann bauten die vor kurzem eine Hochebene im Kinderzimmer ein und seitdem ist: Ruhe im Elternbett.

Denn ja klar, im Moment finde ich noch vornehmlich schön, wenn er neben mir schläft. Aber ich habe durchaus den Eindruck, dass sich meine Einstellung mehr oder weniger bald dahingehend auch verändern könnte. Mein Baby ist nunmal keines mehr und auf ewig neben diesem das Bett belagernde Kalb auf wenig Platz zu liegen, ist langfristig sicher irgendwann dann doch zu unbequem.

 

 

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