Bericht aus dem Wochenbett – Schwitzen, Heulen, Kuscheln

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Wer sich wundert, wieso hier so kurz nach der Geburt meines Sohnes immer wieder Posts von mir auftauchen: Die waren natürlich zu 95% vorbereitet. Schließlich befinde ich mich seit Tag X wie Xaver im Wochenbett. Und das heißt, wie meine Hebamme nicht müde wird zu betonen, nicht ohne Grund so. Man soll mehrere Wochen ruhen, am besten gleich sechs, denn erst dann ist die Rückbildung komplett. Ich halte es moderner. Wochenbett so lange, wie man sich danach fühlt. Bei mir hieß das: eine Woche komplett im Bett, eine Woche ums Bett herum. Und auch jetzt will ich es einfach sehr ruhig angehen lassen, man merkt sehr schnell, was geht und was eben noch nicht.

Vor allem im Frühwochenbett braucht man besonders viel Ruhe und Pflege und die sollte man sich nehmen und holen. Keine körperliche Arbeit, Besuch nur in Maßen und volle Konzentration auf das Neugeborene und den eigenen Körper. Liegen, schlafen, schwitzen (Wassereinlagerungen und Hormonumstellung …), und weinen (Baby Blues …). Die Geburt muss verarbeitet werden, die neue Situation ist oft krasser als gedacht und man muss auch das eigene Baby erst mal kennenlernen.

Wie lief es also bei mir?

Wir sind bereits ein paar Stunden nach der Geburt nach Hause gefahren. Das hatten wir uns so gewünscht und ich fand es gut zu wissen, dass man nicht im Krankenhaus bleiben muss, wenn man nicht will. Wir waren super vorbereitet und kamen tatsächlich von Anfang an mit allem wunderbar zurecht. Außerdem kam jeden Tag die Hebamme um Fragen zu beantworten und Unsicherheiten zu klären.
Seitdem lasse ich mich also von meinem Freund betüdeln und bekochen, und mache das, was man machen soll: Viel kuscheln, mich immer mehr in meinen zuckersüßen Sohn verlieben, Stillen lernen, ab und zu Besuch empfangen und Unmengen von Stilltee trinken.
Jeden Morgen dusche ich ausgiebig, lege immer ein bisschen Make-up auf (Concealer! Mein bester Freund. Obwohl ich sagen muss, dass Xaver wirklich gut und lange schläft), hülle mich in eine weite Hose und ein knöpfbares Oberteil und der Tag kann beginnen. Der geht dann  auch immer rasant um, alle paar Stunden stillen, wickeln, kuscheln, Baby ankucken, vielleicht noch ein Besuch und schwupp! Ist schon wieder Abend.
Die berühmten Heultage sind mir erspart geblieben. Ich war nur ein paar Mal zu Tränen gerührt. Auch Haarausfall, Hämorrhoiden, Verdauungsprobleme und Ähnliches: Fehlanzeige. Das einzig richtig Unangenehme waren ziemlich starke Nachwehen, was aber eigentlich kein schlechtes Zeichen ist, solange der wundervolle Wochenfluss (so nennt man die Blutungen nach der Geburt. O-Ton Hebamme „Dafür hatte man ja die neun Monate in der Schwangerschaft keine Periode!“) anhält.
Und sonst? Ich finde es schön!
Mein Freund und ich erwischten uns irgendwann dabei, dass wir die Baby-Gesten unseres Sohnes übernehmen, wir machen viel „dutzi dutzi“ und natürlich hunderttausend Fotos von Baby schlafend, Baby wach, Baby gähnend, Baby milchtrunken, Babys Füßchen…

“My wife and I were intellectuals before we had children.“

An dieses Zitat von Bill Cosby muss ich immer wieder denken. Da ist was dran. Man wird ein bisschen Wochenbett-debil, vor Müdigkeit und Liebe – aber ist das nicht eigentlich wunderschön?
Am zehnten Tag war ich das erste Mal kurz spazieren. Der Beckenboden drückte noch ordentlich aber es war toll, langsam wieder ins echte Leben zurückzukehren. Auch jetzt packt mich fast täglich eine Art Wochenbett-Koller. Ich gehe also immer öfter kurz raus, spazieren, Einkäufe machen und Freundinnen treffen.

Das muss aber jeder machen, wie er sich fühlt. Ich kenne viele, die sich vier Wochen eingesperrt haben und auch das ist völlig legitim und sollte von Freunden und Familie akzeptiert werden.
Allgemein gilt in Sachen Wochenbett, wie bei allem, was mit Babys, Schwangerschaften, Kindererziehung, und Geburt zu tun hat: Es gibt keine festen Regeln. Jeder sollte nach Gefühl handeln und auf seinen Körper und seine Bedürfnisse hören. Das ist vielleicht der einzige Tipp, den ich geben kann: Hört auf eure Instinkte, nehmt euch was ihr braucht und versucht (mal wieder) das Wochenbett trotz all der doofen Nebenwirkungen einfach zu genießen!

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